Dienstag, 1. Mai 2012

Die Causa #Friedrich und #facebook: Nur Gewinner, keine Verlierer


Ob es wohl bald eine "Causa Friedrich" gibt, wie das bei Christian Wulff der Fall war? Jedenfalls gibt es nach der Handlung Friedrichs keine Verlierer, nur Gewinner.

Wie SpiegelOnline, SPON, berichtete, veröffentlichte Ariane Friedrich ein an sie adressiertes Anschreiben inklusive Foto welches ihr auf Facebook zuging. In diesem habe sich ein Nutzer, einer von nach eigenen Aussagen diversen Anderen unter Zuhulfenahme verschiedener Medien, anzüglich geäußert, seinen Penis als Foto angehängt und ihr eindeutige Angebote gemacht.

Nach Emden, als ein, sich später als unschuldig erwiesener, Jugendlicher u.a. per Facebook mit vollem bürgerlichem Namen publik gemacht wurde, ein weiterer "prominenterer" Fall der Weitergabe privater Nachrichten aus einem "sozialen Netzwerk" an die "Öffentlichkeit". Schließlich kann und muss damit gerechnet werden, dass Medien wie SPON dies lesen und darüber berichten.
Womit dann weitere Nutzer und Menschen aufmerksam werden und sich dies zahlreich weitertragen dürfte.


Ursprünglich ging die Nachricht an Friedrich selbst - der Absender hätte auch keinen größeren "Vorteil" daraus gezogen, öffentlich bekannt zu geben mit Friedrich gerne sexuelle Handlungen vollziehen zu wollen und sein entblößtes Geschlechtsteil zur Schau zu stellen. Erstens hätte er dafür keine größere Bühne gefunden. Zweitens wäre eine Anzeige und folgende Verurteilung infrage gekommen.
Per Facebook, oder allgemein virtueller Übersendung an eine Einzelperson, kann derjenige aber davon ausgehen, dass die Zielperson allein oder wenigstens hauptsächlich genannte Nachricht liest.
Mit der Veröffentlichung sollte man aber rechnen, weshalb dies rational nicht unter den realen, bürgerlichen Namen erfolgen sollte.
Des Weiteren bringt eine solche Übersendung auch recht wenig, selbst wenn es das reale Profil der Sportlerin gewesen sein sollte; auch hier darf man getrost eine "vorherige Prüfung" durch andere Menschen annehmen, gerade wenn der angebliche Profilinhaber eher wenig Zeit für solche Nutzung aufbringen kann. Bei einer Hochleistungssportlerin akut im Training und Wettkampfvorbereitung stehend, darf man das annehmen.

Sich darüber anscheinend so "aufzuregen" um folglich zur Veröffentlichung zu greifen, resultiert aber aus genau dem Motiv, welches auch den ursprünglichen Absender zur Handlung motivierte: Es ist möglich, effizient, leicht umsetzbar, kaum nachzuvollziehen und garantiert Aufmerksamkeit.
Selbst wenn über eine halbe Milliarde Menschen bei Facebook registriert sein sollten, grenzt es an Wahnwitz, dem "Netzwerk" einen "öffentlichen Charakter" beimessen zu wollen. Das kommt so vor, als wollten Menschen dies unbedingt tun, da es "nun endlich etwas gibt", was "immer gewollt" wurde. Und das will man sich jetzt eben "nicht nehmen" oder "kaputt machen" lassen.
Facebook ist aber ein privatwirtschaftliches Unternehmen, welches bis dato nicht genutzten digitalen Raum erschließt und folgend "öffentlichen Raum" monopolisiert, zumindest innerhalb der Struktur.
Auch daraus lässt sich, wie bei angeblicher "Tyrannei der Masse" oder Kritik von Mandatsträgern wie Lammert, etc., ein "Klarnamenzwang" ableiten - denn nur so lassen sich solche evtl. Probleme oder "Missetaten" verfolgen.

Verfolgen - und auch das ist wichtig - zunächst außerhalb rechtsstaatlicher Kontrolle und Funktionen, denn diese existieren ja real. Es mag zwar "einfacher" sein bspw. zu "stalken", wenn man sich an das StGB hält, weil das Internet und solche Angebote schnelle und angeblich "anonyme Vernetzung" ermöglichen.
Aber auch dabei bleiben IP-Adressen eindeutig verortbar und lassen Rückschlüsse auf die Nutzer zu; nach staatsanwaltschaftlicher bzw. richterlicher Anordnung werden die Provider-Daten mit den IP-Adressen verglichen und somit bürgerliche Menschen ermittelt. Welche dann der Strafverfolgung übergeben werden können.
Die interne "Verfolgung", also im "Netzwerk" selbst, wird ersatzweise zu einer Art "Selbstreinigung" und bedingt bzw. zeigt einen "Elitarismus" der Nutzer. Diese kritisieren untereinander stärker statt des Betreibers, Facebook, selbst. Im Gegenteil sehen sie das Unternehmen gar als "Partner" bei der Realisierung der "eigenen Online-Persönlichkeit" an.

In der "Causa Friedrich", welche nicht die letzte diesbezüglich bleiben dürfte, gibt es keine "Verlierer", sondern nur "Gewinner".
Wobei - vielleicht kann man "den Rechtsstaat" und rechtsstaatliche Verfahren als "teilweisen Verlierer" begreifen.
Es gibt drei bis vier "Akteure" bei diesem Vorgang - das Publikum ist zunächst "passiver Zuschauer".

Facebook
Am Einfachsten lässt sich das Resultat für Facebook fassen: Durchweg positiv. Das Unternehmen kommt in den Medien vor, erzeugt mal keine schlechten Nachrichten, da es für die Versendung der Nachrichten nichts kann und dagegen prinzipiell auch nichts unternehmen kann. Ansonsten schränkte man die Kontaktoptionen für "neue Freunde", also Menschen, die man vielleicht noch nicht "kennt"/"kannte", worauf u.a. der spätere Gewinn Facebooks bei Interaktion und Vernetzung basiert, zu sehr ein.
Die sich darauf hin in den Medien entsponnene Diskussion führte dann zu höheren Zugriffszahlen und folgend steigenden Werbeeinnahmen des Unternehmens.
In obiger Hinsicht, bzgl. "wahnwitziger Überschätzung", ist ohnedies auch zukünftig nicht davon auszugehen, dass Facebook seine Profile und Nutzer wird eindeutig bürgerlichen Namen und Menschen zuordnen können.
Egal wie restriktiv man auch werden, wie sehr man den Nutzer auch zur Selbstdemütigung zwingen wird um überhaupt "dabei bleiben" zu dürfen: Ohne Kontrollen von nicht gestohlenen/kopierten Lichtbildausweisen zur Anmeldung/Nutzung lässt sich "Authentizität" nicht gänzlich gewährleisten. Und letztere wären erneut höhere Nutzungsbarrieren, welche die Kosten der Nutzerabschreckung womöglich nicht aufwögen.

Der Absender
Er muss eigentlich davon ausgehen, dass seine Nachrichten irgendwann veröffentlicht werden könnten, gerade wenn die Übersendung fast schon "spamartig" und zusammenhanglos erfolgt.
Daher wäre die Wahl eines Pseudonyms oder anderer Identitäten rational. Eine korrekte namentliche Zuordnung muss ein halbwegs intelligenter Nutzer bei solchen Aktivitäten bereits im Ansatz vermeiden; krankhaftes Verhalten, welches ärztliche Behandlung benötigt und den Kranken aufgrund "echter Kontaktsuche" und "Beziehungswunsch" vielleicht auch zum "ehrlichen Auftreten", also Namensnennung, "zwingt".
Wurde also ein Phantasieprofil gestaltet und ein anderer Name angegeben, kann die Veröffentlichung maximal anderen Menschen Probleme machen. Den Nutzer selbst bekommt man nur nach Erhalt der IP-Adresse und der Provider-Abfrage. Oder bei Dummheit oder Krankheit seinerseits.
Letztendlich konnte er seine Nachricht, im Regelfall, unkontrolliert und "folgenlos", absenden und gewisse Neigungen oder Motive befriedigen.

Ariane Friedrich
Bei ihr ist die Sache nicht ganz so eindeutig. Zwar profitiert auch sie von publicity, denn "auch schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten", welche man bei bevorstehenden Wettkämpfen und späterer medialer Präsenz sicher brauchen kann.
Allerdings ist ein "ungeschriebenes Gesetz", dass in hohem Maße vorallem Frauen von "Stalkern" und diversen Kompromittierungen der Privatsspähre bedroht und betroffen sind.
Ihre "Rechtfertigung" bzw. Erklärung zur Veröffentlichung aber macht wenig Sinn: Wann "es mal reicht" und man nicht mehr "doppeltes Opfer" sein wolle ist unklar. Qualitativ ist das kaum zu fassen, dürfte diese Nachricht doch vermutlich nicht die Erste mit einem entblößten männlichen Genital gewesen sein. Das macht es selbstredend nicht besser oder verzeihbar.
Es heisst nur, dass dem offensichtlich eine quantitative Ansicht zugrunde liegt, sie also "von jetzt auf gleich" entschied, dass es "nun reicht". Es hätte also auch bei jeder anderen, früheren oder späteren, Nachricht passieren können.
Folglich ist dies eine möglicherweise impulsive, emotionale, mindestens aber funktionalistische Handlung, welche gewissen Erwägungen unterliegt.
Zumal davon auszugehen ist, dass man sich bei Dingen, die große mediale Präsenz und evtl. "Beeinträchtigung der Person"bedingen könnten, mit Menschen wie einem Manager abspricht. Wäre dies geschehen, spräche auch das gegen eine "spontane Entscheidung".
Die "doppelte Opferrolle" ist im Übrigen jedem, der halbwegs nüchtern und rational über Frauen mit gewissen Attributen, wie "Attraktivität" oder "Erfolg", also Übereinstimmung mit einer an andere Menschen übergebene Norm welche von letzteren selbst nicht immer erreicht werden kann, längst bekannt. Friedrich ist nicht die Erste und wird auch nicht die Letzte Frau sein, der solche Dinge zugeschickt werden - egal ob per Post, telefonisch, Nachstellungen oder virtuell.
Die Qualität ist nur bedingt eine andere - die Möglichkeit zur Verbreitung und Gelegenheitsstrukturen ändern sich.

Das alles mutet ein wenig wie "es muss doch mal gesagt werden dürfen, dass..." an. Ein "Tabubruch" eben. Etwas, was vorher nicht war tut jemand und setzt sich dann die Federn dafür auf.
Denn je nachdem, wie es medial und öffentlich aufgenommen, bearbeitet und historisiert werden wird, kann man sich damit auch "Meriten" verdienen.
Außerdem tut man sich mit gewissen Dingen, die man womöglich tatsächlich "schon immer mal tun" oder "sagen wollte", leichter, wenn andere Menschen "das Eis brechen" und man auf gewisse Weise nur "nachziehen" und "ins Gleiche Horn blasen" kann/muss. Und die Themen Emden, die diversen über Facebook angebahnten "Parties", etc. boten eine Grundlage dafür.
Hätte man die "doppelte Opferrolle" nämlich ablegen wollen, so hätte man diverse Medien-Interviews oder Auftritte bei Werbern, etc. nutzen und dies aussprechen können.
Dass man selbst und andere Frauen ständig von irgendwelchen Männern "belästigt" werden, man hätte dieses Thema auch zusammen mit anderen Frauen größer in die Öffentlichkeit tragen können.

All dies geschah nicht.

Stattdessen springt man auf einen Zug auf, der längst rollt und Aufmerksamkeit garantiert: Facebook. Und verweist auf einen Anderem im Nebengleis, welcher schon immer mitfuhr und den bei den großen Leistungen, Körpern, Medaillien, Geld, Medien, etc. anscheinend niemand so recht sehen möchte: Die Beschränkung und Einschränkung von Privatssphären.
Dies geschieht im Übrigen auch mittels und in den gedruckten Medien, noch heute. Nur dürfte es dort einfacher sein, dies in Aufmerksamkeit zu verwandeln.
Virtuell ist das, bis auf den "gewollten Tabubruch" kaum möglich.

Für (gedruckte) Medien ist dies im Übrigen auch ein Gewinngeschäft - werden viele doch schon wegen "Facebook" reinlesen und "Neues" suchen. Die Aufmerksamkeits- und Empörungsökonomie schlägt zu. Werbeeinnahmen der Medien wachsen, ihre Bedeutung ebenso.