Dienstag, 29. Mai 2012

Warum "politische Blogs" nicht reüssieren - wenige Anmerkungen

Häufig wird gefragt, weshalb "politische Blogs" in Deutschland nicht oder weit weniger reüssieren als in den USA.
Meist verknüpft mit positiven Gedanken und Ansichten über Blogs und deren Einflüsse allgemein.

Im Gegensatz zu Anderen sehe ich wenige, konkrete Anhaltspunkte.
Zunächst einmal scheinen recht "viele" solcher Blogs zu existieren.
Die "politischen TOP-Blogs" geben mehr als zehn solcher an - sucht man noch ein wenig weiter, findet man eine Unzahl, die sich mit politischen Themen befassen.
Die Folge: Zu viel zu wenig relevanter Content.
Oder: Relevant könnte bzw. kann der Inhalt schon sein, gelesen und gesehen bzw. referenziert wird er nicht oder zu wenig.
Viele Blogs beziehen ihre Themen aus den Medien, meist sogar Mainstreammedien, und werden von diesen im Gegenzu nicht erwähnt. Sie degradieren sich deshalb zu einem Neben- und Nischendasein.
Dem könnte man nur entgehen, indem man stärker einander beachtet, die Blogs untereinander diskutieren und für die Blogosphäre und das Internet referenzieren.
Kein "Inzest", keine Abstimmung sich nur oder verstärkt auf gewisse Themen zu konzentrieren.

Aber von den Mainstreammedien haben Blogs, gerade politische Blogs, nichts zu erwarten.
Und sofern sie nicht die eigenen finanziellen und personellen Möglichkeiten besitzen um an Insiderinformationen bzw. "Scoops" zu kommen, muss man wenigstens eine Art "Zirkel" ohne die bekannte und teilweise "gefüchtete" Filterbubble bilden.
Denn wenn im Internet und nicht in Zeitungen oder Magazinen nach Informationen gesucht und diskutiert werden soll, dann muss es eine Blogosphäre geben, die einander bekannt ist und einander beachtet.
Mehr jedenfalls als andere Medien, welche "Vorfeldarbeit" im Sinne des bekannten Personen- und Finanzkräftigen Journalismus betreiben.


Und wenn es tatsächlich stimmt, dass Leser und Menschen, die online nach Informationen und Meinungen suchen, dies tun weils sie den Mainstreammedien "Voreingenommenheit"vorwerfen, dann muss man sich nicht nur auf größere, durch Links belegte Beiträge konzentrieren, sondern immer auch kürzere Meinungsbeiträge einstreuen.
Apercus, die gut und schnell gelesen werden können, aber nicht zu platt oder undifferenziert sind.
Und gewisse abseitige Themen, die von Medien nicht thematisiert werden sollten von "politischen Blogs" aufgegriffen werden.
Ein Porträt über Norbert Röttgen, "Wahlverlierer" CDU, ist zwar nicht falsch und regt auf in einem Blog zum "Nachdenken" an. Aber eben weder zu Kommentaren, noch zum Verlinken oder Referenzieren.
Es müssen Dinge beschrieben werden, die man so kaum oder gar nicht liest.

Kritisiert wurde, es würde sich zu stark "um sich selbst gedreht" und zu wenig "geöffnet". Das mag sein, aber wie will man sonst gegenüber den Mainstreammedien bestehen, die ja auch ihr Online-Geschäft und ihre Präsenz ausbauen?
Sie arbeiten ja mittlerweile wie Facebook und neigen aufgrund hoher Nutzerzahlen zur Monopolisierung der Zugriffe bzw. Verweise.
Man kann zwar kommentieren - Verweise oder Links auf eigene Blogs sind aber eher unerwünscht, vgl. ZEITOnline.
Wobei das keine "Werbung" im eigentlichen, kommerziellen Sinne darstellt; es könnte nur zu verlustigem Traffic bei der Zeitung und ihrem Onlineangebot folgen, was sie nicht intendieren und im Sinne Verwertung auch nicht dürfen.
Um Nutzerzahlen zu ziehen muss man als Blog aber entweder "stark" und daher stark verlinkt und gelesen oder eben auf solchen Seiten präsent sein.
Es wurde zuletzt getestet und bei korrekter Referenzierung zogen die Nutzerzahlen des Blogs massiv an.

Außerdem hilt es nicht, viele Blogs aufsuchen zu müssen. Es fehlt eine Art "Leitblog" oder eine "Auflistung", welche auf gewisse Themen weiterleitet und aufzeigt wo man welche Befassung findet.
Denn wer glaubt, personen- und finanzknappe Blogs könnten sich mit allen ansatzweise gesellschaftlich relevanten Themen auch redundant befassen, der irrt.
Das wird nur dazu führen, dass es auch weiterhin keinen messbaren und relevanten Einfluss der Blogosphäre geben wird.
Genau dieser aber kann generiert werden.
Ich will gar nicht wissen, wie oft Journalisten bereits in Blogs etwas lasen, merkten dies sei korrekt und "interessant" und die aufgenommenen Gedanken in späteren Diskussionen und Talkshows einstreuten.
Dem Blog bringt das aber wenig bis nichts, da die Quellen im Interesse des Journalisten und der Presse nicht genannt werden dürften. Und genau das ist ein Problem.
Erfolgt aber eine fast "zirkuläre Blog-Befassung" ohne dies inhaltlich zu reglementieren oder Dinge vorzugeben und Kreativität zu nehmen, können im Internet suchende und stöbernde Menschen diese Inhalte und Referenzen mit genauem Datum auftun. Kommt dies häufiger vor, könnte es dazu kommen, dass zunächst im Blog geschaut und dann in anderen Medien gelesen wird. Oder wenigstens beides erfolgt.