Samstag, 5. Mai 2012

Kameraführung bei #wahlarena im #wdr suggestiv - #nrw12


In Frankreich werden bei aktuellen TV-Duellen im Wahlkampf zwischen Amtsinhaber Sarkozy und Herausforderer Hollande für die Stichwahl am Sonntag diverse, zunächst nicht nur umfangreich, sondern fast schon "lächerlich", anmutende Regeln und Strukturen aufgestellt.

So soll Sarkozy nicht schwitzen, wie es im letzten Präsidentschaftswahlkampf gegen Segolene Royal geschah: Dies deutete eine "mangelnde Souveränität" an.
Hollands nicht vorhandener Haarschopf soll nicht ins Bild kommen, ebenso wenig die geringere Größe Sarkozys.

Eine eigentlich seltsame Herangehensweise ist der Verzicht auf Überblendungen auf den Kontrahenten während einer von Beiden spricht.
Was damit verhindert werden soll, merkt man auch in Deutschland.
Als der Vertreter der Piratenpartei für den Wahlkampf NRW, Paul, über das "teuerste Programm" und einen Rat eines "Marketingverantwortlichen" sprach, wurde auf Hannelore Kraft, SPD, geblendet. Diese schüttelte recht abwertend den Kopf und machte auch entsprechende Mimik dazu (Video, WDR Mediathek ab Index 01:09).

Dies ist stark suggestiv und gibt dem angeblich unvoreingenommenen Zuschauer nicht nur "eine Interpretation" an die Hand. Hier wird auch ein "autoritärer Reflex" deutlich, der es ermöglicht sich "starken Meinungen und Haltungen" anzuschließen.
eine "Interpretation" wird ja schon durch die Diskutanten geliefert - genau deshalb soll es diese Veranstaltungen, Duelle und Diskussionen ja geben.
Das Argument soll zählen und "schlagen".

Solche Kameraeinstellungen aber verfälschen, denn sie gehen nicht argumentativ auf etwas ein, bedienen nur bestenfalls Sensationslust, schlimmstenfalls politische Einflussname der Redaktion des Fernsehsenders bzw. der Kameraführung.
Da möchte man die Regularien in der französischen Debatte herbeisehen und die Verhandler beglückwünschen; dass dies dort deutlich züchtiger, ruhiger und fast schon "langweilig" zugeht darf man getrost inkauf nehmen.

Link zum Video