Freitag, 4. Mai 2012

#Schavan und ihr mögliches #Plagiat - nicht viel gelernt. #schavanplag


Mal wieder jemand, dessen Dissertation durch die große mediale Arena getrieben wird.
Anette Schavan, ihres Zeichens Bundesbildungs- und -wissenschaftsministerin, CDU, soll sich wissenschaftlich fehlerhaft verhalten haben.
Absender dieser Vorwürfe ist ein Blog, dessen Autor psyeudonymisch anonym bleibt und mittels "Deckname", so SPON, auf das Blog bzw. die Vorwürfe aufmerksam machte.

Nun wird demnächst noch einiges zu den bislang aufgetretenen Fälschungen, "Ungenauigkeiten", Lügen oder auch "Dummheiten" gewisser Amts- und Mandatsträger zu schreiben sein. Dies soll aber in einem anderen, allgemeiner gehaltenen Blogbeitrag geschehen.


Frau Schavan behauptete in einer Pressekonferenz die Website, schavanplug mit wordpress gehostet, angesehen und besucht zu haben.
Wie SPON schreibt, sagte sie zunächst zu, mit Kritikern ihrer Arbeit interagieren und evtl. Vorwürfe entkräften zu wollen. In einem weiteren Satz habe sie aber geäußert, dies sei bei "anonymen Vorwürfen schwerlich" möglich.
Stellt sich die Frage nach dem "Warum".
Es gibt diverse Beispiele, bei denen gerade Abgeordnete, bspw. des Deutschen Bundestages, das Internet und gerade (eigene) Blogs nutzten, um Medienberichte oder externe Kritik zu "korrigieren" bzw. richtig zu stellen, sofern sie sich "nicht korrekt behandelt" fühlten oder einfach "Gegenöffentlichkeit" erzeugen wollten. In diesen Fällen, spontan kommt da Dagmar Wöhrl, CSU, in Erinnerung, nutzten die Betreffenen die Instrumente welche angeblich "gegen sie verwendet" wurden oder werden sollten, für eigene Zwecke.
Und erreichten damit nicht geringe, auch mediale, Perzeption.

Die Aussage Schavans ist mehr als durchsichtig, entbehrt sie doch jeder Rationalität und Logik: "Vorwürfe" lassen sich per se immer entkräften, egal ob ein Klarname, Pseudonym oder gar nichts angegeben wurde.
Das ist wie mit Delius' NSDAP-Vergleich: Entweder ist er falsch oder richtig.
Entweder sind die im Blog nachzulesenden Stellen und Quellenangaben korrekt zitiert, oder nicht.
Sind sie "falsch", ließe sich das medial leicht dartun: Ein Exklusivinterview mit dem Spiegel oder SPON, indem man auf bspw. eine eigens dafür erstellte Internetseite verweist.
Es ginge sogar noch einfacher: Frau Schavan nennt, wie mittlerweile wohl die meisten Berufspolitiker, eine Website ihr Eigen.
Unter annette-schavan.de, verantwortlich dafür ihr Bundestagsbüro und damit die von ihr beauftragten und bezahlten (wissenschaftliche) Mitarbeiter, könnte sie oder von ihr Beauftragte zeitnah und schnell Stellung beziehen.
Soetwas stelle ich mir ähnlich vor wie "schavanplag": Eine Pressemitteilung in der die Vorwürfe inklusive Link zur Internetseite kurz dargetan werden und auf eine angehängte PDF-Datei verweist.
In dieser PDF-Datei werden die von schavanplag aufgelisteten Quellen und angeblichen Plagiate diskutiert und ggf. erklärt oder widerlegt.

Sie müsste dafür also nicht einmal eine neue Internetseite oder ein Blog einrichten, sie könnte ihre eigene Website nutzen.
Und wofür besitzt man eine solche sonst?
Die Internetseite ihres Ministeriums käme dafür jedenfalls nicht infrage, schließlich geht es um eine Privatangelegenheit, ihre Doktorarbeit, und steht nicht direkt mit ihrem vom Steuerzahler finanzierten Ministeramt in Verbindung.
Und die Internetseiten des Ministeriums sind selbstverständlich aus dem Bundeshaushalt bzw. ihrem Einzelplan zu finanzieren.

Die letzte "Pressemitteilung" ihrer Internetseite datiert vom 02. Mai 2012 und trägt den "Titel "Mehr Spielräume für die Wissenschaft". Bislang scheint kein Bedarf an oben genannter Handlung zu sein.

Des Weiteren ist äußerst schwer vorstellbar, dass sich momentan, eigentlich sofort nach Bekanntwerden des Blogs, angeblich niemand mit den Vorwürfen und der Arbeit befassen soll.
Bei einer Ministerin der Bundesrepublik? Nach diversen tatsächlichen Verfehlungen und vorherigen Plagiaten diverser Abgeordneter ebenso vieler Parteien mit teilweise amtsverzichtenden Konsequenzen?
Eine rethorische Frage, freilich.
Schwer vorstellbar ist des Weiteren die Aussage der Universität, "kommende Woche" würden sich die zuständigen Stellen um die Arbeit und deren Ansicht bemühen.
Bei einer Ministerin? Bei einem sich schon deutlich abzeichnenden großen medialen Interesse?
Auch da sitzt doch sofort jemand dran - Hinhaltetaktiken funktionieren also für beide Seiten nicht.

Was die Vorwürfe selbst angeht, mutet das Ganze bislang ambivalent an. SPON berichtet, eine Quote von "10 Prozent" sei ohne öffentliche Anklage auch bei "VroniPlag", dem Blog, welches u.a. Guttenberg "zu Fall brachte", beanstandet worden. Man hielt es in einer Mehrheitsentscheidung aber weder für sinnvoll noch notwendig, dies auch öffentlich zu machen bzw. anzuklagen.
Andererseits ist die auf "schavanplag" einsehbare PDF-Datei durchaus eindrucksvoll. Zwar sind deutlich weniger Stellen aufgeführt und auch die Schwere der Einzelfälle mag geringer sein als bei anderen Verfehlungen wie bspw. Guttenberg.

Deutlich fragwürdiger, fast schon "unverständlich", mutet die Aussage eines Kommentars in der "Sueddeutschen" an, "bisher" fehle "jeder Beleg für die Anschuldigungen".
Der Autor des Blogs bringt, analog zum "Vroniplag" bei Guttenberg damals, aber Stelle der Doktorarbeit auf der Einen- und externe Quellenangabe auf der anderen Seite gegenüber. Einen letztendlichen "Beweis" oder eine "Beweisführung" wird ohnehin nur der Promotionsausschuss ihrer Universität führen können. Dass aber alles "unhaltbar" sei, kann man nicht behaupten, gerade dann nicht, wenn man sich als bezahlter Kommentator bei dem Thema auch mal ein solches angegebenes Werk hergenommen und beide Stellen verglichen hätte. Einfach zwei oder drei zufällig ausgewählte Stellen: Sind diese korrekt spricht doch viel für die Richtigkeit der Blogangaben.
Wenigstens erkannte der Kommentator die von mir thematisierte "Ablenkung" Schavans.

Sollte der Autor, sollten die Autoren aber korrekt zitieren und Quellen der Arbeit und externer Art ausgewertet und gegenüber gestellt haben, so muss mindestens von "wissenschaftlichem Fehlverhalten" gesprochen werden.
Ob es damals freilich bereits eidesstattliche Erklärungen gab, in welchen man sich eindeutig zur alleinigen Urheberschaft bekennt, ist mir unklar.
Falls nicht, sind gewisse Sätze trotzdem durchaus interessant und frappierend: Ohne direkte Quellenangabe, korrekte Fußnotenzitation sind nur leicht oder gar nicht abgewandelte Sätze übernommen worden.
Sicher kann man das mittels "Zettelwirtschaft" oder "Karteisystem" erklären - wie Guttenberg, der eine fast wahnwitzige Zahl an Disketten verwendet und vertauscht oder verschusselt haben möchte.

Selbst wenn sowas stimmt: Merkt man nicht irgendwann selbst, dass man die Quellen und deren Angaben nicht mehr beherrscht?
Aus eigener, früherer, Erfahrung fällt es mir ungemein schwer anzunehmen und zu konzedieren, man könne "vergessen" nicht der Urheber eines gelesenen und später übernommenen Gedankens gewesen sein.
Der daraus zeugende Hochmut, die Ignoranz anderen gegenüber und vorallem die Fähigkeit über eigene Unzulänglichkeit hinwegzutäuschen und absichtlich hinwegzusehen muss dann schon groß ausgeprägt sein.
Des Weiteren muss man einfach annehmen irgendwann zu merken, falls die Substanz der eigenen Arbeit und Gedanken fehlt und man einige oder gar "immer mehr" solcher anderer Arbeiten einbringen muss.
Sei es, weil andere vielleicht "besser formulieren" können oder etwas einfach "schon einmal gesagt wurde".
Trotzdem ist es in jedem Falle anzugeben.
Geschieht dies nicht, darf eine Doktorarbeit ggf. nicht benotet oder als bestanden gewertet werden, bis genannte "Vergessenheiten" oder "Schusseligkeiten" ausgeräumt wurden.
Wofür es dann Zweit- oder Drittkorrektoren gibt bleibt daher auch nach Guttenberg eine zentrale Frage.

Sätze wie die SZ sinngemäß zitiert, "Man könne nie ganz ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden" macht einen verqueren Eindruck.
Will sie damit insinnuieren, Andere hätten sich bei ihr bedient?
Schließlich erschien ihre eigene Arbeit später als die im Blog genannten bzw. gegenüber gestellten.
Außerdem macht die Aussage auch vor anderem Hingrund wenig Sinn: Natürlich finden sich "ähnliche Gedanken" in mehreren wissenschaftlichen Arbeiten. Stets sind auch Dinge wie aktueller Forschungsstand, spezielle und allgemeine Standardliteratur und thematische Bearbeitung der Arbeit voranzustellen. Und "Wissenschaft" heisst eben auf einem bisherigen "Wissen" und anderen Arbeiten aufzubauen. Aber eben nicht, dies zu verschleiern, sondern korrekt anzugeben, was man selbst erfand bzw. beisteuerte und was von Anderen übernommen wurde.
Genau das scheint, unter bisherig notwendigem Vorbehalt, aber nicht passiert zu sein.
Und natürlich lässt sich vermeiden, dass "ähnliche Formulierungen" in "anderen Werken" aufträten: Denn entweder hätte dann jemand bei ihr abgeschrieben, s.o., oder Formulierungen Anderer wären leicht verändert worden. Und selbst diese nur leichte, nicht selbst erstellte Übernahme muss als "Plagiat" gelten, wenn die Quelle nicht angegeben wurde.

Da darf es doch kein Mehrfachmaß geben.

Außerdem erschließt sich nicht, wie man "damals sehr genau" gearbeitet haben will und trotzdem angibt, es könne "nicht ausgeschlossen werden", dass sich Genanntes auch in anderen Werken fände.
Ja, was denn nun?
Sehr genau gearbeitet, alles korrekt getrennt und zitiert oder herumgewunden und teilweise absichtlich leicht modifiziert übernommen? Letzteres ist ohne korrekte Angabe schlicht "wissenschaftliches Fehlverhalten" und darf nicht mit einem Doktorgrad honoriert werden.
Jede Arbeit eines durchschnittlichen Studierenden würde bei Nachweis auch nur einer solchen Stelle schnell zurückgegeben, also nicht einmal komplett korrigiert.

"Politisch pikant" wäre die Sache, falls Schavans Verfehlungen ihr selbst "im Hinterkopf" gewesen wären, als sie ihre "nicht nur heimliche" Scham in öffentlichen Kommentaren bekundete.
Könnte man einen "Racheakt" von Guttenberg annehmen?
Was macht der Mann eigentlich gerade bei der Europäischen Kommission?
Sicher weit hergeholt und bis zur Groteske spekulativ: Er könnte aber durchaus Interesse an solchen Veröffentlichungen haben, die nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden können. Wobei es weiterhin und noch stärker den "bürgerlichen Werten" sowie der Union als Partei schadet.

Interessant auch, dass man aus den diversen bisherigen Fällen, jedenfalls momentan sichtbar, noch nicht viel gelernt zu haben scheint: Einmal mehr wird die "Anonymität des Internet" beklagt.
Selbstredend existiert diese nicht, schließlich ließe sich die IP-Adresse mittels Wordpress leicht ermitteln und über diese mittels Providerdaten-Abgleich Name und Adresse des Verfassers.
Wer aber will ernsthaft solche Anträge stellen? Und welcher Richter gestattete bzw. ermöglichte eine solche Datenabfrage?
Dies wäre lächerlich.

In solchen Fällen merkt man, wieder einmal, weshalb Pseudonyme und "relative Anonymität" im Internet und in Blogs so wichtig sind: Es muss möglich sein, begründete und schriftlich überprüfbar dargelegte Vorwürfe frei zu publizieren, ohne die eigene Person oder den eigenen Namen zu riskieren.
Freilich wäre andererseits zu fragen, was getan würde oder zu tun wäre, falls Schavan unflätig, beleidigend oder anderweitig strafrechtlich grenzwertig angegriffen worden wäre.
"Grenzwertig", weil bei eindeutigen Rechtsverstößen nur wenig gegen oben genannte Ermittlung der personenbezogenen Daten spricht.
Der "Schavanplag"-Autor will aber anscheinend Aufklärung und medialen Einfluss, ansonsten hätte er sich nicht mit "Decknamen" an mehrere Medienunternehmen gewandt.

Wie "Erbloggt" schreibt, stellt die Veröffentlichung des "Schavanplag"-Autors, gemäß SPON, für sich genommen ebenfalls ein Plagiat dar, da genannte Stellen mehrheitlich oder evtl. gar gänzlich bereits auf Vroniplag erschienen waren - süffisant wird die Aussage einer "Plagiatsforscherin" bzw. "Plagiatsjägerin" kommentiert.
Einen "medialen Budenzauber" veranstaltet zu haben, bzw. die Kritik daran, mutet allerdings komisch an: Wenn man, siehe oben, Interesse an einer Veröffentlichung und medialen Befassung besitzt, gerade weil man in der Vroniplag-Abstimmung evtl. unterlag, macht das Anschreiben diverser Redaktionen doch Sinn. Sinnfrei sind vorzeitige, ungeprüfte Berichte und darauf aufbauender Kommentare ebendieser Medien, alles sei "unbewiesen" und die Quellen "nicht prüfbar".
Ohne auf den Zug aufspringende Medien kein "medialer Budenzauber", was "Erbloggtes" später auch fast anerkennend einräumt: " die recht professionelle PR-Aktion, in der anonyme Faxe an mehrere Medien und Agenturen gingen".

Und interessant ist ja der Titel bzw. Linkauszug des SPON-Artikels: "anette-schavan-will-plagiat-vorwurf-nicht-erklaeren"; mithin nimmt der Redakteur einzig die ablehnende Aussage bzgl. "anonymer Vorwürfe" zum Hauptausgangspunkt bzw. Stoßrichtung des Artikels.
Da kocht doch jeder sein eigenes Süppchen.