Montag, 23. April 2012

Zwischen #Führerschein und #Wahlen - Mehr Rechte für Sechzehnjährige?


Jetzt sollen sie also den Führerschein machen und im Gegensatz zu siebzehnjährigen bisherigen Fahrern dann sogar ohne "Begleitung" mit dem PKW Straßen "unsicher" machen dürfen.
"Unsicher" ist dabei doch "Programm", liegen die Unfallzahlen der unteren Alterskohorten der Autofahrer, 18-25 Jahre, gemessen an den Gesamtunfällen recht hoch: bis zu 25%, je nach konsultierter Statistik.



Die "Argumentation" für die Änderung des Alterszugangs zur Führerscheinprüfung ist recht "abenteuerlich".
Zunächst werden allerorten, vorallem in ländlichen Gebieten, Regionalisierungsmittel und andere Zuschüsse für den Nahverkehr und ÖPNV gekürzt. Später wird sich aufgeregt, dass angeblich gerade Auszubildende Probleme hätten zum jeweiligen Ausbildungsbetrieb zu gelangen und die genannte Veränderung notwendig sei um die "jungen Leute auf dem Land zu halten", also die Urbanisierung nicht weiter zu fördern.
Fragwürdig ist die Annahme, dass das vorallem dauerhaft gelänge: Selbst wenn Menschen dieses Alters für ihre mehrjährie, meist drei- oder vierjährige, Ausbildung in eher infrastrukturell schlecht ausgestatteten Gebieten blieben, besagte das noch nichts über den Verlauf nach dem Ende der Ausbildung.
Änderte sich bis dato nichts an den Problemen, und gemäß aktueller und jahrelanger diesbezüglicher Politik dürfte sich das eher noch verschärfen, spricht wenig dafür, das diese ausgebildeten Menschen dort verweilen.
Denn was will jemand in einem Gebiet ohne Arbeitsplätze?
Klar kann der Mensch dann die Pendlerpauschale, übrigens ein die Zergliederung förderndes Instrument, nutzen und ständig zwischen Arbeits- und Wohnort pendeln. Dies implizierte auch, dass sie dort einen Arbeitsplatz und eine Wohnung fänden.

Viele Konjunktive für so eine Änderung.

Abgesehen von der wahrscheinlich verweigerten Änderung der gesetzlichen Grundlagen für dieses Vorhaben könnte der Vorschlag mit nur ein wenig mehr Populismus aber ein anderes Thema wieder in die Debatte bringen:
Die Senkung des allgemeinen Wahlalters auch im Bund und den Ländern.
Auf bspw. die im Führerschein-Vorstoß genannten sechzehn Jahre.
Ähnliches, die Senkung bspw. auf kommunaler Ebene, wird ja schon von anderen Parteien und Politikern gefordert. So von den Grünen oder teilweise der FDP.

Weshalb sollte es für einen Sechzehnjährigen sinnvoller sein, den Führerschein zu erwerben, wenn er oder sie noch nicht einmal wählen darf?
Wo liegt wohl die größere "Gefahr" für die Allgemeinheit, schließlich können unvorsichtige Fahrweisen, Selbstüberschätzung, mangelndes Vorausschauen beim Fahren oder Alkohol- bzw. Drogenkonsum direkt zu (Schwer-)Verletzten und toten Menschen führen.
Wo bitte ist dies bei der Teilnahme an Wahlen, egal auf welcher Ebene, der Fall?

Um nicht gänzlich des Populismus überführt zu werden, müssen sich die Befürworter des aktuellen verkehrspolitischen Vorschlags fast zwangsweise auch für die Senkung des Wahlalters aussprechen, können die "Auszubildenden" doch gerade in landespolitischer Hinsicht damit deutlich besser Einfluss auf Verkehrspolitik oder ländliche Entwicklungspolitik nehmen als dies mit PKW-Nutzung jemals möglich wäre.
Durch eine Wahl werden direkt keine Menschen verletzt oder getötet - im Straßenverkehr kann dies durchaus passieren.
Wer Sechzehnjährige für "noch nicht mündig genug" hält, um zwischen der Wahl von NPD und demokratischen Parteien zu entscheiden, der darf auch kaum für die Zulassung zur Führerscheinprüfung plädieren.
Die rein physiologischen Voraussetzungen mögen für letzteres vielleicht gegeben sein; an den Geistigen, Psychischen und Entwicklungsbasierten muss man aber zweifeln.

Wenn man am geringeren Wahlalter zweifeln will.