Donnerstag, 24. Dezember 2009

Weihnachten (2)

Eigentlich ist das hierzulange gefeierte und tradierte "Weihnachtsfest" reichlich perfide. Zumindest wenn man von einer hohen Anzahl Atheistischer oder Agnostischer Bevölkerungsteile ausgeht.

Da trifft man plötzlich auf Menschen, die man im ganzen restlichen Jahr weder sah noch sprach. Sie kommen stets an den "Tagen zwischen den Jahren", vermutlich weniger um anderen Menschen wirklich freundlich zu begegnen. Dazu bräuchte man keinen Heiligabend, kein Weihnachten oder Silvester, schließlich sind dies auch nur Tage wie alle anderen.
Nein.
Sie tun es für sich selbst, um sich die Fiktion eines "gesunden" soziales Umfeldes aufrecht zu erhalten und sich durch ihre eigenen Mitteilungen besser zu fühlen.

Ebenso mit "Geschenken".
Zunächst einmal ist es regelhaft unmöglich den Geschmack eines Beschenkten zu treffen, ohne ihn oder sie direkt danach zu fragen.
Fragt man allerdings, ist das "Außergewöhnliche" des "Weihnachtsfestes", nämlich eine Zuwendung ohne Kenntnis des Inhalts oder der Sache zu erhalten, dahin.
Schließlich könnte man jedem Menschen an jedem Tage etwas zukommen lassen können.
Wenn man sinnvoll und zielgerichtet beschenken möchte, muss die Geheimniskrämerei aufgegeben werden und damit etwas, was für einige Menschen doch relevant und positiv besetzt zu sein scheint.
Das Beschenken bedient des Weiteren eine Art Altruismus, abgeschwächt und gewandelt bspw. im Sinne verschenkter Gutscheine ersichtlich.
Diese Gutscheine sind, wie in einem anderen Beitrag angerissen, Wechsel auf die Arbeitskraft anderer Menschen.

Menschen kommen an diesen Tagen "traditionell" vorbei und wollen ihre Zeit "gut" und positiv "miteinander" verleben.
Sie erwarten von vornherein eine positive Atmosphäre und Ausstrahlung beteiligter Personen und begründen damit eine gewisse Perfidie.
Die "Traditionen" werden ohnehin gesellschaftlich übergeben und in Sozialisierung tradiert, viele wollen dies nicht einmal ansatzweise infrage stellen oder wenigstens hinterfragen.
Die hierbei erneut deutlich werdende Kontrollfunktion der Gesellschaft gegenüber dem Individuum bedingt eine Verhaltens- und Handlungsgleichrichtung wenigstens an wenigen Tagen des Jahres.
Wirtschaftliche Beziehungen und Erwägungen, wie Gewinnrationalität, Wettbewerb und das Ausnutzen des "Weihnachtsfestes" mit Apellen an die empfindsame, konsumistische Seite der Menschen, brechen sich nicht nur in geänderten und meist verlängerten und auf sonst freie Sonntage ausgeweitete Ladenschluss- und öffnungszeiten bahn.

Menschen, die sich im Rahmen dieser tradierten Rollen- und Handlungsvorstellungen bewegen, können eine gewisse "Richtigkeit" ihres Handelns durch gesellschaftlichen Gleichklang für sich reklamieren. Damit fällt es leichter gewisse Dinge nicht erklären oder gar begründen zu müssen. Es täten ja alle und so müsse es dann auch sein.

So verhält es sich übrigens auch mit "Neujahr", Jahre an sich, Kalendern oder Geburtstagen.
Alles von Menschen gemachte Sanktionsmechanismen um Leben und Handeln zu strukturieren.
Somit könnte man Konsum- und Schenkverweigerungen als Teil einer Individualisierung verstehen; von den meisten freilich kritisiert.

Es gibt für zumindest einige Menschen gar keinen rationalen Grund mehr, "Weihnachten" anders zu verbringen als andere Tage, also zu "feiern", nimmt man die gesellschaftlich vorgegebene Kontrolle heraus.
Perfiderweise bedingt eben diese gesellschaftliche Kontrolle durch Überwälzung eines Individuums auf ein anderes oder einer Gruppe aus jenes einen Gewinn an "Selbstbewusstsein", "Selbstkontrolle" und positives Empfinden aufgrund erfolgreich geleisteter Anpassungsleistung.
Denn durch Weihnachtsprogramme, Änderung der Supermarktsortimente, Neujahrsansprachen, Neujahrsprogramme, Bäume und Lichterketten wird dem Individuum zu verstehen gegeben, dass es seine Handlungen anzupassen hat und sich nach Erfolg richtig und "integriert" verhält.
Genau diese Weitergabe führt erneut zu einer positiven Selbstwahrnehmung nach der zwar gestrebt wird wie nach einem inexistenten "Lebenssinn", die aber genauso wenig eine rationale Basis aufweist.

Fraglich wäre dann, ob es Alternativen zu den so erzeugten positiven Selbstwahrnehmungen gibt, ob diese notwendig sind und ob die dafür inkauf genommenen individuellen Einschränkungen und Verhaltensbeeinflussungen sinnvoll sind.
Man könnte anderen, wichtigen Menschen auch an jedem anderen Tage des Jahres Zuneigung und Gewogenheit bekunden und es bei Ermangelung dessen auch an den letzten Jahrestagen lassen.