Donnerstag, 10. Dezember 2009

Deutsche #Bahn - Neues Ticket: #Quer-durchs-Land

Bei einer Zugfahrt am letzten Wochenende fiel mir eines neues Fahrscheinangebot ("Ticket") der Deutschen Bahn auf.

Dabei handelt es sich um das sogenannte "Quer durchs Land"-Ticket, mit welchem alle Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn sowie angeschlossener Bahnen an einem Tag in ganz Deutschland für eine Einmalzahlung ("Flatrate") genutzt werden können.

Wie beim "Dauer-Spezial", zu dem ich mich bereits anderweitig äußerte, da ich darin eine Ausbeutung der "normalen" Bahncard (BC) 25 sowie 50 Nutzer sah, befristet der Konzern das Angebot; in diesem Falle sind die Karten zunächst
unbegrenzt verfügbar bis zum 31. Januar 2010
.
Dies scheint bei der Deutschen Bahn an sich gern ausgeführte Praxis zu sein, ziehen Kunden doch mutmaßlich Ticketkäufe vor.
Allerdings gibt es in diesem Falle eine erstaunliche Neuerung, die es selbst beim eher dauerhaften "Dauer-Spezial" gibt das eigentlich befristet sein muss und gemäß Ticketbedingungen auch ist und jeweils um ein weiteres Jahr verlängert wird: Das Ticket ist maximal einem Monat vor der eigentlichen Fahrt buchbar.
Das Dauer-Spezial lebt bspw. gerade von langer Buchungszeit und dem - mglw. absichtlich - verknappten Angebot. So muss sich der Reisende auf das Datum und den Zug zwingend festlegen. Einen Umtausch schließt die Deutsche Bahn schon vorsorglich aus, obgleich sie dazu aufgrund rechtlicher Regelungen innerhalb des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verpflichetet wäre.

Weshalb die Begrenzung auf einen Monat im Voraus?
Womöglich soll dies zur besseren Kalkulation der Zugauslastung am Reisetag verhelfen, muss man das Ticket doch auch schon für die absolute Mitfahrerzahl passend kaufen.
Erneut eine Differenz zu bestehenden Angeboten wie dem Wochenend- oder Sachstenticket.
Das Unternehmen kann mit Hilfe dieser Tickets also noch genauer kalkulieren, wie viele Fahrgäste am fraglichen Tage zu erwarten sind.
So denn solche Kalkulationen überhaupt angestrebt und ggf. durchgeführt werden.

Die notwendige Vorfestlegung auf die angestrebte Mitfahrerzahl ist eine weitere Neuerung.
Bislang konnte man mit dem Angebot des Wochenendtickets, welches seinerseits nur Samstag oder Sonntag von 00:00 Uhr bis 03:00 Uhr des Folgetages im Nahverkehr gilt, für 38 EUR maximal 4 zusätzliche Personen mitfahren lassen. Oder eben allein fahren, wofür es bei den Länder-Tickets mittlerweile auch billigere sogenannte "Single-Tickets" gibt.
Das heisst also, dass man sich bis einschließlich Fahrttag nicht auf eine Gesamtfahrerzahl festlegen wollte und so deutlich flexibler war.
Diese Flexibilität beschränkt das Eisenbahnunternehmen nun.

Um das Wochenendticket anscheinend nicht zu kannibalisieren, gilt das Quer-durchs-Land-Ticket nur von Montag bis Freitag von 09:00 Uhr bis 03:00 Uhr des Folgetages. Für das Wochenende muss man ein, ggf. zwei Wochenendtickets mit einem um vier Euro höheren Preis kaufen.
Im Kern bietet das Unternehmen also ein "Wochenendticket ohne Wochenende" an; überträgt also die Systematik auf die Arbeitstage Montag bis Freitag. Allerdings wäre es innovativ gewesen, einem bestehenden Ticket für die im Angebot beschriebenen fünf Euro Zusatzkosten weitere Einzeltickets für andere Mitfahrer hinzubuchen zu lassen.
Das heisst, dass der erste Nutzer das Ticket kauft und falls er einen weiteren Mitfahrer findet, dieser nur fünf Euro für einen Ticketzusatz bezahlen muss.
Allerdings scheint die Bahn lieber auf höhere Einnahmen durch einen Einzelticketkauf zu setzen. Dieses Kalkül ist rational und dürfte aufgehen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein näherer Blick in die Angebotskonditionen, genauer auf den Punkt "Besonderheiten":
Eine Erweiterung der Gruppengröße nach Fahrtantritt ist nicht zugelassen.
Das bedeutet nichts anderes, als dass nicht nur die Flexibilität beschränkt wird; die Erweitung der Gruppengröße wird schon durch die Ticketgestaltung selbst verunmöglicht.
Was bei den anderen Länder- und Wochenendtickets anders ist: Bei letzteren kann man problemlos mit zwei Fahrern starten und mit insgesamt fünf Personen am Ziel ankommen.

Andere Gedankenspiele meinerseits, welche langfristig stabile Einnahmen bei der Bahn sowie kostengünstigere Tickets durch Ticket-Sharing ermöglichten, werden nicht aufgegriffen, obgleich ich mich mehrfach u.a. per Post an das Unternehmen wand.
Auch hier scheinen die Zusatzeinnahmen höher zu sein als mögliche Einnahmen aus Gebühren vermittelter Mitfahrer.

Der vier Euro betragende Preisunterschied des sich auf den gleichen Nahverkehrs-Leistungsumfang beziehenden Quer-durchs-Land- zum am Wochenende gültigen Wochenendticket erklärt sich vermutlich durch die Nutzungsmöglichkeit, aufgrund zeitlichem Geltungsbeginn ab 09:00 Uhr des ersten und einzigen Nutzungstages.


Abseits aller Feinheiten bleibt aber mindestens: Ein erneuter Baustein zur Unübersichtlichkeit der Bahnfahrscheine.
Um zu begreifen, wann welches Ticket gültig und vorallem für eine Fahrstrecke günstig ist, ist ein Besuch in einem vielfach lange geschlossenen Reisezentrum oder Minuten-, gar Stundenlange Online-Recherche notwendig.
Statt den Trend zu einfacheren Transfer- und Ticketingsystemen mitzugehen, erfindet die Bahn ein neues Ticket.
Anstatt das Wochenendticket auf ein "Wochenticket" mit eintägiger Gültigkeit und einem Festpreis zwischen 34 und 38 Euro festzulegen, erwägt man ein neues.
Unnötig notwendige Umstellungskosten für Papier in den Reisezentren sowie elektronische Umrüstung der Bahnautomaten, die auch bei zentraler Softwareumstellung notwendigen Programmieraufwand bedeutet, anzusprechen.

Insgesamt scheint mir das ineffizient und aufwendig.