Mittwoch, 9. Dezember 2009

#Sprache ist nicht #nationenbildend

Gestern hatte ich mit einem Kommilitonen eine längere Diskussion, u.a. über den "Bildungstreik" an der Technischen Universität Chemnitz, mein momentanes Lieblingsthema "Communities" (StudiVZ, Facebook, Twitter) und in diesem Zusammenhang vorallem Begriffe wie "Freunde" und "Freundschaft" und irgendwann zwischen Tür und Angel, ich an einer Reihe Müllkontainer lehnend in der Kälte über "Nation" oder "Begründung einer Nation".

Er argumentierte wie ich es oft höre und lese und brachte den Punkt der "Sprache" in die Diskussion. Aufgrund dieser habe man einen anderen Zugang zu Muttersprachlern als zu Menschen eines anderen Landes, die man nicht kenne.
Die Sprache selbst also begründe eine gewisse nationale Zugehörigkeit.

Das vielzitierte Beispiel eines in einem anderen Land befindlichen Menschen reicht allerdings meines Erachtens nicht hin, um eine positive nationale Identifizierung zu bedingen.
Nur weil ich die Sprache eines anderen nicht verstehe, bin ich ihm nicht prinzipiell ferner als einem mir verständlichen Menschen.
Allerdings, das ist unstrittig, ist Kommunikation ein Mittel zur Distanzüberwindung, welches nachfolgend Verbindung begründen kann.

Meine Auffassung allerdings, Sprache sei wie andere Mittel auch, eine Art sozialer Kontroll- und Sanktionsmechanismen wurde eher beiläufig aufgenommen.
Sprache ist etwas aufgezwungenes.
Selbst wenn Menschen zu dieser geistig-kognitiven Leistung zur Expression fähig sind, ist das Aufbauen einer Sprachfähigkeit ein Lernprozess.
Ein Lernprozess mit bereits vorgegebenen Parametern einer vordefinierten Umgebung.
Es könnte damit ebenso plausibel angenommen werden, dass die Tradierung der Sprache ein Kollektivierungsinstrument gegenüber dem Individuum darstellt und es so, wenigstens mittelbar und temporär, in eine "Gesellschaft" oder "Nation" hineinprägt.

Zugehörigkeit zu einer Nation ist vom individuellen Standpunkt aus etwas intendiert expressiv-bejaendes.
Es genügt also nicht, nur "dazu zu gehören"; dies wäre eine negative Definition von "Nationenzugehörigkeit" auf Basis von Erkennen/Lernen sowie Aufnahme, Internalisierung und Anwendung spezifischer Symbole in spezifischer Ausprägung.
Dies allein bedingt bestenfalls die faktische, vom Individuum nicht bejate Zugehörigkeit, allerdings ist eine solche Zugehörigkeit definitorisch fragwürdig.
Sprache an sich, überdialektisch und übergeordnet, ist ein Code zur gegenseitigen Verständigung, weshalb auch Kommunikation über "Zeichen" als "Zeichensprache" definiert wird.
Über diesen Code muss sich eine Gesellschaft oder Nation vorher schon geeinigt haben, vielmehr muss er bereits bestehen um dieser Einigung überhaupt Boden zu bereiten, und kann somit nicht nationenbegründend oder -begründet sein.
Niemand käme aber auf den Gedanken eine "Nation der Zeichensprachler" zu behaupten. Doch behaupten in Worten "Deutsch" sprechende Menschen die Zugehörigkeit zur "Deutschen Nation".

Abseits dessen wird hier auf Basis sprachlicher Expression argumentiert, die in sich selbst schon Teil einer Vorgabe, eines Symbols mit erlernter Prägung ist.

Die Nationalität definiert sich somit über den Ort der Geburt; dieser wird regelhaft territorial als Staatsgebiet mit Staatsgewalt sowie Gewaltmonopol geprägt und kontrolliert. Dies impliziert Regeln und Sanktionen zur Konformisierung der darin lebenden Individuen.
Es erfolgt das Setzen der "Muttersprache" oder Sprache des allgemeinen, gesetzlich-verbindlichen Umgangs.

Dies ist ein Sanktionsmittel an sich und begründet folgend neue Sanktionen.

Als Sanktionsmittel an sich hilft es eine "Identität" zu begründen, indem eine intergenerationale Tradierung erfolgt. Negative Folgen aufgrund mangelnder oder andersartiger Sprachfähigkeit werden durch das Sanktionsmittel Sprache begründet.
So wird bspw. gegenüber sogenannten "Migranten" ganz offen dargetan, dass sie und ihre Nachkommen massive negative Auswirkungen werden erleiden müssen, wenn sie die Landessprache nicht beherrschten. Hierbei wird eine individuelle Anpassungsleistung gefordert, eine kollektive Anpassungsleistung mit der Nationenbegründung oder gar einer "Selbstverständlichkeit" abgelehnt.
Des Weiteren kommt der Sprache nebst der Identifikations- somit eine Abgrenzungsfunktion zu.

Es reicht daher meiner Ansicht nach nicht hin, die Sprache als Grundlage einer Nation zu verstehen.