Montag, 14. Dezember 2009

seichte und vorsichtige Fernsehkritik: Geld+Leben

Es muss vor ein oder zwei Tagen gewesen sein, als ich eine Produktion , mutmaßlich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, sah, die den Titel "Geld+Leben" trug.
Google spuckt zu diesem Suchbegriff an den ersten Zwei Fundstellen einen Verweis zu einem "Sozialmagazin des Bayrischen Fernsehens" sowie "Wirtschaftsmagazin des Bayrischen Fernsehens" aus.
Die Übersetzung "Geld=Wirtschaft" und "Leben=Soziales" wird hier nahegelegt, klingt und schreibt es sich doch so schön einfach.

Weniger vom Titel selbst als von zwei Beiträgen im Magazin "aufgewühlt", worauf ich näher eingehen möchte, war ich zumindest vom Beitrag zum Thema "Riester unter Feuer - Neue Berechnungen beunruhigen Riester-Sparer" positiv überrascht, stellt sie doch teilweise verschleierte und mittelweile anderweitig seit längerem diskutierte Kosten bei Riesterverträgen und die Verunsicherung der Kunden dar.
Die Nachdenkseiten berichteten nicht zuletzt bereits Ende August (erneut) über Finanzierungsprobleme und geringeren Revenues durch An- und Rücklagen.

Zum Beitrag "Modelleisenbahn - Eine Branche auf dem Abstellgleis" muss an sich auch nicht mehr viel erzählt werden. Mir war schon weit vor der Märklin-Pleite klar, dass dieses Geschäft enorme Probleme bekäme. War ich doch sicher nicht der Einzige, der von horrenden konsumtiven Investitionen in Bahnhöfe, Gleise oder Züge absah. Schließlich kosteten interessante Züge und Gleissysteme teilweise einen dreistelligen Euro-Betrag. Was ich mir nicht leisten konnte und wollte.
Konsequenterweise verlagern verbliebene Unternehmen (Teil-)Produktionen in sogenannte "Niedriglohnländer" und erhoffen damit abgesprungene Kundenschichten zurückgewinnen zu können.
Das angesprochene Mietmodell erscheint mir persönlich ebenso unattraktiv, wenn ich eine gesamte Anlage für über 200EUR monatlich mieten soll.
Nichts eben neues also.

Irgendwann folgte dann der Beitrag "Raucher und Gastronomie - Die Zukunftsangst der Betriebe", der bei mir ab und an Kopfschütteln auslöste.
Vorher sei gesagt, dass ich Nichtraucher bin, wenn auch kein militanter der anderen Menschen das Rauchen gänzlich untersagen möchte.
Allerdings weiß ich was es bedeutet, bspw. als Nichtraucher auf einem eigentlich rauchfreien Bahnhof der Deutschen Bahn Ruchern ohne Ausweichmöglichkeit ausgesetzt zu sein.
Man könnte nun sagen, das sei allein eine Respektlosigkeit. Dem ist an sich zuzustimmen, doch geht der Eingriff in meine Freiheitsrechte weiter.
Um zur Abstraktion zurückzukommen: Ich meine, dass Raucher gerne ihre persönlichen Freiheitsrechte ausüben können und sollen, solange sie die anderer Menschen nicht einschränken. Und das ist in im Beitrag genannten Kneipen bspw. der Fall. Es reicht auch nicht hin, darauf aufmerksam zu machen und Nichtrauchern das Verlassen des Lokals zu empfehlen.

Wie dem auch sei kam mir auch der Gedanke weitergehender Folgen für unsere von uns geschaffenen und zu finanzierenden Systeme.
Konkret wird im Beitrag der erwartete oder teilweise tatsächliche Einnahmenverlust der Gastronomie aufgrund fehlender (rauchender) Kundschaft beklagt. Dies ist von der von mir durchaus unterstützen und notwendig abzustellenden wirtschaftlichen Folgen der durch verschiedene Rechtsauffassungen und -setzungen, wie das bspw. kürzlich durchgeführte Bürgerbegehren, zu trennen.
Es sollte nicht so sein, dass eine Gastronomin, die aufgrund rechtlicher Änderungen 20000EUR in eine Luftreinigungsanlage investiert nun als "Dumme" dasteht, weil die Regularien ggf. erneut geändert oder verschärft werden.
Solche Beträge können durchaus an die Existenz der mittelständischen Wirtschaft gehen, eindeutig darf soetwas nicht häufig vorkommen.
Die andere Kritik, Einnahmen gingen verlustig, provozierte sofort einen leicht abweichenden Gedanken: Wenn es durch geringe Zahlen von Passivrauchern möglicherweise folgend zu weniger Lungenkrankheiten, Koronare Herzkrankheiten (KHK) und Karzinome kommt, sollte sich das positiv auf die Lebenserwartung und Gesundheit auswirken.
Das heisst, dass länger produktiv gearbeitet werden *könnte* - bis dato ist dies ja nur eine These und kann nicht als gesichert gelten.
Daraus folgend ließen sich - ebenfalls theoretisch - Sozialversicherungsbeiträge senken, was den mittelständischen Gastronomiebetrieben wiederum zugute kommen *könnte*. Auch hier ist nicht sicher, ob andere Faktoren dies nicht verhinderten.
Richtig und unzweifelhaft dürfte wohl sein, dass die systemischen Kosten durch Medikamente und Krankenhausaufenthalte sowie teuerer, vielzahliger Operationen wachsen, wenn sich der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtert.
In einer in meinen Augen weiterhin sinnvollen "solidarischen" Finanzierung paritätischer Natur hieße dies steigende Beiträge für beide Seiten: Arbeitnehmer und Arbeitgeber.
Letztere finanzierten also - natürlich nur im Promillebereich - die "Freiheit" ihre Kundschaft rauchen zu lassen und sich selbst oder mglw. Nichtraucher zu gefährden und ggf. erkranken zu lassen.

Dies dürfte sich zwar nicht aufrechnen lassen, allerdings scheint mir das Argument, so gering der Einflussfaktor auch sein mag, schlüssig zu sein. Die Arbeitgeber, in dem Falle Gastronomiebetreiber, bezahlen also mit den (kurzfristigen) höheren Einnahmen aufgrund rauchender und nichtrauchender Kundschaft Krankheitsfolgen ihrer Klientel oder eigener.

Über Einlassungen der zu wort gekommenen Lokalgänger, man wolle ihnen "Gewohnheiten nehmen" oder gar diktieren, wollte ich mich schon gar nicht mehr aufregen.
Interessiert sich doch niemand, auch ich nicht dafür, was sie ohne meine Anwesenheit tun, schließlich bezahlen sie auch Tabaksteuer für ihren Konsum.
Das Problem beginnt also erst dann, wenn ich mich nicht mehr frei bewegen kann ohne um meine gesundheitliche, damit persönliche, Unversehrtheit fürchten zu müssen.


Der andere von mir zum Teil kritisierte Beitrag, "Preishammer : Weihnachts-Schnäppchen zum Fest", befasste sich mit Weihnachtsmärkten, Preisen für Glühwein und Weihnachtsbäumen.

Weihnachtsbäume, die kleinen oder großen grünen Tannen, welche einige von uns immernoch mit Lametta, Kugeln oder Lichterketten "schmücken".

Als ich dann eine Familie sah, die als "besonderen Service" in den Wald gefahren wurde um sich den vorher bezahlten Nadelbaum selbst zu sägen, durchfuhr mich ein gewisses Maß an Wut.
Allenthalben geht das Thema "Klimapolitik" und "Klimawandel" durch die Medien, die Klimakonferenz in Kopenhagen soll ein Folgeabkommen für Kyoto zeitigen.
Nun ist auch mir klar, dass die großen CO²-Emmittenten in Deutschland die Industrie, Energieproduktion, der Verkehr sowie Privathaushalte sind.
Also muss für durchschlagende Ergebnisse auch dort angesetzt werden.
Doch finde ich es schon mindestens bedauerlich, dass man jedes Jahr in den Wald geht, sich einen gesunden Nadelbaum absägt, also Leben vernichtet, um ihn dann für zwei oder drei Wochen im Dezember/Januar mit oben genannten Erzeugnissen behängen zu können.
Hernach wird der Baum ja entsorgt, da er seine Nadeln verliert und nicht mehr "verwendbar" ist.
Meiner Ansicht nach steht die Vernichtung des Baumes in keinem Verhältnis zum individuellen Nutzen, dies ist reiner Luxus.
Auf diese Kritik wird sicher eingewandt werden, ich stellte mich an, es sei doch eine "Tradition", alle machten dies so und - wie oben selbst dargetan und konzediert - in Vermeidung dessen rette man den Planeten nicht.

Mag ja alles gut und richtig sein, doch fängt es dort schon an.
Dort fängt an, oder setzt sich fort, eine grandiose Selbstverständlichkeit des Naturverzehrs.
Inwiefern ein Naturbaum durch etwas produziertes, möglichweise gar recyceltes ersetzt werden könnte, oder sollte, wurde nicht einmal thematisiert.
Man ging wie selbstverständlich davon aus, dass man so einen Baum wolle und haben müsse.

Das sind nur zwei Beobachtungen, die mich fassungslos zurücklassen und an der Zielstrebigkeit und vorallem Effizienz unserer Bemühungen zum "Klimaschutz" zweifeln lassen.
Das Umdenken ist nicht vorhanden, die Selbstverständlichkeit regiert.