Mittwoch, 21. März 2012

Meinungsmache auch von Links #nds #nachdenkseiten

Immer wieder kritisiert ja u.a. Albrecht Müller in den Nachdenkseiten eine "Meinungsmache", bzw. gewisse Formen dieser.
Zuletzt bspw. im Überblicksartikel bzgl. Wahl und Person Joachim Gauck geschehen ("Ein erster Erfolg...").
Auch ein diesen Titel tragendes Buch wurde von dieser Seite veröffentlicht.


Nun bleibt aber Müller, u.a., vage, was ihre eigene "Meinungsmache" anbelangt, findet diese doch auch "in diesen Kreisen" statt.
Man könnte nun annehmen und konzedieren so funktionierten Medien nun einmal, man müsse kurz, pointiert und deutlich werden um überhaupt aufzutauchen. Je kürzer und prägnanter, desto wahrscheinlicher werde man gesendet oder gedruckt.

Das stimmt auch.
Allerdings konfligieren auch damit und nicht nur den "rechtskonservativen Meinungsmachern" Dinge wie "Aufklärung, "Tiefe"oder gar "Wahrheit".
Da kann man die von vielen "Linken", also auch Gewerkschaften, der Linkspartei, etc. angesprochene Kritik an "den Rettungsschirmen" nennen.

Zur Erinnerung: der Rettungsschirm für die Banken hat 480 Milliarden Euro umfasst – das sind 136 Prozent des Bundeshaushalts.
(ebd.)
Natürlich entspricht die reine Größe Zahlen und Fakten, zur "Realität" eines "Fonds" oder "Rettungsschirms" gehört aber auch sein möglicher oder tatsächlicher Einsatz, seine Verwendung, um darauf aufbauend Wirkung und Folgen aufzuzeigen.
Ursprünglich stand ja nur die Frage, die Institutionen abzuwickeln bzw. insolvent werden zu lassen, oder ihr "Dasein" zunächst zu verlängern und dann abzuwickeln, vgl."bad banks" wie HRE, oder mittels Brückenfinanzierung aufrecht zu erhalten und in später evtl. "besseres geschäftliches Fahrwasser" zu entlassen.

Von der "Linken Seite" kommen aber fast ausschließlich schlagwortartig Nennung der puren Fondsgrößen - genau wie Rainer Brüderle und die FDP zur Abmilderung der Kritik der Banken- und Finanzkrise den Staat als Liquiditätsbringer, durch die angeblich niedrigen Leitzinsen, und die "Spekulation der Staatsbanken" ins Spiel brachten.
Wer also einzig auf die Größe von Fonds und "Rettungspaketen" verweist, legt es im gesellschaftlichen Diskurs genau darauf an: Positionierung, Klarmachen des eigenen Standpunkts und Abgrenzung zu anderen mit Hilfe polemischer Angriffe oder Verteidigungen.
Problematisch wird das Ganze, wenn man vom direkten medialen Kontext des öffentlichen Auftretens abstrahiert und sich die Veröffentlichungen selbst besieht. Je mehr Zugriff die jeweiligen Autoren auf die Veröffentlichung haben, desto geringer sollte Notwendigkeit und Grad der Polemisierung und Verkürzung sein.
Müller bspw. hätte in seinem neuen Buch und auf den Nachdenkseiten selbst groß und lange auf die tatsächliche Verwendung der Milliarden-Summen der verschiedenen Fonds eingegangen sein. Niemand hätte "Meinung machen" und Dinge wegwischen oder verkürzen können.

Dass obige Sätze trotzdem recht einseitig und unreflektiert immer wiederholt werden, zeigt aber das tatsächliche Interesse: Man will sich gewisse "Munition" nicht nehmen lassen. Die Realität stellt nämlich beides infrage: "konservative" und "linke" Auffassungen wie sie ist oder zu sein habe.
Da käme es nicht recht, wenn klar würde, dass der Fonds zwar genannte fast 500Mrd. Euro umfasste, ein Großteil davon aber bspw. Garantien waren, welche bei historisch niedrigen Zinszahlungen auf deutsche Staatsanleihen und Hinterlegung bei Zentralbanken bzw. anderen Staaten, Banken, etc. zur Besicherung noch nach Abzügen "Geld verdient" werden konnte oder wird.
Die damalige Eigenkapitalspritze der Commerzbank (CBK) war in der Struktur der "Stillen Einlage" falsch, man hätte die Aktien normal erwerben, damit ein Recht auf Partizipation an Kurssteigerungen, später evtl. Dividendenzahlungen, etc. erwerben sollen.
Trotzdem scheint bei vielen Kritikern und Lesern diverser Foren und Blogs untergegangen zu sein, dass genannte Einlage in hohem Ausmaß von der CBK bereits zurückgezahlt wurde und sie auf diese Einlage auch Zinsen abführte.
Der Bund mithin also kein so hohen Verlust verbuchen musste, wie zunächst in Schreckensszenarien angenommen.

Die Linke polemisiert auch und nicht weniger als Konservative oder Liberale. Die Frage ist, wo man sich trifft, wo man halbwegs sinnvoll miteinander redet und sich gewisser Zahlen vergewissert. Diese Funktion übernahmen Zentralbanken, Statistische Bundes- und Landesämter und in abgeschwächter Form Forschungsinstitute.
Aber gerade bei letzteren sieht kaum einer der vielen Kommentatoren richtig durch was Studien-Design, Grundannahmen, Selektion, Stichproben, etc. anbelangt; zumindest dürfte sich dies bei wöchentlich mehreren veröffentlichten Arbeiten als schwierig erweisen.
Was also passiert?
Der "Diskurs" spitzt sich weiter zu, aber richtig "redet" man nicht "miteinander".