Mittwoch, 21. März 2012

Das war nichts, Herr #Nerz! #piraten #piratenpartei zur #nachhaltigkeit in der #faz

Irgendwie hätte ich nicht gedacht, dass die Piratenpartei ein Thema wie "Nachhaltigkeit" aufgriffe. Wobei "Piratenpartei" in deren Duktus wohl zuviel gesagt/geschrieben wäre, geht man dort doch nach meinem bisherigen Verständnis von einer gewissen "Meinungspluralität" aus - selbst ein Vorsitzender muss daher nicht für abstrakt konstruierte "Mehrheit" sprechen, sofern diese überhaupt konstruiert werden soll.
Jedenfalls interessierte mich die innerparteiliche Diskussion zum Thema des vom Vorsitzenden Nerz losgetretenen Diskurses innerhalb der FAZ.
"Nicht besonders gelungen, Herr Nerz!" war mein erster Gedanke beim überfliegenden Lesen.

Das gesamte Thema "Nachhaltigkeit" ist eines doch eher mit "den Grünen" assoziiertes. Kein Grund natürlich für eine andere Gruppierung oder Partei, dieses nicht aufzugreifen.
Modernisieren oder wenigstens verändert betrachten sollte man es dann aber schon. Ansonsten liegt die Annahme vermeintlicher "Kopie" doch zu nahe.



Um unseren aktuellen Lebensstil beizubehalten, verbrauchen wir etwa das 2,7-fache dessen, was unser Planet hergibt. Leider steht uns aber nur eine Erde zur Verfügung.


Diese Zahl kannte ich schon vorher, wurde sie so oder ähnlich auch schon vor geraumer Zeit im Deutschlandradio dargetan und diskutiert.
Dies führt aber ein wenig in die Irre: Falls alles auf dem Planeten tatsächlich "nicht nachhaltig" wäre und wir "2,7 Erden" verbrauchten, dann müsste dieses System schon innerhalb einer Generation zum Erliegen kommen. Natürlich, wendet man ein, werden in diese Zahl auch später stattfindende Wirkungen wie Klimaerwärmung, Dürren, Überschwemmungen, Missernten, sinkende Erträge, etc. einberechnet.
Aber: Niemand sagt, dass es so kommen muss.
Außerdem:Wer ist mit "Wir" gemeint? "Wir Menschen"? Das kann man so wohl kaum behaupten oder rechtfertigen. Wer am meisten verbraucht dürften die "wohlhabenden", vulgo "reichen", Staaten der Nordhalbkugel sein - Stichwort "Nord-Süd-Gefälle". Wenn ich mich recht erinnere gab es auch schon zu Zeiten Bundeskanzler Brandts "Nord-Süd-Berichte" und die Erkenntnis dieser Ungerechtigkeit.
Da von "wir" zu sprechen und nicht "die Menschheit" zu meinen mutet schon zynisch an.

Jetzt kommt etwas sehr beliebtes, leider nicht unbedingt sinnvolles:

Das gleiche Problem sehen wir auch an der offiziellen Staatsverschuldung Deutschlands.

Was die "offizielle Staatsverschuldung" mit "nachwachsenden Ressourcen" zu tun haben soll, erschließt sich nicht. Ein Staat ist ein Konstrukt, egal wie feinzisiliert er auch angelegt sein mag. "Natürliche Grundlagen" gibt es gemessen an der realen Ausprägung nur wenige. "Nachkommen" also "Bewohner" wäre so eine.
"Das gleiche Problem" ist also mithin völliger Unsinn.
"Eine Erde" ist ein ur-natürlicher Fakt, wäre diese zerstört und nicht mehr lebensfähig, dies entspräche einer "Überschuldung" oder der Auflösung/Zerstörung eines Schuldensystems, wären auch alle darauf lebensfähigen Organismen dem Ende geweiht.
Dies ist bei der "Staatsverschuldung" aber mitnichten so - Menschen werden sicher einen "großen Default" einem "globalen Krieg" mit Vernichtung der gesamten Lebensgrundlagen vorziehen.
Und worauf wird sich, hier in Persona Nerz', mal wieder kapriziert? U.a. auf "Renten- und Pensionskassen" mit dem beliebten und stets wiederholten "Argument", dies alles könne so aufgrund "demografischen Wandels", weniger Nachkommen, mehr Rentenbezieher, etc. nicht mehr funktionieren.
Auch hier wiederum kein Wort zur Systematik.
Es ist der eigentliche Verdienst basierend auf einer "Schläue" und gut fundierten Analyse, dass Menschen wie Albrecht Müller und Andere in das Vakuum nicht vorhandener Kritik an u.a. diesem Argument eingedrungen sind und es besetzt bzw. neu gefüllt haben.
So sind "Schulden" eben keineswegs nur "Probleme", ihnen stehen im Gegenteil immer und von Anfang an "Gewinne" bzw. "Einnahmen" gegenüber. Nur wird dies immernoch nicht ausgiebig genug diskutiert. Wobei es auch schon mal schlimmer war.
Der im Beitrag selbst angesprochene Miegel, ebenso Raffelhüschen, Rürup, etc. sind Beispiele für Menschen die sich einseitig auf die angeblich negative Seite der Bilanz konzentrieren und diese verstärken und wiederholen.

Eine solche Schuldenbremse hilft aber nicht bei der Rückzahlung der Schulden.

Eine "Rückzahlung" ist doch aber gar nicht im System angelegt, jedenfalls nicht in den genannten Größenordnungen.
Später geht Nerz noch auf die Inflationierung der Schulden und Ausgaben ein, ebenso verkennend, dass dies auf alle Preise und Einkommen einer Volkswirtschaft zutrifft, gewisse Anlagen aber vorteilhafter rentieren als andere.
Außerdem ist "Inflation" im System angelegt und "notwendig", jedenfalls weit weniger problematisch als das Gegenteil einer dauerhaften Deflation.
Werden also die Pensionen "entwertet", so werden auch die damit finanzierbaren Leistungen entwertet - zumal anhand der letzten Jahre nicht von einer die Inflation und Produktivität deutlich überkompensierenden Lohn- und Lohnstückkostensteigerung auszugehen ist.

Sie wird viel früher platzen. Und gegen diesen Knall wird die aktuelle Wirtschaftskrise wie das Knistern einer Luftpolsterfolie wirken.

Die schöne Apokalypse - wie selbststabilisierend es sein kann, wenn man "weiß, was kommt" und dann auch entsprechend "vorbereitet" ist.
In den Jahren ab 2008 hatten wir aber bereits soetwas wie eine "große Krise", die weit größer war als die gesamte Staatsschuldenproblematik Deutschlands: Die des gesamten westlichen Bankensystems.
Die Piraten kritisieren die Rückwärtsgewandtheit der damaligen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Gauck und Klarsfeld. Diese hätten weder etwas "für die kommenden 10 Jahre", noch für "das Internet" etwas zu sagen.
Dem kann man zustimmen.
Was aber will eine Partei, will mindestens ein Vorsitzender, mit einer Diskussion, welche sich auf die letzten Jahrzehnte bezieht und anscheinend auch nichts aus den letzten Jahren lernen konnte?
Das Internet bspw. ist schnell tot, wenn es mal keinen Strom mehr geben sollte. Keinen Strom gibt es, wenn es kein funktionierendes Bank- und Finanzsystem mehr gibt.
Diese Situation hätte 2008/2009 wenigstens vorübergehend durchaus auftreten können.
Wen interessieren da etwaige Rentenansprüche, die so ohnehin nur auf Basis einer ansonsten funktionsfähigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Basis erworben werden können und damit keine wie von Nerz beschriebene "große Krise" auslösen können oder werden? Weil diese Systeme ohnehin nur vorhanden und nützlich sind, wenn es ebendiese "große Krise" gar nicht gibt?
Sollte es also zu einer "Apokalypse" kommen, wird sie anderweitig stattfinden und damit wieder unter dem Radar einer Mehrheitsgesellschaft durchtauchen.
Im Übrigen gibt es in jeder "Krise" Akteure die ärmer werden als sie zuvor waren, andere werden reicher. Sofern es, wie Nerz schreibt, ein "Nullsummenspiel" ist, das muss es sein, wenn alle natürlichen Ressourcen begrenzt seien und diese für ein menschliches Leben unabdingbar notwendig wären, kommt man um Dinge wie "Klassenkampf" und "Klassenbewusstsein" in anderen Kleidern nicht umhin.

Der Ölpreis steigt immer stärker an und zerstört alleine dadurch schon die Theorie des unbegrenzten Wachstums

Ich dachte, da wäre man mittlerweile weiter, aber auch von Bärbel Höhn (Grüne) musste ich solches in einem kurzen Statement der "Braunschweiger Zeitung" lesen.
Anfang 2009 kostete ein Barrel Rohöl der Nordseesorte Brent unter 50USD, mittlerweile sind es wieder knapp 125 Dollar; der Einfachheit halber seien die Preise in Dollar belassen, da so international gehandelt. Sofern man den Eurokurs und damit Währungsschwankungen mit einbeziehen wollte, müsste man sich noch über Dinge wie "Eurokrise", etc. unterhalten.
Vor dem Fall auf unter 50USD kostete ein Barrel 2007 aber schon etwa 150USD.
Wo ist da der "immer stärkere Anstieg"?
Selbst wenn der Preis immer stärker schwanken sollte, was nicht das gleiche wäre, sagte dies nichts über die absoluten Preise und damit Implikationen für die Weltwirtschaft aus.
Dinge wie Ölsand, Schiefer, tiefere Bohrungen, etc. ebenso außeracht gelassen.
Weshalb der "Preisanstieg" eines Rohstoffs aber eine "Theorie des unbegrenzten Wachstums", die es so gar nicht gibt, "zerstören" sollte, ist ebenso völlig unklar. Den meisten Gesellschaften ist längst bekannt, dass die Abhängigkeit vom Öl verringert werden muss - das wird sie absehbar auch.
Dem folgend kommt Nerz auf die Quellen von Produkten wie Windrädern oder Solaranlagen bzw. Elektroautos zu sprechen - deren Rohstoffe zur Weiterverarbeitungen seien ebenso knapp.
Ja, was denn sonst?
"Kapitalistische Marktwirtschaft" ist doch per se und immer gewesen das Verteilen von knappen Gütern. Man ist sich also der Knappheit der Ressourcen stets bewusst, wenn man das ökonomische Minimal- bzw. Maximalprinzip formuliert. In einer Welt mit "Theorie unbegrenzten Wachstums", wie er formuliert, machten solche Aussagen und Prämissen gar keinen Sinn.
Wo hier also das fundamental neue oder "kritische Potenzial" liegen soll, erschließt sich nicht.
Auch bisherige Energieversorgung muss mit der Endlichkeit der Quellen leben: Uran für Atomkraftwerke wird irgendwann ebenso versiegen wie Braun- oder Steinkohle. Einem Grundproblem wird man damit nicht herr und es werden auch keine neuen Gesichtspunkte in die Debatte gebacht.
Außer man solle demnächst gar nichts mehr nutzen und das Niveau "westlicher Zivilisation" verlassen.
Wohin politische Parteien das aber führt, lässt sich an den Grünen ablesen: Ihre hohen Umfrage- und Wahlergebnisse erzielen sie jedenfalls nicht aufgrund apokalyptischer Untergangs- und Verzichtsrethorik allein.
Um es mal freundlich auszudrücken.
Die inneren Widersprüche seiner Logik erkennt er dann ebenso wenig wie oben genannte Apologeten des "demografischen Wandels":



Durch diesen Wandel arbeiten immer weniger Menschen.


Das bedeutet aber auch, dass "immer weniger Menschen" auch "immer weniger Ressourcen" verbrauchen könnten, mithin theoretisch müssten. Sollte dem nicht so sein und der Konsum und Verbrauch im Gegenteil sogar ansteigen, dürften dafür andere Dinge als "Notwendigkeit" oder "Natürlichkeit" verantwortlich sein.
Weniger Menschen verbrauche weniger Energie, verbrauchen weniger Kraftwerke, weniger Wind- und Solarkraftwerke, damit auch weniger "seltene Erden".
Sofern man sich auf den bevölkerungsmäßig schrumpfenden Westen konzentriert, müsste solch eine Gleichung aufgehen. Die weiterhin wachsenden Gesellschaften Chinas, Indiens oder Basiliens dürften an solchen Aussagen oder hinweisen freilich freundlich desinteressiert sein und sich lieber um die eigene Versorgung kümmern.
Und diese wiederum wird erst in Zweifel gezogen, hinterfragt oder modifiziert, wenn es notwendig wird.
Und eigentlich "notwendig" war die Abschaltung der Atomkraftwerke aufgrund angeblich "neuer Erkenntnisse" aus Japan/Fukushima jedenfalls nicht. Damit auch nicht unbedingt der massive Ausbau der Erneuerbaren.
Will man aber den menschengemachten CO²-Anteil senken, sieht das schon anders aus. Dann aber könnte man wiederum zunächst mit Energieeffizienz und - einsparung beginnen.
Interessant aber, dass Nerz nach dem Gedanken der mangelnden Lösung für die "Party", dass also der Wechsel von Öl zu Erneuerbaren aufgrund notwendiger Herstellung dieser gar keine Lösung sei, sofort wieder zu den "Renten- und Pensionskassen" springt.
Und auch hier, wie oben dargetan, wiedermal die "Öffentlichkeit" der Staatsschulden vergisst: Wo es eine öffentliche Seite gibt, existiert auch Privatheit. Letztere ist dem öffentlichen Zugriff nur solange weitgehend entzogen, wie die Öffentlichkeit, also der Staat, Privateigentum nicht nur garantiert, sondern diese spezifische Form toleriert und nicht in eigener Substanz gefährdet und bedroht ist.
Politisch lässt sich dafür das Beispiel Demokratie vs. Extremismus anführen, wirtschaftlich eben Privateigentum vs. Öffenliches Eigentum/Staat, etc.
Ohne staatliche Garantie des Privateigentums existiert schlicht kein Privateigentum, jedenfalls basiert die Ideengeschichte nicht auf der Zähmung der Öffentlichkeit durch das Private. Die Privatisierung diente gewissen Funktionen und war immer schon auf ein halbwegs funktionierendes Staatswesen angelegt, da die Mehrheit einer Gesellschaft kaum höhere Besitztümer und Privateigentümer akkumulieren wird - es also für die Aufrechterhaltung des Privateigentums immer der staatlich-öffentlichen Sanktionsmacht benötigt.
Sollte sich die Last also "systemgefährdend" zuungunsten einer mehrheitlichen "Öffentlichkeit" verschieben, also die Staatsschulden bspw. drastisch wachsen, so wird die Öffentlichkeit, der Staat, um sich selbst zu schützen und erhalten, die Privateigentümer letztlich enteignen.
Wo ist da die Neuigkeit? Wo der neue Incentive?
Man kann das ablehnen, gerade bei den Renten- und Pensionskassen, das aber nur dann, wenn das Ausmaß der Probleme eben noch nicht so groß oder bedrohend ist. Man es irgendwie unter der Decke halten und vernebeln kann.
Gelingt das aber nicht mehr und hat man weite Teile des öffentlichen Sektors mittelbar unter private Kontrolle bzw. Kuratel gestellt, sieht man anhang Griechenland aktuell was geschehen kann und wird. Dies aber auch nur defizitär, da am Grundproblem nichts geändert wird.
In US-Studien zum Thema "Wachstum der Gesundheitsausgaben gemessen am BIP" wurden im Übrigen nicht "demographische Probleme", sondern vornehmlich Technisierung und wachsende Einkommen als Treiber der Entwicklung angenommen bzw. eruiert.
Darauf gehen die meisten Akteure dieser Diskussionen aber überhaupt nicht ein - weder auf das im Schnitt der letzten Jahrzehnte bzw. Jahrunderte gesteigerte Einkommen, noch dem steigenden technischen Fortschritt der eben auch zu volks- und betriebswirtschaft gehört und nicht nur Inflation.

Aber nach jeder guten Party kommt der traurige Moment, in dem es nach Hause geht – gefolgt vom Katzenjammer am nächsten Morgen.

Und das ist das "Ende der Geschichte"? Dann ist das Leben vorbei?
Wie alt ist Herr Nerz? Feierte er nur "eine große Party" in seinem Leben oder ist das Aufräumen bzw. nach Hause gehen nicht vielmehr der Auftakt bzw. die Vorbereitung für eine neuerliche "Party"? "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel"?
[quote]Wir können ihn natürlichnoch hinausschieben und noch ein letztes Glas für den Weg trinken. Aber eigentlich sollte uns klar sein, dass dieses Glas das berühmte Glas zu viel ist. [/quote]
Wunderte mich, wenn jemand genau voraussagen könnte, wann welche Krise mit welcher Ursache beginnt. Das ist das berühmte "ich weiß nicht nur, wie es laufen wird, ich weiß sogar wann und womit es beginnt.".
Ab hier beginnt er dann, sich vollends stärker auf angstmachende und griffige Metaphern als auf das Problem zu kontrollieren. Hier verstärkt sich der Eindruck eines anhand weniger griffiger Punkte dahergeschluderten, hingerotzten Textes. "Seifenblase", "Pflaster" - es wird eigentlich nur noch schlimmer und lächerlicher.

Eine Politik, die sich selbst und den Menschen in die Tasche lügt, hilft nichts.

Auf solche Sätze sollten andere Piraten achten, hier hat anscheinend jemand längst verstanden, dass es zwischen "der Politik" und "den Menschen" mindestens eine Kluft gibt, mithin beide eigentlich nichts miteinander zu tun haben und auch haben sollten.
Sonst sollte und müsste man inklusiver formulieren: "Politik, die allen Menschen" oder "Politik, die sich selbst und allen Menschen" - "die Politik" als Block A und "den Menschen" als Block B wirkt jedenfalls recht distanziert.
[quote]Und sowohl für die FDP als auch für die Endzeitfilm-Fans habe ich noch eine unangenehme Nachricht: Unbegrenztes Wachstum gibt es nicht. Sich vorzugaukeln, dass Wachstum unendlich lange weitergehen kann, funktioniert auf Dauer einfach nicht.[/quote]
Auch wenn es "in" und momentan sehr einfach sein mag, die FDP medienöffentlich abzuwatschen, wurde erstens weder die oben zitierte und von Nerz benannte "Theorie des ewigen Wachstums" mit einem Wort belegt, noch dass es kein "unbegrenztes Wachstum" geben könne.
Plausibel erscheint dies anhand unbedingt notwendiger "natürlicher erzeugter" Rohstoffe, wie das Eingangsthema "Nachhaltigkeit" ja referenzieren sollte. Allerdings wurde sich im darauffolgenden Text teils sehr weit davon entfernt, bis hin zum indirekten Vergleich zwischen "Öl", was Menschen tatsächlich nach heutigem Wissensstand nicht unbegrenzt (wiederher-)stellen und nutzen können und Dingen wie "Wirtschaft", "Kapital" und "Geld", nichts anderes sind ja "Renten und Pensionen", die letztlich reine von Menschen gemachte und daher auch sofort veränderbare oder aufhebbare Konstrukte des menschlichen Geistes sind und eben keine solche natürliche Fundierung aufweisen.
Die Folgen solcher Aufhebungen können ja beim angeblichen Beleg der "Endlichkeit" deren Bestehens nicht das Problem sein - dies müsste später diskutiert werden.
Ohne eine angstmachende Folgendiskussion kommt Nerz und kommen die meisten anderen Apologeten aber nicht aus: Es würde und müsse ja allen schlechter gehen. Entweder bricht das bisherige System "natürlich" auseinander, weil es "irgendwann einfach nicht mehr weitergehen kann" oder man änderte es "radikal" mit möglicher breitenwirksamer Verarmung - aber besser als ersteres jedenfalls.
So oder ähnlich liest oder hört es sich dann immer an.
Sinnvoller wird es dadurch nicht.

dringend notwendige Reformen im Staat endlich umgesetzt werden.

Wo sollen diese "dringenden Reformen" denn bitte bei der zunächst nach eigener Aussage notwendigen Erkenntnis der Falschheit der "unendlichen Wachstumstheorie" helfen? Wo soll die Reform des Steuer- und, das darf da natürlich nie folgen, Sozialsystems dabei helfen?
Er zeigt mit seinen Worten "erst einmal" schon auf, wohin es gehen soll - perspektivische Leistungskürzungen denkbar und wahrscheinlich notwendig.
Nun könnte man ja mit Dingen wie "unbegrenzten Gehältern" in der Wirtschaft konfrontieren.
Da scheint es ja jedenfalls nach oben "keine Grenzen des Wachstums" zu geben - wie lassen sich knapp 18 Millionen Euro Jahresgehalt von DAX-Vorständen sonst erklären?
Nach unten existiert aber immer eine Grenze: Null, nichts, kein Lohn, kein Einkommen.
Aber halt, auch dieses akzeptiert unsere Gesellschaft so nicht mehr - die "Hartz"-Reformen mit Niedriglohnsektor, Aufstockern und "Kombi-Lohn"-Modellen seien Beispiele dafür. Man könnte auch die "negative Einkommenssteuer" anführen, soll die doch Menschen, die von "normaler Arbeit nicht leben" können mit Geld helfen.
Alles ein rein imaginiertes, konstruiertes Programm, alles auf Basis nicht-natürlicher Annahmen.
Trotzdem "funktioniert" es systemisch gesehen, ob "gut" oder "schlecht" ist dann wiederum eine auf Geistesleistung basierende Ideologisierung.
Wo sind also die "Grenzen des Wachstums" in "artifiziellen Systemen" nach oben bzw. unten?
Nicht existent, ganz einfach.
Sowas wie "dringend notwendige Reformen" muss sich Herr Nerz bei vielen Diskussionen der letzten Jahre abgeschaut/-gehört haben, war dies doch so immer wieder Thema. Immer wieder ging es zunächst um angeblich "allgemeinen Verzicht", trotzdem wachsen einige Einkommen, Vermögen, Schulden, Bauchumfänge, etc. immer weiter oder stärker als andere.
Woran mag das wohl liegen?
Vielleicht an gesellschaftlichen Ungleichverteilungen, die auf einem gewollten, da konstruierten, System basieren und damit mithin mindestens "toleriert", wenn nicht "gewünscht" werden müssen? So gilt die "soziale Spaltung" bzw. "Ungleichverteilung" als "große Triebfeder sozialer Mobilität".
Man könnte sowas praktischer und von akademischer Zurückhaltung befreit auch als "zynisch" betrachten.
Dann müsste man aber an harte Verteilungskämpfe denken, als Gesellschaften, die nicht auf einem "virtuellen Konsens" mit Einigkeit, Ruhe und Frieden, sondern nur auf Kampf um Ressourcen und weniger Kampf beruhen.
Darum, dass der Eine mehr haben will, als er dem Anderen auch nur gesteht oder zugestehen kann/darf - ansonsten gäbe es sein "mehr" ja nicht, sofern man tatsächlich in "endlichen Welten" mit "endlichen Ressourcen" lebte.
Dann wären die Systeme, die Dinge wie Staatsverschuldung, Rentenkassen, etc. produzieren nicht das Grundproblem, sondern Folge eines gewünschten, basalen Ungleichgewichts.
Sowas kann man als Pirat aber nicht diskutieren.

Wir verbrauchen zu viel.

Wieder dieses "Wir" - wer ist denn gemeint?
Eigentlich impliziert dieses "Wir" gar keinen Wunsch nach inhaltlicher und pluraler Diskussion, da es alle möglichen Akteure bereits aggressiv einbegreift und für etwas in Haftung und somit einer späteren Diskussion entzieht.
Sowas ist fast schon "diktatorisch", wenn man es radikal zuende denkt. Nicht sonderlich viel "luqid" jedenfalls.

Wir müssen wieder lernen, Zufriedenheit abseits des Ressourcenverbrauches zu finden.

Und wieder das "wir" mit ähnlich unklarer Ausrichtung.
Auch in unserer Gesellschaft gibt es mithin genug Menschen, die das längst "gelernt" haben. Nur was ist nach diesem "Lernprozess" in diesem konstruierte, artifiziellen falsch-parametrisierten Systemen die Folge? Nicht "weniger für alle", sondern weniger für den, der sich selbst beschränken möchte oder aufgrund externer Umstände, wie Lohnsenkungen, etc., muss.
Jemand Anders also kann und wird dann wieder "mehr" haben - weil nicht "weniger" belohnt wird, jedenfalls nicht inner-ökonomisch, auf Verteilungskennzahlen basierend, sondern nur das "mehr", das "akkumulieren", das "Anhäufen".
Zu hoffen, der Abwendungsprozess ginge noch so lange und immer intensiver weiter, dass genau dieses Akkumulieren so verpöhnt ist, dass auch die Profiteure darauf verzichten oder gesellschaftlich dazu genötigt werden, ist recht euphorisch und erzeugt jedenfalls bei mir wenig Hoffnung.
Abschließend kann jedenfalls ich sagen: Sofern es mehr solcher politischer Beiträge von Mitgliedern der Piratenpartei geben wird und dies nicht kritisch besprochen und in den Medien sogar im Sinne der Gesamtpartei diskutiert werden wird, was aufgrund der Traditionen des gewachsenen Parteien- und Mediensystems eher wahrscheinlich ist, wird dies in Wahlkämpfen eher schaden als nutzen. Für solche dahergeschulderten mit Metaphern gespickten Texte braucht es die Piraten allein jedenfalls nicht - im Sinne allgemeiner Verzichtsrethorik sind bspw. die Grünen in diversen Strömungen und jahrelanger Aussage deutlich glaubwürdiger und profilierter.
Was Nerz mit solchen Beiträgen ersucht, ist unklar - ein "genaueres Profil" kann er jedenfalls nicht gewinnen. Für sich selbst vielleicht, aber nicht für die Piratenpartei.
Auch nicht in NRW, wo der Haushalt ja angeblich so "schlecht" und so "wenig nachhaltig" gewesen sei, dass daran eine Koalition zerbrechen musste.

Und nicht, dass hier wieder jemand als "Tabubrecher", wie angeblich Sarrazin, gefeiert und das schon dümmlich als Leistung dargetan wird: Die Diskussion existiert schon seit Jahrzehnten.
Das war nichts, Herr Nerz!