Dienstag, 16. Februar 2010

#USIO - #Raab mit ordentlicher Figur in eigener Casting-Show

Kein Fan von so genannten "Castingshows" seiend, blieb ich heute auf ProSieben bei "Unser Star für Oslo" hängen.
Natürlich ist es eine "normale" Show, keine großartigen Neuerungen, nichts wegweisendes oder innovatives.
Doch hat Stefan Raab zumindest häufiger eine Nase für interessante Formate.

So sprach nicht zuletzt der Medienblogger Stefan Niggemeier vom "System Raab" (Gedankenzitat), welches von ihm auf ihn zugeschnitten sei.
So ist es nach TVTotal und Schlag den Raab auch in diesem Falle.

Mathias Opdenhövel ist ebenso vorhanden wie wechselnde Juroren, die an sich keinerlei Funktion erfüllen und wie es sich mir darstellt auch keine erfüllen sollen.
Zwar kann ich nur mit den Informationen der heutigen Sendung aufwarten, welche ich noch nicht einmal vollständig sah, doch kommt mir das alles schon sehr Raab-zentriert vor, der keine schlechte Figur macht.
Weil er kritisiert.
Und zwar positiv, vordergründig fundiert und nicht unter der Gürtellinie, wofür bspw. Dieter Bohlen in der RTL-Version "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) bekannt ist.
Raab mimt hier einen ruhigen, durchdachten, kritischen aber neutral-rationalen Bohlen.
Und genau hier punktet er.

An sich sollte Nena oder das Mitglied der Band "Fettes Brot" in etwa soviel Ahnung vom Geschäft und dem "Züchten" von "Superstars" haben, wie Stefan Raab.
Doch äußerten sich diese beiden fast ausschließlich emotional beteiligt, was nett aber wenig zielführend ist, da es um Verkäuft und Quote geht, oder einfach naiv und dumm.
Vorallem die sonst von mir durchaus geschätzte Nena fiel hierbei negativ auf.

Es kam mir teilweise so vor, als seien die anderen beiden Jury-Mitglieder vor der Sendung "gebrieft" worden, die "harte Kritik" Stefan Raab übrig zu lassen; er tut sich damit hervor.
Und das nicht einmal sehr klug oder dumm, sollte man doch davon ausgehen, dass er vom spezifischen Musik-Buisness nicht ausnehmend viel Ahnung hat.

Das passte auch zum "System Raab", genauso wie der Hintergrundkommentator der Einspieler, der mit dem aus TVTotal identisch ist und den "Wiedererkennungswert" sichert.
Opdenhövel und "Elton" hängen ihm ohnehin am produktiven Rockzipfel. Gerade die positive Profilierung des ersteren kam durch Raab enorm voran, war er bspw. mir sonst nur durch Späße in einem früheren Morgenmagazin entfernt geläufig.

Was Castingshows im Allgemeinen betrifft, so bringe ich gerne Verachtung zum Ausdruck.
Mir fehlen bei "Musik" im Allgemeinen sinnvolle Maßstäbe.
In allem, was Menschen tun, streben sie danach, sich mit anderen zu vergleichen und ggf. zum besseren zu arbeiten. Dies zieht sich schlussendlich gewollt oder ungewollt durch Beziehungen.

Wie aber soll man Musik "sinnvoll bewerten"?
Welche ist "besser" oder "schlechter"?
Gibt es dafür Kategorien und Maßstäbe?
Ja, möchte man einwenden: Anzahl der gehörten Titel, bspw. bei Diensten wie last.FM, Charts oder die Verkaufszahlen von Konzertkarten, Alben und Singles eines Künstlers.
Doch ist mir das zu wenig und sehr individuell.
Musik ist eine Expressionsform, die wie alle anderen zur Bewertung auch Maßstäben der Verwertung unterworfen wird, von denen sie nur teilweise abhänig ist.
Natürlich ist keine "moderne" Musik und kein ebensolches Konzert ohne kapitalistische Arbeitsteilung und "Konsum" denkbar.
Doch die gestalterische, ja schöpferische, "Kraft" - die Erschaffung mindestens eines Textes - unterliegt zumindest anfangs keiner Verwertungsorientierung und besitzt diese auch nicht als Bedingung, geht man von einer Künstler-Sozialisierung außerhalb dieses Kontextes aus.

Hernach kommt es zur Kommerzialisierung, Verbreitung und Verwertung.
Das Problem beginnt dort, wo die Verwertung zum Maßstab der Qualität wird.
Und genau so läuft es auch in genannten Castingshows.
In Ermangelung von geeigneten Kateogorien werden Menschen eingeladen, sogenannte "Juroren", die mal mehr oder weniger sinnvoll entweder Sangesauftritte, Kleidung, Stimme oder Bewegung des Kandiaten bewerten.
Damit prägen sie natürlich das Bild des Darstellers gegenüber dem Publikum und ggf. Fernsehzuschauern.
RTL bspw. nutzt dies um den "Bewerbern" ein Image zu verpassen - wenn Dieter Bohlen jemand elegant Kontra zu bieten vermag, polarisiert dies.
Und nichts ist wichtiger, als zu "bewegen", zu polarisieren und Menschen Projektionsflächen zu bieten.
Gute und schlechte.
Von Nena sollte man, angesichts ihrer spezifischen Berufszugehörigkeit, andere Einlassungen erwarten als getätigt werden.
Doch erwartet man im "System Raab" wie oben beschrieben ggf. zuviel und falsches.
Sicher besteht ein letzter Raum für tatsächlich dumme Äußerungen genannter Person, doch wären diese schon äußerst grotesk, geht es in solchen Shows doch nicht darum, einen "guten Menschen" zu finden, sondern einzig jemand vorzeigbaren, mit halbwegser Stimme, der sich gut verkaufen, also verwerten, lässt.
Und Leute wie Bohlen oder Raab sind in ihren eigenen Feldern eben gute Leute.

Anregend immer wieder, wie es vermocht wird, so vielen Bewerbern tatsächlich zu illusionieren, sie könnten einen der oder den begehrten Platz ergattern.
So bekommt die Verwertungsmaschinerie Futter und Selektionsmaterial, was sie sich sonst kostenträchtig suchen müsste.
Früher musste man Geld aufwenden um Künstler abgeschieden "zu entdecken".
Heute rennen sie die Studios großer Sender ein und begreifen dabei nicht, dass sie von vornherein keine Chance haben.
Nicht nur, weil sie sich selbst massiv überschätzen, sondern vorallem der schieren Menge wegen.
Dem werden die ganz wenigen tatsächlich ausgewählten natürlich vehement widersprechen.
Aber selbst diese zweifeln den Sinn und Nutzen dieser "Talentsuchen", wie ein Kandidat einer ehemaligen DSDS-Staffen, offen an.