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Montag, 12. März 2012

Bildungsstudie #Bertelsmann oder: Der Staat und die Kinder



Da gibt es also wieder einmal eine neue "Bildungsstudie", die vorallem gemäß Feststellung, der "Bildungserfolg der Kinder" sei von demjenigen der Eltern bzw. der sozialen Schichtzugehörigkeit abhängig, zitiert wird.

Vulgo: Ein "Akademikerkind" wird mit (deutlich) erhöhter Wahrscheinlichkeit eine Universität besuchen als ein "Arbeiterkind" oder "Arbeitnehmerkind", was immer das dann immer auch heissen soll.
Regelhaft wird ja zwischen sozialen Schichten, sozioökonomischen Stati und diversen anderen Parametern unterschieden.

Nun ist auch diese "Studie" keineswegs neu, deren Ergebnis klar und bekannt.
Wie "der Alkoholiker an der Laterne" hält sich nun wieder jeder an der Studie fest wie es gerade gebraucht wird. So ist "Bertelsmann" nicht gerade für "Interessenlosigkeit" bekannt, selbst wenn sich an wissenschaftliche Verfahren gehalten wird. Von "linken Kritikern", sofern man jemanden so einordnen möchte, sehen dieses Unternehmen und seine Tätigkeiten eher zur Wahrung gewisser Interessen und (ideologischer) Richtungen, konservative und liberale beispielsweise.
Dass nun gerade "linke", SPD und Gründe, solche Studien zur Kritik an der Schwarz-Gelben Bundesregierung verwenden, mutet schon ein wenig seltsam und fragwürdig an.
Aber wie geschrieben: Man nimmt es, wie es kommt und wie man es braucht.

Sonntag, 3. Mai 2009

Nun ist es wieder das Bildungssystem

Seit Jahren hören und lesen wir, dass das deutsche Bildungssystem verbesserungswürdig sei und geändert werden müsse. Manche wollen sogar die verfassungsmäßig geregelte Föderalität zur Disposition stellen.

Dabei sind die Befunde mangelnder Integrationsfähigkeit oder die Kopplung des individuellen Bildungserfolges an den elterlichen sozialen Status, also eine nicht beeinflussbare Kollektiv-Komponente seit Jahren bekannt.
Es ist in diesem Zusammenhang auch unklar, wie vorallem die Abkopplung letzterer Aggregatsverbände funktionieren soll; es müssten andere Strukturen in den Familien und Elternhäusern vorherrschen, um sich auf die Nachkommen tradieren zu können.

Ich persönlich halte externen Steuerungseinfluss der Schulen und anderer Bildungs- und Fördereinrichtungen diesbezüglich für begrenzt und unfähig dieses Strukturproblem zu lösen.
Entweder müssten sich die internen Strukturen wandeln, was nachhaltiger aber schwieriger zu realisieren sein dürfte, oder die externe soziale Kontrolle müsste sich ausweiten und intensivieren, was u.a. durch staatliche Bildungsplanung erfolgte und zwar einfacher realiter umsetzbar, doch ideologisch schwieriger konzipierbar und weniger nachhaltig wäre.

Die Wendung hin zur Ganztagsschule ist eine solche externe Kontrollmaßnahme; mussten früher sechs bis acht Stunden in der Schule verbracht werden, können es heute schon bis neun oder zehn werden. Die Schüler und Kinder verbleiben im Verbund mit anderen, soziales Lernen wird ausgiebiger möglich. Andererseits wird die relative Erziehungs- und Fürsorgezeit der Familie und des -kreises verringert.
Eine weitere Tendenz sind sic vergrößernde Schülerzahlen in Privatschulen und der u.a. damit verbundenen zahlenmäßigen Zunahme derselben.
Im Umkehrschluss bedeutet diese Zunahme für "leistungsorientiert" Denkende einen Wettbewerb der Schulen und Schulformen um Kinder und Finanzmittel.
Erneut findet Wettbewerb auf Kosten anderer statt. So, wie es am Ende eigentlich immer ist, denn die, die über Schulreformen reden sind meistens schon längst nicht mehr im System.

Beliebt auch die Zitation von OECD-Studien und zahlenmäßiger Bildungsausgabenanteile an nationalen Bruttoinlandsprodukten. Oder die Diskussion um "Eliten", deren Förderung und um "Exzellenzcluster" und -hochschulen in einem "nationalen Hochschulpakt".
Hier wiederum gegenläufig die Ausweitung der Abiturientenquote an den schulverlassenden Altersjahrgängen pro Jahr. Mittelfristig, nicht nur von der SPD Sachsen, werden hier Quoten um 50% eines Jahrgangs angestrebt, was die Frage nach dem Wert und der Intensität des Abschluss "Abitur" aufkommen lassen muss.

Hier lautet meine zentrale These seit Jahren: Der Abschluss Abitur wird nivelliert, vermutlich gewollt und sehenden Auges.
Weitergehend erhöht man dann den Druck auf Studierende, die massenhaft Praktika absolvieren und viele Auslandsaufenthalte erlebt haben sollten. Ohne diese solle man sich keine "Hoffnung" auf eine gute, interessante Tätigkeit machen.
Das ist falsch und perpetuiert die Entwertung des vorherigen Abschlusses und ermöglicht ebendiesen "Eliten" und oben angesprochenen Kindern aus "besserem Elternhaus" wiederum mittels höherem verfügbarem Einkommen, daraus folgend größeren Chancen und - man will es gar nicht glauben in Zeiten von CFDs, CDOs und MBS - für sie relativ einfacher und folgenloser zu finanzierenden Studiengebühren größere individuelle Lebenschancen.

Es ist, als sei die "gleichmäßige Niveauanhebung" unten akzeptiert, wenn in diesem Duktus nicht gar gewollt, für den Preis der erneuten und noch massiveren Chancenspreizung oben, nach dem Abitur in und nach dem Studium.

Sinnvolle Ansätze und Problemlösungen sind das alles nicht.