Montag, 4. Juni 2012

#Zeit und #ZEITOnline auch nicht besser als #Facebook - #datenschutz und Accountlöschung

In diversen Beiträgen regte ich mich ja schon mehr oder minder deutlich über Facebook auf, beklagte die angebliche "Selbstdemütigung des Nutzers" um die Community überhaupt langfristig nutzen zu können oder ging auf das quasi autokratische System ein.

Die Kritik muss sich aber auch auf andere Angebote übertragen lassen, nicht nur Facebook selbst. Es scheint ein Phänomen des Digitalen zu sein, in einer Welt, wo hauptsächlich oder "nur" Daten zählen, "Dienste" mit persönlichen Daten bezahlt und den Werbekunden gegenüber finanziert werden und die Staaten sich auch weiterhin eher schwer tun zu regulieren.
Immernoch hält sich die von den Piraten oder zuletzt auch von Vetter vom "law-blog" vorgetragene Ansicht, Dinge, die einmal eingestellt seien, könnten nicht mehr gelöscht oder kontrolliert werden.
Das stimmt in der Tendenz sicher für das Internet als solches, keineswegs aber für die einzelnen Angebote wie Facebook, Twitter oder Studivz.

Und je stärker diese Angebote den internen userbezogenen Datenverkehr monopolisieren wollen und dies umsetzen, was anerkannte Unternehmens- und Umsatzstrategie ist und sein muss, da sonstige Geschäftsmodelle bis auf Akkumulation und spätere Auswertung und Verkauf von Daten fehlen, nimmt auch die Abschottung nach außen zu.
Dies wurde auch schon Lobo in seiner Kolumne diskutiert.
In einem Artikel auf SpiegelOnline, SPON, ging ein Autor bereits darauf ein, dass solche Argumente eigentlich wenig vernünftig und der Realität standhaltend zu werten sind: Das Internet, so sinngemäß, sei der Raum mit der  bislang größten realen, da - ambivalenterweise - virtuell, Möglichkeit zum Autoritarismus bzw. zur Diktatur. Weil alles auf maschinenlesbarem Code, Software, basiert.
Sofern man nutzbare Hardware nicht ab Werk bereits beschränkt, wie Apple das bspw. mit dem IPad tut, können Programmierer bei Facebook bspw. recht willkürlich festlegen, welche "Richtlinien" in einer Community gelten oder gelten sollen. "Mitbestimmung der Mitglieder" existiert de facto nicht.

Aktuelles Beispiel ist "ZEITOnline", genauer die Community dieser Website/Zeitung. Dort einmal angemeldet scheint es keine Notwendigkeit zu geben, dem Nutzer einfach und schnell eine Löschung des Accounts zu ermöglichen. Inwiefern gelöscht wird, Facebook bspw. scheint ja, wie bei Schrems damals festgestellt, noch einiges jahrelang aufzubewahren obgleich für den User "öffentlich gelöscht", wird ohnedies nicht deutlich.
Nach der Anmeldung bei ZEITOnline lässt sich jedenfalls nicht sofort auf Möglichkeiten zur Löschung des Accounts und der Daten schließen.
Obgleich dies nach einer erfolgreichen Anmeldung wohl mindestens so wichtig und relevant sein sollte wie die oben lesbare "Abmeldung" oder "Ihr Profil".
Auch im "Profil", nach Linkklick, findet sich augenscheinlich keine Option zur Löschung."Meistkommentierte" und "Meistgelesene" Artikel sind eben wichtiger - denn diese ermöglichen kontrollier- und verwertbaren Zugriff der User auf die Inhalte und damit ebenso Werbeeinahmen der ZEIT.
Man kann Fotos einstellen, das "Profil" bearbeiten und "Datenfreigaben" zustimmen - Löschoptionen sind nirgends zu finden.
Auch in der "Hilfe" nichts zu finden, anscheinend soll man darauf nicht zu schnell stoßen oder der Verfasser unterliegt systematischer Blindheit, da er das Angebot der ZEIT online so enorm "schätz" - man sieht ja nur, was man sehen möchte.

Bei ZEITOnline und in der "community", community.zeit.de, jedenfalls weit und breit keine Löschoption zu finden. Selbst wenn man in der Adresszeile manuell genau diese Domain ohne Zusätze aufruft, findet man auf der neuen Seite allerlei Werbung für diverse "Projekte" und "Optionen", nichts aber für die "Löschung" der Daten oder des Accounts.
Schwache Leistung - vorbehaltlich eigener Blindheit.

UPDATE 04.06.12 22:30 Uhr
Nach Rücksprache mit dem Support lassen sich Community-Profile angeblich ausschließlich von ebendiesen löschen, man müsse also vorher anfragen und fast "bitten", damit dort jemand den Löschknopf betätigt. Noch schlimmer als bei Facebook also, wobei man bei ZEITOnline gemäß bundesdeutscher Datenschutzgesetze wengistens sicher sein können dürfte, die Daten werden bei Löschung auch tatsächlich komplett entfernt.
Bei Facebook sind diese, wie sich bei Schrems zeigte, auch Jahre später noch auf den Servern abruf- und verwendbar.

UPDATE 04.06.12 22:35 Uhr
In einer weiteren E-Mail beschreibt ein Mitarbeiter, "jeder User" habe "zeitnah die Möglichkeit" seinen Account "löschen zu lassen". Nach einem "kurzen Hinweis" komme man dem nach und bestätige per E-Mail.
Wieso man da betteln muss, unklar.
Auch auf meine Fragen, weshalb man nicht selbsttätig löschen dürfe und ob die Daten tatsächlich sofort sämtlich gelöscht würden - keine Antwort.