Dienstag, 4. Mai 2010

#Arriva und die #Deutsche #Bahn

Marktwirtschaft, Markt, Konkurrenz, Wettbewerb, sinkende Preise usw. usf.

War da was?

Im Vogtland, in Sachsen, wurde die Vogtlandbahn mit der Bewirtschaftung der Eisenbahntrassen beauftragt und erhielt den Zuschlag beim Vergabeverfahren des Landes/Landkreises.

Dies ist nun einige Jahre her; seitdem befährt die Vogtlandbahn als Tochterunternehmen der britischen Arriva Aktiengesellschaft unter anderem die Strecke Falkenstein - Zwickau im Stundentag in beide Richtungen.
Ursprünglich zog sich die Bahn aus der Fläche zurück, da die Strecken entweder unrentabel geworden seien oder einfach kein Interesse an der weiteren Trassenbewirtschaftung bestand.

Dass die Gleise, Bahnhöfe, etc. auch weiterhin im Eigentum der Deutschen Bahn AG (DB AG) und damit des Bundes verbleiben muss sicher nicht betont werden.
Dass die Vogtlandbahn dafür Nutzungsgebühren für jeden Trassenkilometer an die DB AG abführen muss, sicher ebenso wenig.

Nun kauft die DB AG die Arriva.
Da die Vogtlandbahn zum Arriva-Konzern gehört, beführe erstere somit de facto erneut genannte Trassen und könnte - ohne Eingriff von Regulierern wie des Bundeskartellamtes, etc. - langjährige Vergabeverfahren unterlaufen.
Zumindest ließen sich die Verträge nicht sofort lösen und Kreis und Land hätten daran wohl auch kein gesteigertes Interesse.
Das Kartellamt ließ bereits durchblicken, der Verkauf könne genehmigt werden, wenn sich die DB AG später von den deutschen Nahverkehrsteilen des Zukaufs trennte.

Wohlgemerkt: Ohne Regulierer käme dies nicht zustande und erfolgte eine ungehinderte Konzentration unter Ausschaltung des Wettbewerbers.
Damit kann nicht davon gesprochen werden, dass Märkte aus sich heraus zu effizientem Wettbewerb streben. Vielmehr suchen die Akteure Gewinnmaximierung und daher Konzentration zur Bestimmung ihrer Preise, Rendite und Nutzung der schieren Marktmacht.
Keine neuen Erkenntnisse.

Dass aber genau der Konzern, der die Strecken der heutigen Vogtlandbahn früher für ineffizient und zu teuer ansah, Nahverkehrsstrecken der Arriva kauft, die es ja aufgrund gewollter Liberalisierung des Schienenpersonennah- und fernverkehrs in Konkurrenzabsicht zur Deutschen Bahn AG gibt, ist doch ein klein wenig grotesk.
Weshalb meint die DB AG die jetzt im Paket zugekauften Strecken nicht selbst befahren und finanzieren zu können?
Weshalb braucht es dazu ein Privatunternehmen?
Wenn Bahnhöfe, Trassen, etc. doch ohnehin in deren Eigentum verbleiben und sie damit ebenso versucht, "Wettbewerber" unter Druck zu setzen?
Dann doch Wettbewerber lieber gleich aufkaufen und vom Markt verdrängen. Dass es dabei auch in Deutschland betroffene Trassen gibt und geben kann, merkt man öffentlich erst später.

Arriva - und damit die Vogtlandbahn - tat und tut nichts anderes als die Deutsche Bahn.
Sie befährt Eisenbahnstrecken.
Und dies sollte - theoretisch - zu gleichen Konditionen wie die der Deutschen Bahn AG möglich sein; Züge lassen sich effizieren, verändern und streckenspezifisch bauen. So wären die Investitionskosten des größeren Konzerns für kleinere Züge der VBT-Baureihe gemessen an Verschuldung oder Eigenkapital viel geringer gewesen als für Arriva.
Beide Konzerne müssen die Diesel- und Strompreise, hoffentlich, zu Marktpreisen einkaufen.
Auch hier allerdings dürfte schiere Größe für Rabatte sorgen: Die DB AG hätte auch dabei mutmaßlich Vorteile.

Einzig disponibel scheinen Löhne und Lohnkosten.
Diese können von Arriva massiv gedrückt werden - die DB AG dürfte auch aufgrund einer Bundeshaftung, öffentlicher Wahrnehmung und tarifvertraglicher Bindungen deutlich stärker "belastet" sein.
Damit tragen die Mitarbeiter die Rendite zum Arriva-Konzern.

Das allerdings hätte man auch mit Lohnsenkungen oder Ausgliederungen bei der DB AG selbst erreichen können.