Donnerstag, 31. Dezember 2009

Auskehr Jahr 2009 und Einstimmung auf 2010

Das alte Jahr geht zuende, ein neues geht nahezu nahtlos darin über.
Ich bin kein Freund von "guten Vorsätzen", denn meist halte ich sie entweder nicht ein oder sie sind a priori sinnfrei, da ich den Inhalt dieser Vorsätze auch ohne ein neues Jahr umsetzen könnte.

Das kommende Jahr 2010 steht für mich im Zeichen der Minimalisierung.

Das beginnt prominent und von den meisten wohl eher belächelt in meinen Profilen von Internet-Communities. In diesen werde ich einmal gründlich aufräumen und dies auch bis zu einer Änderung der "Geschäfts- und Titulatspolitik" dieser Portale beibehalten.
So werde ich den Bestand der 53 StudiVz-"Freunde" drastisch zusammenstreichen.
Im Kern nutzte mir speziell das Studierendenverzeichnis bislang einzig zur schnellen Kommunikation mit Menschen, mit denen ich auch kommunizieren wollte und legte auch bislang keinen Wert auf Erhöhung dieser "Freundes"-Zahl oder anderen dabei zu helfen, dies bei ihnen zu tun.
Etwaige geldwerte- oder arbeitsmarktzugehörige Vorteile, die mögliche materielle Seite von Vernetzung und Verlinkung, wurden mir nicht zuteil.
Daraus schlussfolgere ich, dass ich meine Nutzung anpassen und nur noch "Freunde", die zumindest ansatzweise die Bezeichnung verdienen, in den Listen behalte.
"Karteileichen", die ich entweder nicht kenne und denen ich wegen eines angestrebten Gruppenbeitritts Freundschaftsanfragen schicken musste, oder Menschen mit denen ich ein Jahr, also 365 Tage lang, keinen Kontakt hatte werden gestrichen und "verdienen" auch keine Positionierung.
Ich nehme daher an, die Zahl der Verlinkungen, diminutivierend "Freunde" genannt, auf deutlich unter 50 reduzieren zu können.

Natürlich nehme ich den von extern oktroyierten Begriff der "Freundschaft" im Sinne der Communities und deren Betreiber nicht ernst.
Doch ermöglicht eine Verschlankung eine effizientere Verwaltung der Communities, weniger SPAM und durch meine Sicherheits- und Datenübermittlungspolitik, welche ich zukünftig noch deutlich restriktiver zu gestalten gedenke, weniger Aufwand und Bedenken bei neu entdeckten Sicherheitslücken. Die Ansichts- und Bearbeitungszeit sollte sich deutlich senken lassen und bietet daher Raum für neue Projekte und Aktivitäten. Eine Twitter gestützte Vernetzung bleibt aber vorhanden.

Facebook ist die ideale Plattform für professionelle und berufliche Kontakte und bietet deutlich mehr als das StudiVZ. Ich favorisiere es daher auch für neue Kontakte genannter Art; durch seine rationelle Datenweitergabe und -verarbeitung verringert es den Zeitaufwand um auf dem "Laufenden zu bleiben" doch enorm.


Das Jahr der Minimalisierungen setzt sich aber auch anderweitig fort.

Demnächst lasse ich endlich meine alte und viel zu teure Mobilfunknummer abschalten und tausche sie gegen eine bereits im Besitz befindliche günstigere Sim-Card aus. Durch Analysen meines individuellen Verhaltens- und Verbrauchsprofils bin ich für den aktuellen Mobilfunkbetreiber ein deutlich besseres Geschäft als er für mich.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der "Neustart" bzgl. Kontakte und Menschen, die meine bisherige Nummer kannten. Deren Zahl wird sich nun ebenso massiv verringern, was mir wiederum Zeitersparnis bringen sollte.

Bei Ebay.de bin ich seit geraumer Zeit registriert; u.a. mittels dieser Plattform möchte ich weiter abrüsten und von materielle auf immaterielle, bzw. immobile Vermögens- und Wertgegenstände setzen.
Daher steht aktuell mein 21-Zoll-Monitor zum Verkauf. Folgen werden mein Big-Tower samt Inhalt, meine Friends-DVDs, eine Stereo-Analage sowie einige kleinerer Dinge. Was den weiteren positiven Nebeneffekt einer "freieren Umgebung" mit weniger Sorgen um eigene "Besitztümer", deren Pflege und Geld- sowie Zeitinvestition nach sich zieht.

Minimalismus soll aber teilweise auch ideenstiftend und motivatorische Relevanz bei politischen Projekten und Überlegungen Pate stehen bzw. zum Verständnis aktueller wie kommender Probleme und deren Lösung beitragen.
So ist gerade das Politikfeld "Verkehrspolitik" landes- und kommunalpolitisch äußerst interessant und manchmal auch brisant. So gibt es Städte und vorallem kleinere Dörfer, in denen kaum noch Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist.
Meine Position zur Reduzierung der Autobahn-, Straßen- und PKW-Anzahl möchte ich auch 2010 offensiv vertreten. Die Grünen und einige Bekannte innerhalb dieser Partei werden auch weiterhin interessante Gesprächspartner sein. Ich denke dabei konkret an Umweltzonen, die CO²-Reduktion im Sinne des "Klimawandels" und Reduktion des Verbrauchs im Allgemeinen.
Verkehrspolitik wird ein integrativer Bestandteil von lebenswerten Kommunen werden müssen. Dabei sollte weniger auf Individual-, als auf öffentlichen Personennahverkehr wie Bus und Bahn gesetzt werden.
Hier darf ich dann sicher auch das "Maximalprinzip" vertreten: So viel Verkehr wie möglich auf die Schiene lautet das Credo.
Den Abgesang auf das Benzin- und Diesel-Auto muss ich nicht mehr einläuten, revolutionär wäre schon eher die Prognose der neuen, marktreifen und sich durchsetzenden Antriebstechnologie für die nächsten Jahrzehnte. Doch wäre dies ebenso gewagt.


Das gerade angerissene "Maximalprinzip" soll auch noch auf einem anderen Feld gelten: Dem ehrenamtlichen Engagement.
Dies möchte ich ausweiten und meine Vernetzung sowie Mitarbeit ausbauen.
Hier schweben mir vorallem Dinge wie die "Tafeln" oder auch die "Telefonseelsorge" vor, welche ich einerseits als "notwendiges Übel verschiedener politischer Entscheidungen", andererseits sinnvolle und befürwortbare Einrichtungen verstehe.
Beiden gebührt größere Zuwendung und Mitarbeit.


Im Allgemeinen genötigt es mich einen Blick auf meine Kontakte, deren Nutzen und abwägend sinnhafter Fortsetzung zu werfen.
So gibt es genug Leute, bei denen ein Kontaktabbruch nottut und der, wie bei anderen bereits geschehen, sich äußerst heilsam und perspektivenreich ausnehmen wird.
Ich erspare mir, abgedroschen von der Suche nach "den wahren Freunden" zu schreiben, ist dies doch sinnfrei, da es diese gar nicht gibt oder auch nur geben kann.
Doch gab es schon geringere Gründe aus denen Kontaktdichten meinerseits ausgedünnt wurden, es nutzte stets und wirkte sich belebend aus.
Und denen, die dann übrig bleiben, was deutlich weniger werden sollten, möchte ich auch deutlich mehr Zeit widmen und in sie investieren. Bislang wurde ich dafür in den meisten Fällen auf irgendeine Art und Weise belohnt. Danke allen dafür.

Bei Neujahrsgrüßen herrscht meinerseits in diesem Jahr ebensolcher Minimalismus.
Ich bin es leid, ständig über irgendwelche Communities "on the fly" und "btw." gegrüßt und auf den Umstand eines sich zum Ende neigenden Jahres hingewiesen zu werden und eine Antworterwartung erfüllen zu sollen oder müssen.
Ich erspare es mir also; betreffende Menschen wissen ohnehin bescheid, wurden bereits persönlich in Kenntnis gesetzt oder waren so wichtig, dass der Kontakt im Jahre 2009 beendet wurde.
Wie man es auch dreht, ergeben sich keine Grußnotwendigkeiten.


Allen, die irgendetwas gegen mich haben oder welche ein Problem mit mir gehabt haben sollten oder fortbestehend haben, richte ich hiermit noch ein mehr als freundliches "Ihr könnt mich alle! ;)" aus und verbleibe bis zum 01. Januar des sich jährlich-wiederholenden menschengemachten Trotts, genannt "Silvester" und "Neujahr".

Dienstag, 29. Dezember 2009

Idee - Übernahme - Kapitalismus und Online Communities

Wie viel bin ich wert?
Wie viel bist Du wert?
Das weißt Du nicht? Oder gar, welchen Sinn solches im Kontext von Communities wie dem StudiVZ haben sollte?

Eine Community beginnt womöglich als Kleinprojekt findiger Programmierer, die an Funktionen an anderen Angeboten vermissen oder sich und ihre Ideen in Teilen selbst verwirklichen wollen.
Sie erschaffen eine Plattform mit ersten Anmeldungen, Profilseiten, bauen sie datenbankgestützt dynamisch auf und spezialisieren sich auf ein Thema.
Irgendwann kommen sie auf den Gedanken wachsen zu wollen, machen Werbung, die Nutzer Mundpropaganda und andere werden aufmerksam.
Ein Segment gesellschaftlicher Reproduktion gelangt stärker in den öffentlichen Fokus und die thematische Befassung nimmt zu. Weitere Nutzer melden sich an.
Andere kommen auf den kapitalistischen Verwertungsgedanken, der besagt, dass sich damit doch ein "Gewinn" erzielen lassen können müsste.
Ein oder mehrere Investoren treten an die Betreiber heran, führen eine System- und Angebotsprüfung ein und geben Gebote ab.
Irgendwann wird ein Gebot angenommen und die Community veräußert.

Sie war auch schon früher Teil des kapitalistischen Produktionsprozesses, da sie ohne ihn nicht nur niemals entstanden wäre, sondern auch nicht lauffähig oder zur erlangten Bedeutung gekommen wäre.
Sie benötigt Strom, welcher wiederum durch Lohnarbeit, Arbeitsteilung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen mit Gewinn durch Produktivitätsabstand zum Lohnausgleich zustande kommt, um überhaupt zu funktionieren, ferner eine menschliche Arbeitskraft, der durch die Programmierung Opportunitätskosten, mithin auch der Volkswirtschaft, entstehen.
Somit erzielten die "Betreiber" und Autoren direkt womöglich und wahrscheinlich noch keinen Gewinn durch Verwertungsinteresse; dies ändert sich bei Übergang auf einen klar gewinnorientierten Konzern.

Es ist davon auszugehen, dass es sich ein solcher Konzern nicht dauerhaft wird leisten können ein solches Projekt im Verlust zu betreiben.
Sagen wir, die Plattform wurde für den stolzen Preis von etwa 50 Millionen Euro veräußert.
Gehen wir ferner davon aus, dass die meisten Plattformen bisher und weiterhin Verluste schreiben, also ihre Betriebsbilanz nicht einmal mit einer schwarzen Null abschließen können. Dies ist nach meinem Kenntnisstand zumindest bei Facebook und Youtube, eigentlich sehr populäre Dienste, der Fall.
Gehen wir weiterhin davon aus, dass kapitalistisch-buchhalterische Logik zu Anwendung kommt, nach der mindestens eine schwarze Null, besser noch ein Gewinn aus der Unternehmung hervorgehen sollte, ja eigentlich hervorgehen muss.

Daraus lässt sich ableiten, dass erstens Schritte unternommen werden müssen, die Kosten des Projekts zu senken, zweitens die Einnahmen durch ebendieses zu erhöhen oder überhaupt zu bedingen und drittens dafür nur eine gewisse Zeitspanne mit Deadline vorhanden ist, die schnell zum Exitus führen kann, so sich keine durchgreifenden Fortschritte ergeben.

Viele Nutzer mögen keine Werbung und wollen sie auch nicht sehen, sie verwenden Werbeblocker wie das beliebte Firefox-Addon "AddBlock" mit großer Funktionalität. Hier fallen eventuelle Werbeeinnahmen auch per se weg, da es nicht einmal zu einer Einblendung, geschweige denn zu einem Klick oder Kauf kommt. Wie viele Nutzer dies betrifft sollte sich anhang der Browser- und Pluginkennzeichnung eruieren lassen.
Andere User werden schlicht nicht auf Werbung klicken oder über diese Werbung keine Produktkäufe einleiten, was wiederum keine Erträge generiert.
Bliebe eine andere Zahl, bei der das funktioniert. Wie hoch die diesbezüglichen Einnahmen wären kann ich nicht beziffern, doch gehe ich davon aus, dass dies weder die laufenden Betriebs- noch Werbe- oder Kaufkosten amortisieren kann.
Das Problem bleibt also.

Man könnte ferner versuchen den Nutzern kommerzielle Produkte als community-interne unterzujubeln und sie quasi zu nötigen, mindestens aber zu verleiten sie zu nutzen und publizieren.
Vielleicht erfindet oder portiert man neumodische Worte, Anglizismen, um dies "cool" und "modern" wirken zu lassen.
Fraglich ist aber auch hier, wie genau Einnahmen bei den kommerziellen Anbietern zu generieren wären, können sie doch nicht davon ausgehen, dass die Profilinhaber selbst oder deren "Freunde" resp. andere Nutzer mit dem Ziel des Produktkaufs darauf klicken.
Wäre damit verbunden nicht eine weitere Option die riesige Datenfülle nutzbar, damit verwertbar und zugänglich zu machen?
Zahlen spezifische Unternehmen nicht viel Geld für zielgruppenspezifische Angebote in den Communities selbst, aber auch für Verhaltensanalysen spezifischer, vielleicht sogar ausgewertet "realer" Nutzer?

Dies ließe sich nun fast unbeschränkt fortsetzen, der "Ideen" existieren viele.
Allein richtige "Verwertung" im Sinne Gewinnmaximierungsstrategien mag ich erfolgreich noch nicht erkennen.
Aber sei es zunächst drum.

Wichtig sollte in einem solchen Szenario sein, User anzuwerben, einzubinden, zu halten und affizieren, welche eine "leadership"-Funktion oder eine ebensolche als "Meinungsmacher" in verschiedenen Gruppen und Netzwerken ausüben.
Darüber wurde auf ZeitOnline zuletzt ein Artikel mit abgewandeltem Duktus publiziert: "Social Networks: Was verraten soziale Netzwerke? Alles!".
Diese User ermöglichen den Betreibern nicht nur "wertvollen", also realen und damit gewinnbringend verwert- und vermarktbaren Content zu generieren, sondern ziehen auch andere, neue User, neue Klientel und Gruppen an.
Genauso intensiv können natürlich auch deren negative Bewertungen wirken. So dürfte den Usern der Communities noch nicht einmal ansatzweise klar sein, was sie bewirken können, wenn sie sich eben nicht als Bittsteller gerieren, sondern "zusammen schließen" und - wie bei Facebook - auf bspw. eine "Dislike-Button" drängen.
Allein wird dies wie im realen Leben an der Uneinigkeit und vorgeblichen Individualität scheitern.

Daraus ergibt sich, dass gewisse User oder Profile schon heute unterschiedliche Wertigkeiten haben müssen und haben.
Mithin setzt sich nur die aus dem realen Leben bekannte Verwertung des Menschen in der Produktion und für kapitalistische Interessen in der "Online-Welt" fort.
Doch macht sich hier der Mensch zunächst selbst zur Ware - möchte man meinen.
Doch ist noch gänzlich unklar, welche Motive und vorallem Zwänge zu einer Registrierung in einer solchen Community führen und welche Sanktionen, Barrieren und Restriktionen vor einer Abmeldung bestehen. Die aus dem wahren Leben bekannte "soziale Kontrollfunktion" wirkt und existiert hier u.a. durch die Fiktion vermeintlich etwas verpassen zu können oder ebenso oder tatsächlich exkludiert zu werden.
Die Überbetonung sowie zunehmende Verlagerung vieler Lebensbereiche in das Internet tut dabei ihr Übriges.

Diese Wertigkeit setzt sich also sofort in die Profile und in einer höheren Stufe natürlich auch in die Communities und Plattformen selbst um.
So meinen wir zwar entweder "sehr individuell" zu sein und daher "individuelle Profile" zu haben und generieren zu können. Was zunächst machbar und logisch erscheint, halten wir uns doch auch real und persönlich allermeist für "sehr individuell" oder streben danach.
Genauso wie real ist diese Individualität aber auch virtuell eine Fiktion. Allein wird sie virtuell noch deutlicher.
Es wird tatsächlich versucht, Individualität zu kreieren oder darzustellen mithilfe kategorisierender und im ursprünglichsten Sinne kollektiver Werkzeuge. Wer weiß, wie eine Datenbank und deren dynamische Webseitenumsetzung funktioniert, weiß wovon ich rede. Daran ist nichts individuell, alle Einstelloptionen sind vorgegeben.
Womöglich neigen Communities demnächst stärker dazu, die in einem anderen Beitrag bereits angerissene "konstitutive Anonymität" sowie "kollektivistische Systemarchitektur" und damit des Kollektivismus in Reinkultur durch vermeindliche Individualisierung mittels "Demokratie" oder "demokratischer Abstimmung" abzuhelfen.
Es gibt bereits Ansätze und praktische Beispiele dafür, die - man kann es sich nach obigem unschwer selbst erschließen - aber nichts anderes als selbst wiederum fiktional sind, da letztlich dem Verwertungsinteresse weniger unterlegen, was nicht die Entscheidungsfreiheit vieler bedeuten kann und realitär tut.

Daraus wird eine Wertigkeit der Profile, weniger der Nutzer, deutlich. Die Nutzer werden losgelöst von ihren Daten.
Womöglich ist das die "Entfremdung des Lohnabhänigen von seiner Arbeit" des 21. Jahrhunderts.
Ob man das "Pflegen" oder Bestücken eines Profils als "Arbeit" bezeichnen kann ist fragwürdiger als die Communities und Profile als Ort der Reproduktion und eines gewissen "Marktzugangs" zu sehen. Ist doch mittlerweile bekannt, dass Arbeitgeber nicht nur in Suchmaschinen, sondern auch mittels Plattformen nach "geeigneten Bewerbern" suchen.
Ein solches Profil kann und wird also in wenigen, vielleicht auch wenigen, Fällen zu erhöhten Chancen und gesellschaftlichen Zugängen zur Reproduktion und Teilhsabe ermöglichen und bedingen.
Auch hier setzt sich ein bekannter Trend aus dem "realen Leben" fort.

Wieviel also ist ein Profil, sind die darin enthaltenen Daten und Informationen, "wert"?

Zunächst wäre zu fragen: "Qui bono?" - also wert für wen?
Der Nutzer erzielt womöglich einen kommunikativen Nutzen, sehr wahrscheinlich eine Nutzenproduktion durch Erlangung von "self-esteem" und angepasster Selbstdarstellung oder in Einzelfällen gar oben beschriebene Chancen qua Arbeitsmarktzugang und "produktive Kontakte".
Es dürften nur die allerwenigsten sein, aber so es sie gibt, dürfen sie analytisch-thematisch nicht außen vor bleiben.
Auch kommunikativer Nutzen ergibt sich nicht automatisch und verlang zunächst Agglomeration und Verwertung eigener Ressourcen, wie Fähigkeiten zum Wahrnehmen, zuhören, lesen, umsetzen und erneut an die Kommunikationsart angepasstes antworten. Also mithin kein bedingungsloser Wert an sich.
Für die meisten Nutzer dürften solche Profile Zeit kosten, die sie weder betriebs- noch volkswirtschaftlich produktiv sein lassen. Zumindest im herkömmlichen Sinne (bezahlte Blogs, etc. einmal ausgenommen).
Zumal sie - wie oben an den Betreibern ansatzweise verdeutlicht - noch einiges an Investitionen für Betrieb und Pflege aufbringen und eingehen müssen.
Für den "normalen" Nutzer ist es also, meine Auffassung, zumindest kein vulominöses Gewinngeschäft.

Für den Betreiber zählt die Wertigkeit eines Profils im Sinne seiner kapitalistischen Verwertbarkeit, also er Möglichkeit es oder Bestandteile dessen teilweise, ganz oder temporär zu vermieten oder verkaufen bzw. zur Verfügung zu stellen und damit kostendeckend zu arbeiten oder einen Gewinn zu realisieren.
Profile, die keinen ersichtlichen "Nutzen" haben, oder hinter denen einfach Bots, Computer, automatische Abfragesysteme bzw. Unsummen von Zweit- oder Drittprofilen stehen, sind demgemäß wertlos und kosten nur ressourcen.
Ein Positivum vieler Captchas in einigen Communities ist auch eine Erschwerung solcher Kostenproduktionen.
Betreiber sollten Nutzer wie "leader" oder "Meinungsführer", resp. "-macher" suchen, an sich binden und integrieren und ihnen eine - fiktionale - Mitspracheoption anbieten.
Durch sie erkennen sie bzw. deren automatisierte Abfragesysteme Nutzertrends, aggregieren diese und vermitteln bzw. vermarkten sie gewinnbringend an andere Unternehmen.
Außerdem dürfte die Wahrscheinlichkeit verwertbaren Contents in der Umgebung solcher "wertvoller Nutzer" höher sein, als unter der "normalen Nutzerschaft". Schließlich zeichnen sie sich durch besonders gute Vernetzung oder Aktivismus aus. Machen die Betreiber dann keinen Fehler und stellen diesen Nutzern Werkzeuge für Kollaboration und Kommunikation zur Verfügung, so könnten sie es schaffen sich einen Status der "Unverzichtbarkeit" anzueignen.
Doch dürfte dieser Status durchweg fluider sein als offline.
Die "normale Nutzerschaft" hat insofern einen Wert, indem die Daten- und Informationen einen Anfangsverdacht der "Echtheit" oder "Relevanz" vermuten lassen und werden dann nur noch durch ihre relative größe geschätzt. Sie können durch massenhafte Verlinkung und viele "Freunde" zwar viele Mitglieder anziehen, abstoßen oder attraktivieren, sind jedoch durch ihre gesellschaftliche Funktion offline wie online begrenzt. Und daher auch nur begrenzt "nützlich" und "verwertbar".

Konsequent wäre es also, eine Berechnung der "Profilverwertbarkeit für den Betreiber" vorzulegen und sgar in die Profile zu integrieren.
Natürlich tut man dies nicht, will man das offensichtliche doch in Darstellung zu verhindern versuchen: Die Erkenntnis der Reduktion auf das allgegenwärtige und systemisch notwendige Verwertungsinteresse als zumindest "höheres Prinzip über dem jeweiligen Einzelnutzer. Man verhindert damit auch die Erkennung des Wertes, des "kapitalistischen" Wertes des Nutzers, vielmehr aber seiner Informationen, Daten und des Profils.
Denn wäre dieser bekannt, könnte der User womöglich seinen Teil dessen einfordern wollen.
Die Nachricht, Communities schrieben allenthalten Verluste und seien daher eigentlich seit Jahren quasi "gutmenschlich" über Wasser und der Funktionsendegrenze gehalten worden, nutzt dann auch eher als sie schadet.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Stalking und Communities

Da ich gerade mit einer Followerin bei Twitter eine kurze "Diskussion" zum Thema hatte, dachte ich über das Thema "Stalking im Zeitalter von Internetcommunities" nach.

Der größte und intensivste "Stalker" ist wohl der Staat und seine Strafverfolgungsbehörden sowie die Betreiber der Websites und Profile selbst (bitte nicht die Ironie überlesen).
Gerade diesen Betreibern stellen Nutzern solcher Communities alle Informationen die man einstellt kostenlos zu Verfügung und natürlich sind erstere nicht zu dumm damit Geld zu verdienen und die Nutzer wenigstens zu einer ihre Nutzerzahlen-maximierenden Informationsweitergabe zu nötigen oder zwingen.



Allgemein
"Stalking" an sich ist noch nicht lange ein durch das Strafgesetzbuch (StGB) sanktionierter Tatbestand und dürfte daher mannigfacher, vorallem gerichtsständiger, Rechtssprechungen unterliegen.

Durch die Informationen, die man in ein Profil einträgt - gehen wir einen moment von ihrer Richtigkeit, also einem Mindesten interessant und für einen "Stalker" verwertbar machenden Informationsgehalt aus - gibt man diese für prinzipiell alle assoziierten Profilnutzer frei.
Eine Kontrolle, was diese mit den Informationen tun gibt es nicht.
Dies ist auch im "reallife", also offline, gegeben, da jeder unser vermeindlichen "Freunde" Informationen an andere auch unerwünscht/-erlaubt weitergeben oder anderweitig weiterverwenden kann.
In Communities gibt es darüber hinaus die Freigabefunktion "Für Freunde von Freunden", was meiner Ansicht nach fast "Freigabe für Alle" entspricht, schließlich kennt man die sogenannten "Freunde" seiner "Freunde" oder - sehr viel passender und weniger perfide - "Kontakte".

Dass die Communities und deren Betreiber gewisse Bezeichnungen absichtlich verwenden, machte ich schon in einem anderen Beitrag thesenartig deutlich.

Gibt man Informationen also mit dem oben genannten Vermerk frei, so verliert man fast vollkommen Kontroll- und Einflussmöglichkeiten über deren Wahrnehmung und Verarbeitung.
Täten wir solches in der Realität? Denn dies sollte meiner Ansicht nach der letzte und sinnvollste Maßstab bei solchen Bewertungen sein.
Gäbe ich einem Freund eine Information, teilweise nicht unpersönlich, mit der impliziten Billigung bzw. aufgrund von Ziel und Richtung solcher Communties sogar Aufforderung der Weitergabe an andere "Freunde"?
Und interessanter noch: Die Weitergabe erfolgt nicht einmal mündlich, also in Zurechenbarkeit von Verantwortlichkeiten.
Die Community, also ein anonymes Datenbank- und Serversystem übermittelt die Information an andere Menschen, so auch "Freunde von Freunden". Damit - wiederum ein Anschluss an eine andere These - macht man sich Anonymität zur Überwindung von Gräben und Hemmschwellen zunutze.

Darum deduziere ich gleich einmal folgende These, damit sie mir nicht entfällt:
Nach aussen und oberflächlich betrachtet fusst der Erfolg von Netzwerken und Communities auf "Öffentlichkeit", auf Exhibitionismus der beteiligten Nutzer und Senkung von interaktiven Kommunikationshemmschwellen.
Dies aber ist nicht ohne die gleichzeitig-notwendige Anonymisierung und Anonymität des Datenverkehrs möglich, denn diese entlastet das Individuum von Erklärungs- und Selbstrechtfertigungsnöten für sich und andere.


Zurück zum Stalking.
Kann die Suche in öffentlich verfügbaren Informationen als "Stalking" bezeichnet werden?
Meiner Ansicht nach nicht.
Nahezu jede Community bietet zunächst die Möglichkeit, die eigenen Daten und Informationen gegenüber anderen Nutzern nur selektiv freizugeben.
Davon machen meiner Ansicht nach zunehmend Menschen Gebrauch und sehen sich hernach in eigener "Sicherheit" bestärkt, womöglich ziehen sie daraus sogar eine Art "Selbstbestätigung": Sie grenzen sich erneut schärfer gegen "unerwünschte" Individuen ab, leben aber in der Fiktion, wirklich nur "gewünschtes" weiterzugeben und teilhaben zu lassen. Ich muss ehrlich gestehen, dass auch ich schnell so dachte. Und gegenüber anderen Nutzern einer Plattform mag das ja auch richtig sein.

Das Problem ist zunehmend aber auch die Plattform selbst.
Und mit ihr die Nutzer, die mit dieser direkt assoziiert sind, andere Nutzer die sich - wie beim StudiVZ - Unzulänglichkeiten oder Programmierfehler zunutze machen.
Wie wir Strafverfolgungsbehören fast schon grotesk leichten Zugang zu unseren Nutzer- und Bewegungsdaten geben, war in einem Blog-Beitrag "Schöne neue Welt oder: Zeit für gute Vorsätze" von Anna List zu lesen.
Darin weist sie u.a. auf automatisierte Abfragen durch Behörden und standardisierte Abfragen amerikanischer Behörden OHNE richterlichen Beschluss hin. Etwas, worauf wie Datenschutzparteien, wie Grüne und FDP im Sinne deutscher Gesetzgebung dringend einmal aufmerksam machen sollten.

Jede Information, die öffentlich zugänglich ist, kann nicht "erstalkt" worden sein, schließlich stellt sie das Individuum ALLEN Menschen, also auch potenziell gefährlichen oder unerwünschten, frei zur Verfügung.
Es muss mindestens damit rechnen, dass genannter Personenkreis ebenso in den Besitz und die Verwendung dieser Informationen gelangen kann.
Nun könnte auf Basis dieser an sich korrekt erworbenen Informationen "Stalking" gegen das entsprechende Individuum betrieben werden.

Definitionen
Doch

"wird im Sprachgebrauch das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person verstanden, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann."

als Stalking bezeichnet.

Dabei sind vielfache wissenschaftliche Definitionen und deren Zungenschläge für das Thema "Online-Plattformen" interessant und relevant, wobei es zumindest laut Wikipedia - nicht meine bevorzugte, doch die am schnellsten Überblick-gewährende Quelle - drei durchaus unterschiedliche und anwendungsfragwürdige gibt.
Mit zweien beschäftige ich mich nachfolgend eingehender.

"'[...] Stalking als „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum gerichtet“ [...]'

"[...] Stalking eine „Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt“. [...]'

Alles, was hernach von Polizeiberatungen oder Statistiken ausgeführt wird, ist eher numerisch definierend denn thematisch-theoretisch erklärend.


Bleiben wir also bei obigem.
"Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum" ist sehr allgemein gehalten und daher mutmaßlich breiter und häufiger anwendbar.
Eine Informationssuche und das mögliche Auffinden persönlicher Informationen in öffentlich freigegebenen Communityprofilen kann nicht als "Bedrohung" bezeichnet werden, da es eine passive und keine aktive Handlung der sofortigen Ansprache impliziert.
Eine "Belästigung" könnte sich durch erste oder erneute bzw. wiederholende Konfrontation des besagten Individuum mittels gewonnenen Informationen ergeben.
Allerdings gilt auch dann der Sukzessionsvorbehalt, wenn er zunächst auch perfide anmuten mag: Die Informationen, auf denen dies basiert, wurden vom Individuum selbst freigegeben. Zumindest der Inhalt solcher "Belästigungen" muss dann eher vorsichtig kritisiert und sanktioniert werden, wäre es doch auch möglich (gewesen) einen Informationsvorbehalt zu üben.

Richtig dürfte aber auch sein, dass sich das Individuum bis zu einem gewissen Punkt zumindest nicht für eine Informationsfreigabe wird rechtfertigen müssen, schließlich ist auch das ein Teil individueller Handlungsfreiheit.
Das allerdings hat und muss zwingend Grenzen haben, sonst öffnete man unbeschränkten Ansprüchen Tür und Tor: Wenn prinzipiell gelten sollte, dass jeder jede Information freigeben darf, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen und diese gegebenenfalls einkalkulieren zu müssen, bedingt das ebenso Unfreiheit.
Die Nutzer und Betreiber oben genannter Angebote muss dies natürlich zwingend anders sehen, haben sie doch ein vitales, vorallem auch kaufmännisches Interesse, an von ihnen monopolisierter Informationsexternalisierung und -übermittlung.
Dass ich richtig verstanden werde: Die Veröffentlichung von Informationen eines Individuums ermöglicht oder legitimiert keineswegs die "belästigenden" Handlungen eines anderen. Zumindest im Allgemeinen und dem akuten Informationsgehalt vorgehend nicht.

Wird das Individuum also mit aus einer öffentlichen und öffentlich zugänglichen Community gewonnenen Informationen "belästigt", so ist nicht der Gewinn der - möglicherweise persönlichen - Informationen das Problem, sondern bestenfalls die Belästigung, also aktive Handlung, selbst.
Dem Individuum sollte es zumutbar sein, persönliche Informationen einzuschränken oder zumindest für eine spezifische Person, den oder die "Stalker/in" zu beschränken oder ihn/sie gar davon auszuschließen.
Das ist mit aktuellen technischen Mitteln kein unzumutbarer Eingriff in die individuellen Freiheitsrechte und Richter sowie Polizei dürften dem auch aus Kostengründen den eindeutigen Verfahrensvorzug geben.
Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich Rechtsbrüche oder mangelnde Rechtspflege aufgrund gekürzter Mittel für skandalös halte, zu betrachten bei pauschal eingestellten Verfahren kommunaler oder kreislicher Behörden sowie Gefängnissen, usw.

Weiterhin nicht unbedeutend wäre sicher die Art und Weise der "Belästigung".
Erfolgt diese über die Communities, welche auch den Bezug der Informationen ermöglichten? Erfolgt sie über andere Communities oder geht sie gar in den "öffentlichen", also "offline" und realen Bereich über?
Mutmaßlich dürfte dem so sein.
Communities bieten die Option, einen Kommunikationsverkehr zu Individuen nahezu geräuschlos vollkommen zu unterbingen.
Allerdings - so auch meine Kritik - zieht es bspw. das StudiVZ vor, den "ignorierten" Nutzer über den "veränderten Nutzer- und Sichtbarkeitsstatus" zu informieren.
Dies könnte zu neuen Handlungen animieren und sollte daher aufgegeben werden.
Am sinnvollsten sollten einem "ignorierten Nutzer" jegliche Informationen verborgen bleiben und ein Auffinden des Profils, sowie selbstredend Kontaktoptionen, unzugänglich und unmöglich sein.
Beim StudiVZ steht zu hoffen, dass die Betreiber dieses Ansinnen verstehen, ist es doch "löchrig", um es einmal freundlich zu umschreiben.

Irgendwann könnte es so laufen, dass ein Nutzer einen "ignorierten" oder "zu ignorierenden" aufgrund Belästigungen, etc. in allen Communities sperren muss, in denen er/sie registriert ist.
Dies könnte dann tatsächlich eine "unzumutbare Härte" sein oder werden.
Womit sich die Praxis von Unterlassungsklagen und Anzeigen auch auf diesen Online-Bereich ausweiten könnte.
Vorher allerdings steht zu vermuten, dass die Betreiber als Mediatoren viel stärker in "Haftung", oder besser in "Mitverantwortung" genommen werden als heute. So dürften Richter und Gerichte zunächst zumutbare Auflagen an Betreiber stellen, die Sicherheit der Nutzer zu garantieren oder bspw. unerwünschte, resp. belästigende Nutzer gänzlich erfolgreich und dauerhaft zu sperren.
Umso sinnvoller, je früher Plattformen und Betreiber wie StudiVZ ihre Sicherheits- und Privatsphärenpolitik ändern und Systeme anpassen. Sie kommen meiner Ansicht nach nicht darum herum und womöglich werden ihnen die Nutzer das per Mausklick irgendwann diktieren, sollten sie eklatant im Hintertreffen liegen.

Wenn der "Stalker" aber öffentlich gewonnene Informationen nutzt um damit öffentlich, also "offline" und real nachzustellen, zu verfolgen und "belästigen", dürfte die erste Erwägung der Informationsrestriktion zwar bestehen bleiben, aber dennoch Unterlassungsverfügungen an Bedeutung gewinnen.
Zumindest die gegen ebendieses Nachstellen mit umfänglicher inhaltlicher Definition.

Es kristallisiert sich also mehr und mehr heraus, dass nicht die öffentlich gewonnenen Informationen oder die "Nachstellung" im Web bei Communities das Problem sein könnte, sondern deren Portierung in das reale Leben.
Wobei man dann wiederum mit den Mitteln des heute angewandten und "bewährten", ich meine das nicht systemstabilisierend, Strafrechts agieren kann.
Die Einbeziehung der Betreiber und eine Ausdehnung der Herrschaftsbereiche der Staaten auf das Internet dürfte die Problematik "Online-Stalking" eher stark begrenzen.
Zumindest wenn man die Eins zu Eins-Konfrontation zweier Individuen betrachtet.
Dinge wie "üble Nachreden" in Netzwerken können damit natürlich nicht gemeint sein; diese dürften aufgrund der Einfachheit, Kostengünstigkeit und der "Netzgläubigkeit", die meiner Ansicht nach stetig zunimmt, zunehmen und sich intensivieren.
Inwiefern dies aber passgenau als "Stalking" zu bezeichnen ist, ist aufgrund obig deutlicher Definition zwischen zwei Individuen, privatsphärebeschränkend, doch eher fraglich.


Die zweite oben genannte Definition, "Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt" ist schon wirksamer und interessanter, wenn man "Annäherung" auch virtuell und "Kommunikation" als umfänglichen Begriff, also die "virtuelle Existenz inklusiv", versteht.
Dann wären Nachrichten in Communities mit Inhalt, Ziel oder Richtung "Belästigung" aufgrund dort gewonnener Informationen, oder mittelbarer Verwendung dieser, als "Stalking" zu bezeichnen.

Allerdings ist dann fragwürdig, inwiefern man "Kommunikation" überhaupt als definitorisches Element des "Stalking" verstehen kann, wenn Informationen und die eigene Person öffentlich zur Schau gestellt, ja dies geradezu erwünscht und erwartet wird.
Natürlich schmälert es eine Strafttat oder deren Bestand nicht im Geringsten, doch muss meiner Ansicht nach veränderte Kommunikationsgewohnheit des Individuums und der Gesellschaft selbst zu einer Bewertungsänderung oder zumindest -infragestellung führen.
Inwiefern es dann sogar als intensiver und störender bewertet würde, weil ebendiese Kommunikationsformen und -mittel mittlerweile zum "Standard" gehören und für einige sogar "notwendig" sind, steht dahin.

"Annäherung" und "Kommunikation" im Sinne öffentlicher Plattformen kann aber wiederum, wie oben bereits kurz dargetan, durch ebendiese Plattformen administrativ oder - sofern gegeben - durch deren Nutzer beschränkt oder einseitig unterbunden werden.
Auch hier sollte das Individuum, dass angibt "bestalkt" zu werden, zunächst Schritte unternehmen um dies zumindest einseitig und für diese spezifische Person zu unterbinden.
Tut es das nicht, sollte dies mindestens bei der Strafzumessung berücksichtigt werden, ist dessen Verhalten dann doch "ambivalent".

Diese zweite Definition aber bietet deutlich mehr Raum für potenzielle Anwendbarkeiten auch im virtuellen Raum, der sich anscheinend immer stärker Einfluss und Platz nimmt im menschlichen Leben.
Nun könnte ich noch themenfern auf die Selbstwahl dessen eingehen, doch erfolgt dies in einem anderen Beitrag.


Mein Befund ist in sich unschlüssig:
Einerseits kann man das "grabben" öffentlich zugänglicher Informationen meiner Ansicht nach nicht als "Stalking" oder "Nachstellung" bezeichnen.
Des Weiteren gehe ich davon aus, dass dem Individuum bis zu einer "Zumutbarkeitsgrenze" auferlegt werden und sein dürfte, die Weitergabe von Informationen virtuell an "unerwünschte Personen" zu unterbinden.
Auch und gerade dafür bieten aktuell verwendete Communities verhältnismäßig gute Möglichkeiten, wenn sie auch nichts gegen den Datenhunger und die -weitergabe an deren Betreiber tun und intensionär tun wollen.
Auch das Kontaktieren mittels Online-Communities kann nicht per se als "Stalking" bezeichnet werden, egal mit welchen Informationen dies geschieht.
Allerdings ist das wiederum eine Verantwortungsumkehr für eine eigentlich gesellschaftlich "unerwünschte" und damit von diesre sanktionierten Handlung; wird das Individuum doch zur Sicherung der eigenen Privatsphäre zunächst zur Beschränkung seiner "public personality", also öffentlich zugänglichen Informationen, aufgefordert.
Dies könnte eine zumutbare, unter gewissen umständen aber auch unzumutbare Härte darstellen, so bespw. wenn es auf umfängliche öffentliche Informationen seiner Person existenziell - beruflich - angewiesen ist.
Der Regelfall allerdings dürfte anders aussehen und daher mit oben genannter Verantwortungsumkehr einher gehen.
Sind solche Community-eignen Optionen umfänglich ausgeschöpft, versteht sich intensivere Strafverfolgung schon von selbst.

Die Kernfrage einer möglichen Abwägung und des Interesses wäre also, inwiefern also ein Nutzer einen anderen "ignorieren", oder ihn mittels wie auch immer gearteter "Igonore-Funktion" von neuerlicher Kommuninkation abhalten muss, bevor er/sie weitere rechtliche Mittel rechtmäßig und mit Erfolgswahrscheinlichkeit in Erwägung ziehen kann/sollte.
Auch hier bleibt der Befund ambivalent: Rein rechtlich sollte man zu solchen Maßnahmen nicht erst gezwungen sein, doch dürfte die Praktikabilität aufgrund schier riesiger Datenmengen, bisher inkonsequent kontrollierbarer Plattformen und unterfinanzierter Behörden dazu nötigen.
Rechtsbeugung also zunächst voraus.

Festzuhalten ist allerdings, dass eine "Annäherung" und "Kommunikation", die nach "Ignorieren", also Beschränkung bzw. Verunmöglichung derer, aufhört bzw. nicht weitergeführt wird oder mglw. würde, nicht als "Stalking" im strafrechtlichen, harten Sinne mit direkter Folgewirkung bezeichnet werden kann oder sollte.