Sonntag, 5. Juni 2016

Wer zu spät kommt - oder #Schweiz und #BGE

70 Prozent, 60 oder 80: Ist eigentlich egal.
Ich schreibe vom BGE, dem "Bedingungslosen Grundeinkommen", welches erwartungsgemäß von der großen Mehrheit der Schweizer abgelehnt wurde.

Keine Ahnung, ob dahinter so viel Weitsicht steckt, wohl eher nicht.
Die Meisten wissen wohl schlicht nicht intensiv und durchgehend genug darüber bescheid.


Der Kapitalismus strebt nach höchstem Output bei geringstem Mitteleinsatz, mal grob geschrieben.
Menschliche Arbeit besitzt aber letztlich, alle äußeren Faktoren mal ausgeschlossen, einen "Mindestpreis", zu dem sie sich reproduzieren, also erhalten, können muss.
Sonst ist eines Tages Schluss.
Was einem nach immer wachsenden Outputten, Erträgen, Krediten, etc. strebenden Kapitalismus nicht schmecken kann/darf.
Genau wie Deflation, in großer Intensität und langer Dauer - das aber nur am Rande.

Menschliche Arbeit besitzt auch längst sowohl "Grenznutzen", also auch "Grenzpreise", Mindestpreise, die nicht unterschritten werden. Garantiert werden sie oft auch durch "staatliche Transferleistungen".

Gehe man also davon aus, dass menschliche Arbeit nicht unter den Mindespreis sinken kann und darf, ohne das allgemeine Wirtschaften dieser Art infrage zu stellen.
Was ja nicht erwünscht ist, sonst müsste man fast alles infrage stellen - inkl. Mitbestimmung, Leistungsprinzip, Vergütung, Gewerkschaften, etc.

Wie sieht es mit Alternativen aus?
Kann das kapitalistische Wirtschaftssystem den Output, Gewinn, weiter steigern ohne den Mindestpreis unterschreiten zu müssen?
Ja.
Das funktioniert, indem ein beliebtes, inhärentes Prinzip greift: Rationalisierung.
Die Wirschaftshistorie ist voll davon und es wird auch immer neue Schübe und derartige Prozesse geben.

Energie fand lange Zeit auch einen "Mindestpreis", also ein Kostenniveau unter dessen eine Produktion großer, notwendiger, Mengen unmöglich war - Stein- und Braunkohleverstromung, etc.
Atomenergie war der erste, wichtige Schritt, um auf dem Energiesektor Grundsteine für intensivere Maschinennutzung und Produktivitätssteigerung zu legen.
Denn durch Nutzung von Maschinen steigt in der Regel die Produktivität, ohne diese hätten wir nie unser heutiges Wohlstandsniveau erreicht.

Also:
Nicht menschliche Arbeit und deren Vergütung trug zu "unserem", Westen, heutigem "guten Leben" bei.
Sondern die Verfügbarmachung der Erde, Natur, des Bodens sowie Einsatz von Maschinen durch Rationalisierung (menschlicher Arbeitskraft).
Ein inhärentes Prinzip.
Etwas, worauf das Wirtschaftssystem ganz global zusteuert.
Ich bin Anhänger des zuletzt von mir, mal wieder, gelesenen Satzes, sinngemäß:
"Der Kapitalismus soll uns Menschen von der Arbeit befreien.".
Zugespitzt ist dem so und wird dem, je nachdem wie viele Menschen es durch Bevölkerungspolitik und Anpassung an äußere Umstände, geben wird, Rechnung tragen.

Energie wird seit Jahren aber immer billiger. Das mag nicht bei den "Normalverbrauchern" ankommen, bei der Industrie aber sehr wohl. Diese verdient weiter gut Geld und schafft sich Raum für "Investitionen".
Diese sollen Gewinne erzielen.
Wie passiert das?
Falls man den Output nicht (schrankenlos) erweitern kann, also eine weitere Nachfrage nicht in kürzerer Zeit zu generieren wäre?
Rationalisierung.
Denn dort spart man die Kosten ein, die durch die geringeren Marktpreise der zu viel produzierten Waren auflaufen.

Energie wird immer billiger.
Es wird ein Tag kommen, da "uns" Energie gar nichts mehr kosten wird.
Der Preis wird verschwindend gering geworden sein.
Weshalb?
Weil Sonne und Wind ubiquitär verfügbar sind, immer und jederzeit.
Nein, sagen Einige.
Doch.
Aber eben nicht in Deutschland.
Sondern auf dem ganzen Planeten.
Man wird irgendwann dort immer bessere Anlagen im Wirkungsgrad bauen, wo sie auch große Mengen liefern können.
Und den Strom entsprechend transportieren.
Jedenfalls für Großindustrie.
Rest wird sich auf dezentrale Erzeugung konzentrieren.

Energiepreise also nahe Null.

Dann wird es Roboter und Maschinen geben, die nicht nur mit Menschen interagieren, sondern die wenigstens einfache und mittlere, auch körperlich schwere, Arbeiten selbsttätig verrichten und sich teilweise gar selbst reparieren können.
Das stelle ich einfach mal als Annahe, fast "Fakt" für meine Überlegungen, in den Raum.
Man sehe sich die HEUTIGE (!) letzte Entwicklung von u.a. Google im Bereich der Roboter an: Die Dinger können laufen, Türen öffnen, durch Wälder gehen und bspw. Pakete und Kisten stapeln.
Ein leichtes, sie zur Aufladestation zu schicken, aus der sie fast kostenfreien Strom beziehen.
Irgendwann werden diese Dinger so gut, dass sie fast "wartungsfrei" agieren.
Geht eine Hand kaputt, gehen sie in ein kleines "Depot", das von anderen Robotern bestückt wird, und wechseln ihre Hand selbstständig aus.
Dafür braucht es keine Menschen mehr.

Heisst: Zahllose Menschen, die noch in diesen Bereichen arbeiteten, werden schlicht nicht mehr gebraucht.
Das ganze wird für einen massiven Produktivitäts- und Gewinnschub sorgen.

Die Frage, hier komme ich zum BGE zurück, wird sein, was mit den "Überflüssigen" geschieht und wie der weitere Reichtum verteilt werden wird.

Die Menschen, die heute mehr verdienen als das BGE werden es in der Zahl, 70% der Schweizer, in der Zahl nicht für alle Zeit. Viele werden irgendwann unter das heute bereits vorgeschlagene BGE fallen.
Dann aber wird man auch fragen, weshalb "MEnschsein" so viel "wert" sein soll, da sie nach dem Nützlichkeitsprinzip "fast nichts mehr tun".
Im Gegensatz zu heute, wo man die "Arbeit" und sogar das "Nicht-Arbeiten", angebliche "Faulheit", bezahlen müsste.
Wird man später nicht mehr müssen, denn die Ansichten werden sich geändert haben.

Um den Status Quo auf Dauer zu halten, müssten gerade die, die heute noch etwas mehr als das BGE bekommen, was viele sein dürften, und ihre Arbeit so hoch halten und feiern, nicht nur am Thema interessiert sein.
Sondern an perspektivischer Einführung des Ganzen.
Weil ich nicht glaube, dass diese Menschen, diese Masse, ihren Status in 30 oder 50 Jahren durch "Arbeit" noch wird halten können.
Und es wird schnell gehen und geschehen, einfach so, unter ihren Augen.
Während sie täglich arbeiten gehen.

Wir unterhalten uns an Mobilfunkhotlines schon heute lange mit Computern, bevor wir einen MEnschen ans andere Ende bekommen.
Falls denn überhaupt.