Sonntag, 22. Mai 2016

schöpferische Zerstörung und Flüchtlinge

Die Demokratie westlichen Zuschnitts implementierte eine "dauerhafte Revolution", die man "Reform ohne Umsturz" nennen könnte.
Das System bleibt erhalten, wird maximal modifiziert und ermöglicht korrigierende Veränderungen auf unteren Ebenen.
Ich nenne das nach Schopenhauer der Einfachheit halber "schöpferische Zerstörung".

Weitere Annahme, ein System schöpferischer Zerstörung Verbunden mit der Singularität und zeitlichen Beschnittenheit des Menschen und letztlich sogar "aller Menschen", strebte nach einem "Optimum".
Dies darf situativ oder absolut sein; der Vernunft angemessen etablierte sich ein "relatives Optimum", welches das absolute schon fast (a priori) verneint.

Westliche Kultur und Demokratie wären so gesehen das (situative) Optimum einer Entwicklung bis zum heutigen Tage.
Wäre es das nicht und dramatische Ungerechtigkeiten vorhanden, die so gravierend gewesen wären, das Gesamtsystem infrage zu stellen, gäbe es dieses Gesamtsystem entweder gar nicht mehr oder in großen Ausmaßen nicht mehr in aktueller Weise.
Daher spreche ich der Kürze wegen von einem "situativen Optimum" welches gesellschaftlich erreicht wurde.
"Erreicht" meint dabei nicht von jedem Subjekt gestaltet, in der Mehrheit dürfte es wohl "hineingeboren und akzeptiert" treffen.

Nun kommen hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen in "unser", es ist nicht "meines", Land.
Weshalb?
Entweder weil sie nicht mehr bleiben konnten, wo sie waren, Krieg, Hunger, bittere Armut, etc.
Oder nicht mehr wollten: mangelnde Wirtschaft, schlechtes Leben, Hoffnung auf besseres Leben, etc.

In beiden Fällen teilen Menschen "unseres" Landes, also "Bio-Deutsche", exakt beide Seiten und Welten in sich und mit diesen Menschen.
Sie strichen nichts davon für sich ab.

Nun könnte man auch sagen, dass das aktuell erreichte Lebensniveau so interessant, friedlich und anziehend ist, dass andere Menschen ebenso davon profitieren wollen.
Weshalb, so könnte konsekutive Frage lauten, sollten sich diese neuen Menschen nicht dem "situativen Optimum", also dem System, anschließen und sich "integrieren"?
Gäbe es für sie ein anderes, besseres, System wären sie doch wohl dort hingegangen.
So könnte man jeden, bspw., Syrer bei Einreise auch über andere Länder der Erde, bspw. USA, umfassend informieren und ihm nach einiger Zeit die Frage stellen, wohin er gerne möchte.
Also: Umfassende Information geben.
Nicht so wie jetzt, dass Menschen Informationen verweigert und vorenthalten werden und negatives dominiert, damit sie am Ende ("hoffentlich") nicht kommen.

Falls das System der USA so viel besser wäre, weshalb sollte Mensch dann nicht dorthin wollen?
Es wäre zynischerweise und konservativ gedacht für die BRD günstiger, diesen Menschen auf eigene Kosten dann nach Absprache und Verhandlung in dieses Land zu bringen, Flug bezahlen, etc.

Mensch wird aber in das situative Optimum streben.
Weshalb sollte er es dann zerstören?
Es sollte ihm relativ leicht begreiflich zu machen sein, dass dieses Optimum, das so anziehend für ihn ist und war, nur zu halten und verbessern ist, sofern sich alle oder die große Masse wenigstens, an gewisse Grundregeln hält.
Weshalb sollte er sich dann nicht daran halten?
Er will das Land, in das er kam, doch nicht kaputt machen.
Er kommt ja aus Ländern, in denen bspw. die Religion viel mehr Einfluss hatte, als in Deutschland.
In das er ging.
Die Ursprungsländer boten eben u.a. durch den religiösen Einfluss viel mehr Konflikte und Konfliktpotenziale, der Rückzug der Religion ins Private ermöglichte die Etablierung und Stärkung eines weitgehend unabhängigen Rechtsstaats zur Konfliktregulierung.
Weshalb sollte er dann danach streben, die Religionsöffentlichkeit und den Einfluss dieser auf den Staat zu erhöhen, wie es in den Ländern der Fall war, die ihm durch Krieg, Hunger und/oder Armut keine Heimat mehr boten und zur Flucht zwangen?

Das situative Optimum.
Mit schöpferischer Zerstörung.
Angenommen aufgrund ständiger reformistischer Revolution wäre dieses System das beste, was seit Menschengedanken erreicht wurde.
Was sich ja auch an Frieden, Lebensstandard, etc. tatsächlich festmachen lässt.
Ist es dann nicht logisch, dass solche Systeme Menschen anlocken und anziehen?
Und spricht nicht die wachsende Zahl derer, die daran teilhaben wollen und teilhaben von der Qualität ebendieser Systeme?

Jeder zu uns kommende und bleibende Flüchtling wäre damit ein "guter".
Sogar am Ende "egal", ob er sich integriert, oder nicht - solange er nicht aktiv an der Beseitigung der Grundordnung arbeitet.
Was für einen Flüchtling, siehe oben, eher unwahrscheinlich erscheinen sollte.
Weshalb?
Weil schon die schiere Zahl etwas, wenn auch nicht viel, aussagt.
Verlieren die tatsächlichen und nicht nur sogenannten "islamischen Staaten" an Bevölkerung, so ist den übrig Gebliebenen doch wohl schwerlich die Überlegenheit der Systeme zu vermitteln, denen die Menschen davon laufen.
Und gebildete Menschen erkennen das auch irgendwann.

Jeder Flüchtling ist also willkommen und "gut".
Beginnt er dann tatsächlich an die "positive Überlegenheit" des "situative Optimums" zu glauben und integriert an dessen schöpferischer Zerstörung mitzuarbeiten, wird er "vollwertiger" Teil dessen.
Wobei selbst das erneute Diskriminierung wäre, schließlich fände man genug "Bio-Deutsche", die in dem Sinne mit "Vollwertigkeit" längst nichts mehr zu tun und sich von aktiver, schöpferischer, Teilnahme am System weitgehend verabschiedeten.