Donnerstag, 15. April 2010

#sozial und #social als #Feigenblatt des digitalisierten #Kapitalismus

Was sind "social" communities oder "soziale Netzwerke?
Im Kern sollen diese Worte internetbasierte mittels dynamischer Websprachen abgefragter und befüllter Datenbanken auf großen Serverfarmen lagernd beschreiben, denen Daten zugetragen werden.

Denn mehr sind bspw. Facebook oder StudiVZ nicht.
Menschen, die sich dort mit irgendwelchen, gar realen, Daten anmelden, machen sie erst zu einem genutzen "Dienst".
Die Daten sind Momentaufnahmen, Abbilder unserer selbst, welche als Avatar auch in unserer Abwesenheit Kontaktoptionen bieten sollen.
Ich nenne es auch "Kontaktfiktion", schließlich wird dazu Elektrizität, ein internetfähiger Computer sowie ebendieses Internet, ein Zugang, benötigt.

Das Netzwerk lebt nicht, es beginnt auch keine "Existenz" im biologischen Sinne, doch findet eine Vergrößerung und Aufblähung der datenbankverwalteten Datenbestände statt, sofern Daten eingegeben werden.
Dabei können das wir beschrieben alle Daten sein, einzig das Nutzversprechen kann Menschen überzeugen reale Informationen preiszugeben.
Hier findet das erste "Tauschgeschäft" statt: Die Community wird dem Nutzer einen Nutzen stiften, wenn er Daten, seine realen Daten, eingibt.
Und sie wird nur dann "richtig", also für alle User, funktionieren, wenn die Daten zumindest eine Mindestplausibilität aufweisen.
Hier kommt es zum ersten Appell ans "soziale Gewissen" des Nutzers: Gäbe er keine oder falsche Daten preis, verhinderte er die optimale Nutzung durch alle anderen.
Dass er aber dem Anbieter/Betreiber eigentlich nur ökonomische Kosten mit zweifelhaftem oder geringem Nutzen übergibt, wird dabei nicht offen kommuniziert.
Es senkt andererseits die Prüfungs- und Selektionskosten der Betreiber, da sie hauptsächlich mit "validen" Daten und Informationen mittels kontextsensitiver Werbung Geld verdienen können.
In einem anderen Kontext ging ich bereits auf die Verlagerung von Unternehmenskosten auf die Käufer/Individuen über; mittlerweile scheint es mir als einkalkulierter Ausfluss einer angebotsorientierten Ökonomie zu sein ("Vom 20 Cent 'Prosumer' und der Deutschen Post")

Neben der Formulierung "sozial" ist dies schon die zweite bezeichnend fragwürdige Einlassung das Thema und den Inhalt betreffend.
Auch in diesem Zusammenhang fungieren "sozial" oder "social" als Feigenblätter um zugrunde liegende Systematiken und Bedingungen zu verdecken; Der Kapitalismus als solcher scheint sein Überleben mittlerweile stärker aus seiner Wandlungs- und Integrationsfähigkeit als seiner ökonomischen Dynamik zu ziehen.

Was soll "sozial" sein an einer Internetseite, welche auf einer Datenbank fusst, die den öffentlichen Raum im Internet monopolisiert, bzw. danach strebt/darauf hinausläuft, und als Gegenleistung die Gewinnmöglichkeit aus möglichst vielen Nutzerdaten verlangt?
Wobei man das auch als "Fortschritt" interpretieren könnte: Mittlerweile werden nicht mehr Menschen selbst, sondern nur noch deren Abbilder und Daten/Informationen ausgebeutet.
Wenn da nicht das Problem bestünde, dass es ohne die Menschen und ihre die Spezifizät der Daten prägenden "Lebensumstände" die Daten und deren gewinnbringende Verwertbarkeit durch die Werbe- und später Konsumgüterindustrie nicht gäbe.
Negativ daran ist, dass es die "Notwendigkeit" der Auseinandersetzung damit nimmt: Eigentlich ist eine Community wie ein Supermarkt, nur dass der "Kunde" in einem solchen schwerer zu differenzieren ist. Da die Industrie als Endkunde der Daten und gleichzeitig der Profil- und Dateninhaber als "Kunde" der Dienstleistung "Community" zu betrachten ist.

Lässt man natürlich das "Heilsversprechen" der engeren Vernetzung von Menschen auf virtueller, die Distanzen überbrückenden Arten weg, bleibt nur noch schnöder Verwertungsgehalt.

Am Ende stellt eine Community nur die Technik zur Distanzüberbrückung zur Verfügung; die Deutsche Bahn oder der PKW müssten in diesem Kontext als noch "sozialer" angesehen werden, schließlich basieren die "sozialen" Verbindungselemente und deren Wirkungen EINZIG auf dem Wirken der Nutzer, die es freilich ohne Community so nicht gäbe.
Ein circulus vitiosus also.

Die Popularität dieser ist eher Ausfluss gesellschaftlicher Technisierung und Verlagerung von Lebensbereichen und Ressourcenzugänge bzw. deren Kontrolle ins Internet.
Das beliebte Beispiel ist der Automat der Deutschen Bahn AG, an welchem man Tickets nicht nur günstiger, sondern auch sehr viel schneller erhalten kann.
Die zunehmenden Kartenzahlungen von Verbrauchern und Käufern kann als weiteres Beispiel angesehen werden.

Da kapitalistische Produktion Grundlage für Genese und Erhalt der "Netzwerke" und Communities und nicht elementar und tiefgreifend änderbar ist kommt es zu einem Wahrnehmungswandel dieser; daraus folgt eine positivere, geänderte gesellschaftliche Wahrnehmung der Grundlagen durch einen (kurzfristigen) Nutzen des Outputs dieser und derem langfristigen allgemeinen Nutzenversprechens.

Aussagen der Anbieter, erst Popularität und Nutzung generieren zu wollen, wie dies bspw. bei Twitter und Google sein soll, und später ein "Geschäftsmodell" zu definieren ist wohl die wichtigste Differenz zur dotcom-bubble aus dem Jahre 2003.
Dies entspricht dem Versuch, eine "Systemrelevanz" im "Web 2.0"-Bereich zu erringen: Je häufiger/intensiver mit einer Plattform kommuniziert und sich dort eingerichtet wird, "Freunde" verbunden und Kontakte geknüpft werden, desto unverzichtbarer wird der Dienst.
Desto stärker nimmt die Abhänigkeit vom Internet zu, da die Opportunitätszeit eben nicht für eine Kontaktpflege in der Realität genutzt wird.
Kommt es wenigestens nicht zur totalen Verlagerung der Interaktion ins Internet, so ist eine hohe, lose Kontaktfülle Spezifikum solcher Online-Plattformen und werden, falls sie einen Mehrwert generieren, nur ungern vermisst werden wollen.

Die Individuen geben Informationen und Daten an unzählige Dienste und Plattformen weiter, bis sie durch ihr Verhalten den "Markt" monopolisierten, mindestens oligopolisierten, und eine Konzentration auf einige, große und damit einflussreiche "Spieler" beendet wurde.
Dann tritt man ins Stadium ein, in welchem es nicht mehr relevant ist, möglichst breit und diversifiziert aufzutreten, sondern in den "Netzwerken" der großen "Spieler" möglichst breit und intensiv vertreten zu sein.
Alle eingegebenen Daten, also auch die, man man später eventuell nach einer Konzentration nicht mehr benötigt, lassen sich so leicht aber nicht mehr löschen.

Im Allgemeinen bestimmen Betreiber "asozial", da monopolisitisch, über Datenerhebung und deren interne Verwendung; externe Datenweitergabe wird deutlich kritischer betrachtet und von Nutzern hinterfragt.
Das prinzipielle Geschäftsmodell allerdings lässt sich dadurch nicht angreifen oder negieren, da ansonsten die gesamte Existenz der Plattform thematisiert würde.
So sind in allen mir bekannten Communities, bis auf Facebook vom Hören-Sagen, keine Möglichkeiten geschaffen nach einer Anmeldung anderen Nutzern/Profilen gegenüber tatsächlich "stealth", also "unsichtbar" aufzutreten. Gewisse Datensätze sind immer sichtbar, egal ob diese Einstellung gewählt wurde, oder nicht. Meist ist genannte Einstellung so nicht verfügbar, eine Wahlmöglichkeit liegt also erst gar nicht vor. Bislang scheint es diesbezüglich ein "stillschweigendes Agreement" zu geben.
Die Betreiber haben kein Interesse an Fakes oder leeren Profilen, da diese nur Kosten und keine Formen des Gewinns abwerfen. Daher werden gewisse Daten zwingend abverlangt, um mit diesen "Stammdaten" einen Mindestverwertungserfolg zu erzielen.
Und andere Daten werden automatisch und nicht änderbar freigegeben um eine spätere mögliche Verwertungskette nicht schon im Keim zu ersticken.

So werden die "Nick", teilweise "Klarnamen", bis vor kurzem noch tatsächlich zutreffend, öffentlich freigegeben um eine "Suchmöglichkeit", also letztlich das Auffinden der Daten durch einen Dienst oder Profilnutzer zu ermöglichen und auf einer Verlinkung basierend weitere Plattformvernetzungsmöglichkeiten zumindest wahrscheinlicher zu machen.
Wodurch erste Nutzen und spätere Gewinnpfade generiert werden.

Organisiert man systeminternen Protest, wie gerade bei Facebook geschehend, kann man nichts grundsätzliches ändern, da Betreiber auf gewisse Notwendigkeiten angewiesen und ebensolchen Handlungsrationalitäten unterworfen sind.
Zuende gedacht kann es zu einer "Demokratisierung" durch das Internet nur auf diesen Gegebenheiten und Rationalitäten kommen.
Der Preis für Meldungen und Bilder per Twitter und Facebook bspw. aus dem Iran sind Monopolstrukturen und gesellschaftliche Einflussnahme und deren Ausbau dieser Dienste.
Dies führt zu einer Erpressbarkeit der anderen, nicht interessierten, oder "leading" User.