Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Medien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 29. Mai 2012

Warum "politische Blogs" nicht reüssieren - wenige Anmerkungen

Häufig wird gefragt, weshalb "politische Blogs" in Deutschland nicht oder weit weniger reüssieren als in den USA.
Meist verknüpft mit positiven Gedanken und Ansichten über Blogs und deren Einflüsse allgemein.

Im Gegensatz zu Anderen sehe ich wenige, konkrete Anhaltspunkte.
Zunächst einmal scheinen recht "viele" solcher Blogs zu existieren.
Die "politischen TOP-Blogs" geben mehr als zehn solcher an - sucht man noch ein wenig weiter, findet man eine Unzahl, die sich mit politischen Themen befassen.
Die Folge: Zu viel zu wenig relevanter Content.
Oder: Relevant könnte bzw. kann der Inhalt schon sein, gelesen und gesehen bzw. referenziert wird er nicht oder zu wenig.
Viele Blogs beziehen ihre Themen aus den Medien, meist sogar Mainstreammedien, und werden von diesen im Gegenzu nicht erwähnt. Sie degradieren sich deshalb zu einem Neben- und Nischendasein.
Dem könnte man nur entgehen, indem man stärker einander beachtet, die Blogs untereinander diskutieren und für die Blogosphäre und das Internet referenzieren.
Kein "Inzest", keine Abstimmung sich nur oder verstärkt auf gewisse Themen zu konzentrieren.

Aber von den Mainstreammedien haben Blogs, gerade politische Blogs, nichts zu erwarten.
Und sofern sie nicht die eigenen finanziellen und personellen Möglichkeiten besitzen um an Insiderinformationen bzw. "Scoops" zu kommen, muss man wenigstens eine Art "Zirkel" ohne die bekannte und teilweise "gefüchtete" Filterbubble bilden.
Denn wenn im Internet und nicht in Zeitungen oder Magazinen nach Informationen gesucht und diskutiert werden soll, dann muss es eine Blogosphäre geben, die einander bekannt ist und einander beachtet.
Mehr jedenfalls als andere Medien, welche "Vorfeldarbeit" im Sinne des bekannten Personen- und Finanzkräftigen Journalismus betreiben.

Freitag, 18. Mai 2012

Argumente zu #Röttgen gewichtet und diskutiert; mediale Rezeption der Entlassung durch #Merkel

Da die Medienlandschaft so schnelllebig ist und dazu neigt schnell die nächste Sau durchs Dorf zu treiben, soll hier eine Art "Resumee" bzgl. Norbert Röttgen, CDU, und der Wahlniederlage in NRW sowie der Entlassung aus dem Amt des Bundesumweltministers gegeben werden.

Die "Argumente"
  • Röttgen wird vorgeworfen, die Wahlniederlage sei zu großen Teilen seiner Unklarheit bzw. "Wankelmütigkeit", sich nicht für eine Oppositionsrolle in NRW im Falle einer Nielerlage entscheiden zu können, geschuldet gewesen.
 Zitate:
"Wolfgang Bosbach, Chef des Bundestags-Innenausschusses: "Es hätte der CDU geholfen, wenn Norbert Röttgen sich zu Beginn des Wahlkampfes für Düsseldorf entschieden hätte - und zwar ohne Wenn und Aber und auf dem Platz, den der Wähler ihm zuweist.""
"Er war in der Union besonders unter Druck geraten, nachdem ihn CSU-Chef Horst Seehofer attackiert hatte.
Als größten Fehler bezeichnete dieser die fehlende Bereitschaft Röttgens, sich auch im Falle einer Wahlniederlage auf NRW festzulegen. Er habe Röttgen gewarnt, dass es nicht dessen private Entscheidung sei, sondern die ganze Union betreffe, sagte Seehofer. "Ich habe mit ihm gesprochen, persönlich und über die "Bild"-Zeitung, und persönlich hat er mich dann abtropfen lassen.""
""Das ist der Denkzettel dafür, wenn ich mich nicht entscheiden kann. Dann entscheidet sich der Wähler gegen mich.""

Es wäre hier zu recherchieren, von wem dieses Motiv zuerst geäußert bzw. medial gestreut wurde. Ein "rationaler Wähler", der immer gleichzeitig Konsument und Arbeitnehmer/Arbeitsloser ist, sollte wissen, dass ein Amt "in der Hinterhand" nicht verwerflich, sondern nur rational, ist.
Des Weiteren wurde für diese Linie noch kein Beleg geliefert; es müsste gezeigt werden, dass diese Frage bei der Mehrheit der Wähler nicht nur eine Rolle spielte, sondern auch negativ beschieden wurde.
Außerdem kann dies nur für die potenziellen CDU-Wähler gelten: Wähler, die weder die CDU noch Röttgen in NRW (an der Macht) sehen wollen, werden die Partei nicht wählen - wo Röttgen bleibt, dürfte ihnen egal sein.
CDU-Wähler bzw. die Klientel der Partei könnte aber entweder Zuhause bleiben oder zur FDP wechseln, sofern sie mit Röttgen unzufrieden und über seine mangelnde Festlegung erbost waren.
Die Kritik führender CDU-Politiker in Land und Bund, dies sei problematisch und man "hätte sich anders entscheiden sollen", kommt daher einem indirekten Aufruf gleich, die CDU in NRW nicht zu wählen. Soetwas kann man als "parteischädigend" bezeichnen.
"Ziemlich hemmungslos lotste er die Partei in eine Kampfabstimmung um den Landesvorsitz zwischen ihm und dem beliebten Armin Laschet. Der prominentere Röttgen gewann. Auch mit dem Versprechen, sich voll und ganz für NRW einsetzen zu wollen."Wie viel das Versprechen Röttgens wert war, konnten seine Anhänger jetzt im NRW-Wahlkampf beobachten. Röttgen wollte sich partout nicht festlegen, ob er auch nach einer verlorenen Wahl in Düsseldorf bleiben würde.

  • Röttgen sei der "Energiewende" nicht mehr gewachsen.
Hier leistete Bosbach, CDU, einen rationalen Einwurf nach der Wahl:
"In der Auseinandersetzung um die Kürzung der Solarförderung hätten selbst CDU-Ministerpräsidenten dem eigenen Minister und Spitzenkandidaten zwei Tage vor der Wahl im Bundesrat ein Bein gestellt und die Kürzung abgelehnt."
 Nach einem Jahr nach "Fukushima", was als Kernpunkt und Beginn einer "Energiewende" gilt, kristallisiert sich seit längerem heraus, dass nicht nur die Ziele recht ambitioniert sind und im Zeitraum wohl kaum zu erreichen sein dürften, auch die Kritik aus der Wirtschaft wegen hoher Strompreise wächst.
Am Freitag vor der Wahl sprach sich der Bundesrat mit einer 2/3-Mehrheit, also auch mit unionsregierten Ländern, gegen die Vorlagen zur Kürzung der Solarförderung aus.
Diese aber wurde gerade von der FDP massiv vorgetragen und vorangetrieben.  Auch die jetzt bekannt gewordene Studie, laut der "einige hundert Unternehmen" 18% Prozent des Stroms verbrauchten, aber nur 0,3 Prozent Umlage der Erneuerbaren Energien zahlen, dürfte eher der FDP, Rösler und dem Thema "Energiewende" selbst schaden, als Röttgen. Die Kritik an angeblich immer weiter steigenen Strompreisen dauert schon länger an.
Die "Energiewende" selbst besteht aber erst einmal nur darin, die Atomkraftwerke abzuschalten. Das gab schon vor einem Jahr massive Probleme in der Union und auch in der FDP. Nur kommen diese Parteien kaum noch hinter ihre Grundsatzbeschlüsse zurück. Gefällt in eilig einberufenen Pressekonferenzen mit folgendem Moratorium und Ausstieg von Angela Merkel, CDU. Wenn es richtig ist, dass die Verlängerung der Atomkraftwerkslaufzeiten ein "Signal ins bürgerliche Lager" war und "Spätestens nach Fukushima musste die Regierung allerdings begreifen, dass das Lager, das sie für bürgerlich hält, wohl nur noch die Hälfte ihrer Wählerschaft ausmacht.", dann war Röttgen u.a. eben ein Exponent der anderen "Union", die aber nicht an die Stelle der Verunsicherung und des Vakuums treten konnte - noch nicht jedenfalls.
""Röttgen hatte sich im Zuge der Atomwende immer wieder Scharmützel auch mit der eigenen Fraktion, vor allem mit dem Wirtschaftsflügel geliefert."
Bislang gibt es in der "Energiewende" aber gar nichts Neues, die AKW liegen still, Strompreise steigen.
"Und er hat die Union in der Atomdebatte auf eine Weise vor sich hergetrieben, die ihm vor allem der mächtige Wirtschaftsflügel übel genommen hat. Manche sehen unter anderem darin den Grund, dass Röttgen mit der Energiewende nicht vorankommt."
 
  • Das "schlechte Wahlrgebnis"
"Am Ende stehen 26,3 Prozent - das mit Abstand schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte."
Wie man in anderen Quellen lesen kann, wurde mit einer Wahlniederlage sowie mit einem Ergebnis unter 30 Prozent, sogar Richtung 28 Prozent, gerechnet.  Wenn überhaupt, lässt es sich auch nur als "Trendbeschleunigung" auffassen, schließlich ging die NRW-CDU in Umfragen, bspw. Infratest-Dimap, spätestens seit der letzten verlorenen Wahl mit Rüttgers, CDU, in einen Sinkflug über. Man könnte auch mutmaßen, dies sei einer der letzten Einbrüche bevor Erholungen zu spüren sein werden.
Mit der Entlassung Röttgens als Umweltminister dürfte dies nichts zu tun haben - den Landesvorsitz legte er schon am Abend schnell nieder.
  • Röttgens angeblicher Versuch, "Merkel in Mithaftung" zu nehmen
Es wird geschrieben, Röttgen habe im Wahlkampfendspurt versucht, Merkel und ihre "Euro-Politik" für eventuelle Niederlage mitverantwortlich machen zu wollen und Ausflüchte für die erwartbare Niederlage zu suchen.
"Die Kanzlerin sieht das genauso. Und sie ist stinksauer auf Röttgen, weil der im Wahlkampfendspurt versuchte, sie für die drohende Niederlage in Mithaftung zu nehmen, indem er die NRW-Wahl zur Abstimmung über ihren Euro-Kurs hochstilisierte."
 Interessant, dass das anscheinend erst zum Thema wurde, als die Niederlage erwartet wurde. Merkel und dem CDU-Präsidium sollen gewisse dahingehende Äußerungen Röttgens aber schon früher bekant gewesen sein - entsprechend hätte man agieren und ihn hindern bzw. unter Druck setzen können.

  • Röttgen habe das Ministeramt nicht selbst aufgeben wollen
"Merkel hatte Röttgen zuvor nach der Kabinettssitzung informiert, dass sie mit ihm als Minister nicht mehr zusammenarbeiten will. Er hatte seinen Posten zunächst nicht freiwillig aufgeben wollen, hieß es in Berlin."
Ja, wieso sollte er auch? Schließlich sagte die NRW-Niederlage nichts über seine Eignung als Umweltminister aus. Er verlor ja nicht einmal die Führung oder Herrschaft über eine Schwarz-Gelbe oder ähnliche Koalition wie im Bund: In Schleswig-Holstein wurde eine solche zuletzt bspw. abgewählt. Röttgen schaffte es nicht, gegen ein vorheriges Bild einer Minderheitsregierung zu gewinnen und den ohnehin schwachen Trend der Landespartei nach der letzten Niederlage zu wenden.
Will Merkel ihn dann ablösen, was jederzeit ihr Recht und ihre Möglichkeit ist, dann muss sie das aber offen sagen. Das, das könnte dann durchaus richtig sein, scheint sie nicht gewollt zu haben und nutzte den Druck durch Seehofer, etc. zur "Opferung" Röttgens noch kurz nach der NRW-Wahl. Denn so lässt sich das noch auf das Wahlergebnis, wie das medial ja auch erfolgt, zurückführen.
Außerdem wurde "das Gespräch" zwischen Röttgen und Merkel erst später mitgeteilt bzw. den Medien gegenüber erwähnt/zugespielt, es gab also ein Interesse daran zu zeigen, dass sie ihm "die Chance" zum "Gesichtswahrenden Rücktritt" geben wolle und erst nach seiner Weigerung "habe handeln müssen". So schreiben das diverse Medien, u.a. die SZ, die Rheinische Post oder auch der "Spengsatz". Insofern solle die "Entscheidungsfähigkeit" gewahrt und gezeigt werden - sofern es unbedingt nötig wird.

Die Interpretation
Wie schon im anderen Beitrag angeführt, scheint die Projektionsfläche für Ärger in der Union wegzufallen bzw. wegfallen zu müssen: Die FDP. Denn zur "Energiewende" gehört nicht nur das Bundesumwelt-, sondern gerade auch das Bundeswirtschaftsministerium. Wenn die FDP in bundesweiten Umfragen aber unter 5 Prozent rangiert, Seehofer in Bayern zwar eine absolute Mehrheit anstreben aber vermutlich nicht erreichen und daher auf eine nicht zu schwache FDP angewiesen sein dürfte und diese Partei sich in Schleswig-Holstein und NRW gerade ein wenig "erholte", macht der erneute Angriff auf Rösler und die Partei wenig Sinn und könnte zaghafte Erholungen wieder zunichte machen.
Zumal es ja stimmt: Wenn man die "Energiewende" zu einem großen Thema machen will, vielleicht für die Bundestagswahl, und man mit der Umsetzung dieser unzufrieden ist, so muss man das ggf. auch personell deutlich machen: Mit Entlassungen und Neufindungen. Es passt aber nicht zur NRW-Wahl; ansonsten hätte sich aber vermutlich kaum ein Entlassungsgrund für Röttgen gefunden, zumal dieser öffentlich vermutlich auch darauf verwiesen hätte, dass die Kürzungs- und Verschleppungspläne auch im Wirtschaftsministerium wurzeln. Das bleibt nach der angeblich "desaströsen Niederlage" nun aus. Und wenn es die FDP nicht treffen konnte/durfte, da ansonsten keine "Stabilität in der Regierungsarbeit" mehr gesichert gewesen wäre, musste es dann "zwangsläufig" Röttgen treffen - wie Zeil, übrigens auch in Bayern, meinte.
Es scheint da mit der CSU und FDP, Seehofer und Zeil, eine gewisse "Koalition" gegeben haben.
Und wenn ich das richtig sehe, die FDP also maßgeblich die Solarförderkostenkürzung betrieb und jetzt mittels Stromverbraucher, also nicht die großen Unternehmen die von der Umlage befreit sind, Großunternehmen subventioniert, siehe Netzagentur-Studie, und Energiekonzernen gar für die reine "Bereitstellung" nicht Auslastung, also den marktlichen Verkauf des Stroms, Geld zahlen will, dürfte das auch eine Volte sein, die selbst in der angeblich marktwirtschaftlichen FDP kaum zu erklären ist:
"Zeil wäre mittlerweile bereit, den Energieversorgern eine Prämie zu zahlen, damit sie Stromkapazitäten vorhalten. Bis zu einer Milliarde Euro bundesweit könnte das die Stromkunden kosten."

Ein recht "bedeutendes Element" dürfte, irgendwann mal, in der Blogosphäre und im Internet liegen. Vielleicht bewerte ich da aber auch etwas über.
Die SPD bspw. ließ sich kurz nach der NRW-Wahl vernehmen:
"SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil forderte Röttgen nach der Wahlschlappe auch zum Rücktritt als Bundesumweltminister auf. "Röttgen war nicht nur als Spitzenkandidat überfordert. Er ist es auch als Minister bei der Energiewende", sagte Heil der "Rheinischen Post"."
Jetzt, nach der Wahl dient genau das eingetretene, vorher geforderte, als Basis weiterer, anderer Kritik:
""Norbert Röttgen stand wie kein anderer für Merkels Kurs der gesellschaftlichen Modernisierung der CDU. Dieser ist mit seinem Rausschmiss gescheitert."
Und diverse weitere Aussagen.
Das Vorgehen dabei immer ähnlich aber auch durchsichtig: Erst kritisierte Heil, später kommen Andere um bei "geänderter Sachlage" andere Äußerungen tätigen zu können und vorher gewünschtes auf "individuelle Aussagen Einzelner" zurückführen und sich so distanziern zu können.
Eine Form der Arbeitsteilung - aber auch das darf man nicht mehr durchgehen lassen, wenn sich im Diskurs etwas ändern soll.

 Die Grünenvorsitzende Roth machte erneut den Connex auf:
"Aus der Opposition wurden auch Forderungen laut, Röttgen soll als Umweltminister zurücktreten. Er sei definitiv ein geschwächter Minister, sagte Grünen-Chefin Claudia Roth. Es sei fraglich, wie jemand, der einen derartigen Misserfolg eingefahren habe, eine Herkulesaufgabe wie die Energiewende stemmen solle."
Egal, wie oft man soetwas noch wiederholt wird der Hintergrund weder klarer noch sinnvoller: Zwischen der NRW-Wahl und der angeblichen "Schwäche als Minister" bestand und besteht kein Zusammenhang.
Außerdem bedient sich hier bspw. Roth einer Wortwahl, der "Herkulesaufgabe", welche u.a. von Seehofer und Zeil in den Raum geworfen wurde.
Geht man davon aus, dass Roth keine originäre Anhängerin Schwarz-Grüner Versuche ist und mutmaßlich auch keine Zukunft als Parteivorsitzende solch einer Konstellation hätte, so mutet es auch nicht seltsam an, dass der Duktus einfach übernommen wurde, da Röttgen mindestens nicht weniger Grünen-affin war, als Altmaier.

""Der Wahlausgang ist für die Union eine politische Katastrophe, die mich wirklich aufwühlt. Es ist ein Desaster mit Ansage""
 Wenn Seehofer soetwas sagt, dann überhöht er die NRW-Wahl absichtlich: Auch vorher gab es Niederlagen von Schwarz oder Schwarz-Gelb. Schleswig-Holstein ist so ein Beispiel, sicher auch Hamburg - dort gelang der SPD sogar das Erreichen einer absoluten Mehrheit.
Zumal "mit Ansage" die Kompetenz der Wähler zu einer "freien Wahlentscheidung" latent infrage stellt - das Ergbnis war in etwas von der CDU erwartet worden, aber es "musste" eben nicht eintreffen. "Mit Ansage" impliziert, dass Röttgens Nominierung immer falsch gewesen sei. Diese führte aber die "Basis" in einer Abstimmung herbei.

""eine Addition von Debatten, mit denen wir die Wähler verunsichern". So gäben CDU und CSU beim Streit um das Betreuungsgeld "ein völlig diffuses Bild" ab."
Ist das keine deutliche Kritik an Altmaier, denn wer, siehe SZ, ist denn zuletzt für die "Außenwirkung der CDU" verantwortlich? Nachdem Volker Kauder sich zugunsten Altmaiers etwas zurückzog?

Die Medien kreieren aus dem gesamten Geschehen nebst der "Teflon-Kanzlerin" nun die "harte" oder "kalte" Frau, die "entsorgt", wenn es ihr notwendig erscheint. Wahlweise immer wieder auch mit dem Hinweis, man gewisse sonst in der Politk nichts und solche Geschäfte seien eben keine "Wunschkonzerte".
Daraus spricht aber eher Wunsch, Wille und Zustimmung sowie die Lust daran, jemanden wie Röttgen fallen zu sehen oder gesehen zu haben.
In der großen, kalten Medien- und Redaktionswelt müsse sich ja auch jeden Ta jeder selbst der Nächste sein und ständig kämpfen, könnte man meinen. Weshalb sollte dann etwas anderes für ihn gelten?
Das ist dann aber so, wie mit den Arbeitnehmern/Arbeitern, die nach oben buckeln und nach unten treten: Wenn man nicht irgendwo auch mit fundamentaler Kritik beginnt, so zieht sich sowas durch das gesamte System und trifft irgendwann jeden.

Der Spiegel bspw. übernimmt die Verbindung zwischen "Ministerschwäche" und "NRW-Wahl" als fast naturgegebene Verbindung, obgleich das ganze nicht weniger als ein "Spiel" ist: Erst kritisiert die Opposition, wie sie es tun muss und soll, und fordert, sie oben, gar die Ablösung. Später kritisiert man ebendiese Ablösung als "Führungsschwäche der Kanzlerin". Da fehlt irgendwas, irgendwelche Zwischenstationen, was Erklärendes, Kritisches.

Und immer wieder die Wiederholung der "Argumente", gebetsmühlenartig, ohne Auseinandersetzung, als läsen alle beim jeweils Anderen und käuten es nur wieder:
"Röttgen hatte als Spitzenkandidat das mit 26,3 Prozent schlechteste Wahlergebnis der CDU in NRW verantworten müssen. [...] Röttgen hatte offengelassen, ob er auch nach einer Niederlage in Düsseldorf bleibt.", SZ
"Nach der Niederlage der CDU in Nordrhein-Westfalen hat CSU-Chef Horst Seehofer Spitzenkandidat Norbert Röttgen scharf angegriffen und ein entschiedeneres Vorgehen des Bundesumweltministers bei der Energiewende angemahnt."

Völlig fehl dürften die gehen, die schon ein "jahrelanges Siechtum" der CDU in NRW voraussagen. Erstens ist der Abwärtstrend nun, wie bei der FDP, gestoppt: Schlechter kann es kaum noch werden, man rief nun das "desaströse Wahlergebnis" aus und wird immer wieder betonen, wie gut und schnell doch "Konsequenzen gezogen" worden seien. Zumal auch nicht ausgemacht ist, was aus Rot-Grün werden wird.

Donnerstag, 10. Mai 2012

Was vom (Partei-)Tage übrig blieb #neumünster #piraten #politik


Die "Probleme der Piratenpartei" wachsen.
Keine schlimme Prophezeiung über deren Ende oder der Wunsch dieses angeblich herbeischreiben zu können.
Zuletzt geschehene Dinge bzw. mediale Verbreitung lassen diesen Rückschluss zu.

Nach meiner Auffassung wird man dieser Partei nicht auf "piratenfernen" Themenfeldern beikommen können. Also auf allen Feldern angeblich "etablierter Parteien".

Dienstag, 1. Mai 2012

Die Causa #Friedrich und #facebook: Nur Gewinner, keine Verlierer


Ob es wohl bald eine "Causa Friedrich" gibt, wie das bei Christian Wulff der Fall war? Jedenfalls gibt es nach der Handlung Friedrichs keine Verlierer, nur Gewinner.

Wie SpiegelOnline, SPON, berichtete, veröffentlichte Ariane Friedrich ein an sie adressiertes Anschreiben inklusive Foto welches ihr auf Facebook zuging. In diesem habe sich ein Nutzer, einer von nach eigenen Aussagen diversen Anderen unter Zuhulfenahme verschiedener Medien, anzüglich geäußert, seinen Penis als Foto angehängt und ihr eindeutige Angebote gemacht.

Nach Emden, als ein, sich später als unschuldig erwiesener, Jugendlicher u.a. per Facebook mit vollem bürgerlichem Namen publik gemacht wurde, ein weiterer "prominenterer" Fall der Weitergabe privater Nachrichten aus einem "sozialen Netzwerk" an die "Öffentlichkeit". Schließlich kann und muss damit gerechnet werden, dass Medien wie SPON dies lesen und darüber berichten.
Womit dann weitere Nutzer und Menschen aufmerksam werden und sich dies zahlreich weitertragen dürfte.

Montag, 30. April 2012

'Etablierte #Parteien' und #twitter - riesige Informationsaggregation ungenutzt gelassen, zu spät agiert


Man könnte ja mindestens zwei Lesarten zum Aufkommen des Internet und dessen gesellschaftliche, mediale, politische und wirtschaftliche Folgen wagen.
Eine, die schon oft überdacht wurde, greife ich mir nachfolgend mal heraus.

Wenn der gesamtgesellschaftliche "Kuchen" nicht wächst, also nicht plötzlich von Zauberhand mehr für Alle vorhanden ist und dies daher auf alle verteilt werden kann, werden einige wie immer mehr Kuchenstücken erhalten, als andere.
Auf den Prozess der Verhandlung, ggf. noch das Endergebnis kommt es an.

Gerade bei Twitter dachte ich vor einiger Zeit, solche Dienste könnten vorallem "etablierten" Parteien mehr nutzen als schaden.
Weil sie von Menschen überall auf der Welt zu jeder Zeit mit diversen Informationen gefüttert werden und die Auswertung dieser Daten, wenn vielleicht auch nicht kostenlos, ermöglichen.
Wie kann eine Partei einfacher erfahren, was gewisse oder alle Menschen über sie denken, was sie lesen, was sie interessiert, als das verhältnismäßig einfach zugängliche Twitter?
Bei Facebook bekommt man diese Daten ebenfalls, muss dazu aber über ein zentrales Werbe- und Marketinginstrument gehen.

Statt selbst zu twittern und die Dienste mit weiteren Daten zu füllen wäre es sinnvoll gewesen, sich kostengünstige und effiziente Mechanismen zur Datenaggregation zu überlegen oder vorlegen zu lassen. Man muss nicht selbst twittern, wenn man weiß, wie sich der "Mainstream" dieser "Netzwerke" in etwa gestaltet.
Falls es, jemals oder aktuell, Ziel und sinnvoll war, "dem Volk aufs Maul zu schauen", ihm also stückweit "nach dem Munde zu reden": Wann war das dann einfacher möglich als heute?
Klar, dafür muss man Geld bezahlen und ggf. auch einiges davon in den Sand setzen.
Und vermutlich ist es gerade das, woran es den schon in der realen gesellschaftlichen Breite kaum noch verankerten (Volks-)Parteien so fehlt.
In vielen ländlichen Gebieten gibt es nicht nur keine Parteiorganisation, sondern auch keine parteinahen oder parteilichen Kandidaten mehr. Aber auch das ist kein neues Phänomen.

Wenn man weiß, was gerade wie diskutiert und retweetet wird, kann man gewisse griffige Formulierungen heraussuchen, greifen, leicht abwandeln und mehr oder minder geschickt in den realen politischen, das heisst vorallem gedruckten, medialen Prozess einspeisen.
Man lässt dann einfach irgendjemanden, ob Hinter- oder Vorderbänkler, genau diese Themen griffig formuliert vortragen. Oder man streut etwas von "gut informierten Kreisen", welche wiedermal etwas wüssten oder irgendwo gehört hätten.
Sowas darf natürlich nicht zu auffällig werden, höhlt es dann doch ggf. auch die Öffentlichkeit und Offenheit solcher Netzwerke aus.
Nur kann man Parteien wohl kaum vorwerfen für die Auswertung und Nutzung der Daten zu zahlen, wenn es Werbetreibenden ganz selbstverständlich zugebilligt wird.

Mittwoch, 25. April 2012

#Breivik und mediale Tendenz zur Selbstzensur - Notwendig in unserer Gesellschaft?


Am 16. April begann der Prozess gegen Breivik, dem Attentäter, Terroristen und Massenmörder von Utoya.

Wie in vielen anderen Fällen auch, diskutieren die Medien und ihre Vertreter in Kommentaren auch jetzt über die Notwendigkeit oder Pflicht zu berichten. Und vorallem was jeweils berechnet werden sollte.
Einiges, wie bei MDR.Info, läuft gar auf eine Art "Selbstzensur" hinaus, müsse man doch nicht jedes Bild zeigen. Der Rechtsstaat, also das Gericht, sei dazu jedoch selbstverständlich verpflichtet.

Sonntag, 1. April 2012

Problematisches Studiengebaren zu #911 - Kritik auch an #Telepolis und Geschichtsschreibungen


Endlich lässt sich mal etwas über "9/11" oder gar eine "Generation 9/11" verbloggen, war schon länger auf einer "To-Do"-Liste.

Anhand des beredten, wenn auch letztlich nicht unbedingt ausschöpfenden Kritikbeitrags innerhalb "Telepolis" kann man ein grundlegendes Problem mit den "Anschlägen" vom 11. September 2001 verdeutlichen.
Er bezieht sich auf eine Studie der Universität Duisburg-Essen in deren Verlauf bzw. Ende sich die Projektverantwortlichen zum Ziel gesetzt haben eine "Generation 9/11" auszumachen.
Oder herausfinden zu wollen, ob es solches wohl geben mag.

Montag, 31. Mai 2010

#Lena, #ProSieben, #Raab und übermäßiger, überdrüssiger Medienhype zum #songcontest #esc

Eigentlich gab es heute ein Thema, dessen Aufreger-Intensität zumindest für mich unerträglich hohes Niveau erreicht hatte: Lena Meyer-Landrut, der Eurovision Song Contest, Stefan Raab sowie Prosieben und ARD.

Am frühen Nachmittag legte dann Horst Köhler, seines Zeichens Bundespräsident, mit sofortiger Wirkung das Amt nieder.

Weniger die Ereignisse als solche geben für mich Anlass zur Kritik, sondern deren vorallem mediale Verarbeitung und Kommunikation.
Da wird "Lena", den Nachnamen nennt man sinnigerweise und zur Erhöhung der Identifikation schon nicht mehr, zur "Rettung Deutschland" aus dem "Schuldenjammertal" hochstilisiert.
Ich persönliche finde ja weder den Schuldenberg, noch das Thematisieren desselben kritikwürdig - endlich befasst man sich einmal damit, wenn auch falsch, könnte man meinen.

Deutlich wird aber, dass hier eine Person zu etwas gemacht wird, dass sie nicht ist.
Anscheinend, so entnehme ich es der heutigen Pressekonferenz mit u.a. Stefan Raab, ist sie sich dessen aber sehr wohl bewusst und beherrscht das mediale Spiel. Raab und andere Kommunikationsfachleute dürften briefend auch ihr übriges dazutun.

Bis zur genannten Pressekonferenz mutmaßte ich ja eine gewisse "Naivität" und gar "Dummheit" von Frau Meyer-Landrut, die ich bewusst nicht mehr "Lena" nennen werde; ihr Benehmen schien mir unbewusst, nicht gesteuert und daher nicht in die mediale Verwertung passend.
Schließlich gehe ich davon aus, dass im Sinne kapitalistischer Verwertung nichts längerfristig publik wird und sich halten kann, was nicht mit dem Produktionsprozess "kompatibel" ist.
Und gerade Kritik am System scheint mir inkompatibel zu sein.
Doch gerade das wiederum macht sie für viele Menschen offenkundig so interessant.
Immer wieder wird auf ihre "Frische" und "Offenheit" verwiesen, sie wagte heute gar das Instrument "casting-shows", welches ihr zu ihrem "Erfolg" in Deutschland verhalf, als schlecht darzustellen.
Stefan Raab, der "Ausrichter" lachte.
Wobei ich ihre Auffassung ja durchaus teile, aber doch auf ihren scheinbar schnell-vollzogenen Sinneswandel verweisen muss: Wenn solche Shows "Mist" sind, dann bleiben sie es auch, so man selbst teilnimmt bzw. gar gewinnt.
Da gibt es keine zwei Wahrheiten.

Ich fand den Auftritt der 19-jährigen "Unser Star für Oslo"-Siegerin nicht aufregend oder überzeugend.
Auf mich wirkte er unchoreografiert, in der FAZ gar als "joecockerhaft" bezeichnet, undurchdacht und auch sängerisch wenig überzeugend.

Einzig überzeugendes "Argument" war für mich von Anfang an der Song.
So dachte ich mir nach ein oder zwei Mal hören, er sei als "Hitsong" geschrieben worden, was anhand spezifischer Computerprogramme, Algorithmen und deren Auswertung z.b. mit Hilfe und in Massencommunities wie Facebook und Last.FM nicht mehr das Problem ist.
Der Text und die Melodie sind eingänig, einfach, der Refrain sehr einfach zum Mitsingen.
Nach wenigen Hörzahlen hatte ich einen kleinen Ohrwurm, was bei mir ein untrügliches Zeichen für ein zumindest "akzeptables" Lied darstellt.
Hier gebührt also meiner Ansicht den Autoren mehr Erfolg und Zuspruch als Frau Landrut als Präsentationssubjekt - oder -objekt. Je nach Perspektive.

Grandios in seiner spezifischen Nische natürlich auch Stefan Raab.
Der Song Contest war in den letzten Jahren eigentlich klinisch tot, niemand interessierte sich mehr so recht für ihn und Abgesänge hagelte es ebenso.
Die Änderungen des Regelbestandes bekam ich noch randständig mit.
Dann kommt jemand wie Stefan Raab mit einem spezifischen Namen in der Branche und ProSiebenSat1 Media im Rücken und beginnt große Werbekampagnen für diese Veranstaltung.
Was so gut funktionieren konnte, eben weil sie kaum noch einer auf dem Zettel hatte.
Schon die Show "Unser Star für Oslo" als Qualifikationscasting wurde mit viel Medienpopanz und Werbemacht in den Fernsehmarkt gedrückt - Raab war die einzige Kontinuität und Qualität in der Sendereigenen Jury.
An Auftritte Nenas kann ich mich noch als vollkommen unterirdisch erinnern; Raab allerdings fiel mir schon damals recht zielorientiert und interessiert positiv auf.
Was er macht, macht er, momentan wenigstens, "richtig": "AutoballWM", "Schlag den Raab" und weiteres, dazu fast penetrantes Crossmarketing und Kooperationen mit anderen Sendern, wie bspw. ARD.

In genanntem öffentlich-rechtlichem Sender fiel mir am Abend der Übertragung etwas äußerst negativ auf: Der Reporter/Moderator.
Sowas penetrant "patriotisches", verbunden mit vollkommener Unsichtbarkeit eines ruhigen, rationalen journalistischen Selbstverständnisses kam mir selten unter.
Und das bei einem gebührenfinanzierten Sender; von Privatsendern ist man kaum noch anderes gewohnt.

Im Kern mag ich mit der Übersteigerung sowie Glorifizierung dieses gewinnmaximierenden Prozess' wenig bis nichts anfangen.
Frau M.-L. mag ihre Vorzüge haben, ist 19 Jahre alt und Raab selbst meinte, sie hätte "mit jedem Lied" gewonnen.
Die besitzt ein TV-Gesicht und eine TV-Figur und benimmt sich medienadäquat.

"Gut" und "sinnvoll" wird es dadurch trotzdem nicht.

Für mich bleibt abzuwarten, ob sie ihre Frechheiten auch gegenüber Raab, dessen Produktionsfirma und ProSieben wird durchsetzen können.
Denn bislang ist sie wenig bis nichts: Gehen Raab und ProSieben, verschwindet sie in der Versenkung.
Hier ist also ein Emanzipationsprozess notwendig ohne den "Gönner" Raab zu verprellen.

Wie nannte es Raab heute so schön?
"Flexibilität" ist in der Medienindustrie notwendig und er gehe ganz gerne mal fremd.
Sie sollte und - so sich das heutige Bild bestätigt - wird von ihm lernen.
Und am Ende doch weit stärker reüssieren als ich zunächst dachte.

Freitag, 15. Januar 2010

Die #Berliner #Erklärung der #CDU - Odysee und Kritik, Teil I

Gerade wollte ich mir die "Berliner Erklärung" anlässlich der Vorstandsklausur des CDU Bundesvorstands am 14./15. Januar 2010 ansehen bzw. herunterladen und hernach durchlesen.

In Medien wie SpiegelOnline oder der Tagesschau wird regelhaft nur daraus zitiert oder sich aus zweiter, verwertender Hand damit befasst. Welcher Ministerpräsident was sagte oder welcher Brief mit Kritik wann abgeschickt wurde, ist nuneinmal wichtiger als das Dokument selbst.
Meist ist es ja auch so - die meiste Textproduktion muss man auch nicht lesen oder nachvollziehen.

Doch neige ich dazu, genau das zu tun.
Somit sah ich als erste Anlaufstelle die Website der CDU Deutschland, cdu.de, an um an Informationen über eine Klausur des Vorstands zu gelangen.
Nur konnte ich auf der Website nichts finden, außer einem Verweis auf Angela Merkel und deren Website, einen großen, mittigen Bereich in dem wechselnde Fotos mit Statements allgemeiner oder sehr spezieller Art eingeblendet wurden. Unten finden sich Spendenaufrufe, Newsletter- und Presseangebote.
Somit ließ sich auf dieser Seite von mir nichts finden und mir verging die Lust am Suchen auch relativ schnell, fand ich doch keinen Link oder ein Menu, welches mir thematisch-inhaltliche Angebote gemacht hätte.
Also besuchte ich die Website der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, cducsu.de.
Die letzte dort vorgestellte Nachricht war/ist eine, in der der Wille zur Einsetzung einer Enquete-Kommission zum Thema "Internet und Gesellschaft" eingesetzt werden soll.
Eine sinnvoller und auch von mir goutierter Ansatz übrigens.
Doch auch auf dieser Website war es mir nicht möglich, etwas zur "Berliner Erklärung" aufzufinden. Weshalb ich die Website auch relativ schnell wieder verließ.

Einer der - leider - besten Freunde des Internetsurfers und Suchers, Google, half hernach weiter.
Bei der Suche nach "berliner erklärung" findet sich ein Verweis auf das *.pdf-Dokument auf Ergebnisseite zwei, momentan an Stelle vier.
Das Linkziel - wie es auch sein sollte - die Website der CDU, cdu.de. Leider fand ich dort vorher nichts und wurde mit Aussagen und Konterfeihs verschiedener Personen beim Schließen verabschiedet.


Inhaltlich beginnt diese Erklärung, wie fast jede, mit einer historischen Beweihräucherung. In diesem Falle durch "entscheidende[n] Weichenstellungen" (BE, S.2) Kraft für Herausforderungen des "kommenden Jahrhunderts" zu ziehen.
Schon dieser Konnex ist an sich vollkommen unverständlich.
Erstens hätten sich diese Weichenstellungen theoretisch ebenso als falsch oder historisch unbedeutend erweisen können; mithin ist eine ex-post Schau ungeeignet damalige Ereignisse im heutigen Kontext zu bewerten oder positiv einzuordnen.
Viel bedeutender aber der Verweis, daraus Kraft für das kommende Jahrhundert zu ziehen.
Die soziale Marktwirtschaft besteht nicht erst seit gestern, sondern in Wandlungen mithin seit Gründung der BRD; die Wirtschafts- und Finanzkrise, auch wenn man es deutschlandzentriert betrachtet, verhinderte "sie" nicht.
Denn "sie" existiert auch nicht, es ist ein von Menschen gemachtes, anpassbares Regelwerk.
Weshalb die Anpassungen oder deren Versäumnis unzureichend waren, sonst hätte es zu dem Beinahe-Kollaps des gesamten Systems, der nicht einmal von den Konservativen geleugnet wurde, nicht stattfinden können.
Aus diesem so offensichtlich dysfunktionalen, wenn auch sonst sinnvollen System, "Kraft" für etwas unbekanntes, zukünftiges ziehen zu wollen, mutet schon kurios an. Vielleicht kann man das aber auch in dem Wissen, dass genau diese "Finanzmarktkrise" beendet ist.

Im nächsten Absatz deutet sich ein beginnender kommunikativ-artikulativer inhaltlicher Wandel an.
Bislang hörte man Angela Merkel und andere stets gebetsmühlenartig wiederholen, Deutschland solle "stärker aus der Krise hervorgehen, als wir hineingegangen sind" (Zitat sinngemäß).
Nun ist die Rede davon, dass Deutschland trotz "der erheblichen Auswirkungen [...]" ein "[...] starkes, ein lebenswertes Land [...]" sei.
Hieraus eine Abkehr von eben genannter Sprachregelung lesen zu wollen, mag weitgehend und interpretativ anmuten, doch kommt es mir genau so vor.
Wiewohl der Spruch inhaltlich stets sinnfrei war, insinuierte er doch die Sinnhaftigkeit "der Krise" und allem damit in Verbindung stehendem. Doch kann die de facto-Pleite großer Teile des westlichen Bankensystems, ohne Staatseinflüsse, nicht als beispielgebend gelten. Oder man betrachtet Pleiten als sinnvoll, kann dann aber nicht an Systemkrisen interessiert sein. Und genau zu dieser kam es.

Im Weiteren wird die Selbstbeweihräucherung geschickt fortgesetzt, indem oben genannter Satz historischer Verbindung mit aktuellen Bewertungen, für die keinerlei Belege geliefert werden und im Kontext auch nicht geliefert werden müssen, einer positiven Nation, positiven Selbstverständnisses und des Deutschen als mit einem "hohen Ansehen" ausgestatten Menschens beschrieben wird.
Damit wird Emotionalisierung und Verbindung der Partei mit diesen - auch noch selbst zusammenhang- und beweislos - in den Raum gestellten Positivismen erreicht.

Das oben bereits in Abrede gestellte Motiv, das Land "gestärkt" aus der Krise führen zu wollen wird auf Seite zwei doch noch angesprochen. Die wichtigen Themen seien die "Finanz- und Wirtschaftskrise", Arbeitsplatzsicherung, internationale Rahmenbedingungen zur Krisenvermeidung, Demographie sowie nachhaltiges Wirtschaften.


Negativ stößt mir sogleich der Verweis auf "[...] immer schnellere[r] Veränderungen [...]" (BE, S.3) auf. Das klingt für mich wieder sehr nach "Globalisierung" und "notwendige Anpassungen". Dies wurde in den letzten Jahren als quasi Religionsersatz in der Gegen rumposaunt. Wandel existiert immer, weshalb er aber "immer schneller" werden sollte ist unklar.
Vorallem ist auch der Endpunkt, bzw. die baldige Geschwindigkeit unbekannt, wenn er tatsächlich "immer schneller" stattfinden soll, was auf einen exponentiellen Anstieg hindeutet. Das kann so aber realistisch betrachtet nicht sein. Verweise auf "immer schnellere Veränderungen" wollen daher exkulpieren und Demut erzeugen bzw. vermitteln.

Interessant auch, woraus sich gemäß selbst-gewählter Reihenfolge die "bürgerliche Politik" speisen soll: "aus christlich-sozialem, liberalem und konservativen Denken". Konservatives Denken also an letzter Stelle der Aufzählung.
Wie mögen das wohl die sehen, die einen "neuen Konservatismus" für die CDU einfordern?


Bildung ist für die CDU kein Selbstzweck.
Wenn es sie als Selbstzweck denn in dieser Denkweise jemals gab, soll Bildungspolitik heute ermöglichen, dass alle "ihre Begabungen entfalten und einbringen können, dass Aufstieg durch Leistung eine Chance aller ist. [...]".
Aufstieg durch Leistung, davor steht Bildung durch die Bildungspolitik der CDU vermittelt.
Wohlgemerkt ist das ein Papier des Bundesvorstands (!) und eben keines Landesverbandes, der die u.a. durch Zustimmung der Union ausgeweitete Kompetenz im Bildungsbereich zu ebendiesen Zwecken nutzen könnte. Bildung ist de facto Ländersache, was von der CDU nicht sonderlich offenherzig kritisiert wird.
Bildung ist also nichts, was die Möglichkeit der Erzielung einer Leistung bedingen soll, sondern ein Element in der "Leistungsproduktion" selbst.


Was die "Integrationspolitik" anbetrifft, bekommt die Forderung der Union nach Aufnahme der deutschen Sprache als "Amtssprache" und hauptsächlich in Deutschland gesprochener Sprache ein Geschmäckle, wird "[...] allen Menschen [...]" doch eine Chance zur Teilhabe angeboten, sofern sie erstens dauerhaft im Land leben und zweitens dessen "Grundordnung" - in der die Sprache momentan nicht reglementiert ist - anerkennen.
Was als "dauerhaft" und "Grundordnung" zu verstehen ist, bleibt nebulös. Letzteres ist wohl am Ehesten mit der Verfassung, dem "Grundgesetz" zu verbinden, möchte man nicht sofort an die Lammert'sche Diskussion über eine "deutsche Leitkultur" aknüpfen. Denn zu dieser könnte ja auch die "Standardsprache Deutsch" gehören. Damit kann man natürlich allerlei Hilfsangebote wie auch Repressionen legitimieren, einzig aufgrund verwendeter Sprache. So bspw. ansatzweise am Selektionskriterium "Sprachverständnis und -anwendungsfähigkeit" bei Einschulung oder im Kindergarten ersichtlich; was dauerhafte oder längerfristige Rückstellungen bringen sollen, erschließt sich zumindest nicht sofort.
Wenn darauf aufbauend die Chance "echter Teilhabe" angeboten wird, was gilt es dann bisher zu konstatieren? "Unechte Teilhabe"? Exklusion? Fragen bleiben offen, zumal die CDU ihre jahrelange, kraftgebende politische Verantwortung hierbei nicht unbedingt zu betonen pflegt.
Dies mutet an, als begänne man jetzt erst mit integrationspolitischen Diskussionen, doch gab es da schon einen Roland Koch (CDU) mit seinem Wahlkampf zur "doppelten Staatsbürgerschaft" oder Parolen wie "Kinder statt Inder" bzw. türkische Arbeitskräfte für das deutsche Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg.
Alles also nicht neu und garantiert nicht von der CDU aufs Tableau gebracht.


Auf Seite vier meint die Partei nebst dem bereits bekannten Motiv von "[...] Ehe und Familie [...]" und damit verbundener "[...] echter Wahlfreiheit für Frauen und Männer [...]" von "[...] ehrgeizigen Zielen [...]" sprechen zu können und zu sollen.
Es wäre ja äußerst interessant gewesen, was genau mit diesen "ehrgeizigen Zielen" gemeint ist, doch ergeht sich die restliche Seite fast ausschließlich in Analyse zur letzten Bundestagswahl des September 2009.
Meint man ja auch, zur Erreichung dieser Ziele die "Volkspartei CDU" stärken zu müssen und verbindet damit nicht nur den Anspruch eine solche sein zu wollen, sondern auch sein zu müssen, wenn die Ziele erreicht werden wollen/sollen damit.
Das nach einer Bundestagwahl zu artikulieren, die doch eigentlich die "Wunschkoalition" Schwarz-Gelb zutage brachte, finde ich erstaunlich.
Seit ich politisch zurückdenken kann, was aktiv und reflektierend in etwa bis zum Jahre 2000 zurückreicht, wurde mir immer vermittelt, ebendiese Koalition sei die Beste für Deutschland. Zumindest aus Sicht der Partei. Ob man nun "Volkspartei" ist oder nicht, sollte dabei keine Rolle spielen, sind doch die Zeiten der absoluten Unionsmehrheiten längst vorbei.
Hier stimmt also argumentativ irgend etwas nicht.

Prinzipiell schwierig finde ich Einlassungen wie die, "Wahlen" würden "[...] in der Mitte gewonnen [...]". Gerade wenn eine "gefühlte Mitte" schrumpft oder sich verlagert kann dies zum Bummerang werden und zur breiteren Koalitionsnotwendigkeit führen.
Gerade für letzteres spricht in den letzten Jahren immer mehr und - betrachtet man Schwarz-Gelb als Lager, was anhand vorheriger Koalitionsaussagen zumindest eine gewisse Plausibilität beanspruchen kann - gewann dieses Lager die Wahl durch die hohen Zugewinne der FDP, unbenommen deren Wanderung und Genese. Das heisst, dass zumindest die letzte Wahl von der FDP gewonnen wurde.


Weshalb man sich als "[...] Volkspartei der Mitte [...]" bezeichnen muss, wenn Wahlen doch ohnehin "in der Mitte gewonnen" werden und der Charakter und die Bedingtheiten einer "Volkspartei" im Sinne Kirchheimers, etc. bekannt sind, erschließt sich mir ebenso wenig.
Das Ganze mutet dann als leicht ersichtliche Tautologie an.

Dass die CDU die SPD-Formel des (Vor-)Wahlkampfes im Hinblick auf die FDP aufnimmt, sie sei eine Partei der "[...] reinen Marktgläubigkeit [...]" ist angesichts der damals leidlich und ausführlich thematisierten Sinnlosigkeit und sich auf geringere Koalitionsoptionen auswirkenden Kommentierung bestenfalls ein Treppenwitz.
Ich wette, ich bleibe der Einzige, der großzügig darüber lächeln kann, viele Medien werden dies nicht aufgreifen. Von Politikwissenschaftlern wird man davon auch wenig hören, genügt es doch dies allein im Zusammenhang mit der SPD darzustellen.
Letztere war zwar nicht der "natürliche Koalitionspartner" der CDU, wie es auch Guido Westerwelle (FDP) einst darstellte, aber es interessiert ja in der "Wunschkoalition" niemanden.
Schön auch, dass die CDU explizit auf die Nennung der Parteien verzichetet und sie damit trotzdem implizit benennt; dass mit "Staatsgläubigkeit" nebst LINKEr nicht zuletzt die SPD gemeint ist, sollte klar sein.
Was es bringen soll, wenn beide großen Parteien den Slogan "Wirtschaftliche Vernunft und Soziale Gerechtigkeit" artikulieren, erschließt sich mir ebensowenig.
Eine von beiden wird sich davon entweder verabschieden müssen, oder die Wähler werden das ihrige mittels Glaubwürdigkeitsbewertung tun.


Bisher dachte ich auch immer, man bezeichnet CDU UND CSU als "Union". Nun schreibt die CDU von einer Vereinigung der Strömungen in einer "Union".
Irgendwie verwirrend.


Der teilweise kritisierte oder für "Streitanalysen" herhaltende Teil mit Verweis auf "treue Wähler" findet sich auf Seite vier unten.


Der Verweis auf "Rückgewinnung" an die SPD verlorener Wähler ist weit deutlicher, nämlich namentlich, artikuliert, als ebenjener bzgl. der FDP.

Interessant wird sein, inwiefern die Floskel des "Linksrucks" der Partei in die mediale Berichterstattung Eingang finden wird.
Denn die CDU schreibt nicht von einem "erwartbaren" oder in "Ansätzen ersichtlichen" Linksruck, sondern nach ihrem Duktus ist er nicht nur bereits im Gange, sondern auch fortgeschritten.
Natürlich sind dies nur unbewiesene Behauptungen, mit denen Lenkung medialer Berichterstattung erreicht werden soll. Wie und ob es diesmal gelingt wird interessant sein zu beobachten.
Mit dem "Wortbruch" (Ronald Pofalla, CDU) gelang ihr dies im Rahmen der ersten Landtagswahl und späteren Koalitionsverhandlungen meisterhaft.
Andererseits könnte und sollte man es als teilweises mediales Versagen brandmarken, nicht wenigstens auf "Wortbrüche" aller Parteien oder eben auch "der Anderen" aufmerksam gemacht zu haben. Wobei dabei Fingerspitzengefühl notwendig werden könnte, möchte man doch von medialer Seite im Mittel Diskreditierung der Demokratie als solcher vermeiden.
Was als solche verstanden werden könnte, bringt man alle "gebrochenen Versprechen" anderer Parteien und Politiker zur Sprache. Zumindest in genannter Deutlichkeit. (BE, S.5)

Hier wird nur äußerst nebulös und abstrakt von die Große koalition ablehnende und beenden wollenden Wählern gesprochen.
Der Gegensatz zur FDP als Partei "reiner Marktgläubigkeit" zur an "[...] nachhaltige[m] Wachstum [...]" orientierten CDU ist auch eher ins Auge stechend.

Freitag, 13. November 2009

Selbstmord Robert Enkes

Tragischer Heldentot.

Ich fange bei meiner Einlassung über den Suizid Robert Enkes gleich mit einer Überspitzung an, nicht vergessend und ausdrücklich Mitgefühl und "Beileid" für die Angehörigen und seine Familie ausdrücken wollend.

Zu Enke selbst kann und will ich nur wenig sagen.
Um den Entschluss, dem eigenen Leben ein Ende zu machen, zu fassen muss man meiner Ansicht nach schon lange und weit gegangen sein.
Ich persönlich kann es mir unter bestimmten Umständen vorstellen prinzipiell ebenso zu handeln.
Wichtig ist hierbei das Wort "vorstellen".
Nach allem was wir wissen, gibt es kein "Jenseits" oder "Leben nach dem Tod", was eine vollständige "Auflösung" des eigenen Ich, der eigenen Persönlichkeit bedeutet.
Wenn es etwas gibt, was wirklich existenzielle Bedeutung hat und größtmögliche Trag- und Reichweite aufweißt, dann wohl sicher die Entscheidung dem Leben selbst-bestimmt ein Ende zu setzen.
Nun kann dies wiederum im vollen Bewusstsein rational, wie auch gestört und eher geistesfern "entschieden" werden.
Wie es situativ bei Robert Enke aussah, ist mir verborgen.

Eine situativ-geistesfern-affektierte "Entscheidung" scheint mir einfacher rückgänig oder in ihrer Exekution verhinder- und unterdrückbar zu sein, als eine solche, die rationalisiert gefällt wurde.
In letzterem Falle ist die Konfrontation und Befassung mit dem, was diese Entscheidung überhaupt ermöglicht - dem "Geist" - noch deutlich intensiver.

Zumindest für mich ist es schon eine Art beachtenswerter Paradoxie, über etwas nachzudenken, was man nach Ausführung des Gedankens/der Entscheidung nicht nur nicht mehr tun kann, sondern zu letztlich gar keinem Gedanken mehr fähig sein wird.
Die Art zu denken, die Welt wahrzunehmen und zu sehen als solche wird enden.
Von jetzt auf gleich.
Weil man es so will.


Nebst diesen Ausführungen war die mediale Kommunikation des Fußballer-Todes nach meinem Dafürhalten äußerst unglücklich, wenn nicht gar abstoßend.

Privatfernsehsender kann man eigentlich ohnehin, außer für Filme oder Serien, nicht mehr ansehen. Allerdings sind die "Nachrichtensender" N24 und n-tv die einzigen, die zeitnah und zeitlich umfangreich berichten.
Auf ARD und ZDF laufen zwischenzeitlich, wie auch schon von Bundestagspräsident Lammert (CDU) in seiner Antrittsrede kritisiert, Telenovelas.
Das laufende Programm wird dort also nicht unterbrochen.

Somit hatte und habe ich meist nur die Optionen N24 oder n-tv.

Ich verblieb bei n-tv und hörte am ersten Tag nur von Enke, der Tragik seines Todes, das schlimme Schicksal seiner Frau.
Das mag alles richtig sein.
Doch genügt mir das offensichtliche meist nicht.

Wer fragte sich auch nur ein Mal, wie es dem beteiligten Lokführer ging?
Dem Lokführer des Zuges, vor den sich Robert Enke warf um seinem Leben ein Ende zu setzen?
Ich finde es bedauerlich, dass kein einziges Mal koncludiert wurde, dass die Art und Weise Enke's Suizid meiner Meinung nach äußerst feige gewesen ist.
Wenn man sein eigenes Leben beenden möchte, dürfte dies eine sehr einsame Entscheidung sein - so sie denn überhaupt längerfristig geplant ist.
Fraglich ist, ob man die eigenen Angehörigen und Familienmitglieder überhaupt vorher mit hineinziehen, oder sie nicht später mit dem Fakt des Todes selbst konfrontieren soll.
Dann aber die Exekution einer sehr einsamen Entscheidung auszuführen und einen Menschen quasi zu "missbrauchen" und für ebensolche oder ähnliche psychische Probleme zu sorgen, wie man selbst mutmaßlich oder ähnlich hatte/hat ist schon äußerst problematisch.
Um es einmal weniger pressiert zu formulieren.
Es dauerte geschlagene 24 Stunden, bis ich auf einem Radiosender einen evangelischen Prediger vernahm, wie er an den Lokführer erinnerte.
Tags zuvor war zwar schon eine Meldung, täglich begingen drei Menschen auf deutschen Gleisen Suizid, über den n-tv-Ticker gelaufen.
Aber nur als Schrift im roten Laufband, interessiert ja weiter niemanden.

Wenigstens thematisierte es Einer, nachdem ich mich schon vorher massiv darüber aufregte, möchte man meinen.

Die Krönung der Frechheit und - wenn man es denn so nennen möchte - "Perversion", folgte dann am Donnerstag.

Vorher wurde vom DFB Arbeitsverweigerung im großen Stil positiv sanktioniert.
Weshalb "Arbeitsverweigerung"?
Tja, wenn ein Kollege oder Freund eines Arbeitnehmers, der nicht gerade Fussballer der Bundesliga oder Nationalmannschaft ist, stirbt, darf ebendieser Arbeitnehmer auch am nächsten Tag zur Arbeit kommen.
Oder unbezahlten Urlaub bzw. die Kündigung erwarten.
Dies ist im Übrigen keine sinnfreie, unbegründete Polemik, so kam es vor nicht allzulanger Zeit in meinem Bekanntenkreis vor.

Der DFB aber sagt ein Länderspiel, also die Arbeit eines Profifussballers ab.
Dafür fehlen einem eigentlich schon die Worte; getoppt wird es nur noch mit Begründungsansätzen aus Pressekonferenzen bspw. mit Manager Oliver Bierhoff, der "Spass am Fussball" sei ja nach dem Tod eines Mitspielers nicht mehr vorhanden und so könne und müsse man auch einmal "inne halten" (Theo Zwanziger, Präsident).
Seit wann, darf man hierbei fragen, hat Profilfussball mit "Spass" zu tun?
Es ist eine Arbeit, ein Broterwerb wie andere auch.
Leichter verdientes Geld wenn man mit Gesundheit und Talent sowie richtigen Gelegenheiten gesegnet ist gleichwohl, doch auch "nur" eine Arbeit.

Resigniert könnte man festellen, dass es ein Beispiel dafür ist, dass manche eben gleicher seien als andere.
Ich halte es schlicht bis zu einem gewissen Grade für eine Frechheit so eklatant mit unterschiedlichem Maß zu messen.

Ebenfalls am Donnerstag begrüßte mich n-tv mit den Sinnzitaten aus dem DFB, "Robert" habe "uns eine Aufgabe hinterlassen".

Ich musste mich daraufhin wirklich beruhigen.
Hier soll offensichtlich ein Sinn gegeben und/oder vermittelt werden, der so schlicht inexistent ist.
So soll der Tod Enkes also einen "Sinn" bekommen, es soll nicht "umsonst" gewesen sein, wie man weitergehend fast ironisch dartun könnte.
Doch war von Robert Enke von alldem nichts zu vernehmen, er selbst wollte dem anscheinend keinen solchen Sinn beimessen, sonst hätte er es in einem Abschiedsbrief oder öffentlichen Schreiben tun können.
Wenn dem so ist, unterminiert man seine Würde und Absichten - ist das nicht mindestens ebenso "schlimm" für nachrichtliche Moralwächter wie meine obigen Äußerungen, die Art und Weise des Suizid seien "feige"?
Ganz problematisch gesagt, müssten wir Robert Enke sogar "danken", schließlich war das - zumindest in den Augen derer, die es so sehen möchten, als habe er eine Aufgabe gestellt - vor Enkes Tod anscheinend nicht möglich oder umsetzbar.
An dieser Stelle beginnt es dann aber ersichtlich ins Zynische abzugleiten.
Wohlgemerkt befördern mediale Berichterstattungen solches in grotesker Weise.

Eben "tragischer Heldentot".
Obwohl ich bei einem Suidiz weder etwas "tragisches", da doch selbst-gewähltes, noch "heldenhaftes" erkennen mag.
Ich teile allerdings auch nicht die Auffassung, Selbstmord sei etwas unverantwortliches und Selbstentzug aus einer Verantwortung.
Es kann Dinge und Probleme geben, die dies durchaus rechtfertigen.

Ich musste angesichts dessen teilweise wirklich angestrengt an mir halten, was mir nicht immer gelang.

Seit Jahren ist bekannt, dass es Probleme im Profifussball gibt.
Wieso sollte dies auch nicht der Fall sein, ist "Profifussball" doch nur die Straffung, Effizierung und Professionalisierung dessen, was ich und andere in kleineren Ligen oder freizeitmäßig tun: Fussball spielen.
Und schon in kleineren Ligen existieren rassistische, nationalsozialistische und homophobe Vorbehalte und Ressentiments.
Nicht zu wenige übrigens, berichtet wird mittlerweile allerdings auch nur über Auswüchse, die für Emotionalisierung und Hysterisierung taugen.
Es gab schon einige Interviews, in denen dargetan wurde, dass Homosexualität ein Tabuthema ist und man sich nicht outen könne.

Wie sollte es auch eine 100%-ige Heterosexualitätsquote geben, wenn die Gesellschaft als Ganze so nicht verteilt ist?

Das wäre ein äußerst interessantes Novum, mithin von soziologischer Relevanz.

Nein, die Beteiligten Lügen sich in die Taschen und Gruppen- sowie Rollendruck und -zwang bedingen konformes, individuelles Verhalten der einzelnen Spieler.
Somit ist es quasi schon logisch, dass es auch Depressionen unter den vielzitierten "Profifussballern" gab und gibt.
Es ist ein Geschäft, nicht mehr.
Der "Umgang" mit den Spielern wird sich nicht massiv wandeln, auch nach Enke nicht.
Mithin konnte auch ein Sportpsychologe des DFB anscheinend nichts bzgl. Enke feststellen.

Dass man heute anscheinend und nach außen kommuniziert befürchten muss, sein (Adoptiv-)Kind zu verlieren, weil man womöglich depressiv oder anderweitig abseits der Norm, vulgo "gestört" ist, ist an sich nicht weniger skandalös.
Vielleicht bedenken die "Bedenkenträger" gerade bei diesem Fall, dass die Tochter in der Familie aufwuchs, obgleich Enke Probleme hatte, die später bekannt wurden.
Auffälligkeiten, die zum Kindesentzug geführt haben, scheint es ja nicht gegeben zu haben.
Weshalb man einem solchen Mann/der Familie dann ein Kind nehmen sollte, obgleich er schon nach außen gut zu verbergen weiß, was in ihm vorgeht oder mglw. sogar akzeptiert und kommuniziert, was los ist, erschließt sich mir nicht.


Irgendwann kamen dann noch sogenannte "Fans" zu Wort, die meinen sich über persönliches der Familie/Frau oder Enkes selbst ereifern und/oder verbreiten zu können.
Schon interessant, wieviele "Fans" Enke dann persönlich gekannt haben wollen, während die allermeisten ihn nur am Wochenende aus der Kurve auf dem Platz beobachtet haben dürften.
Wenn man aber zu einem Trauergottesdienst oder Kondolenzbekundung geht, darf man dazu wohl nicht schweigen.