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Mittwoch, 28. März 2012

Monogamie vs Monoamorie und Polymorie - erste Bestandsaufnahme

Gestern erschien auf ZEITOnline ein Artikel zum Thema "Monogamie" oder die auf institutionalisierte Austauschverhältnisse gestützte zwischenmenschliche Interaktion in unserer Gesellschaft und allgemein.
"Allgemein", da auch auf Dinge wie Darwinismus bezug genommen wurde.
Kritik an (serieller) Monogamie mutet meist unvermittelt komisch an. Da liest sich die Rechtfertigung einer "Andersartigkeit" bzw. auch nur anderen Denkens als entweder nur ansatzweise zaghafte oder vollumfängliche entschuldigende Rechtfertigung bei einer "Mehrheitsmeinung" oder "-gesellschaft".
So auch die Autorin in dem ZEIT-Artikel.
Es wundert mich immer, weshalb ständig mit so vielen "eigenen Erfahrungen" in ein Thema eingestiegen wird - allgemein wie auch speziell.
Ob man aus eigener "Erfahrung" etwas zu einer Sache äußern kann ist doch gerade dann irrelevant, wenn die Sache selbst extern gesellschaftlich institutionalisiert, normiert und mindestens indirekt "gefordert" ist.
So ist dies bei (serieller) Monogamie.

Montag, 31. Mai 2010

#Lena, #ProSieben, #Raab und übermäßiger, überdrüssiger Medienhype zum #songcontest #esc

Eigentlich gab es heute ein Thema, dessen Aufreger-Intensität zumindest für mich unerträglich hohes Niveau erreicht hatte: Lena Meyer-Landrut, der Eurovision Song Contest, Stefan Raab sowie Prosieben und ARD.

Am frühen Nachmittag legte dann Horst Köhler, seines Zeichens Bundespräsident, mit sofortiger Wirkung das Amt nieder.

Weniger die Ereignisse als solche geben für mich Anlass zur Kritik, sondern deren vorallem mediale Verarbeitung und Kommunikation.
Da wird "Lena", den Nachnamen nennt man sinnigerweise und zur Erhöhung der Identifikation schon nicht mehr, zur "Rettung Deutschland" aus dem "Schuldenjammertal" hochstilisiert.
Ich persönliche finde ja weder den Schuldenberg, noch das Thematisieren desselben kritikwürdig - endlich befasst man sich einmal damit, wenn auch falsch, könnte man meinen.

Deutlich wird aber, dass hier eine Person zu etwas gemacht wird, dass sie nicht ist.
Anscheinend, so entnehme ich es der heutigen Pressekonferenz mit u.a. Stefan Raab, ist sie sich dessen aber sehr wohl bewusst und beherrscht das mediale Spiel. Raab und andere Kommunikationsfachleute dürften briefend auch ihr übriges dazutun.

Bis zur genannten Pressekonferenz mutmaßte ich ja eine gewisse "Naivität" und gar "Dummheit" von Frau Meyer-Landrut, die ich bewusst nicht mehr "Lena" nennen werde; ihr Benehmen schien mir unbewusst, nicht gesteuert und daher nicht in die mediale Verwertung passend.
Schließlich gehe ich davon aus, dass im Sinne kapitalistischer Verwertung nichts längerfristig publik wird und sich halten kann, was nicht mit dem Produktionsprozess "kompatibel" ist.
Und gerade Kritik am System scheint mir inkompatibel zu sein.
Doch gerade das wiederum macht sie für viele Menschen offenkundig so interessant.
Immer wieder wird auf ihre "Frische" und "Offenheit" verwiesen, sie wagte heute gar das Instrument "casting-shows", welches ihr zu ihrem "Erfolg" in Deutschland verhalf, als schlecht darzustellen.
Stefan Raab, der "Ausrichter" lachte.
Wobei ich ihre Auffassung ja durchaus teile, aber doch auf ihren scheinbar schnell-vollzogenen Sinneswandel verweisen muss: Wenn solche Shows "Mist" sind, dann bleiben sie es auch, so man selbst teilnimmt bzw. gar gewinnt.
Da gibt es keine zwei Wahrheiten.

Ich fand den Auftritt der 19-jährigen "Unser Star für Oslo"-Siegerin nicht aufregend oder überzeugend.
Auf mich wirkte er unchoreografiert, in der FAZ gar als "joecockerhaft" bezeichnet, undurchdacht und auch sängerisch wenig überzeugend.

Einzig überzeugendes "Argument" war für mich von Anfang an der Song.
So dachte ich mir nach ein oder zwei Mal hören, er sei als "Hitsong" geschrieben worden, was anhand spezifischer Computerprogramme, Algorithmen und deren Auswertung z.b. mit Hilfe und in Massencommunities wie Facebook und Last.FM nicht mehr das Problem ist.
Der Text und die Melodie sind eingänig, einfach, der Refrain sehr einfach zum Mitsingen.
Nach wenigen Hörzahlen hatte ich einen kleinen Ohrwurm, was bei mir ein untrügliches Zeichen für ein zumindest "akzeptables" Lied darstellt.
Hier gebührt also meiner Ansicht den Autoren mehr Erfolg und Zuspruch als Frau Landrut als Präsentationssubjekt - oder -objekt. Je nach Perspektive.

Grandios in seiner spezifischen Nische natürlich auch Stefan Raab.
Der Song Contest war in den letzten Jahren eigentlich klinisch tot, niemand interessierte sich mehr so recht für ihn und Abgesänge hagelte es ebenso.
Die Änderungen des Regelbestandes bekam ich noch randständig mit.
Dann kommt jemand wie Stefan Raab mit einem spezifischen Namen in der Branche und ProSiebenSat1 Media im Rücken und beginnt große Werbekampagnen für diese Veranstaltung.
Was so gut funktionieren konnte, eben weil sie kaum noch einer auf dem Zettel hatte.
Schon die Show "Unser Star für Oslo" als Qualifikationscasting wurde mit viel Medienpopanz und Werbemacht in den Fernsehmarkt gedrückt - Raab war die einzige Kontinuität und Qualität in der Sendereigenen Jury.
An Auftritte Nenas kann ich mich noch als vollkommen unterirdisch erinnern; Raab allerdings fiel mir schon damals recht zielorientiert und interessiert positiv auf.
Was er macht, macht er, momentan wenigstens, "richtig": "AutoballWM", "Schlag den Raab" und weiteres, dazu fast penetrantes Crossmarketing und Kooperationen mit anderen Sendern, wie bspw. ARD.

In genanntem öffentlich-rechtlichem Sender fiel mir am Abend der Übertragung etwas äußerst negativ auf: Der Reporter/Moderator.
Sowas penetrant "patriotisches", verbunden mit vollkommener Unsichtbarkeit eines ruhigen, rationalen journalistischen Selbstverständnisses kam mir selten unter.
Und das bei einem gebührenfinanzierten Sender; von Privatsendern ist man kaum noch anderes gewohnt.

Im Kern mag ich mit der Übersteigerung sowie Glorifizierung dieses gewinnmaximierenden Prozess' wenig bis nichts anfangen.
Frau M.-L. mag ihre Vorzüge haben, ist 19 Jahre alt und Raab selbst meinte, sie hätte "mit jedem Lied" gewonnen.
Die besitzt ein TV-Gesicht und eine TV-Figur und benimmt sich medienadäquat.

"Gut" und "sinnvoll" wird es dadurch trotzdem nicht.

Für mich bleibt abzuwarten, ob sie ihre Frechheiten auch gegenüber Raab, dessen Produktionsfirma und ProSieben wird durchsetzen können.
Denn bislang ist sie wenig bis nichts: Gehen Raab und ProSieben, verschwindet sie in der Versenkung.
Hier ist also ein Emanzipationsprozess notwendig ohne den "Gönner" Raab zu verprellen.

Wie nannte es Raab heute so schön?
"Flexibilität" ist in der Medienindustrie notwendig und er gehe ganz gerne mal fremd.
Sie sollte und - so sich das heutige Bild bestätigt - wird von ihm lernen.
Und am Ende doch weit stärker reüssieren als ich zunächst dachte.

Freitag, 19. Februar 2010

#Helene #Hegemann und die überfällige Diskussion des #Urheberrechts

Zum ersten Mal las ich von Helene Hegemann und den Plagiats-Vorwürfen überblicksweise in einem Artikel auf FAZ.NET.

Da man selbst gerne schreibt und ab und an wissenschaftliche Artikel und Arbeiten schreiben und lesen darf, war ich zunächst überrascht ob der Vorwüfe und gerade der Dimension, welche das Thema hatte und noch bekommen sollte.
Da soll eine 17-jährige "Jungautorin" einen Roman, "Axolotl Roadkill", in Teilen von anderen Autoren abgeschrieben, deren Werke einfließen lassen und keine Quellen offen gelegt haben.
Ist dies im Wissenschaftsbetrieb nachweisbar, verliert man nicht nur an Reputation, wie Jürgen Graf auf ZEITOnline später schreiben sollte, sondern auch die Anstellung bzw. alle bisherigen Prüfungsleistungen als Studierender. Dies kann sogar zur Exmatrikulation führen.

Ein zweiter verbundener Themenkomplex ist das gesellschaftlich normierte Verwertungsrecht, was im Urheberrechtsgesetz und dem "Schutz des geistigen Eigentums" zum Ausdruck kommt.
Verwertungs- und Produktionsinteresse, wie schon im Zusammenhange mit Castingshows erneut kritisiert.
Befürworter argumentieren, die Künstler müssten von ihren geistigen Errungenschaften und deren Veräußerung/Kopien "leben", also zum Ressourcen- und Wartentausch in unserer Gesellschaft befähgt werden.
Abgesehen davon, dass das wiederum nur durch Marktinstrumente und -prozesse gesteuert wird und durch den Mediencharakter des Geldes ein ungleicher Tausch möglich wird, ist der "Wert" eines Stücks oder Textes bestenfalls ex-post und durch andere Menschen bestimmbar.

Viel wichtiger als dieser Komplex aber die grundlegende Frage eines Copyrights als eine von sozialen Prozessen abgelöste und ablösbare Produktionsform.
Denn etwas innergesellschaftliches, aus der Gesellschaft und deren Interaktion selbst heraus geborenes verkaufen zu wollen wäre zwar möglich.
Für alles lassen sich prinzipiell Preise finden - und wenn eine eigens dafür eingerichtete Komission tätig wird, so Märkte versagen.
Allerdings erfolgte die Honoration des Werkes, also der anerkannten "individuellen Leistung" nur für eine Person und deren Fähigkeit, soziale Interaktion zu erkennen und für ihre Zwecke zu monopolisieren.

Philosophisch gesehen ist die Diskussion noch interessanter, schließlich kann man eben diesen gesellschaftlichen Zirkel als ursächlich und unmöglich für eine urheberrechtliche Monopolisierung verstehen.
Wenn Menschen die Welt erst durch andere Menschen, mithin Sozialisation erfassen und in ihrer Vielfalt begreifen und später für sich nutzbar machen können, kann ein menschlicher Schaffensprozess auch nicht davon unabhänig betrachtet werden.
Das hiesse, dass jegliche menschliche Entäußerung nicht nur schon einmal getätigt wurde, sondern geradezu essenziell für weitere und auch diese gerade hier geschriebenen wäre.
Damit könnte kein Mensch für eigene Gedanken ein Urheberrecht beanspruchen.

Aus diesem Blickwinkel müsste sich auch Helene Hegemann oder andere wie Thomas Mann nicht des plagierens oder auch der "Montagekunst" zichtigen lassen.
Es wäre geradezu eine Notwendigkeit.
Und der Tod für jegliches Copyright und Verwertung menschlicher Gedanken und künstlerischer Prozesse.

Erinnert mich am Rande auch an den, u.a. marxistischen, "Entfremdungsbegriff" des Menschen von seiner Arbeit bzw. dem resultierenden Produkt, wofür er "bezahlt" wird. Quasi eine Art "Ablasshandel". Beides ermöglicht nach heutiger Lesart die Entwicklung einer Gesellschaft und moderne Arbeitsteilung und Fortschritt.
Das allein ist noch wenig kritikwürdig, könnte man daraus auch ein Überdenken der allzu restriktiven Verfolgungen von Urheberrechtsverstößen schließen.

Schnell war in der "Causa Hegemann" auch von der "neuen Umgangsart" der vermeindlichen "Jugend" mit Eigentum, gerade dessen virtueller Umsetzung, die Rede.
So war der Wortzusammenhang "Copy&Past-Generation" fast ein Schimpfwort und emanzipatorisch-revolutionärer Aufruf zugleich.
Eine Generation, so hiess es, die wie keine andere mit dem Internet augewachsen sei und seine "Potenziale" ausreizen und nutzen könne; mithin die "Digital natives" statt "digital immigrants".
Nebst solcher ob ihrer Unbedeutung grotesk anmutenden Kunstworte ist genau diese latent positive Haltung fehl am Platze.
Eine Haltung einer Gesellschaft, in der etwas in Bewegung ist und die sich selbst nicht sicher ist, was "Eigentum" und "Urheberrecht" sein kann und soll.

Da gibt es die leidige Diskussion der "Biopatente".

Wissenschaftler entdecken Gene, Proteine oder andere organismische Strukturen des menschlichen Körpers, modifizieren sie, bringen sie zur Anwendung oder melden einfach die Entdeckung zum Patent an.
Ein Patent über etwas, das sie nicht schufen.
Über etwas, das modifiziert oder unmodifiziert Leben retten oder beenden kann und damit einen "höheren" als den rein individuellen Verwertungsnutzen widerspiegelt.
Diese Patente könnten eine Menge Geld und Reputation einbringen, sie zuzulassen aber Wissenschaft und Medizin weiter monopolisieren und Fortschritt um Jahre zurückwerfen, mindestens behindern.

In diese Gesellschaft setzt also die 17-jährige Hegemann ihren Roman, der zunächst übereuphorisch ob seiner Härte, klaren Worte und offener Brutalität gefeiert wird.
Als ich gestern Rezensionen des Buchversenders Amazon, sind auf der ersten Seite überwiegend negativ geschrieben und im Kern genauso wertlos wie die feuilletonistischen Einlassungen ohne Eigenlektüre des Buches, sah, wollte ich mir ja schon fast ein Exemplar bestellen.
Man liest die Verachtung der Bewertenden auch auf den Literaturbetrieb heraus.
Auch mir kam der Gedenke der Heuchelei: Als hätte nur Hegemann abgeschrieben.
Bestätigt wurde dies fundiert von Grafs Artikel, indem er von Goethe, Mann und Brecht schrieb.
Schriebe ich morgen ein Buch, so könnte ich auch nicht jedes Zitat oder jede Einlassung, welche ich von einem anderen Menschen hörte oder las in diesem belegen.
Der entscheidende Unterschied für die Basis der Zumessung einer Urheberrechtsverletzung ist der Übergang von der Sprache zum (geschriebenen) Wort. Und zwar eines Wortes, das geschützt wird.
Niemand käme auf den Gedanken einen "Wert" eines Gedankens oder Wortes aus einem gemeinsamen Gespräch einzuklagen, nur oder gerade weil jemand durch die Verwertung, Produktion eines verkaufbaren und verkauften Werkes, einen individuellen Nutzen erzielt.

Gerade das wäre auch fragwürdig, ginge man doch davon aus, dass ebendiese Worte von jedem genutzt werden können.
Und durch die Veröffentlichung soll dies plötzlich anders sein.
Hierbei entsteht etwas rein künstliches, wofür es so keine (natürliche) gesellschaftliche Grunlage gibt.
Alle guten und fortschrittlichen Dinge, aus denen wiederum neues und verwertbares entsteht, sind doch so bedingt.

Hegemanns Auftritt bei Harald Schmidt war auch nicht so schlecht, wie von einigen selbst ernannten Kritikern per Yotube-Kommentarfunktion eingeschätzt.
Nachdenklich und für eine 17jährige erfreulich "reif" parlierte sie angeregt mit Schmidt und parierte auch zwei pikante Anwürfe, da sie nicht wisse, was in ihrem Buch stünde und sie es doch einmal lesen solle. Sie selbst allerdings kokettierte vor Schmidt damit, dass sie sich nicht an alles erinnern könne, schließlich sei nicht alles von ihr und andere könnten fragliche Passagen verfasst haben.
Weidermanns Appell in der FAZ, nochmals "von vorne" anzufangen, geht allerdings fehl.
Das "Problem", gerade des Urheberrechts und dessen Reichweite ist in der Welt und Diskussion.
Die Piratenpartei diskutiert es seit langem, während andere Parteien eher legislatieren und exekutieren, statt zu erklären und gesellschaftliche Interessen und Standpunkte offenzulegen.

Freitag, 22. Januar 2010

Michelbach/Union grotesk im #Bundestag zur Haushaltswoche

Da ich gerade im Plenum des Deutschen Bundestages den Unionpolitiker Michelbach höre/sehe, muss ich wieder einmal in Lachen ausbrechen.
Da stellt er sich ans Pult un kommuniziert die von ihm angenommene Notwendigkeit einer "stromlinienförmigen" Kritik der koalitionären Wirtschaftspolitik, sodass man reüssieren könne.

Natürlich will er am liebsten gar keine oder nur positive Kritik hören.
Das aber ist nicht einmal das Problem, mir ginge es wohl nicht anders.

Viel kurioser und grotesker allerdings seine Aufgeregtheit und der Hinweis, die oppositionellen Abgeordneten sollten doch zu guter Stimmung beitragen und "Querschüsse" unterlassen.

Wo war Herr Michelbach in den letzten Regierungsmonaten Rot-Grüns?
Kann er sich vielleicht noch an Angela Merkel erinnern, die Deutschland als das "Schlusslicht Europas" bezeichnete, erinnern?
Redete eine Oppositionspolitikerin oder ein -politiker das von ihm nach einer Wahl zu übernehmende Land jemals so schlecht?
Ich vermute schon, das liegt nahe und ist opportun und opportunistisch vor einer Wahl.
Allerdings mögen sich doch bitte dann genau diese Personen nicht darüber mokieren, dass es andere ebenso tun.
Das ist schon fast nicht mehr grotesk, das ist herausgeschmissene Sende- und Redezeit.
Es ist sogar traurig, weil es ein anerkanntes Ritual darstellt; unter Rot-Grün sogar begleitet von Medien wie dem Stern in Persona Hans-Ulrich Jörges.
Der Abgesang auf die Verschuldung und Arbeitslosigkeit war massiv.

Damals konnte oder wollte Rot-Grün argumentativ Einbrüche an den Finanz- und Kapitalmärkten in der Folge der "New economy bubble" entgegen halten.
Ich habe da sehr prominent noch Ludwig Stiegler in Erinnerung mit seinem durch die Medien gezogenen "roten Pollunder".
Damals stand der Deutsche Aktienindex, DAX, noch um etwa 1000 Punkte im Tief tiefer als in der "größten Finanz- und Wirtschaftskrise der Bundesrepublik seit 1949".
Was lernen wir daraus?
Aktienmärkte haben Vorläufercharakter, werden aber vollkommen unterschiedlich perzepiert.

Damals unter Rot-Grün mit dem massiven Einbruch wäre es viel sinnvoller und quantitativ rational-nachweisbarer gewesen so zu argumentieren wie es heute bei geringeren Einbrüchen getan wird.
Es lohnt also vordergründig nicht, überhaupt so zu argumentieren, bzw. einen Augenmerk auf diese Debatten zu legen.
Sie scheinen vollkommen belanglos und beliebig zu sein.

Wenn heute gerade die "Ruhe" und "Patriotismus" von denen fordern, die sie früher auf das Schärfste mit den ebengleichen Mitteln und Methoden kritisierten und anfochten, so mutet das - ebenso vordergründig - nur noch grotesk an.
Aber heute braucht Angela Merkel (CDU) als Kanzlerin "Ruhe", heute kritisieren die Medien eben kaum.
Da wird sich dann stellvertretend am angeblich "mangelnden Führungsstil" Merkels abgearbeitet.
Doch ist das vollkommen lächerlich, da man dafür seine Leute hat, man delegiert.
Den Medien fällt ganz einfach nichts anderes ein.

Und befassen sie sich doch mit etwas anderem, inhaltlichem, so bleibt den Autoren, Journalisten und Lesern bei nüchterner Betrachtung nur noch Resignation und Verzweiflung, wie exemplarisch an dem Artikel auf ZEITOnline ("Als das Geld vom Himmel fiel"), der sich mit der Frage nach dem Verbleib des vielen, "neu geschaffenen" Geldes zur "Bewältigung der Finanzkrise" widmete.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

Deutsche #Bahn - Neues Ticket: #Quer-durchs-Land

Bei einer Zugfahrt am letzten Wochenende fiel mir eines neues Fahrscheinangebot ("Ticket") der Deutschen Bahn auf.

Dabei handelt es sich um das sogenannte "Quer durchs Land"-Ticket, mit welchem alle Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn sowie angeschlossener Bahnen an einem Tag in ganz Deutschland für eine Einmalzahlung ("Flatrate") genutzt werden können.

Wie beim "Dauer-Spezial", zu dem ich mich bereits anderweitig äußerte, da ich darin eine Ausbeutung der "normalen" Bahncard (BC) 25 sowie 50 Nutzer sah, befristet der Konzern das Angebot; in diesem Falle sind die Karten zunächst
unbegrenzt verfügbar bis zum 31. Januar 2010
.
Dies scheint bei der Deutschen Bahn an sich gern ausgeführte Praxis zu sein, ziehen Kunden doch mutmaßlich Ticketkäufe vor.
Allerdings gibt es in diesem Falle eine erstaunliche Neuerung, die es selbst beim eher dauerhaften "Dauer-Spezial" gibt das eigentlich befristet sein muss und gemäß Ticketbedingungen auch ist und jeweils um ein weiteres Jahr verlängert wird: Das Ticket ist maximal einem Monat vor der eigentlichen Fahrt buchbar.
Das Dauer-Spezial lebt bspw. gerade von langer Buchungszeit und dem - mglw. absichtlich - verknappten Angebot. So muss sich der Reisende auf das Datum und den Zug zwingend festlegen. Einen Umtausch schließt die Deutsche Bahn schon vorsorglich aus, obgleich sie dazu aufgrund rechtlicher Regelungen innerhalb des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) verpflichetet wäre.

Weshalb die Begrenzung auf einen Monat im Voraus?
Womöglich soll dies zur besseren Kalkulation der Zugauslastung am Reisetag verhelfen, muss man das Ticket doch auch schon für die absolute Mitfahrerzahl passend kaufen.
Erneut eine Differenz zu bestehenden Angeboten wie dem Wochenend- oder Sachstenticket.
Das Unternehmen kann mit Hilfe dieser Tickets also noch genauer kalkulieren, wie viele Fahrgäste am fraglichen Tage zu erwarten sind.
So denn solche Kalkulationen überhaupt angestrebt und ggf. durchgeführt werden.

Die notwendige Vorfestlegung auf die angestrebte Mitfahrerzahl ist eine weitere Neuerung.
Bislang konnte man mit dem Angebot des Wochenendtickets, welches seinerseits nur Samstag oder Sonntag von 00:00 Uhr bis 03:00 Uhr des Folgetages im Nahverkehr gilt, für 38 EUR maximal 4 zusätzliche Personen mitfahren lassen. Oder eben allein fahren, wofür es bei den Länder-Tickets mittlerweile auch billigere sogenannte "Single-Tickets" gibt.
Das heisst also, dass man sich bis einschließlich Fahrttag nicht auf eine Gesamtfahrerzahl festlegen wollte und so deutlich flexibler war.
Diese Flexibilität beschränkt das Eisenbahnunternehmen nun.

Um das Wochenendticket anscheinend nicht zu kannibalisieren, gilt das Quer-durchs-Land-Ticket nur von Montag bis Freitag von 09:00 Uhr bis 03:00 Uhr des Folgetages. Für das Wochenende muss man ein, ggf. zwei Wochenendtickets mit einem um vier Euro höheren Preis kaufen.
Im Kern bietet das Unternehmen also ein "Wochenendticket ohne Wochenende" an; überträgt also die Systematik auf die Arbeitstage Montag bis Freitag. Allerdings wäre es innovativ gewesen, einem bestehenden Ticket für die im Angebot beschriebenen fünf Euro Zusatzkosten weitere Einzeltickets für andere Mitfahrer hinzubuchen zu lassen.
Das heisst, dass der erste Nutzer das Ticket kauft und falls er einen weiteren Mitfahrer findet, dieser nur fünf Euro für einen Ticketzusatz bezahlen muss.
Allerdings scheint die Bahn lieber auf höhere Einnahmen durch einen Einzelticketkauf zu setzen. Dieses Kalkül ist rational und dürfte aufgehen.
In diesem Zusammenhang lohnt sich ein näherer Blick in die Angebotskonditionen, genauer auf den Punkt "Besonderheiten":
Eine Erweiterung der Gruppengröße nach Fahrtantritt ist nicht zugelassen.
Das bedeutet nichts anderes, als dass nicht nur die Flexibilität beschränkt wird; die Erweitung der Gruppengröße wird schon durch die Ticketgestaltung selbst verunmöglicht.
Was bei den anderen Länder- und Wochenendtickets anders ist: Bei letzteren kann man problemlos mit zwei Fahrern starten und mit insgesamt fünf Personen am Ziel ankommen.

Andere Gedankenspiele meinerseits, welche langfristig stabile Einnahmen bei der Bahn sowie kostengünstigere Tickets durch Ticket-Sharing ermöglichten, werden nicht aufgegriffen, obgleich ich mich mehrfach u.a. per Post an das Unternehmen wand.
Auch hier scheinen die Zusatzeinnahmen höher zu sein als mögliche Einnahmen aus Gebühren vermittelter Mitfahrer.

Der vier Euro betragende Preisunterschied des sich auf den gleichen Nahverkehrs-Leistungsumfang beziehenden Quer-durchs-Land- zum am Wochenende gültigen Wochenendticket erklärt sich vermutlich durch die Nutzungsmöglichkeit, aufgrund zeitlichem Geltungsbeginn ab 09:00 Uhr des ersten und einzigen Nutzungstages.


Abseits aller Feinheiten bleibt aber mindestens: Ein erneuter Baustein zur Unübersichtlichkeit der Bahnfahrscheine.
Um zu begreifen, wann welches Ticket gültig und vorallem für eine Fahrstrecke günstig ist, ist ein Besuch in einem vielfach lange geschlossenen Reisezentrum oder Minuten-, gar Stundenlange Online-Recherche notwendig.
Statt den Trend zu einfacheren Transfer- und Ticketingsystemen mitzugehen, erfindet die Bahn ein neues Ticket.
Anstatt das Wochenendticket auf ein "Wochenticket" mit eintägiger Gültigkeit und einem Festpreis zwischen 34 und 38 Euro festzulegen, erwägt man ein neues.
Unnötig notwendige Umstellungskosten für Papier in den Reisezentren sowie elektronische Umrüstung der Bahnautomaten, die auch bei zentraler Softwareumstellung notwendigen Programmieraufwand bedeutet, anzusprechen.

Insgesamt scheint mir das ineffizient und aufwendig.