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Samstag, 7. April 2012

Nachlese #EinsgegenEins auf #sat1: Lob dem Menschenkonsum als Basis der #Monogamie, Kritik an #swingen und #polyamorie



Am 02. April 2012 lief auf Sat1 eine "Talkshow", "Diskussionsrunde" kann man es kaum nennen, der Serie "Eins gegen Eins" mit dem Thema "Treue ein Leben lang - Ist Monogamie noch zeitgemäß?".

Im Nachklapp zur Show machte ich mir den Spass das genaue Thema inklusive An- und Abführungsstriche als Suchbegriff bei Google einzugeben und mir Ergebnisse anzeigen zu lassen.
Viele Seiten verweisen auf die Show selbst, u.a. Focus oder kleinere welche stark danach aussehen einfach "Linkfarmen" zu sein (bspw. "ihre-meinung-bitte.com).
Dabei finden sich dann auch ansatzweise gehaltvollere Texte, welche auch nur wortkarg bereits bekannte Dinge wiedergeben und mehr beschreiben denn erklären.

Donnerstag, 5. April 2012

soziale "Beweislastumkehr" bei #37grad "Abgetaucht"


Gestern lief im Rahmen der Dokumentationsserie "37 Grad" ein Stück zum Thema "plötzliche Kontaktabbrüche" mit dem Thema "Abgetaucht" auf ZDF (abrufbar in der Mediathek).

Schlussendlich blieb ein Satz, der doch zum Grübeln und Kritisieren anregen muss:

"Drum höre, was ich nicht sagen will"

oder ähnlich.

Das gesamte Stück Dokumentation trieft von unausgesprochenen Anschuldigungen aus dem Off, welche die der porträtierten Akteure begleiten und stützen.
Der Vorwurf: Menschen, die den "Kontakt abbrechen" seien schlecht und problematisch, da sie die Menschen die es betrifft in "Abgründe" stoßen. Sie "allein mit sich zurücklassen" und dafür sorgen bzw. daran "schuld" sind, dass keine Ruhe gefunden werden könne und sich und seine ehemaligen Handlungen ständig hinterfragt werden müsse.

Begründet wird dies dann mit angeblichen "Werten" und "Verhaltensweisen", welche geböten sich auch mit Menschen, die man nicht mehr sehen oder sprechen möchte, erneut auseinander zu setzen.

Diverse weitere Äußerungen, die so vermutlich durchaus in gewissem Maße als "repräsentativ" gelten können, sind interessant. So sagt der betroffene Mann, Rolf, im "Into" in Minute 1:10, dieser "plötzliche Abbruch" sei "das Heftigste" was er empfunden hätte.
Also keineswegs "die Liebe" oder die bisherige "Beziehung", sondern einfach nur dieser neue "Moment" oder diese aktuelle Handlung. Sie stellte damit alles bis dato Gewesene in den Schatten.
Dies nenne ich "Momentfixierung" - ein Benehmen wie Junkies, die sich den nächsten Schuss setzen wollen und müssen, da sie abhängig sind. Es gibt (philosophische) Texte und (sozio(-psycho)logische) Studien die von der blanken "Unsicherheit" bzw. "Veränderung" als Basis für "Emotionen als solche" ausgehen.
Das mag ein Grund sein, weshalb "langfristige" oder "langjährige Beziehungen" irgendwann zu einem Punkt kommen, wo nicht nur der Fokus wechselt, sondern dies auch als "lästig" oder "alt" empfunden werden kann.
Die in Minute 1:38 aussagende Frau meint, es habe sie "aus der Bahn geworfen" - auf Nachfrage bejaht sie den Zusatz "wie sonst nichts". Und das gleich doppelt.
Damit ist klar: Weder das Eingehen einer (neuen) "Beziehung", ein "Verlieben" oder "Liebe" wog für sie diese starke Emotion auf.

Danach will der Film seine eigene Relevanz begründen: "Es kann Jeden treffen, von einem auf den anderen Tag bricht plötzlich der Kontakt zu einem vertrauten Menschen ab.".
Damit geht er selbstüberschätzend und sozial-generalisierend fehl: Es soll auch noch Menschen geben, die eher "pessimistisch" oder "misantrophisch" veranlagt sind und daher entweder dezidiert auswählen, wem sie "vertrauen" und die Zahl dieses Menschenkonsums gering halten, oder die dies gar ablehnen oder stark begrenzen.
Die genannte Verallgemeinerung will Relevanz für ein Thema darstellen, welches so vielleicht individueller sein könnte als gedacht. Wenn es nämlich nicht "die Gesellschaft" wäre, die solches hervorruft oder solche Ereignisse wie geschildert, sondern "nur" einige Individuen in dieser, könnte und müsste man nach Voraussetzungen, Erziehung, Sozialisation, Stress- und Konfliktbewältigungsstrategien, Coping, etc. fragen.
So aber, wenn es "jederzeit Jeden treffen kann" - darf dies getrost unterbleiben und der Zuschauer sich voll auf die "Schicksale" der Personen einlassen.
Mithin wird hier auch schon auf die folgende recht einseitige Positionierung der Dokumentation verwiesen, welche auch durch das Beispiel der aktiv-handelnden, den Kontakt abbrechenden, Tochter nicht geschmälert wird.

Dann geht es fast schon "suggestiv" weiter: Hinter der Sprach- und Kontaktlosigkeit stehe, unwidersprochen, eine Aussage. Diesen Aspekt mit der Frage "Was soll Deine Mutter verstehen, was Du ihr nicht sagst" einleitend entspinnt sich das ganze Elend dieser Angelegenheit.
Man will auf das angebliche Phänomen der "kommunikationslosen Kommunikation" abstellen, als sei auch ein "Schweigen" ein Ruf, eine Aussage, mithin vielleicht ein "Hilferuf". Schon hier wird deutlich, dass man den "kommunikationsaffinen Menschen" auf ein Schild hebt das ihm nicht zuträglich ist.
Um es klar zu sagen: In einer non-verbalen "Kommunikation" kann "Aussage" stecken - mimisch oder gestisch bspw.
Aber ohne Sicht des Menschen, ohne auch nur irgendeinen Kontakt gibt es keine lineare oder non-lineare Interaktion. Mithin ist der verbliebene Mensch das, was er auch schon vor der Interaktion war: Allein und auf sich gestellt.
Also keineswegs krank, hingerichtet, tot, bestohlen oder in sonstiger Art negativ berührt; ein Mensch traf eine individuelle Entscheidung genau wie die, einen Kontakt zu beginnen und fortzuführen.

Die Tochter ist dann, Minute 02:16 folgend, auch eine "tragische Figur", denn sie möchte ihrer Mutter durch ihr "Schweigen" angeblich doch etwas "sagen". Und zwar eine Menge.
Nur kann soetwas schon denklogisch nicht funktionieren.
Wenn man jemandem etwas sagen möchte, was über einen bereits interagierten Kontext hinaus führt oder führen soll, so muss man den Kontext erweitern, aktualisieren oder mit neuen Informationen füllen. Das, was sie, die Tochter, sich selbst denkt kann die Mutter so NIEMALS selbst denken.
Weil sie keine kongruenten Geister sind - sie teilen keinen Alltag mehr, sie teilen sich einander nicht einmal mehr im Geringsten mit. Nun kann sich die Mutter eigene Gedanken bzgl. Gründe oder Folgen eines solchen Kontaktabbruchs machen, sie wird es aber niemals so sehen und verstehen können, wie die Tochter es nach diesem folgend "meint" oder sagen will.
Die "tragische Figur" wird sie, da sie dies nicht versteht und damit recht eindeutig klar macht, mit und in sich selbst überfordert zu sein.
Der zweite, eigentlich kaum noch einer Würdigung bedürfende Aspekt, betrifft ihren mangelnden Selbstwert aufgrund angeblich oder tatsächlich fehlender "mütterlicher Zuwendung": man weiß nicht genug um das adäquat bewerten zu können. Die Mutter kommt schlicht nicht persönlich vor.

Ein erwachsenes Kind aber, dass tatsächlich annimmt oder wünscht, so angenommen zu werden, "wie es ist", verstand auch Mehrfaches nicht.
Sie selbst kann sich nur so einschätzen, wie sie sich sieht. Mit ihren eigenen Augen, nach ihrer Sozialisation und Erziehung. Diese weicht aber, da völlig verschiedene Wahrnehmungsräume und -arten, notwendig von der ihrer Mutter ab.
Die Selbstwahrnehmung des Kindes, der erwachsenen Frau, kann daher niemals die Fremdwahrnehmung der Mutter sein oder ihr entsprechen.
Des Weiteren sollte klar sein, weshalb Menschen Kinder zeugen: Um in ihnen in einer Art "Unsterblichkeit" weiterzuleben, um über den Tod hinaus zu existieren.
Vorallem aber auch, um ihr Leben, welches sie angeblich "nicht führen konnten", aufgrund externer Unwägbarkeiten, etc. in und mit den Kindern auszuleben.
Sie spiegeln sich in ihnen und benutzen sie im Sinne der Erziehung als Gefäß.
Später versuchen Gesellschaften durch "Wertesysteme", "-konsensi", Einrichtungen wie Kita, Schule, etc. lenkend einzugreifen.
Ein Mensch wird nicht dadurch "gut" oder "schlecht", dass ein anderer Mensch dies äußert, meint oder nur denkt. Dies macht jeder Mensch mit sich selbst aus, notwendig. Vorwerfen kann man, dass die Vermittlung dieser Struktur anscheinend misslung - weit weniger aber die situative Handlung der Mutter.

Und wieder das Motiv: "Wer schweigt, will auch etwas sagen.".
Nicht-Kommunikation als Kommunikation.
Problem nur: Die spielt sich allein im betreffenen Menschen selbst und nicht mehr "interaktiv" ab.

Man kann die dann folgenden Wendungen und Äußerungen eigentlich abkürzen:
Es geht nur noch um die Rechtfertigung des angeblichen "Anspruchs" von bei "Kontaktabbrüchen zurückgelassener" auf eine "Erklärung".
Modelliert wahlweise in den "bürgerlichen Werten", wie von der 21jährigen keck und unreflektiert dargetan, oder mit Aussagen wie "das macht man doch nicht", auf die ohnehin jeder hellhörig werden sollte, dem "ich" näher liegt als "man".
Schlussendlich geht es bei den Diskussionen um einen inneren Monolog.
Menschen, die nicht verstehen keine Handhabe oder Anrechte auf Kontakt zu anderen Menschen zu haben, wollen sich gesellschaftlichen "Werten" und Moralismen bedienen um die mangelnde Coping-Fähigkeit zu kompensieren oder von einem "Leid" erlöst zu werden.
Man soll also "ihren Job machen" - um es mal platt auszudrücken.

Es kommt dabei weit weniger darauf an, wie man "erzogen" wurde oder ob man wortlose Kontaktabbrüche befürwortet.
In einer Gesellschaft, die Individualität so dermaßen schätzt und auf deren Gestaltung und Verwirklichung wert legt, mutet dieser ganze Beitrag fast schon "diktatorisch", mindestens jedoch "autoritär" an.
Einen Menschen, der offensichtlich nichts mehr mit anderen zu tun haben möchte, zu zwingen oder zwingen zu wollen gegen diese selbst getroffene Entscheidung zu verstoßen dürfte mit dem "Selbstbestimmungsrecht" nicht unbedingt kompatibel sein.

Hier vollzieht sich, mal wieder, das, was man auch bei diversen anderen fragwürdigen Gelegen- und Begebenheiten verfolgen kann: Ein Versuch der "Beweislastumkehr". Nicht mehr derjenige, der eine freie Entscheidung als freier Mensch trifft und exekutiert, sondern der, der trauert, sich an seiner Trauer weidet und eigentlich auch gar nicht heraus möchte wird geschätzt.
Vielleicht unterschlage ich soetwas wie "soziale Dynamik" oder "soziopsychologische Dynamik sozialer Interaktion". Möglicherweise.
Wenn man jemandem aber ethisch-moralisch indirekt vorschreiben möchte, sich auch dann noch mit anderen Menschen abzugeben - egal in welchem Kommunikationsmedium -, wenn das absichtlich und in vollem Bewusstsein abgelehnt und vermieden werden soll/will, dann hat das mit "Freiheitlichkeit" nichts mehr zu tun.
Die andere Seite ist weniger dramatisch: Nicht jeder Mensch dürfte die Probleme damit haben, nichts mehr von "Vertrauten" zu hören oder lesen, wie Dargetane.
Und da beißt sich dann auch die "Relevanzkatze" in den eigenen Schwanz: Dieses Thema ist vermutlich kein gesellschaftliches und soll die "konservative Vorstellung" ständig verrauender Sitten, Kultur und dem Untergang des Abendlandes nähren.
Dabei geschieht nur genau das, was über Jahrzehnte hinweg postuliert wurde: Sei "Du selbst" - und bevor Du das "sein kannst", musst Du es erst produzieren, kreieren. Das "Selbst" muss kreiert werden, denn es existiert nicht. Weder individuell noch gesellschaftlich.
Wurde aber erst etwas "produziert", dann verteidige es, baue es aus auch auf Kosten Anderer, denn mehr hast Du nicht und wirst Du nie haben. Wer das nicht versteht, bleibt eben zurück.
Da muss man dann schon tiefer gehen und mehr kritisieren, als nur drei Entäußerungen von sicher mehreren, die aber über die eigene Betroffenheit nicht hinaus kommen.
An ihrem "Entschluss habe die Freundin sie nicht beteiligt", daher sei das Problem, dass es eine "komplett einseitige Entscheidung" gewesen sein.
Ja, was denn sonst?

Rolf habe kein "Mitspracherecht" bekommen, als "zähle seine Meinung nicht" - natürlich zählt sie dann nicht, wenn es um individuelle Entscheidungen geht. Sie hätte bspw. auch ein angeblich "gemeinsames" Kind abtreiben können, da es ihr Körper ist, in dem es wachsen und aus dem es geboren würde. Dies wurde nicht angesprochen, ist doch aber weit schwerwiegender da es ggf. um ein Tötungsdelikt gehen kann. Bei einer weit weniger problematischen Angelegenheit bricht man solches Tiradengewitter los.
Eine "Partnerschaft" betrifft nie "beide", sondern nur Jeden jeweils allein - ein überwölbendes "Ganzes" inkl. "gemeinsamer Zukunft" existiert nur in Fantasie und Konstruktion. Dinge wie "Entmündigung" und "Gewalt" zeigen die inneren psychischen Probleme solcher Menschen, keineswegs aber eine sinnvolle thematische Befassung.
Danach wird ab Minute acht eine lächerliche Vorwurfskanonade abgefeuert.

Die "Fragen", welche sich diese Menschen selbst stellen, weil stellen wollen oder müssen, lassen sich nicht beantworten und sollen auch nicht beantwortet werden. Sie werden zur Selbstreferenz, zum sich wiederholenden Spiel von "Halt" und "Fall". Anscheinend erwünscht.
Später wird mittels Software-Desigerin ein Bild gezeichnet, in dem Menschen ein "Grundbedürfnis nach Kontrolle und Orientierung", nach "Mitbestimmung" hätten. Etwas, was man ihr also genommen hätte. Sinnloserweise wird danach die oben bereits zitierte Tochter angeführt ohne näher auf diesen angeblichen Zusammenhang einzugehen.
Menschen mögen ein Bedürfnis nach "sicherheit" besitzen - keineswegs aber nach übermäßiger Kontrolle. So gibt es auch das Gegenteil, den Wunsch bzw. Willen nach Kontrollverlust. Ist man dann noch übertrieben perfektionistisch und versucht sich in jeder Situation an angeblich antizipierbare Erwartungen anderer anzupassen, will man sich auch stets "korrekt" und "angemessen" verhalten.
Das alles sind Mischungen, die nicht aus, sondern nur in Depressionen und andere psychische Störungen hineinführen können.

"Wer nicht erklärt, nimmt dem Anderen jede Möglichkeit zu verstehen".
Erneut die Anklage gegen Menschen, die nur eine freie und selbstbestimmte Entscheidung trafen, die keiner weiteren Rechtfertigung bedarf, da sie das individuelle Recht auf Nicht-Umgang bzw. -Verkehr sträflich missachtet.
Und wieder der Versuch der Beweislastumkehr - wie im Internet, wo angeblich kaum jemand "soziale Kompetenz" oder "angemessene Internetkompetenz" kennte und eine "Internetkultur" oder "das Internet" gar selbst für Aufrufe zu Lynchjustiz vor der Emdener Polizeidienststelle verantwortlich sei.
Das mutet nur noch grotesk an.
Einem anderen Menschen wird nicht die Möglichkeit des "Verstehens" genommen - es geht um die Ruhe und Freiheit auch und vorallem Desjenigen, der dies tut und umsetzt.

Das gipfelt dann noch in der Aussage angeblicher Therapeuten von "langsamem Mord".

Bei einem "Mord" oder Tod eines Angehörigen sei es "irgendwann okay", da ja "endgültig" und "abgeschlossen". Nicht aber "im Leben".
Was folgt daraus bzw. steht dahinter?
Wird etwas "für immer genommen", kommen selbst diese Menschen, nach eigenen Aussagen, irgendwann halbwegs damit klar. Wissen sie aber, dass sie etwas früheres nicht mehr haben oder bekommen können, so steigern sie sich nicht nur immer weiter hinein, sondern finden auch kein "Ende", wo einfach nur der Respekt bzgl. eines anderen Menschen weiteres Nachbohren, auch bei ihnen selbst, dies gebührte.
Solches mutet erneut entweder "kindlich" bzw. in erwachsener Gewinn-Verlust-Analyse sozialer Beziehungen und deren Dynamik "rückständig" und "nicht voll entwickelt" oder wie ein "Besitzverhältnis" an; der Tod "beendet" nach allgemeiner Lesart das Leben und verunmöglicht die Rückkehr und die vorhergehende Situation. Aber etwas, was man gerne hätte und wünscht, will einfach nicht "weg sein", da es nicht "sein darf".
Denn gerade Rolf meinte "Zukunft verloren zu haben" - er plante also schon deutlich weiter und hatte sein Leben schon innerhalb eines Vertragsverhältnisses eingeordnet.
Geschmückt wird dies dann nur noch mit fragwürdigen Metaphern und emotionalen Entäußerungen.

Ohne ein "klares Ende" könne der Verlassene "nicht trauern" - erneut ein Vorwurf an einen anderen Menschen, jemandem "Trauerarbeit" unmöglich gemacht zu haben. Vermutlich dann noch aus "niederen Beweggründen" wie Habgier, Egoismus, Neid, etc. Warum nicht einfach, weil das Investment von nicht erneuerbarer Lebenszeit, die so nie wieder vorhanden sein kann und wird, keinen Nutzen mehr hatte? Weil die eigene investierte Zeit in keinen sinnvollen Verhältnis zu dem stand, was man zurück bekam?
Davon nichts, nur dumpfe Anklage.

Fazit: Schon besseres, vorallem ausgewogeneres gesehen.

Mittwoch, 28. März 2012

Monogamie vs Monoamorie und Polymorie - erste Bestandsaufnahme

Gestern erschien auf ZEITOnline ein Artikel zum Thema "Monogamie" oder die auf institutionalisierte Austauschverhältnisse gestützte zwischenmenschliche Interaktion in unserer Gesellschaft und allgemein.
"Allgemein", da auch auf Dinge wie Darwinismus bezug genommen wurde.
Kritik an (serieller) Monogamie mutet meist unvermittelt komisch an. Da liest sich die Rechtfertigung einer "Andersartigkeit" bzw. auch nur anderen Denkens als entweder nur ansatzweise zaghafte oder vollumfängliche entschuldigende Rechtfertigung bei einer "Mehrheitsmeinung" oder "-gesellschaft".
So auch die Autorin in dem ZEIT-Artikel.
Es wundert mich immer, weshalb ständig mit so vielen "eigenen Erfahrungen" in ein Thema eingestiegen wird - allgemein wie auch speziell.
Ob man aus eigener "Erfahrung" etwas zu einer Sache äußern kann ist doch gerade dann irrelevant, wenn die Sache selbst extern gesellschaftlich institutionalisiert, normiert und mindestens indirekt "gefordert" ist.
So ist dies bei (serieller) Monogamie.

Freitag, 25. Dezember 2009

[Kommentar] 'Wirtschaft und Moral: Liebe in Zeiten des Marktes'

Verklärende Worte muss ich gerade in einem Beitrag auf FAZ.NET lesen, Thema "Wirtschaft und Moral: Liebe in Zeiten des Marktes".

Zunächst klingt die Überschrift ganz interessant, gerade der Dualismus "Wirtschaft" und "Moral" verspricht einen (Selbst-)kritischen Unterton zu treffen.
Doch gleich der Nachsatz "Liebe in Zeiten des Marktes" motivierte mich fast schon nicht weiterzulesen.

In letzter Zeit werde ich äußerst skeptisch, wenn ich die Wendung "in Zeiten des/der" irgendwo lese.
Leider verwendete ich sie selbst und tue das auch heute noch ab und an, obgleich ich dies zu vermeiden suche.
Denn stets geht damit nicht nur etwas historisierendes, sondern ein zum Dogma gewandter "Exklusivitätsanspruch" eines Ereignisses oder einer Tat einher.
Darauf fussend werden meist Einstellungen und Maßnahmen gefordert, sie sich meist von allem bisher dagewesenen prinzipiell zu unterscheiden hätten.

Ich zitiere hier mit nachheriger Kommentierung Teile des von der FAZ zitierten Beitragsauszugs aus dem Buch Roger de Wecks, ohne detailliert auf alles eingehen zu wollen oder zu können.

"Verliebtheit ist unökonomisch, der verliebte Mensch unternimmt Sinnloses, Zweckloses, Nutzloses, Hoffnungsloses."

Ob ich das anzweifeln soll?
Ja, ansatzweise könnte ich das. Wer sagt, dass der sich "verliebende Mensch" keinen Positivnutzen daraus zieht?
Nur weil er - oder ein anderer Betrachter - es nicht sofort so empfindet, bestätigt es nicht die These.
Das "Sich-verlieben" könnte auch einer Rationalität folgen, die zu einer Verhaltensänderung des Individuums sowie des angehimmelten Individuums folgt. Schließlich zielen gerade die Dinge, die de Weck als "Sinnloses" und "Nutzloses" bezeichnet, auf eine Verhaltensänderung oder zumindest -beeinflussung des anderen Individuums.

"Dessen ungeachtet ist die Kinderliebe der Eltern so bedingungslos wie die Elternliebe der Kinder. Beide beruhen nicht auf Geben und Nehmen."

Das ist schon insofern falsch, da jede "Liebe" ursprünglich auf mindestens einem "Nehmen" beruht: Nämlich das Nehmen des Lebens, resp. das Geben des Lebens durch die Eltern.
Eigentlich ein egoistisch-biologistischer Fakt, doch idealisieren und emotionalisieren wir ihn und erreichen damit eine Überhöhung und höhere Wertigkeit.
Eine Elternliebe der Kinder könnte also niemals stattfinden, wären diese nicht zuvor geboren worden. Was wiederum eine "Leistung" bzw. Handlung der Eltern voraussetzt.
Also nichts "bedingungsloses".


"Die herkömmliche Wirtschaftswissenschaft hat Freunde gar nicht vorgesehen."

Vielleicht tut sie dies nicht, weil sie die zwischenmenschlichen Beziehungen auf rationaler Basis zu erklären sucht?
Und wer sagt, dass "Freundschaft" keiner wie auch immer gearteter psychologischen Verwertung einer Person beruht?
Lässt sich jemand bspw. in einer als "Freundschaft" empfundenen Beziehung ausnutzen, so sollte er daraus - theoretisch - einen Nutzen ziehen oder aufgrund höherer Opportunitätskosten andere Handlungen erwägen.


"Warum arbeiten Menschen gemeinnützig?"

Weil sie erwarten oder hoffen, dass auch andere dies tun?
Oder wir müssten alle Erwägungen bzgl. "Positionsnutzen", "Selbstbestärkung" und "Streben nach sozialem Status" ad acta legen.


"Wieso setzt ein Passant sein Leben aufs Spiel, um einen Ertrinkenden zu retten?"

Wenn er es nicht tut, passiert ihm nicht.
Sehen andere aber seine offensichtliche Verweigerungshaltung, so könnten sie ihm erstens negativ gegenüberstehen, eine soziale Exklusion seiner Person betreiben oder ihm ebenso Hilfe in Notsituationen verweigern.
Höhe "Kosten" in jedem Falle.


"Der Darwinsche Kampf ums Überleben hat die Spezies Mensch nicht nur auf Konkurrenz getrimmt, sondern auch auf Solidarität."

Weil Solidarität dauerhaft weniger kostet als brutaler Wettkampf.


"Auch Liberale, die das Individuum in den Mittelpunkt rücken, müssen es als soziales Wesen begreifen. Es braucht gelingende Beziehungen zu seinen Mitmenschen wie die Luft zum Atmen; ohne Zuwendung und Zuneigung verdorrt es."

Das ist zu bezweifeln; Es wäre zu keinem Fortschritt fähig oder mglw. nicht dauerhaft überlebensfähig.
Aber daraus ein Zwang zur Gesellschaftlichkeit abzulesen, geht zu weit.


"Der Kapitalismus scheitert, wenn er sich zu sehr auf diesen homo oeconomicus - etwa auf den Bonus-Banker - stützt und ihn sogar heranzüchtet."

Jetzt weiß ich auch, was der Beitrag selbst soll.
Das ist so natürlich viel zu eindimensional. Theoretisch kann es bei allseitig zweckrationalen Marktteilnehmern nicht zu solchen Verwerfungen kommen, da diese Verwerfungen selbst auf Irrationalitäten beruhen.
So die graue Theorie.


"Heute beherrscht der Markt die Gesellschaft, statt ihr zu dienen."

Das allerdings sehe ich ebenso.


"In einer enthemmten und enthemmenden Wirtschaftsdoktrin liegt der tiefere Grund für die Krise. Der Markt ersetzte sowohl die Moral als auch die Politik."

"Der Markt" ersetzte nicht "die Politik", letztere ließ sich bereitwillig ersetzen, bzw. sah dies als sinnvoll und notwendig an.
"Der Markt" ist kein höheres Wesen, wird konstitutiert und bedingt nur durch Menschen.


"Einen "freien Markt" kann es nicht geben. In Peter Ulrichs Worten: "Es gibt gar kein von ethischen und politischen Voraussetzungen freies marktwirtschaftliches System.""

Auch das findet meine Zustimmung.


"Je stärker sich Menschen zusammengehörig fühlten, desto bewusster befolgten sie Regeln des Zusammenlebens, erläutert der Psychoanalytiker und Ethnologe Mario Erdheim."

Desto stärker wirken soziale Kontrollmechanismen und individuellle Verhaltensbeeinflussungen träfe es wohl besser.
Denn auch dem muss Kritik entgegen gebracht werden, was der Verfasser auch täte, wäre er nicht einseitig unkritisch.