Posts mit dem Label twitter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label twitter werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 4. Juni 2012

#Zeit und #ZEITOnline auch nicht besser als #Facebook - #datenschutz und Accountlöschung

In diversen Beiträgen regte ich mich ja schon mehr oder minder deutlich über Facebook auf, beklagte die angebliche "Selbstdemütigung des Nutzers" um die Community überhaupt langfristig nutzen zu können oder ging auf das quasi autokratische System ein.

Die Kritik muss sich aber auch auf andere Angebote übertragen lassen, nicht nur Facebook selbst. Es scheint ein Phänomen des Digitalen zu sein, in einer Welt, wo hauptsächlich oder "nur" Daten zählen, "Dienste" mit persönlichen Daten bezahlt und den Werbekunden gegenüber finanziert werden und die Staaten sich auch weiterhin eher schwer tun zu regulieren.
Immernoch hält sich die von den Piraten oder zuletzt auch von Vetter vom "law-blog" vorgetragene Ansicht, Dinge, die einmal eingestellt seien, könnten nicht mehr gelöscht oder kontrolliert werden.
Das stimmt in der Tendenz sicher für das Internet als solches, keineswegs aber für die einzelnen Angebote wie Facebook, Twitter oder Studivz.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Ist das die Auseinandersetzung der "Bürgerlichen" mit den #Piraten? #FAZ und #Ponader - Nazivergleich und #ZAPP

Wie war das?
Martin Delius, Mitglied der Piratenpartei, verglich gegenüber dem Spiegel den "Aufstieg der Piratenpartei" mit dem "Aufstieg der NSDAP" in einem spezifischem Zeitraum.

Medien schrieben von einem "rechtsextremistischen" oder "rechtsradikalen" Problem in der Partei, der ehemalige Bundesvorsitzende Nerz gab sogar öffentlich zu Protokoll, solch "Dummes" sollte man nicht äußern, bzw. sich überlegen, was man sagte.

Dass anscheinend niemand so recht vor Nazi-Vergleichen gefeit ist, oder auch "bürgerliche Medien" durchaus darauf anzuspielen pflegen, stellte nun "ZAPP", Medienjournal im NDR, in seiner Rubrik "durchgezappt" dar.
Die FAZ habe sich später, auch nach Twitter-Mitteilung Schirrmachers, "entschuldigt", den Bundesgeschäftsführer Ponader in eine Reihe oder in einem Atemzug mit dem "Gesellschaftskünstler" Hitler gesetzt zu haben.

Hat die FAZ, so als "Rechtsextremismus der Mitte", also auch ein "Problem"?



Montag, 30. April 2012

'Etablierte #Parteien' und #twitter - riesige Informationsaggregation ungenutzt gelassen, zu spät agiert


Man könnte ja mindestens zwei Lesarten zum Aufkommen des Internet und dessen gesellschaftliche, mediale, politische und wirtschaftliche Folgen wagen.
Eine, die schon oft überdacht wurde, greife ich mir nachfolgend mal heraus.

Wenn der gesamtgesellschaftliche "Kuchen" nicht wächst, also nicht plötzlich von Zauberhand mehr für Alle vorhanden ist und dies daher auf alle verteilt werden kann, werden einige wie immer mehr Kuchenstücken erhalten, als andere.
Auf den Prozess der Verhandlung, ggf. noch das Endergebnis kommt es an.

Gerade bei Twitter dachte ich vor einiger Zeit, solche Dienste könnten vorallem "etablierten" Parteien mehr nutzen als schaden.
Weil sie von Menschen überall auf der Welt zu jeder Zeit mit diversen Informationen gefüttert werden und die Auswertung dieser Daten, wenn vielleicht auch nicht kostenlos, ermöglichen.
Wie kann eine Partei einfacher erfahren, was gewisse oder alle Menschen über sie denken, was sie lesen, was sie interessiert, als das verhältnismäßig einfach zugängliche Twitter?
Bei Facebook bekommt man diese Daten ebenfalls, muss dazu aber über ein zentrales Werbe- und Marketinginstrument gehen.

Statt selbst zu twittern und die Dienste mit weiteren Daten zu füllen wäre es sinnvoll gewesen, sich kostengünstige und effiziente Mechanismen zur Datenaggregation zu überlegen oder vorlegen zu lassen. Man muss nicht selbst twittern, wenn man weiß, wie sich der "Mainstream" dieser "Netzwerke" in etwa gestaltet.
Falls es, jemals oder aktuell, Ziel und sinnvoll war, "dem Volk aufs Maul zu schauen", ihm also stückweit "nach dem Munde zu reden": Wann war das dann einfacher möglich als heute?
Klar, dafür muss man Geld bezahlen und ggf. auch einiges davon in den Sand setzen.
Und vermutlich ist es gerade das, woran es den schon in der realen gesellschaftlichen Breite kaum noch verankerten (Volks-)Parteien so fehlt.
In vielen ländlichen Gebieten gibt es nicht nur keine Parteiorganisation, sondern auch keine parteinahen oder parteilichen Kandidaten mehr. Aber auch das ist kein neues Phänomen.

Wenn man weiß, was gerade wie diskutiert und retweetet wird, kann man gewisse griffige Formulierungen heraussuchen, greifen, leicht abwandeln und mehr oder minder geschickt in den realen politischen, das heisst vorallem gedruckten, medialen Prozess einspeisen.
Man lässt dann einfach irgendjemanden, ob Hinter- oder Vorderbänkler, genau diese Themen griffig formuliert vortragen. Oder man streut etwas von "gut informierten Kreisen", welche wiedermal etwas wüssten oder irgendwo gehört hätten.
Sowas darf natürlich nicht zu auffällig werden, höhlt es dann doch ggf. auch die Öffentlichkeit und Offenheit solcher Netzwerke aus.
Nur kann man Parteien wohl kaum vorwerfen für die Auswertung und Nutzung der Daten zu zahlen, wenn es Werbetreibenden ganz selbstverständlich zugebilligt wird.

Samstag, 28. April 2012

#Lobo und die #Freiheit des #Internet


Da hat er wieder "einen rausgehauen", der Digitalkultur-Welterklärer Lobo.
In seiner Kolumne auf SpiegelOnline geht er aber nicht weit genug und verweigert genau den Schritt, der notwendig wäre einen tieferen Klärungsdiskurs zu führen oder einzuleiten.
Weshalb er dies nicht tut?
Vielleicht würde dann noch deutlicher, dass es nicht die Piraten sind, die sich mit solchen Themen befassen, sondern solches schon immer zum "Ur-Liberalen" Denken gehörte.

Damit meine ich die Auffassung von "sozialer Marktwirtschaft", die zur Fundierung der angeblich "sozialen Dimension" einsieht, dass "Markt" zwar ein effienztes Distributionsmodell und ein solcher -mechanismus ist.
Dieses allein aber eben nicht ausreicht.
Unter anderem da "Märkte" zu Oligo- bzw. Monopolisierungen neigen.
Und soll überhaupt etwas wie eine "gesellschaftliche" Komponente eingeführt und durchgesetzt werden, bedarf es nicht nur der Rückbindung des (Privat-)Eigentums an die Gesellschaft bzw. den sie exekutiv/administrativ verkörpernden Staat. Dies wurde u.a. mittels "Eigentumsverpflichtung zum Wohle der Gesellschaft", und ggf. dessen Enteignung, ins Grundgesetz aufgenommen.
Das Problem ist auch die schiere "Marktmacht", welche hinter immer größer werdenden Einheiten kapitalistischer Produktion steckt: Freiwillige oder angeblich durch den Markt "erzwungene" Unternehmenszusammenschlüsse vergrößern die Abhängigkeit der Gesellschaft von den Unternehmen, gerade wenn sie "systemrelevante" Produkte wie Strom oder Kredite "produzieren", bedingen ein großes soziales Sprengstoffpotenzial bei Schließung und folgenden Entlassungen, binden bis dahin aber auch große Zahlen an Arbeitern an das Unternehmen und machen sie daher zu "Mittätern" und "Interessenten am Status Quo".

Der Kapitalismus löste nur scheinbar den Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit auf, indem Arbeiter zu "Konsumenten" wurden, die sich und die Produktionsverhältnisse selbst stabilisierten.
Deutlich wird dies besonders perfide auch an Ideen wie einem "Kombi-Lohn", welchen die Gesellschaft, in Verkörperung des Staates, seiner Gebietskörperschaften und Argen/Jobcenter an im Arbeitsprozess Stehende auszahlt, wenn sie nicht genug verdienen um ein "würdiges Leben" oder "Teilhabe an der Gesellschaft" zu erlangen.
Diese Arbeiter zahlen natürlich auch Steuern, Mehrwertsteuern bspw., und da die Zweckbindung fehlt finanzieren sie ihren Arbeitsplatz in der Umlage selbst mit. Außerdem ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Steuermittel in hohen Größenordnungen dort gabgeholt werden, wo sie vorhanden sind.
Weshalb erneut überproportional "gering" oder "wenig Verdienende" ihre eigenen Arbeitsplätze finanzieren.

Im Weiteren wird der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit in ein Abhängigkeitsverhältnis der Gesellschaft von großen Unternehmen transferiert bzw. kommt dieser hinzu. Weil sie Konzentrationen im Bedarfs- oder Krisenfalle "systemgefährdend" werden. Dazu muss man nicht die "Finanzmarkt- und Bankenkrise" 2008f. zitieren; es genügt schon, sich Gedanken über einen großflächigen Stromausfall in Deutschland oder Europa zu machen, der - wie von Konzernen und Interessenverbänden, aber auch ministerialen Einheiten wiederholt geäußert - wahrscheinlicher zu werden scheint.

Wo ist die Piratenpartei und ihre "progressive Entscheidungsart", wie liquid feedback, etc. bei einem großflächigen, landesweiten Stromausfall? Diese Partei muss zwingend in die bundesrepublikanischen Parlamente und sie muss sich auch im repräsentativen System mit Personen etablieren. Weil sie ansonsten verschwindet, falls es mal zu so einem Ereignis kommen sollte.
Natürlich gäbe es dann noch weitere, deutlich größere Probleme und Sorgen als die Frage nach den Piraten.

Lobo meint, das Internet gehöre "nicht uns" oder "nicht Euch". Genau wie der Strom aus der Steckdose: So lange er von Großkonzernen produziert und über von ihnen besessene 'Netze transportiert wird, ist man bestenfalls "Besitzer und Nutzer", keinesfalls aber "Eigentümer", egal wie teuer die Kilowattstunde noch werden mag.
Was Lobo im Kern fordert ist nichts anderes als "Facebooker/Twitterer zu Pflugscharen".
Nur wagt er den entscheidenen Schritt in der Argumentation nicht und denkt nicht zuende: Wer anders als der Staat, der von so vielen in den letzten Jahren verteufelt wurde und der auch von den Piraten als größerer "Feind" angesehen zu werden scheint als Facebook, Google oder Twitter, sollte für "Pluralität der Angebote" sorgen, wenn sich das kapitalistische System der "Marktwirtschaft", als zur Monopolisierung, da Maximalgewinn wenigstens kurz- und mittelfristig sichernd, neiendes, nicht grundlegend änderte?
Facebook vereinigt mittlerweile fast eine Milliarde "Profile" auf sich, die Nutzungszeit wächst in den USA und Deutschland. Parallel dazu verlieren Konkurrenten wie StudiVZ, WKW, etc. an Reichweite und Nutzerschaft.
Nicht nur das oft gehörte "Filterproblem" oder die "filter bubble" stellt sich ein; von Facebook oder Google werden zukünftig auch enorme Machtpotenziale ausehen, die sich in der Realität fortsetzen.

Das war schon immer so, weshalb es ja oben angerissene Dine wie Kartellgesetzgebung, Machtbegrenzung, etc. gibt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde solches, auch das daraus erwachsende gesellschaftliche Drohpotenzial, als "imperialistischer Kapitalismus" von Menschen wie Rudolf Hilferding diskutiert.
Das Phänomen ist also keineswegs neu.
Neu ist auch nicht die Geschichtsvergessenheit, mit der neue Strömungen, wie die Piraten nun eine sind, Mechanismen problematischer Art zur Veränderung der Gesellschaft bzw. ihrer Institutionen nutzen oder nutzen wollen.
Sie thematisieren das, jedenfalls öffentlich, aber nahezu überhaupt nicht und kommen damit so einfach durch.
Vermutlich weil die meisten Menschen schon mit "Staunen" oder teilweiser "Ratlosigkeit" vor Dingen wie Faceboo oder Twitter stehen und sich freuen, erst einmal überhaut damit umgehen zu können.
Die Piraten aber können und sollten mehr, sie sollten sich eben über die gesellschaftlichen und marktlichen Implikationen Gedanken machen. Das tun sie teilweise auch, nur allgemein noch viel zu wenig und machen auch eine bewusste Staatsferne und teilweise -verächtung stärker zum Progtamm.
Als sei die "Vorratsdatenspeicherung" mit der Datensammelwut Facebooks zu vergleichen bzw. sei letzteres wenier bedeutend oder schlimm, nur weil man dies "freiwillig" tue.

"Freiwillig" ist da schon lange nichts mehr.
Von "implizitem Zwang", mindestens "Nötigung" muss man schreiben.
Was man auch an zunehmender Gängelung und Demütigung der Nutzerschaft besehen kann: Je einflussreicher jemand, also auch ein "Netzwerk" wird, desto stärker will und wird es sozial normieren. Auch um sich selbst zu erhalten und seinen Einflussbereich zu maximieren. Da muss man Dinge wie die stillenden Mütter mit nackten Brüsten gar nicht thematisieren - der Umgang mit angeblich "falschen Freundschaftsanfragen" spricht Bände.

Beim Staat braucht man nur die gesellschaftlich relevante MEhrheit der Legislative und kann sich später den Mechanismen der Exekutive bedienen um die eigenen, oder dann als "allgemeine", Interessen durchzusetzen.
Wie will man, folt man der Piratenlogik, Facebook denn eigentlich jemals zu etwas zwingen, was nicht im eigenen, daher ökonomischen, Interesse des Unternehmens liegt?
Soll es "der Schwarm" mit seiner "Intelligenz" richten und sollen alle Nutzer oder eine große Nutzerzahl dann zu einem bestimmten eitraum eine spezielle Handlung ausüben? Und was mehr soll dabei herauskommen als ein paar Millionen "Likes" einer "Seite" im Netzwerk selbst - was natürlich erneut Umsätze durch Werbung und damit Gewinne beim Unternehmen generiert?
Wo sind die Mechanismen des Unternehmens oder Netzwerks selbst etwas zu tun oder durchzusetzen, was nicht direkt im Unternehmensinteresse liegt und nicht von der überragenden Mehrzahl der Mitglieder getragen wird?
Die "Gemeinschaftsregeln" sind ein gutes Beispiel.
Vielleicht bekam ich ja irgendetwas nicht mit, aber wo konnte man sich an der Aufstellung und Abstimmung ergebnisoffen dieser beteiligen? Wo gab es da ein liquid feedback, eine Rückkopplung, wo wurden da in mühevoller und langwieriger Kleinarbeit zunächst Vorschläge eingebracht, gesammelt, ausgewertet, diskutiert und abgestimmt?
Wo wurde über das Gesamtpaket abgestimmt?

Denn genau so läuft es in "etablierten Parteien" ab.
Deren Strukturen sind auch "alt" und modernisierungsbedürftig.
Sie ermöglichen aber eine verlässliche gesellschaftliche und damit unternehmerische Steuerung wo sie notwendig oder sinnvoll sein kann oder muss.
Man kann, wie die FDP, den "Rückzug des Staates" fordern. Selbst diese Partei aber fordert nicht "das Ende des Staates", da dieses auch die Unmöglichkeit der von ihr erstrebten Gesellschaftsordnung gleichkäme.
Und das thematisiert sie auch.
Deshalb wird die FDP überleben - weil sie nicht die Virtualität in die Realität transferieren muss, wie es an der Piratenpartei ist.
Die FDP, und damit alle anderen Parteien, müssen Elemente der Virtualität in die Realität übertragen und dürften sich damit am Ende leichter tun als umgekehrt.

Sascha Lobo fordert nichts anderes als den "starken Staat" sozialdemokratischer oder den "Kartellwächterstaat" liberaler Prägung, sagt dies aber nicht laut.
Zumindest solange man das Internet nicht aus sich selbst heraus produzieren kann, laufen die Aussagen auf diese Forderungen hinaus.
Lobo muss dem folgend eigentlich auch eine kritische Revision der Piratenpartei mit ihren Voraussetzungen und Bedingungen fordern - das aber geht im allgemeinen Furor über diese "Bewegung" unter.
Noch.
Das könnte sich im Laufe des knapp einen Jahres bis zur kommenden Bundestagswahl auch ändern, wiewohl das aufgrund anderer Nachrichtenlage eher unwahrscheinlich ist.

Das, was Lobo fordert ist nichts anderes als ein Staat, der verhindert, dass es immer weniger "frei nutzbaren" Raum gibt, sondern auch einen, der verhindert, dass gewisse Einheiten durch Zukäufe Anderer immer größer werden.
"Blogspot", wo auch dieses Blog erscheint, war früher ein eigener Dienst und gehört mittlerweile zu Google.
Alternative beim Ganzen ist wie früher auch schon einen eigenen Server aufzubauen und mit dem Internet zu verbinden oder komplett zu mieten. Dann schließt man zwar diverse Ausfälle und später auch staatliche Eingriffe nicht aus und vorallem dürfte solches für den "Durchschnittsnutzer" in Hinsicht auf Praktikabilität und Kosten kaum sinnvoll sein, doch böte dies "Schutz" vor Eingriffen durch Unternehmensinteressen.
Dann könnte Lobo auch gleich den "Bürgerserver" fordern - eine Art "bedingungsloses Grundeinkommen" für die Publikation im Internet.
Denn das "eigene Blog", wie er schreibt, ist ja, wie sollte es anhand oben dargetaner Systematik auch anders sein, nicht "eigenes"; es dürfte in der übergroßen Mehrzahl der Fälle zwar außerhalb Facebooks oder Googles liegen und verwaltet werden, deren direktem Zugriff also entzogen, dann aber einen der Blogdienste nutzen, sofern man oben genanntes nicht auf sich nehmen möchte.
Und wer garantiert, dass ein solcher Blogdienst nicht auch irgendwann von Facebook oder Google, sei es auch nur zur Ausschaltung von Konkurrenz und Wettbewerb, gekauft und ggf. abgewickelt wird?
Nur ein Zusammenschluss finanzkräftiger Bürger selbst, welche Hard- und Software nutzen und betreiben, könnte dies. Und wer garantiert diesen den Zugang zum Internet, da es ja auch Interessen geben könnte, dies zu verhindern?

Richtig, der Staat, die Staaten, auf der Basis eindeutiger, durchsetzbarer Gesetze und der ausführenden Exekutiven.

Donnerstag, 5. April 2012

Zuletzt mit Gewinn gelesen: #heteronormativität, #viral marketing, #facebook, #spd #saar, #parteispenden, #datenschutz, #fdp


Ich führe nun, analog bspw. zu den "Nachdenkseiten", eine persönliche Kategorie ein, in der ich gewisse von mir aufgetane und ggf. mit Gewinn gelesene Dinge erwähne, verlinke und andiskutiere.
Großer Aufwand wird dabei nicht betrieben, selbstredend erfolgt bei jedem Blog/jeder Website mindestens eine Quellenangabe mit Link.

Auf Hinweis von @RiotMango einen Blogpost zum Thema "Heteronormativität" mit dessen Bedeutung und Implikationen ich mich früher bereits weitgehend auseinander gesetzt hatte. Gelungen finde ich die listenartig-knappe Darstellung der Probleme und Folgen dieses Phänomens.
"Diskutieren wir bitte Heteronormativität.", Marco Scheuer.

"Dieser Frage widmen sich Forscher jetzt in einem Paper in den Veröffentlichungen der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS). Die Wissenschaftler, darunter zwei Facebook-Angestellte, studieren den Prozess der Ansteckung an zwei Beispielen." [...]
" Interessant wird es, betrachtet man die Struktur des sozialen Netzwerks. Besteht dieses aus miteinander nicht verbundenen Komponenten, ist es also sehr heterogen, dann steigt die Chance der Ansteckung."
Matthias Gräbner 04.04.2012; Telepolis

"die SPD konnte zwar zulegen, wird sich aber als Juniorpartner der CDU selbst den Boden unter den Füßen wegziehen.
Und wegen solcher konjunktivische Sätze, die dann kaum noch lesbar sind:
"Man wird allerdings darauf warten können, dass der Höhenflug bald abreißen dürfte, auch wenn er in NRW und Schleswig-Holstein noch anhalten dürfte." 
Florian Rötzer; Telepolis

"Dies zu reformieren, hat der Innenausschuss bisher abgelehnt. Das deutsche Modell habe die Transparenz der Parteienfinanzierung insgesamt und nicht speziell die Wahlkampffinanzierung im Blick, so die Begründung."
Martin Ranik TAZ, 04.04.12
Dabei geht es um die Bekanntgabepraxis der Parteispenden nach Wahlkampfperioden. Stellt sich die Frage, weshalb man für Wahlkampfzeiten nicht einfach "kurzfristige Transparenz" schafft: In einem definierten Zeitraum vor und nach der Wahl müssen Einzelspenden in Höhe, Art und Ziel direkt bekannt gegeben werden. Später lässt sich weiter ausführen und beschreiben.

"Mehr Freiheit fordert die Bundesregierung für Privatpersonen, die eine Homepage unterhalten, und auch für Blogger. Sie sollen künftig nicht mehr vom Datenschutzrecht erfasst werden, auch wenn sie Informationen über andere Personen verbreiten."
Christian Rath, TAZ 04.04.12
Was sagt die Piratenpartei dazu? Könnte das nicht in einer "Tyrannei der Masse" ausarten?

In Anlehnung an @Cymaphore schrieb Sixtus, die NRW-FDP habe gar kein richtiges Wahlprogramm:
"Auf telefonische Nachfrage teilte die NRW-FDP dem Kollegen Matthias Schindler mit, es werde überhaupt kein Programm zur Wahl geben."
Und tatsächlich: Außer diverser Links, die schon ziemlich nach "zusammen gestoppelt" und "hingekleckert" aussehen, findet sich nur ein "Wahlaufruf" aber kein vollständiges Parteiprogramm mit Überschrift, Einleitung und Leitmotiv.
Wer will den Piraten, die schon seit langen über Programme in diversen Ländern verfügen aber keineswegs so alt sind, "Programmlosigkeit" vorwerfen?


"Für den Nutzer wird es zum einen kostenlose Filme und Serien geben, die über Werbung finanziert werden. Zum anderen sind ein Abonnement sowie das Bezahlen für jeden eigenen Film geplant. Die genaue Ausgestaltung wollen die Gesellschafter der Geschäftsführung überlassen. „Das Videoportal ist keine öffentlich-rechtliche Veranstaltung, sondern eine kommerzielle“, sagt Filmkaufmann Weymar."
Hans-Peter Siebenhaar, Handelsblatt

Donnerstag, 14. Januar 2010

Zur Kritik #SPD Parteireform und 13 Thesen #Böhnings

Vorhin ging mir per Twitter ein Blogeintrag von Björn Böhning (SPD) zu, der sich mit der Struktur und dem Auftreten der Partei nach innen und aussen befasst und "13 Thesen zur Parteireform" formulieren will.

Später wurde dies von Spiegel Online aufgegriffen.

Vieles ist nicht neu, vieles eher allgemein gehalten. So gilt "Näher bei den Menschen" sein zu wollen schon länger; Outputüberprüfungen bzgl. Mitgliederwerbung und -erhaltung sind auch nicht neu und oft durchgeführt/angedacht worden.

Durchaus interessant aber der Vorschlag bzw. die Forderung, Parteiämter und Funktionen nur noch an Mitglieder mit mindestens einem Ehrenamt vergeben zu wollen.

Aktives Engagement außerhalb der Partei, in Gewerkschaften, Initiativen, der (Pop-) Kultur, in Vereinen, dem Sport oder der Stadtteilinitiative muss als positiver Wettbewerbsfaktor beim innerparteilichen Aufstieg gelten. Als Goldene Regel sollte dienen: Wer nicht außerhalb der Partei mindestens ein Ehrenamt bekleidet, kommt auch als Parteifunktionär nicht infrage.

Diese Idee hatte ich vor geraumer Zeit auch und sie beschäftigt mich auch heute noch.
Doch gerade wenn man die "Öffnung" der SPD fordert, sollte man davon absehen Mitgliedschaften verschiedener "Klassen" zu installieren. Das Argument des "Wettbewerbs" ist ein nachvollziehbares, wenn auch gleichsam oberflächlich und nicht radikal zuende gedachtes, genau wie die Idee der "Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaft" selbst.
Denn letztere, genauso wie die Leistungs- und Ressourcenzumessung gemäß Ehrenamt, hängt von individuellen Faktoren und Bedingungen wie Zeit und Ressourcen ab.
Es besteht also die Möglichkeit, dass zeitlich bereits eingespannte Mitglieder weiter belastet oder ihnen Funktionen vorenthalten werden. Ich halte das auch bzgl. innerparteiliche Demokratie sowie Gleichheit und -bedeutung des einzelnen Mitglieds für fragwürdig.
Bislang werden Mitglieder durch Gremien und Strukturen delegiert und gewählt; bei Umsetzung dieses Vorschlags aber machte man ein Amt und dessen Wahl von einer externen Bedingung abhänig.
Natürlich wäre es möglich, dass Parteitage und Gremien nur noch Mitglieder wählen, welche Ehrenämter bekleiden. Als Zugangshindernis allein dürfte dies unzulässig sein.

Allerdings verhehle auch ich nicht die mglw. positive Folge einer stärkeren ehrenamtlichen Verankerung der Mitglieder und später der Partei selbst. Genau das ist ein Problem der letzten Jahre.

Dann aber sollte sofort Mittel, Ressourcen und Zeit für das einzelne Mitglied zur Verfügung gestellt werden.

Wiewohl ich davon ausgehe, dass nicht nur Parteien von ihren Mitgliedern mehr fordern können und sollten, sondern Parteien einer grundlegenden Wandlung hin zu mehr Integrations-, Vernetzungs- und Einstiegsoptionen unterliegen werden.
So ist es kurzsprüngig, von den Mitgliedern mindestens ein Ehrenamt zu fordern und die Zahl und zeitliche Belastung der/durch Gremiensitzungen, etc. aufrecht zu erhalten.
Außerdem sollte Neumitgliedern mehr Unterstützung zur realen Umsetzung gegeben werden; bei den bisher tätigen Funktionsträgern in hohen Parteipositionen sollte es kein Problem sein, "Ehrenämter" auszuführen. Zumal deren Definition sehr weitläufig sein dürfte.

Will man also keinem Selbstselektionseffekt Vorschub leisten, wird man stark unterstützen und differenzieren müssen.


Ein anderer Punkt ist nicht weniger interessant, schreibt er doch einen jahrelangen Trend in die Zukunft fort:

Die offene Mitgliedschaft ohne Parteibuch im Jugendbereich sollte noch engagierter genutzt werden, um Sympathisanten zu Mitstreitern zu machen. Wer in der SPD oder bei den Jusos an Projekten, Initiativen oder Zukunftswerkstätten mitarbeiten möchte, muss nicht gleich Parteimitglied sein.

Ich kann mich noch an Statutänderungen erinnern, mit denen die Mitgliedschaft bei den Jusos ohne Parteimitglied sein zu müssen, erleichtert wurde. Dahinter steht die Hoffnung, erstens Jugendliche und junge Menschen nicht durch das Wort und die Struktur "Partei" von einer Mitarbeit abzuschrecken und zweitens aus ebendieser Mitarbeit irgendwann evtl. neue Mitgliederu nd Funktionäre zu rekrutieren.

Doch zunehmend frage ich mich auch, welchen Erfolg dies zeitigt, welchen Nutzen die "Partei SPD" daraus zieht und ob diese Erweiterungen nicht zunehmende Kapitulation vor der Wirklichkeit sinkender Parteienaffinität hin zu einem Wandel zu lose strukturierten Bewegungen bedingt.
Wieviele Parteimitglieder konnten daraus also gewonnen werden? Wieviele bleiben dauerhaft assoziiert? Konnten Funktionäre gewonnen werden? Diesbezüglich ist mir bis dato wenig bis nichts bekannt.
Viele sähen die Auflösung der "alten Parteien" gerne, es scheinen sogar zunehmende Menschenzahlen zu werden. Natürlich kann und muss die Organisation "Partei" davor keine "Angst" haben.
Wenn es irgendwann nicht mehr genug Unterstützung innerhalb des Volkes/der Bevölkerung gibt, hört sie auf zu existieren. Davon aber sind wir noch entfernt, könnten mit solchen Änderungen und stetigen Erleichterungen aber zur Beschleunigung des Grundprozesses beitragen.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Stalking und Communities

Da ich gerade mit einer Followerin bei Twitter eine kurze "Diskussion" zum Thema hatte, dachte ich über das Thema "Stalking im Zeitalter von Internetcommunities" nach.

Der größte und intensivste "Stalker" ist wohl der Staat und seine Strafverfolgungsbehörden sowie die Betreiber der Websites und Profile selbst (bitte nicht die Ironie überlesen).
Gerade diesen Betreibern stellen Nutzern solcher Communities alle Informationen die man einstellt kostenlos zu Verfügung und natürlich sind erstere nicht zu dumm damit Geld zu verdienen und die Nutzer wenigstens zu einer ihre Nutzerzahlen-maximierenden Informationsweitergabe zu nötigen oder zwingen.



Allgemein
"Stalking" an sich ist noch nicht lange ein durch das Strafgesetzbuch (StGB) sanktionierter Tatbestand und dürfte daher mannigfacher, vorallem gerichtsständiger, Rechtssprechungen unterliegen.

Durch die Informationen, die man in ein Profil einträgt - gehen wir einen moment von ihrer Richtigkeit, also einem Mindesten interessant und für einen "Stalker" verwertbar machenden Informationsgehalt aus - gibt man diese für prinzipiell alle assoziierten Profilnutzer frei.
Eine Kontrolle, was diese mit den Informationen tun gibt es nicht.
Dies ist auch im "reallife", also offline, gegeben, da jeder unser vermeindlichen "Freunde" Informationen an andere auch unerwünscht/-erlaubt weitergeben oder anderweitig weiterverwenden kann.
In Communities gibt es darüber hinaus die Freigabefunktion "Für Freunde von Freunden", was meiner Ansicht nach fast "Freigabe für Alle" entspricht, schließlich kennt man die sogenannten "Freunde" seiner "Freunde" oder - sehr viel passender und weniger perfide - "Kontakte".

Dass die Communities und deren Betreiber gewisse Bezeichnungen absichtlich verwenden, machte ich schon in einem anderen Beitrag thesenartig deutlich.

Gibt man Informationen also mit dem oben genannten Vermerk frei, so verliert man fast vollkommen Kontroll- und Einflussmöglichkeiten über deren Wahrnehmung und Verarbeitung.
Täten wir solches in der Realität? Denn dies sollte meiner Ansicht nach der letzte und sinnvollste Maßstab bei solchen Bewertungen sein.
Gäbe ich einem Freund eine Information, teilweise nicht unpersönlich, mit der impliziten Billigung bzw. aufgrund von Ziel und Richtung solcher Communties sogar Aufforderung der Weitergabe an andere "Freunde"?
Und interessanter noch: Die Weitergabe erfolgt nicht einmal mündlich, also in Zurechenbarkeit von Verantwortlichkeiten.
Die Community, also ein anonymes Datenbank- und Serversystem übermittelt die Information an andere Menschen, so auch "Freunde von Freunden". Damit - wiederum ein Anschluss an eine andere These - macht man sich Anonymität zur Überwindung von Gräben und Hemmschwellen zunutze.

Darum deduziere ich gleich einmal folgende These, damit sie mir nicht entfällt:
Nach aussen und oberflächlich betrachtet fusst der Erfolg von Netzwerken und Communities auf "Öffentlichkeit", auf Exhibitionismus der beteiligten Nutzer und Senkung von interaktiven Kommunikationshemmschwellen.
Dies aber ist nicht ohne die gleichzeitig-notwendige Anonymisierung und Anonymität des Datenverkehrs möglich, denn diese entlastet das Individuum von Erklärungs- und Selbstrechtfertigungsnöten für sich und andere.


Zurück zum Stalking.
Kann die Suche in öffentlich verfügbaren Informationen als "Stalking" bezeichnet werden?
Meiner Ansicht nach nicht.
Nahezu jede Community bietet zunächst die Möglichkeit, die eigenen Daten und Informationen gegenüber anderen Nutzern nur selektiv freizugeben.
Davon machen meiner Ansicht nach zunehmend Menschen Gebrauch und sehen sich hernach in eigener "Sicherheit" bestärkt, womöglich ziehen sie daraus sogar eine Art "Selbstbestätigung": Sie grenzen sich erneut schärfer gegen "unerwünschte" Individuen ab, leben aber in der Fiktion, wirklich nur "gewünschtes" weiterzugeben und teilhaben zu lassen. Ich muss ehrlich gestehen, dass auch ich schnell so dachte. Und gegenüber anderen Nutzern einer Plattform mag das ja auch richtig sein.

Das Problem ist zunehmend aber auch die Plattform selbst.
Und mit ihr die Nutzer, die mit dieser direkt assoziiert sind, andere Nutzer die sich - wie beim StudiVZ - Unzulänglichkeiten oder Programmierfehler zunutze machen.
Wie wir Strafverfolgungsbehören fast schon grotesk leichten Zugang zu unseren Nutzer- und Bewegungsdaten geben, war in einem Blog-Beitrag "Schöne neue Welt oder: Zeit für gute Vorsätze" von Anna List zu lesen.
Darin weist sie u.a. auf automatisierte Abfragen durch Behörden und standardisierte Abfragen amerikanischer Behörden OHNE richterlichen Beschluss hin. Etwas, worauf wie Datenschutzparteien, wie Grüne und FDP im Sinne deutscher Gesetzgebung dringend einmal aufmerksam machen sollten.

Jede Information, die öffentlich zugänglich ist, kann nicht "erstalkt" worden sein, schließlich stellt sie das Individuum ALLEN Menschen, also auch potenziell gefährlichen oder unerwünschten, frei zur Verfügung.
Es muss mindestens damit rechnen, dass genannter Personenkreis ebenso in den Besitz und die Verwendung dieser Informationen gelangen kann.
Nun könnte auf Basis dieser an sich korrekt erworbenen Informationen "Stalking" gegen das entsprechende Individuum betrieben werden.

Definitionen
Doch

"wird im Sprachgebrauch das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person verstanden, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann."

als Stalking bezeichnet.

Dabei sind vielfache wissenschaftliche Definitionen und deren Zungenschläge für das Thema "Online-Plattformen" interessant und relevant, wobei es zumindest laut Wikipedia - nicht meine bevorzugte, doch die am schnellsten Überblick-gewährende Quelle - drei durchaus unterschiedliche und anwendungsfragwürdige gibt.
Mit zweien beschäftige ich mich nachfolgend eingehender.

"'[...] Stalking als „obsessives und unnormal langes Muster von Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum gerichtet“ [...]'

"[...] Stalking eine „Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt“. [...]'

Alles, was hernach von Polizeiberatungen oder Statistiken ausgeführt wird, ist eher numerisch definierend denn thematisch-theoretisch erklärend.


Bleiben wir also bei obigem.
"Bedrohung durch Belästigung gegen ein bestimmtes Individuum" ist sehr allgemein gehalten und daher mutmaßlich breiter und häufiger anwendbar.
Eine Informationssuche und das mögliche Auffinden persönlicher Informationen in öffentlich freigegebenen Communityprofilen kann nicht als "Bedrohung" bezeichnet werden, da es eine passive und keine aktive Handlung der sofortigen Ansprache impliziert.
Eine "Belästigung" könnte sich durch erste oder erneute bzw. wiederholende Konfrontation des besagten Individuum mittels gewonnenen Informationen ergeben.
Allerdings gilt auch dann der Sukzessionsvorbehalt, wenn er zunächst auch perfide anmuten mag: Die Informationen, auf denen dies basiert, wurden vom Individuum selbst freigegeben. Zumindest der Inhalt solcher "Belästigungen" muss dann eher vorsichtig kritisiert und sanktioniert werden, wäre es doch auch möglich (gewesen) einen Informationsvorbehalt zu üben.

Richtig dürfte aber auch sein, dass sich das Individuum bis zu einem gewissen Punkt zumindest nicht für eine Informationsfreigabe wird rechtfertigen müssen, schließlich ist auch das ein Teil individueller Handlungsfreiheit.
Das allerdings hat und muss zwingend Grenzen haben, sonst öffnete man unbeschränkten Ansprüchen Tür und Tor: Wenn prinzipiell gelten sollte, dass jeder jede Information freigeben darf, ohne mit negativen Konsequenzen rechnen und diese gegebenenfalls einkalkulieren zu müssen, bedingt das ebenso Unfreiheit.
Die Nutzer und Betreiber oben genannter Angebote muss dies natürlich zwingend anders sehen, haben sie doch ein vitales, vorallem auch kaufmännisches Interesse, an von ihnen monopolisierter Informationsexternalisierung und -übermittlung.
Dass ich richtig verstanden werde: Die Veröffentlichung von Informationen eines Individuums ermöglicht oder legitimiert keineswegs die "belästigenden" Handlungen eines anderen. Zumindest im Allgemeinen und dem akuten Informationsgehalt vorgehend nicht.

Wird das Individuum also mit aus einer öffentlichen und öffentlich zugänglichen Community gewonnenen Informationen "belästigt", so ist nicht der Gewinn der - möglicherweise persönlichen - Informationen das Problem, sondern bestenfalls die Belästigung, also aktive Handlung, selbst.
Dem Individuum sollte es zumutbar sein, persönliche Informationen einzuschränken oder zumindest für eine spezifische Person, den oder die "Stalker/in" zu beschränken oder ihn/sie gar davon auszuschließen.
Das ist mit aktuellen technischen Mitteln kein unzumutbarer Eingriff in die individuellen Freiheitsrechte und Richter sowie Polizei dürften dem auch aus Kostengründen den eindeutigen Verfahrensvorzug geben.
Wobei ich nicht verhehlen möchte, dass ich Rechtsbrüche oder mangelnde Rechtspflege aufgrund gekürzter Mittel für skandalös halte, zu betrachten bei pauschal eingestellten Verfahren kommunaler oder kreislicher Behörden sowie Gefängnissen, usw.

Weiterhin nicht unbedeutend wäre sicher die Art und Weise der "Belästigung".
Erfolgt diese über die Communities, welche auch den Bezug der Informationen ermöglichten? Erfolgt sie über andere Communities oder geht sie gar in den "öffentlichen", also "offline" und realen Bereich über?
Mutmaßlich dürfte dem so sein.
Communities bieten die Option, einen Kommunikationsverkehr zu Individuen nahezu geräuschlos vollkommen zu unterbingen.
Allerdings - so auch meine Kritik - zieht es bspw. das StudiVZ vor, den "ignorierten" Nutzer über den "veränderten Nutzer- und Sichtbarkeitsstatus" zu informieren.
Dies könnte zu neuen Handlungen animieren und sollte daher aufgegeben werden.
Am sinnvollsten sollten einem "ignorierten Nutzer" jegliche Informationen verborgen bleiben und ein Auffinden des Profils, sowie selbstredend Kontaktoptionen, unzugänglich und unmöglich sein.
Beim StudiVZ steht zu hoffen, dass die Betreiber dieses Ansinnen verstehen, ist es doch "löchrig", um es einmal freundlich zu umschreiben.

Irgendwann könnte es so laufen, dass ein Nutzer einen "ignorierten" oder "zu ignorierenden" aufgrund Belästigungen, etc. in allen Communities sperren muss, in denen er/sie registriert ist.
Dies könnte dann tatsächlich eine "unzumutbare Härte" sein oder werden.
Womit sich die Praxis von Unterlassungsklagen und Anzeigen auch auf diesen Online-Bereich ausweiten könnte.
Vorher allerdings steht zu vermuten, dass die Betreiber als Mediatoren viel stärker in "Haftung", oder besser in "Mitverantwortung" genommen werden als heute. So dürften Richter und Gerichte zunächst zumutbare Auflagen an Betreiber stellen, die Sicherheit der Nutzer zu garantieren oder bspw. unerwünschte, resp. belästigende Nutzer gänzlich erfolgreich und dauerhaft zu sperren.
Umso sinnvoller, je früher Plattformen und Betreiber wie StudiVZ ihre Sicherheits- und Privatsphärenpolitik ändern und Systeme anpassen. Sie kommen meiner Ansicht nach nicht darum herum und womöglich werden ihnen die Nutzer das per Mausklick irgendwann diktieren, sollten sie eklatant im Hintertreffen liegen.

Wenn der "Stalker" aber öffentlich gewonnene Informationen nutzt um damit öffentlich, also "offline" und real nachzustellen, zu verfolgen und "belästigen", dürfte die erste Erwägung der Informationsrestriktion zwar bestehen bleiben, aber dennoch Unterlassungsverfügungen an Bedeutung gewinnen.
Zumindest die gegen ebendieses Nachstellen mit umfänglicher inhaltlicher Definition.

Es kristallisiert sich also mehr und mehr heraus, dass nicht die öffentlich gewonnenen Informationen oder die "Nachstellung" im Web bei Communities das Problem sein könnte, sondern deren Portierung in das reale Leben.
Wobei man dann wiederum mit den Mitteln des heute angewandten und "bewährten", ich meine das nicht systemstabilisierend, Strafrechts agieren kann.
Die Einbeziehung der Betreiber und eine Ausdehnung der Herrschaftsbereiche der Staaten auf das Internet dürfte die Problematik "Online-Stalking" eher stark begrenzen.
Zumindest wenn man die Eins zu Eins-Konfrontation zweier Individuen betrachtet.
Dinge wie "üble Nachreden" in Netzwerken können damit natürlich nicht gemeint sein; diese dürften aufgrund der Einfachheit, Kostengünstigkeit und der "Netzgläubigkeit", die meiner Ansicht nach stetig zunimmt, zunehmen und sich intensivieren.
Inwiefern dies aber passgenau als "Stalking" zu bezeichnen ist, ist aufgrund obig deutlicher Definition zwischen zwei Individuen, privatsphärebeschränkend, doch eher fraglich.


Die zweite oben genannte Definition, "Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt" ist schon wirksamer und interessanter, wenn man "Annäherung" auch virtuell und "Kommunikation" als umfänglichen Begriff, also die "virtuelle Existenz inklusiv", versteht.
Dann wären Nachrichten in Communities mit Inhalt, Ziel oder Richtung "Belästigung" aufgrund dort gewonnener Informationen, oder mittelbarer Verwendung dieser, als "Stalking" zu bezeichnen.

Allerdings ist dann fragwürdig, inwiefern man "Kommunikation" überhaupt als definitorisches Element des "Stalking" verstehen kann, wenn Informationen und die eigene Person öffentlich zur Schau gestellt, ja dies geradezu erwünscht und erwartet wird.
Natürlich schmälert es eine Strafttat oder deren Bestand nicht im Geringsten, doch muss meiner Ansicht nach veränderte Kommunikationsgewohnheit des Individuums und der Gesellschaft selbst zu einer Bewertungsänderung oder zumindest -infragestellung führen.
Inwiefern es dann sogar als intensiver und störender bewertet würde, weil ebendiese Kommunikationsformen und -mittel mittlerweile zum "Standard" gehören und für einige sogar "notwendig" sind, steht dahin.

"Annäherung" und "Kommunikation" im Sinne öffentlicher Plattformen kann aber wiederum, wie oben bereits kurz dargetan, durch ebendiese Plattformen administrativ oder - sofern gegeben - durch deren Nutzer beschränkt oder einseitig unterbunden werden.
Auch hier sollte das Individuum, dass angibt "bestalkt" zu werden, zunächst Schritte unternehmen um dies zumindest einseitig und für diese spezifische Person zu unterbinden.
Tut es das nicht, sollte dies mindestens bei der Strafzumessung berücksichtigt werden, ist dessen Verhalten dann doch "ambivalent".

Diese zweite Definition aber bietet deutlich mehr Raum für potenzielle Anwendbarkeiten auch im virtuellen Raum, der sich anscheinend immer stärker Einfluss und Platz nimmt im menschlichen Leben.
Nun könnte ich noch themenfern auf die Selbstwahl dessen eingehen, doch erfolgt dies in einem anderen Beitrag.


Mein Befund ist in sich unschlüssig:
Einerseits kann man das "grabben" öffentlich zugänglicher Informationen meiner Ansicht nach nicht als "Stalking" oder "Nachstellung" bezeichnen.
Des Weiteren gehe ich davon aus, dass dem Individuum bis zu einer "Zumutbarkeitsgrenze" auferlegt werden und sein dürfte, die Weitergabe von Informationen virtuell an "unerwünschte Personen" zu unterbinden.
Auch und gerade dafür bieten aktuell verwendete Communities verhältnismäßig gute Möglichkeiten, wenn sie auch nichts gegen den Datenhunger und die -weitergabe an deren Betreiber tun und intensionär tun wollen.
Auch das Kontaktieren mittels Online-Communities kann nicht per se als "Stalking" bezeichnet werden, egal mit welchen Informationen dies geschieht.
Allerdings ist das wiederum eine Verantwortungsumkehr für eine eigentlich gesellschaftlich "unerwünschte" und damit von diesre sanktionierten Handlung; wird das Individuum doch zur Sicherung der eigenen Privatsphäre zunächst zur Beschränkung seiner "public personality", also öffentlich zugänglichen Informationen, aufgefordert.
Dies könnte eine zumutbare, unter gewissen umständen aber auch unzumutbare Härte darstellen, so bespw. wenn es auf umfängliche öffentliche Informationen seiner Person existenziell - beruflich - angewiesen ist.
Der Regelfall allerdings dürfte anders aussehen und daher mit oben genannter Verantwortungsumkehr einher gehen.
Sind solche Community-eignen Optionen umfänglich ausgeschöpft, versteht sich intensivere Strafverfolgung schon von selbst.

Die Kernfrage einer möglichen Abwägung und des Interesses wäre also, inwiefern also ein Nutzer einen anderen "ignorieren", oder ihn mittels wie auch immer gearteter "Igonore-Funktion" von neuerlicher Kommuninkation abhalten muss, bevor er/sie weitere rechtliche Mittel rechtmäßig und mit Erfolgswahrscheinlichkeit in Erwägung ziehen kann/sollte.
Auch hier bleibt der Befund ambivalent: Rein rechtlich sollte man zu solchen Maßnahmen nicht erst gezwungen sein, doch dürfte die Praktikabilität aufgrund schier riesiger Datenmengen, bisher inkonsequent kontrollierbarer Plattformen und unterfinanzierter Behörden dazu nötigen.
Rechtsbeugung also zunächst voraus.

Festzuhalten ist allerdings, dass eine "Annäherung" und "Kommunikation", die nach "Ignorieren", also Beschränkung bzw. Verunmöglichung derer, aufhört bzw. nicht weitergeführt wird oder mglw. würde, nicht als "Stalking" im strafrechtlichen, harten Sinne mit direkter Folgewirkung bezeichnet werden kann oder sollte.

Freitag, 11. Dezember 2009

#Twitter - Web2.0 und Online-Communities am Beispiel #studivz und #bildungsstreik

Die eben getätigte Twitter-Tag-Suche nach "#N115" brachte ansatzweise etwas zutage, wovon ich seit geraumer Zeit rede.
Keine großartige Neuerung, so oder ähnlich alles in anderen Medien schon vorgekommen.

In Zeitungsartikeln, also Content, bezieht/bezog man sich normalweise auf erfundenes oder real stattgefundenes, Personen, Ereignisse, Meinungen oder Kommentare.
Den Realitätsgrad konnte man doch irgendwie fassen.

In einem über Twicker.net bezogenen Tweet, leitet der User "OSchleicher" ein Bild an seine Follower und die Tags "#N115", "#Bildungsstreik", "#TU" sowie "#Chemnitz" weiter.
Auf diesem seien nach eigenen Aussagen "Gruppen", ein Feature der Online-Community, in diesem Falle StudiVZ, zu sehen und zwar von
"einem der Streikenden",
genauer

"(Domaininhaber vo (cont)".

Auf diesem Bild ist ein Profil des Users "Maximilian Schneider" und als einzige Informationen solch illustere Gruppen wie "Arbeit ist Luxus und Luxus können wir uns nicht leisten" oder "Kapitalismus abschaffen" ersichtlich.

Insofern gab der Profilinhaber, der nicht mit dem angegebenen Namen übereinstimmen muss, seine Gruppen zur öffentlichen Einsichtnahme frei.

Der Twitterer "OSchleicher" wollte mit einem solchen Tweet mutmaßlich auf eine "Gesinnung" des "Domaininhabers" und einer der Hauptprotagonisten des Streiks hinweisen; dies kann eigentlich nur mit negativem Touch geschehen sein, ansonsten muss nicht explizit auf die "Gruppen" verwiesen werden. Es hätte auch genügt mitzuteilen, man habe ein Profil gefunden.
Der Verweis auf die Gruppen soll den Betrachter auf etwas aufmerksam machen.

Später, nach 2 Stunden etwa, retweetet, das heisst, dass ein Twitterer einen Tweet an die eigenen Follower und unter seinem Nick mit Tags an alle anderen weitergibt, ein anderer Twitter-User mit dem Nick "JN_Chemnitz", unschwer als Account der "Jungen Nationaldemokraten Chemnitz" zu identifizieren, den von "OSchleicher" erstellten Tweet.
In diesem wird der Satz "Was in Chemnitz alles streikt!" sowie "Gruppen des Inhabers von bildungsstreik-chemnitz.de" verwendet.
Letzterer Einschub ist nicht kritikwürdig, er entstellt den ursprünglichen Tweet nicht, vielmehr zeigt er pressiert auf, worum es geht, was beim ersten nicht sofort deutlich wird.
Ein eigener Kommentar vor einem "RT", als Einleitung des Retweets und Übergabe für Twitter, ist usus.
Doch wird durch das bewusst gewählte Wort "Was" eine bereits latent menschenverachtende Gesinnung deutlich, beschreibt der Autor eine mutmaßlich hinter dem Profil stehende Person als Sache, als Gegenstand.
Dies ist mindestens eine Verächtlichmachung und Agitation.
Der nachfolgende Verweis auf die Gruppen und das ursprüngliche Bild tut sein übriges nach dem ersten Kommentar weiter Kritik und Wut zu schüren.

Eine Stunde später "ärgert" sich der ursprüngliche Twitterer über einen "falschen" Retweeter, der seinen Tweet in ein "falsches Licht" gerückt habe.

Nun ist es unzweifelhaft klar, dass der Post durch den Kommentar vor dem Retweet einen Einschlag bekam, der so vorher offensichtlich nicht intendiert war.
Deutlich wird an diesem Beispiel auch, wie weit die Verzahnung von reinen Online-Informationen, also in dynamisch abgefragten Datenbanken, mit realitärer Wahrnehmung und Befassung bereits fortgeschritten ist.
Sehr viele Studierende verfügen aus welchen Gründen auch immer mittlerweile über Profile in Online-Communities, so auch und gerade im StudiVZ.
Normalerweise gibt dies keinen Grund zum Anstoss, wenngleich viele sogar ein die Echheit zumindest nahelegendes Profilfoto beigeben.
In diesem Falle ist nicht einmal das gegeben, weshalb man zumindest einkalkulieren muss, dass es sich auch um ein Fake-Profil mit einem erfundenen Namen handeln könnte.
Dies wird aber nicht getan; entweder ist man sich sicher, die richtige Person und damit die Identität dieser mit dem Profil zu kennen oder es interessiert schlicht nicht.

Der Post des Users "OSchleicher" legt aber nahe, dass er mit dem Inhaber des Profils zumindest nicht sehr eng befreundet sein dürfte, sonst hätte er die Kritik wohl nicht zuerst und womöglich einzig über Twitter verbreitet, Kompetenz und Nachdenken einmal vorausgesetzt.

Falls die Identität als gesichert gelten kann, ist es trotzdem außergewöhnlich auf welcher Basis sich welche User echauffieren. Auf Basis eines Community-Profils, welches einzig Gruppen freigegeben hat.
Ehedem muss man annehmen, dass der ursprüngliche Ersteller mit den Gruppen eine Art "Statement" setzen wollte, doch kann man selbst dann nicht auf die Authentizität des Users oder auch auf die einhundertprozentige Übereinstimmung mit den Gruppennamen oder Inhalten schließen.
Zumal der Raum für Differenzierungen aufgrund solcher Gruppen vollkommen fehlt. So muss man nicht an einer Neuauflage der Rotan Armee Fraktion (RAF) arbeiten um in der GRuppe "Abschaffung des Kapitalismus" richtig zu sein.

Hier wird also ein Inhalt zur Basis eines neuen Inhalts gemacht, ein Profil zur Basis eines Tweets, der wiederum Basis für einen anderen Tweet ist.
Ob es dem Außenstehenden oder Leser möglich ist, diese Grundlagen real nachzuvollziehen ist an sich irrelevant.

Deutlich wird, wie Menschen oder Inhalte mittlweile auf Profile reduziert werden können und wie problematisch es sein kann, Inhalte in diesen freizugeben.
Denn egal ob der Name des Profils mit einer natürlichen Person übereinstimmt oder nicht, letztere dürfte gegebenenfalls Probleme haben sich glaubhaft von den anscheinend als wichtig und diskussionwürdig betrachteten Gruppen zu distanzieren.
Ungeachtet möglicher anderer Nachteile durch Bekanntwerden dieser, wobei ursprünglich mit öffentlicher Freigabe eher gerechnet werden musste.

Zum anderen das Faktotum des Kontrollverlusts eigener Urheberrechte und einmal ins Internet gestellter Informationen. Sie sind für jedermann zugänglich und können auch unterschiedlich interpretiert werden.
Die Aussage, ein "falscher Twitterer" habe eigene Inhalte in ein "falsches Licht" gerückt mag nachvolziehbar und richtig, aber doch wohlfeil sein.
Mit dem Klick auf "Update" gibt man das Recht am eigenen Post ab und solange keine groben Rechtsverstöße vorliegen, können andere User retweeten oder damit tun und lassen, was sie wollen.
Die Kategorie "falscher Twitterer" ist auch fragwürdig, impliziert sie doch die Unterscheidung zwischen "falschen" und "richtigen". Manichäische Kategorien. Und diese bringen aufgrund maximalem Subjektivismus recht wenig.

Dies und die Reduktion eines Menschen, oder die antizipierte mutmaßlich wahrscheinlich korrekte Wahrnehmung desselben einzig über ein Profil ist eine neue, andere Qualität.
Es ist ein anderes Verständnis von Communities und "Vorverurteilung".

Montag, 7. Dezember 2009

Twitter und Topsy

Es ist durch den öffentlichen Code möglich, API-Funktionen zu verarbeiten und so Daten direkt aus Twitter in Echtzeit anzuzeigen und zu verknüpfen.
Als ich per Google nach meinem Namen suchte, kam mir auch ein Tweet mit einem von mir weitergegebenen Link ins Blickfeld. Zunächst meinte ich das einfache Suchergebnis von Google vor mir zu wissen, ist mir doch bekannt, dass Google Tweets indexiert.
Allerdings sah ich neben den Worten "Twitter" und meiner von dort übernommenen Selbstbeschreibung auch links postet by.
Dies machte mich neugierig und sogleich ließ ich das Ergebnis in einem neuen Fenster öffnen.

Der Internetdienst "Topsy" liest mittels API Tweets aus und filtert jene mit enthaltenen Links heraus, zählt diese und ordnet sie dem abesendenden Twitter-Account zu.
Damit aber noch nicht genug: Es lassen sich nicht nur alle jemals vom Twitter-Account verschickten Links ansehen, auch die Retweets und Tweets anderer Twitter-User zu einem Link werden gezählt.

So ist beim Dienst unter meiner Twitter-Kennung für jeden Internetnutzer einsehbar, wozu ich wann welchen Link twitterte.
Die Zeitangabe bleibt mit einer Tagesdistanzangabe eher unkonkret.
Trotzdem lässt sich mit einem Klick bspw. auf meinen vorherigen Eintrag bzgl. Oskar Niedermayers Besuch an der TU Chemnitz feststellen, welche Twitter-Accounts diesen Link retweeteten - in diesem Falle zwei; des Weiteren werden die eventuell verwendeten Hash-Tags ausgelesen und angegeben.

Dies funktioniert mit jeden beliebigen User und jedem beliebigen irgendwann getwitterten Link.

Das ganze ist eigentlich grandios, lässt sich so doch die Attraktivität des eigenen Contents mittelbar durch die Anzahl der Retweets, stellt man automatische bot- oder API gesteuerte Tweets hintan, erfahren.
Allerdings werden hier auch eine Menge Daten preisgegeben; so lässt sich kompakt, äußerst einfach und schnell herausfinden wann was mit welchem Verweis getwittert wurde.
Ein Unternehmen könnte hier bspw. direkt nach dem eigenen Namen suchen und die Retweets bewerten lassen. Auch eine solche eher "qualitative" Bewertung ist durch die Vernetzung der Twitter-Accounts und die API bereits möglich. Je mehr aktive Twitterer einen Link empfangen und retweeten, desto interessanter wird er möglicherweise sein.
So könnte analog jede größere Institution oder bspw. Magazine/Zeitungen vorgehen und ein viel detaillierteres Bild über das Verhalten der Nutzer bzgl. getweeteten Contents erhalten.

Ich verstand ja bis vor kurzem nicht, wie ich einen Hinweis eines SPIEGEL-Artikels, Twitter könne irgendwann Geld mit dem Abruf der Daten der einzelnen Twitterer für extern und intern verdienen, verwerten sollte.
Meine Daten sind doch ganz einfach vorhanden, ich entscheide was ich wann wem twittere und kann das auch jederzeit einsehen.
Allerdings entscheide ich wie im Web2.0 allgemein nicht, was mit den einmal verschickten Daten passiert. So behalten sich Communities wie Facebook oder das StudiVZ Nutzungsrechte an einmal hochgeladenen Fotos vor.
Diese Twitter-Link-Auslese erzeugt aber neuen Content auf von mir und anderen erzeugten Content. Dieser hat offensichtlich keinen Besitzer; meiner ist er nicht, da ich durch das Absenden des Tweets Rechte an den Twitter-Dienst abtrat und nicht weiß/wusste, dass ein solcher Linksammeldienst überhaupt existiert.
Dieser neu erzeugte Content könnte aber für mich persönlich wichtig sein oder werden, wenn ich bspw. über die Attraktivität meiner Tweets und den darin gesendeten Links erfahren möchte.
Außerdem ist es vollkommen unklar, wie man solche vorher gänzlich unbekannte neue Contents überhaupt wieder aus dem Netz enfernen kann, wenn man erstens kein Urheberrecht daran besitzt und zweitens keine Kenntnis von der Dienstexistenz als solcher hat.

Die Folge der erneuten Datenexpression selbst ist sicher nicht intensiver als einen Twitter-Account regelmäßig zu pflegen und aktiv zu twittern, obgleich dies von Gewohnheiten und Themen beeinflusst wird.
Allerdings bereitet bspw. der Topsy-Dienst gerafft und übersichtlich einen ganz speziellen Informationsanteil dieser Twitter-Nutzung auf und das nicht nur für mich, sondern für jeden Internetnutzer der suchen und finden kann.
Was mit Google mittlerweile wohl so ziemlich jeder kann.
Durch das Page-Rank-Verfahren Googles findet sich der Topsy-Dienst im Übrigen nach wenigen Tagen bereits auf Nummer eins der Ergebnisliste.

Sonntag, 13. September 2009

Schlag den Raab - War da was?

War am Abend des Samstag, 13.09.2009, etwas?
Ich zumindest sah Schlag den Raab, anfangs eher beiläufig und desinteressiert im Internet lesend und stöbernd.
Mit zunehmender Zeit auch aufgrund meines Firefox-Twitter-Addons mit wachsendem Interesse.

Nach der Sommerpause stellte sich Raab einem Kandidaten mit Namen "Hans-Martin", seines Zeichens Sportler, ehemaliger Tennis-, Fussball- und Volleyballspieler sowie ehemaliger Leistungsschwimmer mit einem von ihm in der Vorstellung angegebenen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten.

Im Laufe des Abends übernahm das Thema "Hans-Martin" und "Schlag den Raab", kurz #SdR, bei Twitter, dem populären und exponentiell wachsenden Microbloggingdienst, fast vollständig die Führung bezogener Tweets.

Und die Kommentare wurden kritischer und mit zunehmender Zeit auch heftiger.

Zu allererst fällt mir an diesem "Fall" die enorme und schnelle Verarbeitung mit und durch Twitter auf.
Hans-Martin hatte einen fünf Stunden Auftritt auf ProSieben und bereits nach zwei Stunden existierten über 3000 Tweets zum Thema #SdR oder #Hans-Martin.

Nun benahm er sich nicht, wie sich ein Kandidat im Fernsehen und dazu noch in ungewohnter Umgebung benehmen sollte.
Ihm sollte normalerweise daran gelegen sein, das Publikum nicht zu verärgern, es doch eher auf seine Seite zu ziehen.
Dies misslang Hans-Martin vollständig, wenn er dies überhaupt jemals vorgehabt haben sollte; zuletzt wurde er sogar nach seinem Sieg vom Publikum ausgebuht - ein Novum seit ich diese Show sehe.
Eine weitere Erklärung wäre, dass der Kandidat von Anfang an auf Konfrontationskurs in die Show ging und zur Selbstmotivation und Aufrechterhaltung der Aggressivität seinerseits auch beibehalten wollte. Ab und an äußerte er, sich keine "Freunde" machen zu wollen, sondern Geld gewinnen zu wollen.
Dies scheint eine nicht unlogische Begründung für sein Verhalten zu sein, müssen sich Leistungssportler doch häufig selbst motivieren um ständig hohe Leistungen abrufen zu können.
Doch hätte er auch das ein wenig "intelligenter" tun können?
Nicht, wenn er - wiederum spekulativ - möglicherweise schon früh feststellte, unter hohem externen Druck gute Leistungen vollbringen zu können; dann wiederum kann eine gefühlte und tatsächliche "Außenseiter-Position" für eine "jetzt-erst-recht"-Stimmung sorgen.

Allerdings gibt es Hinweise, dass diese gerade genannte Argumentation zumindest planloses Verhalten in Teilen ausschließen muss.

Als es im Spiel "Filmplakate" um den von Hans-Martin erkannten Film "Madagaskar" ging, entgegnete er nach dem Anwurf Raabs, was er doch für Filme sähe, er hätte sich "diesen Quatsch" normalerweise auch nicht angesehen.
Dieser Ausspruch zeugt doch eher vom Willen, sich mit Raab gemein machen und auf seiner Ebene agieren zu wollen; das Publikum und den Kommentator/Moderator aussen vor gelassen.
In Raabs "Wohnzimmer" aber auf dessen Augenhöhe spielen zu wollen ist mindestens vermessen, wohl doch eher dumm.
Zumal sich ersterer davon zumindest nicht ersichtlich stören ließ, zog er seinen ruhigen, in sich gekehrten Spielstil doch mehr oder minder bis zum Ende durch.
Allgemein geht es in dieser Show weniger darum, durch Aktion Raabs Kandidaten bloßzustellen, sondern das Geld nicht auszuzahlen, also zu gewinnen.

In dieser Show musste Raab auch nicht agieren um eine Bloßstellung des Kandidaten zu erreichen, sorgten dafür doch schon Frank Buschmann, Kommentator, und vorallem Martin Opdenhövel, Moderator, und in Teilen das Publikum.
Raab selbst musste nichts anderes tun, als die Spiele routiniert zu absolvieren und am Ende schließlich die beliebte Märrtyrer-Pose des guten Verlierers im Bewusstsein des "eigentlichen Gewinners" aufsetzen.
Er und ProSieben können sicher sein, höhere Einschaltquoten als durchschnittlich bei SdR erzielt zu haben und dies vermutlich auch in kommenden TVTotal-Sendungen zu können, so man sich mit diesem Thema beschäftigt.

Und auf Twitter zeigen sich schon erste weitere Vermarktungsansätze diesbezüglich.


In kurzer Folge erschienen viele Reaktionen auf Hans-Martins SdR-Auftritt, nicht nur aber hauptsächlich bei und über Twitter.
So eine Weiterleitung eines Scherzinfarkt-Artikels, in dem Florian Meyer über Plattformen wie Twitter und Facebook schreibt.(1)
User, die die teilweise unkritische Berichterstattung kritisieren liegen nicht falsch, fallen doch kaum kritische Kommentare wenn auf Tweets Bezug genommen wurde.

Daniel Philip Schuster schrieb kurz nach Ende der TV-Show in Reaktion auf Tweets und Webartikel einen nachdenklichen Kommentar in seinem Blog.(2)

Der nicht unbedeutende und zukünftig diskussionswürdige Kernsatz auf den Punkt bringend:

Willkommen im Internetzeitalter.


Das gipfelt in der seiner Ansicht nach bedeutenden Frage, ob das Internet "anonym" bleiben darf.
Hier sei nur kurz auf bekannte Fakten verwiesen.
Das Internet ist schon lange nicht mehr "anonym"; einem jeden Post kann - theoretisch und mit Aufwand - ein User und eine eineindeutige, straffähige IP-Adresse zugeordnet werden.
Durch verschiedene Maßnahmen der Telekommunikationsüberwachung und -speicherung ist solcherart noch leichter möglich geworden.
Von "Anonymität" kann also keine Rede sein, eher von einer Kommentarflut, dem die Strafverfolgungsbehörden bei einem Anfangsverdacht mglw. gar nicht herr würden. Obgleich in diesem Falle auch kaum Ansatz bestehen dürfte.

Persönliche und niveaulose Angriffe sind auch nicht selten, so kleinere, schmähende Fotomontagen:




Ein deutlich minderjähriger männlicher Zuschauer und Youtube-Nutzer stellte ein fast einmüntiges, durch gespielte oder tatsächliche Entrüstung niveauloser Art seine Kritik an Hans-Martin teilweise kritisch relativierend in den Schatten stellend, Video auf genannter Plattform ein.
Hierbei fragt sich, ob er sich persönlich betroffen fühlt, oder, wie andere Kommentatoren mglw. nicht zu unrecht schlussfolgern, ein Aufmerksamkeitsdefizit kompensieren möchte.
Doch ist es selbst dann die einzigartige Nähe, die Direktheit des Videos, was bemerkenswert ist.
Das und die bereits über 300 Views.



Die Zahl und Art der über Twitter verbreiteten Kommentare überraschten mich einzig wegen des zugrunde liegenden Themas; über die Möglichkeiten und Funktionsweisen des Dienstens sollten spätestens seit der Iran-Proteste kaum noch Zweifel oder Unklarheiten bestehen.
Doch wurde der Dienst hier verwendet, um virtuell gegen eine real-existierende Person zu bashen.
Dabei können die Absender der Tweets wohlgemerkt zunächst mittels Pseudonyme eine "relative Anonymität" erreichen.
Twitter ist in Deutschland auch weiterhin eher unterrepräsentiert, somit stürzen sich einige wenige Internet-Affine virtuell auf eine real-existierende Person und ergehen sich doch mehrheitlich in negativer Kritik bis hin zu Schmähkritik.
Hierfür dürfte die Hoffnung und Meinung verantworlich sein, doch etwas "zu sagen zu haben" oder zumindest Meinungen über das Auftreten eines Menschen in diesem TV-Format äußern zu sollen und dürfen.

Dabei ist das, was wir da sehen konnten, bei nüchtern-rationaler Betrachtungsweise gesellschaftlich gewollt, gesteuert, erzeugt, goutiert und erwartbar.

Eine Show, die mit einem Preisgeld von 500000EUR aufwartet für "Spiele" die selbst in ihrer Gesamtheit nicht annähernd dieses Geld wert sind.
Ein Stefan Raab, angestellter des Fernsehsenders ProSieben, der Aktiengesellschaft ProSiebenSat1, der die Show und den Kandidaten als das betrachtet was sie sind und immer waren: Optionen Geld zu verdienen und sich in die Schlagzeilen zu bringen oder dort zu halten. Was nicht heisst, dass ihm das ganze keinen Spass machen kann.
Aber genauso wie schon einige Kandidaten vor Hans-Martin gegen Raab spielten und teilweise gewannen, wird dies auch zukünftig so sein. Zumindest solange das Format weiterhin Erfolg hat.
Und gerade in meinen Augen - das muss ich zu meiner selbst erkannten Schande gestehen - war der gestrige Fernsehabend gute Unterhaltung; weniger wegen guter sportlicher Leistungen, doch wegen der Reizfigur Hans-Martin und der Atmosphäre des Publikums.
Blieben da noch Opdenhövel und Buschmann, die sich zuletzt eine parteiische Allüre nicht verkneifen konnten. Doch steht beiden dies keineswegs gut zu Gesicht: Opdenhövel sollte die Show nüchtern moderieren und vorallem Buschmann als sonstiger Sportmoderator wissen, was es für einen Kandidaten bedeuten kann dort aufzutreten und wissen, wie das Geschäft läuft.

Ein kontrapunktiver Lichtblick in diesem Zusammenhang war dann eine der letzten Äußerungen Buschmanns, er finde es vollkommen richtig, dass Hans-Martin eben nicht in der Show sei um Freunde zu sammeln, sondern einzig um mit dem Geld nach Hause zu gehen.
Das ist ein Hinweis darauf, dass alle Beteiligten eine gute, fast perfekte Unterhaltungsshow inszenierten. Und selbst Hans-Martin sollte von seinen "Aussagen" profitieren, wird er doch mutmaßlich bei Raabs Show "TVTotal" auftreten und den gespielten Konflikt noch ein wenig zur Schau tragen.
Raab lieferte ein gutes Produkt und sicherlich gute Werbeeinnahmen; der Sender dürfte nicht unzufrieden sein, die Einschaltquoten zumindest nicht unterdurchschnittlich, das mediale Echo ebensowenig.

____________________________
(1): Meyer, Florian: Wenn Dich ganz (Twitter-)Deutschland hasst, http://www.scherzinfarkt.net/2009/09/wenn-dich-ganz-twitter-deutschland-hasst/; letzter Zugriff: 13.09.09 02:55 Uhr.

(2): Schuster, Daniel Philip: Hans-Martin bei SDR (Schlag den Raab), http://daniel-p-schuster.com/evident/2009/09/13/hans-martin-sdr-schlag-den-raab/; letzter Zugriff: 13.09.09 02:59 Uhr.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Twitter-Song

Da ich nun auch seit etwa einem Monat dabei bin, hier mal etwas, was mich garantiert davon abgehalten hätte ;)

Link: Der Twitter Song!