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Montag, 4. Juni 2012

#Zeit und #ZEITOnline auch nicht besser als #Facebook - #datenschutz und Accountlöschung

In diversen Beiträgen regte ich mich ja schon mehr oder minder deutlich über Facebook auf, beklagte die angebliche "Selbstdemütigung des Nutzers" um die Community überhaupt langfristig nutzen zu können oder ging auf das quasi autokratische System ein.

Die Kritik muss sich aber auch auf andere Angebote übertragen lassen, nicht nur Facebook selbst. Es scheint ein Phänomen des Digitalen zu sein, in einer Welt, wo hauptsächlich oder "nur" Daten zählen, "Dienste" mit persönlichen Daten bezahlt und den Werbekunden gegenüber finanziert werden und die Staaten sich auch weiterhin eher schwer tun zu regulieren.
Immernoch hält sich die von den Piraten oder zuletzt auch von Vetter vom "law-blog" vorgetragene Ansicht, Dinge, die einmal eingestellt seien, könnten nicht mehr gelöscht oder kontrolliert werden.
Das stimmt in der Tendenz sicher für das Internet als solches, keineswegs aber für die einzelnen Angebote wie Facebook, Twitter oder Studivz.

Montag, 21. Mai 2012

Zum "deutlichen Sieg" für #Hollande gegen #Sarkozy in #Frankreich

Auch kurios, was da bzgl. Wahl von Hollande, PS, in Frankreich ablief.
Nicht nur, dass SpiegelOnline recht frühzeitig vom Sieg gegen Sarkozy, UMP, titelte. Es wurde auch von einem "deutlichen" Sieg geschrieben.
Leider finde ich den am Wahlabend diesbezüglich gelesenen Artikel nicht mehr.

In einem anderen Artikel weist SPON darauf hin, dass in Prognosen "Je nach Institut [...] der 57-jährige Hollande demnach fünf bis sechs Prozentpunkte vor Sarkozy" gelegen habe.
Schlussendlich war das Ergebnis deutlich knapper.

Laut wahlrecht.de erhielt Hollande im zweiten Wahlgang 51,6 Prozent aller Stimmen, Sarkozy hingegen "nur" 48,38 Prozent.
"Nur", da einzig Valéry Giscard d’Estaing im Jahr 1974 mit einer noch geringeren Zustimmung gewählt wurde. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Über 48 Prozent aller Franzosen wollten Hollande nicht - egal, ob sie Sarkozy vielleicht auch nur für das "kleinere Übel" gehalten haben mochten.
Vor der Wahl gab Frau Le Pen keine Wahlempfehlung ab; unklar ist, inwiefern der überzeugte Rechtswähler das Kalkül dahinter, die Aushöhlung und Aufspaltung des bürgerlichen Lagers, verstand und goutierte.
Ansonsten kann ein Rechtsextremist oder -radikaler kaum an einem linken oder sozialistischen Präsidenten interessiert sein. Denn regelhaft dürfte dieser die gesamte Amtszeit durchhalten.

Im Vergleich zur letzten Wahl, 2007, stieg die Zahl der Nichtwähler und sank die Zahl der Wähler; auch die Zahl der Ungültigen und Enthaltenen nahmen zu.
Bayrou verlor knapp 10 Prozent, Marine Le Pen gewann mit dem FN 7 Prozent hinzu.

Alles andere als ein "deutliches" Ergbnis.

Freitag, 18. Mai 2012

Verquere Diskussion über #Plagiate und #Akademikerschwemme #schavanplag

Was an Diskussionen über Doktorarbeiten von Politikern und eventuellen Plagiaten und Plagiatsvorwürfen irritiert sind Äußerungen wie folgende:

"Und inhaltlich sind die Plagiate meiner Meinung nach eindeutig, aber lange nicht so schwerwiegend wie in anderen Fällen: Frau Schavan hat nicht ordentlich zitiert, aber auch nicht seitenweise abgeschrieben" (SPON 06.05.2012)
 Irgendwie läuft da einiges falsch bzw. verquer.
Frau Schavan kann öffentlich behaupten, 
"man könne nie ganz ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden" (vgl. Mokanter Beobachter, 04.05.2012)
Da ist also jemand, der "nicht ordentlich zitiert" habe. Ohne Befassung der "Plagiatsjäger" wäre die Arbeit Schavans vermutlich nie mehr überprüft worden.
Wer aber "falsch zitiert" darf die Möglichkeit zur Korrektur erhalten; wird diesem nicht ausreichend bzw. ordnungsgemäß nachgekommen, muss der Titel aberkannt werden.
Welche Rolle sollte der Umfang des Fehlverhaltens spielen?

Die Regeln der Zitation mögen nicht so streng oder nicht so einfach übreprüfbar gewesen sein, damals in den 80ern und 90ern.
Welche Relevanz oder Qualität weisen solche Titel aber auf, wenn sie mindestens 10% Inhalte anderer Autoren und Gedanken enthalten? Und wenn diese nicht korrekt angegeben wurden? Wie soll man Schavan zitieren, wenn man genau vom Fehlverhalten weiß? Darf dann nur der Rest, also die anderen 90 Prozent des Textes, problemlos zitiert werden und die in Rede stehenden Reste müssen zunächst selbst recherchiert werden?
Und wo kommen wir hin, wenn man jede Arbeit, welche mit guten oder sehr guten Noten versehen wurden, erst auf "Richtigkeit" und "korrekte Zitation" prüfen muss?

Es geht hier, wie manchmal augenzwinkernd angedeutet, auch nicht um "Urheberrecht" gegen "Freibier für Alle". So könnte man die Piratenpartei und ihre Anhänger mal wieder "verunglimpfen": Fordern die Abschaffung des Urheberrechts und bestehen auf korrekte Angabe anderer Urheber in Doktorarbeiten.
Es geht ab nicht einmal um das Urheberrecht als solches, sondern die Angabe fremder Urheberschaft. Denn ob Schavan ihre Arbeit vermarktet oder dies getan hätte, ist nicht Element der Diskussion. Sondern auch, ob sie ihren eigenen Standards, welche sie gegenüber zu Guttenberg im "Fremdschämen" andeutete, gerecht wird.

Welches Bild zeichnet das alles überhaupt?
"Abschreiben" sei "normal" und fände ohnehin bei den meisten Arbeiten statt? Das mag so sein, davon kann man auch bei aktuellen Studierendenarbeiten in recht großer Zahl ausgehen. Besitzt das dann aber alles irgendeinen Wert?

Ich sehe dahinter ja immernoch die Folgen einer  übertriebenen Akademisierung der Gesellschaft, gewollt erhöhter Abiturienten- und Studierendenquoten.
Wo Hochschulabschlüsse und Titel höhere Einkomen und Vermögen fast schon "garantieren", da findet Titelinflation statt. Denn funktionierte das System der "Bestenauslese", welches nur die Besten zu den höchsten gesellschaftlichen Weihen und Ressourcenkontrollen führen solle, dann dürften Menschen, die abschreiben, nicht komplett selbst denken können oder wollen bzw. einfach nicht kreativ oder intelligent genug sind um einen Titel rechtfertigende "neue Gedanken" zu Papier zu bringen, eben keine solchartigen Abschlüsse erhalten.
Die Akademikerquote wäre dadurch geringer insofern, dass auch Absolventenarbeiten kritischer auf Inhalt und Korrektheit geprüft werden müssten.
Für Hochschulsysteme, welche mittels privaten Elementen auch gewisse "Absolventenquoten" als "Output" erfüllen müssen bzw. wollen um "Qualität" zu zeigen, dürfte das infrage stellend sein.
Man darf ja nicht nur auf das zweifelsohne kritikwürdige individuelle Fehlverhalten des "Betrugs" abstellen, sondern muss sich Systemparameter und -umstände besehen.
In eine ähnliche Richtung ging zuletzt ein "Hörspiel" im Deutschlandfunk "Europa, eine Plagiate-Saga" in dem ein fiktiver Mitarbeiter der Europäischen Union eine einstmals abgelegte und unvollendete Doktorarbeit abgeben wollte, da er sich von den Kollegen und Vorgesetzten für nicht ausreichend "kompetent" gehalten wurde.

Ist ja auch interessant, was gewisse Medien thematisch und richtungsleitend daraus machen.
So wurde zunächst latent versucht, dem "Schavanplag" selbst Kopiererei und Fremdnutzung vorzuwerfen. Außerdem hiess es, ein angeblicher "Konsens" im "Vroni-Plag" sei missachtet und entgegen eines Abstimmungsergebnis veröffentlicht worden.
Dies wurde in einem Interview mit SPON nun richtig gestellt:
 Auch im eigenen "schriftlichen Interview" mit "schavanplag" wird versucht, dies als "ehrenrührig" darzustellen - manchmal meint man, die Veröffentlichung sei schlimmer als der Anlass dieser selbst:
"Die Mitglieder von VroniPlag stimmten ab, was mit den Ergebnissen der Schavan-Recherche geschehen soll - und eigentlich war die Mehrheit dagegen, die Ministerin bloßzustellen. Warum haben Sie im Alleingang veröffentlicht?"
 "Eigentlich war die Mehrheit dagegen, die Ministerin bloßzustellen". - was soll ein solcher Ausdruck? Was soll in diesem Zusammenhang "bloßstellen" überhaupt bedeuten?
Was im "schavanplag" passierte, ist ein Vergleich zwischen der Doktorarbeit einer Titelträgerin mit externen Quellen. Die Verwendung von Wörtern wie "Bauernopfer" dürfte nicht ausreichen um von einem "Bloßstellen" zu reden. Hier wird versucht, den Ansatz und die Motivation des Veröffentlichers zu diskreditieren um die Veröffentlichung als solche abzuwerten.
Die Person darf aber nicht mit der Kritik an der Arbeit vermischt werden - übrigens auch ein wissenschaftliches Prinzip, so bspw. bei "peer-reviews", Magazin-Artikeln, Zweit- und Drittgutachtern, etc.
Dass sich der Autor anscheinend für so wichtig und bedeutend hält, fast schon eine "Mission" zu haben, dies "nicht unter den Tisch fallen [zu; d.V.] lassen" mag man kritisieren. Aber wo gibt es keinen Egoismus?
Im Gegenteil: Im Bereich kapitalistischer Wirtschaft wird dieses Prinzip sogar zum allgemeinen, "fortschrittlichen" Prinzip erhoben.

Und das ganze weist ja auch auf ein impliztes Problem des Wissenschaftsbetriebs hin: Eigentlich wäre es Sache der Prüfer, der Prüfungskommission, der Doktorväter und -mütter, der Zweit- und Drittkorrektoren und der Universitäten allgemein, Arbeiten zu prüfen und auch ältere Titel bei Bedarf infrage zu stellen.
Das tun und taten sie aber schlicht nicht.
Dafür die "Plagiatsjäger" auch noch zu kritisieren, als "pinkelten sie Anderen ans Bein", dort, wo es doch eigentlich alles "gut funktioniert" ist schon grotesk.

Denn andererseits bekommen Universitäten bei gewünscht zu erhöhenden Akademiker- und Studierendenquoten kaum oder nicht ausreichend höhere finanzielle Mittel.
Mittel, mit denen sie beispielsweise Korrektoren bezahlen könnten.  Schavan trägt ihr Schärflein dazu bei.

Ist doch, in Anlehnung an obige Aussagen, interessant, wie es überhaupt funktionieren soll, dass jedes Jahr über Jahrzehnte hinweg mehr Studierende an die Universitäten strömen und auch mehr erfolgreich abschließen und die Qualität der Abschlussarbeiten mindestens gleich bleiben, eher steigen soll. Gerade in den "Geisteswissenschaften" mutet dies doch eher fragwürdig an. Dort hängt vieles aber auch stark vom subjektiven Eindruck des Prüfers und Betreuers ab, jedenfalls dann, wenn die Arbeit selbst formal korrekt, bspw. auch "richtig zitiert", ist.
Welcher "Output" wird in geisteswissenschaftlichen, für Plagiate wohl hauptsächlich anfälligen, Fächer überhaupt erwartet, gewünscht und wie wird er gemessen?
Da kommt es dann zu so kuriosen Themenwahlen wie bei Florian Grafs, Mitglied der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Doktorarbeit, welche sich mit der eigenen Berliner Partei und Fraktion nach "plötzlichem Machtverlust" befasst. Eigentlich "genug Stoff" und Platz zum Austoben eigener, analytischer Gedanken. Zumal dazu noch kaum etwas publiziert worden sein sollte.
Und dann trotzdem fälschen?
Trotzdem inkorrekt zitieren?
Trotzdem nicht angeben, welche Standardliteratur man verwandte? Oder worauf will man sich beziehen, wenn man eine fast schon "zeitgeschichtliche Arbeit" verfasst?

Mittwoch, 16. Mai 2012

Die #FDP nach Schleswig Holstein #wahl12

Rösler, FDP, versucht sich zu stabilisieren.
In Reaktion auf das Wahlergebnis in Schleswig-Holstein vom letzten Sonntag gab er auf Phoenix im Fernsehen versuchte er mal wieder eine "Vorwärtsverteidigung".

Wie auch bei seinem Froschvergleich Merkels, Kanzlerin, CDU, und dem folgenden Auftritt bei Lanz, ZDF, versucht er sich und seine Person sowie Handlungen mit Erfolgen der Partei bzw. von Wahlen zu verknüpfen.
Und versucht dies in einer offensiven Weise, die schon fast verzweifelt wirkt, mindestens aber "forsch".
Wie auf SPON am Wahltag selbst zu lesen war, sollen "nicht genannte" höhere Amts- und Mandatsträger der FDP an Szenarien zur Ablösung Röslers stricken.

Momentan profitiert die FDP von einem "Tiefer geht es nicht"-Gefühl bzw. einer solchen Berichterstattung. Je niedriger man die Partei schrieb, desto überraschender kann sie "gut" oder "besser" abschneiden.
Dann fallen auch eigentlich recht große Abschläge bei Wahlen, wie bspw. in Schleswig Holstein von knapp 7 Prozent kaum mehr ins Gewicht.
Denn diese Gewinne entsprechen nahezu exakt dem Netto-Zugewinn der Piratenpartei im Land und ist neben dem Verfehlen der 5%-Hürde der Linkspartei die größte Wahlniederlage dieses Ereignisses.
Die Berichterstattung dreht sich aber nun wieder stärker um die FDP und selbst die Piraten werden davon ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Falls sich die Prognose des Wiedereinzugs in den Landtag in NRW bewahrheiten sollte, dürfte sich dieses Moment noch verstärken - und Rösler vermutlich kaum zu halten sein.

Denn einerseits muss er sich Aufstrebern wie Kubicki oder Lindner erwähren; beide gelten nicht unbedingt als Rösler-Freunde. Der Versuch, diese relativen Wahlerfolge mit seiner Person zu verbinden dürfte nicht ausreichen um ihn letztendlich im Amt zu halten. Falls es zu einem Sturz kommen sollte, müsste dieser aufgrund nahenden Bundestagswahlen schnell stattfinden.
Kubicki verkörpert für sich genommen vorallem das, was die FDP demnächst dringender brauchen könnte: Eine Art "sozialliberale" Alternative, etwas glaubwürdiges in Richtung SPD.
In dieser Hinsicht ist mir die angebliche "Entbehrlichkeit" dieser Partei auch weiterhin nicht erklärbar. Die Piratenpartei ist zumindest momentan keine realistische Koalitionspartei, zumal sie "normale" Koalitionen gar nicht wünschen und sich für andersartige parlamentarische Zusammenarbeiten aussprechen.

Dies dürfte "besser" sein und auch absehbar umgesetzt werden - aber eben noch nicht heute. Bis dahin müssen die "etablierten Parteien" bestrebt sein, ebendiese Partei "klein zu halten". Dies schaffen sie aber nicht, indem keine "Handlungsfähigkeit" des bisherigen Koalitionssystems deutlich wird.
Wenn es stimmt, dass Piratenwähler nicht allein Protest ausdrücken, sondern auch andere (Teil-)Systeme wollen, dann könnten schon die Aufrufe und Diskussionen zu "Koalitionen" und "Koalitionsverhandlungen" zur weiteren Wählermobilisierung führen.
Manchmal könnte man denken, dass auch und gerade diese Partei für Einige ein "Fanal zur Abschaffung" oder "Niederschrift" der FDP bedeuten.
So wird von "politischer Korruption" geschrieben ohne dies durchgreifend zu substanziieren: Die sogenannte "Mövenpick-Steuer" mag man dafür doch wohl nicht ernsthaft heranziehen. Egal, wie man zur MwSt-Senkung für Hoteliers stehen mag, wurde diese auch von anderen Parteien und Landesverbänden, bspw. der Bayrischen SPD, gefordert. Und wer von "totaler Manipulation" schreibt, sollte auch ebendiese Worte zur Kenntnis nehmen: "Mövenpick-Steuer" oder "Herdprämie" sind politische Kampfbegriffe, welche es mehr oder minder unwidersprochen, nur teilweise kritisiert, in die mediale Berichterstattung schafften. Nicht immer nur auf die FDP oder andere draufhauen, auch selbst mal sehen, wie das System funktioniert.

 Sollte die FDP überleben, wogegen momentan wenig spricht, werden Mitgliedswanderungen zwischen diesen Parteien interessant zu beobachten sein: Wechseln mehr FDP'ler zu den Piraten? Oder umgekehrt?
Ich gehe bislang davon aus, dass sich einige Piraten irgendwann Richtung FDP verabschieden dürften - in Abstrichen noch Richtung Grüne.

Das "tiefer geht es nicht", oder "sie sind am Ende" findet übrigens auch ein Ende und kann zukünftig auch schaden. Dann nämlich, wenn Menschen bei zukünftig weiteren Wahlen davon ausgehen können, die FDP sei doch nicht "so am Ende", wie immer geschrieben worden. Und vorallem, wenn sich die FDP überschwenglich besser darstellt, als vor der Wahl ersichtlich.
Genau das passiert gerade in persona Merkel und bspw. Rösler - wie dort die "Siege" gefeiert werden, ohne wirklich kritisch, ruhig und bedächtig auf die Ausgangslage und herben Verluste zu verweisen ist problematisch.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Zur Kritik #SPD Parteireform und 13 Thesen #Böhnings

Vorhin ging mir per Twitter ein Blogeintrag von Björn Böhning (SPD) zu, der sich mit der Struktur und dem Auftreten der Partei nach innen und aussen befasst und "13 Thesen zur Parteireform" formulieren will.

Später wurde dies von Spiegel Online aufgegriffen.

Vieles ist nicht neu, vieles eher allgemein gehalten. So gilt "Näher bei den Menschen" sein zu wollen schon länger; Outputüberprüfungen bzgl. Mitgliederwerbung und -erhaltung sind auch nicht neu und oft durchgeführt/angedacht worden.

Durchaus interessant aber der Vorschlag bzw. die Forderung, Parteiämter und Funktionen nur noch an Mitglieder mit mindestens einem Ehrenamt vergeben zu wollen.

Aktives Engagement außerhalb der Partei, in Gewerkschaften, Initiativen, der (Pop-) Kultur, in Vereinen, dem Sport oder der Stadtteilinitiative muss als positiver Wettbewerbsfaktor beim innerparteilichen Aufstieg gelten. Als Goldene Regel sollte dienen: Wer nicht außerhalb der Partei mindestens ein Ehrenamt bekleidet, kommt auch als Parteifunktionär nicht infrage.

Diese Idee hatte ich vor geraumer Zeit auch und sie beschäftigt mich auch heute noch.
Doch gerade wenn man die "Öffnung" der SPD fordert, sollte man davon absehen Mitgliedschaften verschiedener "Klassen" zu installieren. Das Argument des "Wettbewerbs" ist ein nachvollziehbares, wenn auch gleichsam oberflächlich und nicht radikal zuende gedachtes, genau wie die Idee der "Wettbewerbs- und Leistungsgesellschaft" selbst.
Denn letztere, genauso wie die Leistungs- und Ressourcenzumessung gemäß Ehrenamt, hängt von individuellen Faktoren und Bedingungen wie Zeit und Ressourcen ab.
Es besteht also die Möglichkeit, dass zeitlich bereits eingespannte Mitglieder weiter belastet oder ihnen Funktionen vorenthalten werden. Ich halte das auch bzgl. innerparteiliche Demokratie sowie Gleichheit und -bedeutung des einzelnen Mitglieds für fragwürdig.
Bislang werden Mitglieder durch Gremien und Strukturen delegiert und gewählt; bei Umsetzung dieses Vorschlags aber machte man ein Amt und dessen Wahl von einer externen Bedingung abhänig.
Natürlich wäre es möglich, dass Parteitage und Gremien nur noch Mitglieder wählen, welche Ehrenämter bekleiden. Als Zugangshindernis allein dürfte dies unzulässig sein.

Allerdings verhehle auch ich nicht die mglw. positive Folge einer stärkeren ehrenamtlichen Verankerung der Mitglieder und später der Partei selbst. Genau das ist ein Problem der letzten Jahre.

Dann aber sollte sofort Mittel, Ressourcen und Zeit für das einzelne Mitglied zur Verfügung gestellt werden.

Wiewohl ich davon ausgehe, dass nicht nur Parteien von ihren Mitgliedern mehr fordern können und sollten, sondern Parteien einer grundlegenden Wandlung hin zu mehr Integrations-, Vernetzungs- und Einstiegsoptionen unterliegen werden.
So ist es kurzsprüngig, von den Mitgliedern mindestens ein Ehrenamt zu fordern und die Zahl und zeitliche Belastung der/durch Gremiensitzungen, etc. aufrecht zu erhalten.
Außerdem sollte Neumitgliedern mehr Unterstützung zur realen Umsetzung gegeben werden; bei den bisher tätigen Funktionsträgern in hohen Parteipositionen sollte es kein Problem sein, "Ehrenämter" auszuführen. Zumal deren Definition sehr weitläufig sein dürfte.

Will man also keinem Selbstselektionseffekt Vorschub leisten, wird man stark unterstützen und differenzieren müssen.


Ein anderer Punkt ist nicht weniger interessant, schreibt er doch einen jahrelangen Trend in die Zukunft fort:

Die offene Mitgliedschaft ohne Parteibuch im Jugendbereich sollte noch engagierter genutzt werden, um Sympathisanten zu Mitstreitern zu machen. Wer in der SPD oder bei den Jusos an Projekten, Initiativen oder Zukunftswerkstätten mitarbeiten möchte, muss nicht gleich Parteimitglied sein.

Ich kann mich noch an Statutänderungen erinnern, mit denen die Mitgliedschaft bei den Jusos ohne Parteimitglied sein zu müssen, erleichtert wurde. Dahinter steht die Hoffnung, erstens Jugendliche und junge Menschen nicht durch das Wort und die Struktur "Partei" von einer Mitarbeit abzuschrecken und zweitens aus ebendieser Mitarbeit irgendwann evtl. neue Mitgliederu nd Funktionäre zu rekrutieren.

Doch zunehmend frage ich mich auch, welchen Erfolg dies zeitigt, welchen Nutzen die "Partei SPD" daraus zieht und ob diese Erweiterungen nicht zunehmende Kapitulation vor der Wirklichkeit sinkender Parteienaffinität hin zu einem Wandel zu lose strukturierten Bewegungen bedingt.
Wieviele Parteimitglieder konnten daraus also gewonnen werden? Wieviele bleiben dauerhaft assoziiert? Konnten Funktionäre gewonnen werden? Diesbezüglich ist mir bis dato wenig bis nichts bekannt.
Viele sähen die Auflösung der "alten Parteien" gerne, es scheinen sogar zunehmende Menschenzahlen zu werden. Natürlich kann und muss die Organisation "Partei" davor keine "Angst" haben.
Wenn es irgendwann nicht mehr genug Unterstützung innerhalb des Volkes/der Bevölkerung gibt, hört sie auf zu existieren. Davon aber sind wir noch entfernt, könnten mit solchen Änderungen und stetigen Erleichterungen aber zur Beschleunigung des Grundprozesses beitragen.