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Freitag, 1. Juni 2012

Neuigkeiten zu #Schavan und #schavanplag und angeblich plagierter Dissertation der Bundesbildungsministerin

Heute kamen "neue Vorwürfe" zum Thema Schavan und Schavanplag ins Auge, angeblich soll Schavan auch "Eigenplagiate" verwendet und in die Doktorarbeit eingebracht haben.
"Heidingsfelder wirft Schavan vor, sie habe nicht nur auf 65 Seiten von anderen Autoren abgeschrieben und nicht korrekt zitiert, sondern unerlaubterweise auch alte eigene bereits veröffentlichte Texte übernommen, ohne dies kenntlich zu machen. Heidingsfelder kritisiert dies als „Eigenplagiate auf 55 Seiten der Dissertation“. Insgesamt seien damit auf 110 Seiten der Arbeit Plagiate enthalten."

"Neu" ist dabei allerdings sehr relativ. "Eigenplagiate" dürften, gerade medienöffentlich, kaum jemanden interessieren. Und eine "Zulassungsvoraussetzung", wie Heidingsfelder aussagt, ist "korrekte Zitation" ohnehin nicht. Weder für das Amt des Verteidigungs-, noch des Bundesbildungsministers/in.
Bei Guttenberg sprang damals letztlich auch die konservative FAZ auf den Zug der Kritiker auf, wohl um die Bedeutung diverser Fälle für ein "bürgerliches Image" im Sinne des Titelerwerbs und dessen wirtschaftlicher Verwendung wissend und bangend.
Bei Schavan dürfte dieses Moment, auch weil es zwischenzeitlich schon diverse weitere Fälle gab, kaum ausgeprägt und motivierend sein.
"Bei sich selbst abzuschreiben" dürften im Übrigen noch weniger Menschen als kritikwürdig verstehen, als andere zu plagiieren. Auch damals, bei Guttenberg, gab es ja diverse Sympathisanten, die die gesamte Kritik nicht verstehen konnte oder wollen, an "Dolchstoßlegenden" wurde gestrickt.

Hier scheint allgemein etwas "am Köcheln" gehalten werden zu wollen, wurde es um Schavan und die Vorwürfe in letzter Zeit doch sehr ruhig, ihre Taktik zu schweigen und die Universität prüfen zu lassen schien aufzugehen.
Sie selbst müsste mittlerweile ja genau über die einzelnen Stellen und deren Umfänge bescheid wissen.
Man muss dabei auch das Vorgehen der Kritiker bewerten: Dies erscheint nicht besonders konsistent.
Zunächst prüfte VroniPlag nach eigenem Bekunden und fand nicht mehr als 10 Prozent fragwürdige oder beklagenswerte Stellen. In interner Abstimmung wurde dann beschieden von einer Veröffentlichung abzusehen.
Dann kam "Schavanplag" und veröffentlichte doch.
Nun will jemand, oder Heidingsfelder selbst, nochmal durchgeschaut und nun mitsamt Eigenplagiaten doch knapp 30 Prozent problematischer Stellen identifiziert haben.
Man hätte es vielleicht schon damals korrekt prüfen sollen - jede einzelne Stellen mit verfügbarer Primärliteratur.
Jetzt immer wieder häppchenweise nachzulegen mutet eher so an, als wollte auch VroniPlag noch ein paar Aufmerksamkeitsbröckchen des Medienkuchens.

Freitag, 18. Mai 2012

Verquere Diskussion über #Plagiate und #Akademikerschwemme #schavanplag

Was an Diskussionen über Doktorarbeiten von Politikern und eventuellen Plagiaten und Plagiatsvorwürfen irritiert sind Äußerungen wie folgende:

"Und inhaltlich sind die Plagiate meiner Meinung nach eindeutig, aber lange nicht so schwerwiegend wie in anderen Fällen: Frau Schavan hat nicht ordentlich zitiert, aber auch nicht seitenweise abgeschrieben" (SPON 06.05.2012)
 Irgendwie läuft da einiges falsch bzw. verquer.
Frau Schavan kann öffentlich behaupten, 
"man könne nie ganz ausschließen, dass ähnliche Gedanken oder Formulierungen auch in anderen Werken stünden" (vgl. Mokanter Beobachter, 04.05.2012)
Da ist also jemand, der "nicht ordentlich zitiert" habe. Ohne Befassung der "Plagiatsjäger" wäre die Arbeit Schavans vermutlich nie mehr überprüft worden.
Wer aber "falsch zitiert" darf die Möglichkeit zur Korrektur erhalten; wird diesem nicht ausreichend bzw. ordnungsgemäß nachgekommen, muss der Titel aberkannt werden.
Welche Rolle sollte der Umfang des Fehlverhaltens spielen?

Die Regeln der Zitation mögen nicht so streng oder nicht so einfach übreprüfbar gewesen sein, damals in den 80ern und 90ern.
Welche Relevanz oder Qualität weisen solche Titel aber auf, wenn sie mindestens 10% Inhalte anderer Autoren und Gedanken enthalten? Und wenn diese nicht korrekt angegeben wurden? Wie soll man Schavan zitieren, wenn man genau vom Fehlverhalten weiß? Darf dann nur der Rest, also die anderen 90 Prozent des Textes, problemlos zitiert werden und die in Rede stehenden Reste müssen zunächst selbst recherchiert werden?
Und wo kommen wir hin, wenn man jede Arbeit, welche mit guten oder sehr guten Noten versehen wurden, erst auf "Richtigkeit" und "korrekte Zitation" prüfen muss?

Es geht hier, wie manchmal augenzwinkernd angedeutet, auch nicht um "Urheberrecht" gegen "Freibier für Alle". So könnte man die Piratenpartei und ihre Anhänger mal wieder "verunglimpfen": Fordern die Abschaffung des Urheberrechts und bestehen auf korrekte Angabe anderer Urheber in Doktorarbeiten.
Es geht ab nicht einmal um das Urheberrecht als solches, sondern die Angabe fremder Urheberschaft. Denn ob Schavan ihre Arbeit vermarktet oder dies getan hätte, ist nicht Element der Diskussion. Sondern auch, ob sie ihren eigenen Standards, welche sie gegenüber zu Guttenberg im "Fremdschämen" andeutete, gerecht wird.

Welches Bild zeichnet das alles überhaupt?
"Abschreiben" sei "normal" und fände ohnehin bei den meisten Arbeiten statt? Das mag so sein, davon kann man auch bei aktuellen Studierendenarbeiten in recht großer Zahl ausgehen. Besitzt das dann aber alles irgendeinen Wert?

Ich sehe dahinter ja immernoch die Folgen einer  übertriebenen Akademisierung der Gesellschaft, gewollt erhöhter Abiturienten- und Studierendenquoten.
Wo Hochschulabschlüsse und Titel höhere Einkomen und Vermögen fast schon "garantieren", da findet Titelinflation statt. Denn funktionierte das System der "Bestenauslese", welches nur die Besten zu den höchsten gesellschaftlichen Weihen und Ressourcenkontrollen führen solle, dann dürften Menschen, die abschreiben, nicht komplett selbst denken können oder wollen bzw. einfach nicht kreativ oder intelligent genug sind um einen Titel rechtfertigende "neue Gedanken" zu Papier zu bringen, eben keine solchartigen Abschlüsse erhalten.
Die Akademikerquote wäre dadurch geringer insofern, dass auch Absolventenarbeiten kritischer auf Inhalt und Korrektheit geprüft werden müssten.
Für Hochschulsysteme, welche mittels privaten Elementen auch gewisse "Absolventenquoten" als "Output" erfüllen müssen bzw. wollen um "Qualität" zu zeigen, dürfte das infrage stellend sein.
Man darf ja nicht nur auf das zweifelsohne kritikwürdige individuelle Fehlverhalten des "Betrugs" abstellen, sondern muss sich Systemparameter und -umstände besehen.
In eine ähnliche Richtung ging zuletzt ein "Hörspiel" im Deutschlandfunk "Europa, eine Plagiate-Saga" in dem ein fiktiver Mitarbeiter der Europäischen Union eine einstmals abgelegte und unvollendete Doktorarbeit abgeben wollte, da er sich von den Kollegen und Vorgesetzten für nicht ausreichend "kompetent" gehalten wurde.

Ist ja auch interessant, was gewisse Medien thematisch und richtungsleitend daraus machen.
So wurde zunächst latent versucht, dem "Schavanplag" selbst Kopiererei und Fremdnutzung vorzuwerfen. Außerdem hiess es, ein angeblicher "Konsens" im "Vroni-Plag" sei missachtet und entgegen eines Abstimmungsergebnis veröffentlicht worden.
Dies wurde in einem Interview mit SPON nun richtig gestellt:
 Auch im eigenen "schriftlichen Interview" mit "schavanplag" wird versucht, dies als "ehrenrührig" darzustellen - manchmal meint man, die Veröffentlichung sei schlimmer als der Anlass dieser selbst:
"Die Mitglieder von VroniPlag stimmten ab, was mit den Ergebnissen der Schavan-Recherche geschehen soll - und eigentlich war die Mehrheit dagegen, die Ministerin bloßzustellen. Warum haben Sie im Alleingang veröffentlicht?"
 "Eigentlich war die Mehrheit dagegen, die Ministerin bloßzustellen". - was soll ein solcher Ausdruck? Was soll in diesem Zusammenhang "bloßstellen" überhaupt bedeuten?
Was im "schavanplag" passierte, ist ein Vergleich zwischen der Doktorarbeit einer Titelträgerin mit externen Quellen. Die Verwendung von Wörtern wie "Bauernopfer" dürfte nicht ausreichen um von einem "Bloßstellen" zu reden. Hier wird versucht, den Ansatz und die Motivation des Veröffentlichers zu diskreditieren um die Veröffentlichung als solche abzuwerten.
Die Person darf aber nicht mit der Kritik an der Arbeit vermischt werden - übrigens auch ein wissenschaftliches Prinzip, so bspw. bei "peer-reviews", Magazin-Artikeln, Zweit- und Drittgutachtern, etc.
Dass sich der Autor anscheinend für so wichtig und bedeutend hält, fast schon eine "Mission" zu haben, dies "nicht unter den Tisch fallen [zu; d.V.] lassen" mag man kritisieren. Aber wo gibt es keinen Egoismus?
Im Gegenteil: Im Bereich kapitalistischer Wirtschaft wird dieses Prinzip sogar zum allgemeinen, "fortschrittlichen" Prinzip erhoben.

Und das ganze weist ja auch auf ein impliztes Problem des Wissenschaftsbetriebs hin: Eigentlich wäre es Sache der Prüfer, der Prüfungskommission, der Doktorväter und -mütter, der Zweit- und Drittkorrektoren und der Universitäten allgemein, Arbeiten zu prüfen und auch ältere Titel bei Bedarf infrage zu stellen.
Das tun und taten sie aber schlicht nicht.
Dafür die "Plagiatsjäger" auch noch zu kritisieren, als "pinkelten sie Anderen ans Bein", dort, wo es doch eigentlich alles "gut funktioniert" ist schon grotesk.

Denn andererseits bekommen Universitäten bei gewünscht zu erhöhenden Akademiker- und Studierendenquoten kaum oder nicht ausreichend höhere finanzielle Mittel.
Mittel, mit denen sie beispielsweise Korrektoren bezahlen könnten.  Schavan trägt ihr Schärflein dazu bei.

Ist doch, in Anlehnung an obige Aussagen, interessant, wie es überhaupt funktionieren soll, dass jedes Jahr über Jahrzehnte hinweg mehr Studierende an die Universitäten strömen und auch mehr erfolgreich abschließen und die Qualität der Abschlussarbeiten mindestens gleich bleiben, eher steigen soll. Gerade in den "Geisteswissenschaften" mutet dies doch eher fragwürdig an. Dort hängt vieles aber auch stark vom subjektiven Eindruck des Prüfers und Betreuers ab, jedenfalls dann, wenn die Arbeit selbst formal korrekt, bspw. auch "richtig zitiert", ist.
Welcher "Output" wird in geisteswissenschaftlichen, für Plagiate wohl hauptsächlich anfälligen, Fächer überhaupt erwartet, gewünscht und wie wird er gemessen?
Da kommt es dann zu so kuriosen Themenwahlen wie bei Florian Grafs, Mitglied der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus, Doktorarbeit, welche sich mit der eigenen Berliner Partei und Fraktion nach "plötzlichem Machtverlust" befasst. Eigentlich "genug Stoff" und Platz zum Austoben eigener, analytischer Gedanken. Zumal dazu noch kaum etwas publiziert worden sein sollte.
Und dann trotzdem fälschen?
Trotzdem inkorrekt zitieren?
Trotzdem nicht angeben, welche Standardliteratur man verwandte? Oder worauf will man sich beziehen, wenn man eine fast schon "zeitgeschichtliche Arbeit" verfasst?

Freitag, 4. Mai 2012

#Schavan und ihr mögliches #Plagiat - nicht viel gelernt. #schavanplag


Mal wieder jemand, dessen Dissertation durch die große mediale Arena getrieben wird.
Anette Schavan, ihres Zeichens Bundesbildungs- und -wissenschaftsministerin, CDU, soll sich wissenschaftlich fehlerhaft verhalten haben.
Absender dieser Vorwürfe ist ein Blog, dessen Autor psyeudonymisch anonym bleibt und mittels "Deckname", so SPON, auf das Blog bzw. die Vorwürfe aufmerksam machte.

Nun wird demnächst noch einiges zu den bislang aufgetretenen Fälschungen, "Ungenauigkeiten", Lügen oder auch "Dummheiten" gewisser Amts- und Mandatsträger zu schreiben sein. Dies soll aber in einem anderen, allgemeiner gehaltenen Blogbeitrag geschehen.

Sonntag, 1. April 2012

Problematisches Studiengebaren zu #911 - Kritik auch an #Telepolis und Geschichtsschreibungen


Endlich lässt sich mal etwas über "9/11" oder gar eine "Generation 9/11" verbloggen, war schon länger auf einer "To-Do"-Liste.

Anhand des beredten, wenn auch letztlich nicht unbedingt ausschöpfenden Kritikbeitrags innerhalb "Telepolis" kann man ein grundlegendes Problem mit den "Anschlägen" vom 11. September 2001 verdeutlichen.
Er bezieht sich auf eine Studie der Universität Duisburg-Essen in deren Verlauf bzw. Ende sich die Projektverantwortlichen zum Ziel gesetzt haben eine "Generation 9/11" auszumachen.
Oder herausfinden zu wollen, ob es solches wohl geben mag.

Freitag, 19. Februar 2010

#Helene #Hegemann und die überfällige Diskussion des #Urheberrechts

Zum ersten Mal las ich von Helene Hegemann und den Plagiats-Vorwürfen überblicksweise in einem Artikel auf FAZ.NET.

Da man selbst gerne schreibt und ab und an wissenschaftliche Artikel und Arbeiten schreiben und lesen darf, war ich zunächst überrascht ob der Vorwüfe und gerade der Dimension, welche das Thema hatte und noch bekommen sollte.
Da soll eine 17-jährige "Jungautorin" einen Roman, "Axolotl Roadkill", in Teilen von anderen Autoren abgeschrieben, deren Werke einfließen lassen und keine Quellen offen gelegt haben.
Ist dies im Wissenschaftsbetrieb nachweisbar, verliert man nicht nur an Reputation, wie Jürgen Graf auf ZEITOnline später schreiben sollte, sondern auch die Anstellung bzw. alle bisherigen Prüfungsleistungen als Studierender. Dies kann sogar zur Exmatrikulation führen.

Ein zweiter verbundener Themenkomplex ist das gesellschaftlich normierte Verwertungsrecht, was im Urheberrechtsgesetz und dem "Schutz des geistigen Eigentums" zum Ausdruck kommt.
Verwertungs- und Produktionsinteresse, wie schon im Zusammenhange mit Castingshows erneut kritisiert.
Befürworter argumentieren, die Künstler müssten von ihren geistigen Errungenschaften und deren Veräußerung/Kopien "leben", also zum Ressourcen- und Wartentausch in unserer Gesellschaft befähgt werden.
Abgesehen davon, dass das wiederum nur durch Marktinstrumente und -prozesse gesteuert wird und durch den Mediencharakter des Geldes ein ungleicher Tausch möglich wird, ist der "Wert" eines Stücks oder Textes bestenfalls ex-post und durch andere Menschen bestimmbar.

Viel wichtiger als dieser Komplex aber die grundlegende Frage eines Copyrights als eine von sozialen Prozessen abgelöste und ablösbare Produktionsform.
Denn etwas innergesellschaftliches, aus der Gesellschaft und deren Interaktion selbst heraus geborenes verkaufen zu wollen wäre zwar möglich.
Für alles lassen sich prinzipiell Preise finden - und wenn eine eigens dafür eingerichtete Komission tätig wird, so Märkte versagen.
Allerdings erfolgte die Honoration des Werkes, also der anerkannten "individuellen Leistung" nur für eine Person und deren Fähigkeit, soziale Interaktion zu erkennen und für ihre Zwecke zu monopolisieren.

Philosophisch gesehen ist die Diskussion noch interessanter, schließlich kann man eben diesen gesellschaftlichen Zirkel als ursächlich und unmöglich für eine urheberrechtliche Monopolisierung verstehen.
Wenn Menschen die Welt erst durch andere Menschen, mithin Sozialisation erfassen und in ihrer Vielfalt begreifen und später für sich nutzbar machen können, kann ein menschlicher Schaffensprozess auch nicht davon unabhänig betrachtet werden.
Das hiesse, dass jegliche menschliche Entäußerung nicht nur schon einmal getätigt wurde, sondern geradezu essenziell für weitere und auch diese gerade hier geschriebenen wäre.
Damit könnte kein Mensch für eigene Gedanken ein Urheberrecht beanspruchen.

Aus diesem Blickwinkel müsste sich auch Helene Hegemann oder andere wie Thomas Mann nicht des plagierens oder auch der "Montagekunst" zichtigen lassen.
Es wäre geradezu eine Notwendigkeit.
Und der Tod für jegliches Copyright und Verwertung menschlicher Gedanken und künstlerischer Prozesse.

Erinnert mich am Rande auch an den, u.a. marxistischen, "Entfremdungsbegriff" des Menschen von seiner Arbeit bzw. dem resultierenden Produkt, wofür er "bezahlt" wird. Quasi eine Art "Ablasshandel". Beides ermöglicht nach heutiger Lesart die Entwicklung einer Gesellschaft und moderne Arbeitsteilung und Fortschritt.
Das allein ist noch wenig kritikwürdig, könnte man daraus auch ein Überdenken der allzu restriktiven Verfolgungen von Urheberrechtsverstößen schließen.

Schnell war in der "Causa Hegemann" auch von der "neuen Umgangsart" der vermeindlichen "Jugend" mit Eigentum, gerade dessen virtueller Umsetzung, die Rede.
So war der Wortzusammenhang "Copy&Past-Generation" fast ein Schimpfwort und emanzipatorisch-revolutionärer Aufruf zugleich.
Eine Generation, so hiess es, die wie keine andere mit dem Internet augewachsen sei und seine "Potenziale" ausreizen und nutzen könne; mithin die "Digital natives" statt "digital immigrants".
Nebst solcher ob ihrer Unbedeutung grotesk anmutenden Kunstworte ist genau diese latent positive Haltung fehl am Platze.
Eine Haltung einer Gesellschaft, in der etwas in Bewegung ist und die sich selbst nicht sicher ist, was "Eigentum" und "Urheberrecht" sein kann und soll.

Da gibt es die leidige Diskussion der "Biopatente".

Wissenschaftler entdecken Gene, Proteine oder andere organismische Strukturen des menschlichen Körpers, modifizieren sie, bringen sie zur Anwendung oder melden einfach die Entdeckung zum Patent an.
Ein Patent über etwas, das sie nicht schufen.
Über etwas, das modifiziert oder unmodifiziert Leben retten oder beenden kann und damit einen "höheren" als den rein individuellen Verwertungsnutzen widerspiegelt.
Diese Patente könnten eine Menge Geld und Reputation einbringen, sie zuzulassen aber Wissenschaft und Medizin weiter monopolisieren und Fortschritt um Jahre zurückwerfen, mindestens behindern.

In diese Gesellschaft setzt also die 17-jährige Hegemann ihren Roman, der zunächst übereuphorisch ob seiner Härte, klaren Worte und offener Brutalität gefeiert wird.
Als ich gestern Rezensionen des Buchversenders Amazon, sind auf der ersten Seite überwiegend negativ geschrieben und im Kern genauso wertlos wie die feuilletonistischen Einlassungen ohne Eigenlektüre des Buches, sah, wollte ich mir ja schon fast ein Exemplar bestellen.
Man liest die Verachtung der Bewertenden auch auf den Literaturbetrieb heraus.
Auch mir kam der Gedenke der Heuchelei: Als hätte nur Hegemann abgeschrieben.
Bestätigt wurde dies fundiert von Grafs Artikel, indem er von Goethe, Mann und Brecht schrieb.
Schriebe ich morgen ein Buch, so könnte ich auch nicht jedes Zitat oder jede Einlassung, welche ich von einem anderen Menschen hörte oder las in diesem belegen.
Der entscheidende Unterschied für die Basis der Zumessung einer Urheberrechtsverletzung ist der Übergang von der Sprache zum (geschriebenen) Wort. Und zwar eines Wortes, das geschützt wird.
Niemand käme auf den Gedanken einen "Wert" eines Gedankens oder Wortes aus einem gemeinsamen Gespräch einzuklagen, nur oder gerade weil jemand durch die Verwertung, Produktion eines verkaufbaren und verkauften Werkes, einen individuellen Nutzen erzielt.

Gerade das wäre auch fragwürdig, ginge man doch davon aus, dass ebendiese Worte von jedem genutzt werden können.
Und durch die Veröffentlichung soll dies plötzlich anders sein.
Hierbei entsteht etwas rein künstliches, wofür es so keine (natürliche) gesellschaftliche Grunlage gibt.
Alle guten und fortschrittlichen Dinge, aus denen wiederum neues und verwertbares entsteht, sind doch so bedingt.

Hegemanns Auftritt bei Harald Schmidt war auch nicht so schlecht, wie von einigen selbst ernannten Kritikern per Yotube-Kommentarfunktion eingeschätzt.
Nachdenklich und für eine 17jährige erfreulich "reif" parlierte sie angeregt mit Schmidt und parierte auch zwei pikante Anwürfe, da sie nicht wisse, was in ihrem Buch stünde und sie es doch einmal lesen solle. Sie selbst allerdings kokettierte vor Schmidt damit, dass sie sich nicht an alles erinnern könne, schließlich sei nicht alles von ihr und andere könnten fragliche Passagen verfasst haben.
Weidermanns Appell in der FAZ, nochmals "von vorne" anzufangen, geht allerdings fehl.
Das "Problem", gerade des Urheberrechts und dessen Reichweite ist in der Welt und Diskussion.
Die Piratenpartei diskutiert es seit langem, während andere Parteien eher legislatieren und exekutieren, statt zu erklären und gesellschaftliche Interessen und Standpunkte offenzulegen.