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Donnerstag, 12. April 2012

Der (un)mündige Patient soll Hilfe bei Rechnungslegung der Zahnärzte erhalten


Nun wollen die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) auch private Rechnungen von Zahnärzten prüfen, welche den Versichteren einen großen Eigenanteil einer Behandlung auferlegen.
Das berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Interessant ist dabei weniger die Änderung einer bisherigen Systematik sondern dahinter stehende Prämissen.
So heisst es
"Ein Patient könne nicht beurteilen, ob die Rechnung für die neue Zahnkrone wirklich richtig und angemessen sei.".

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Auskehr Jahr 2009 und Einstimmung auf 2010

Das alte Jahr geht zuende, ein neues geht nahezu nahtlos darin über.
Ich bin kein Freund von "guten Vorsätzen", denn meist halte ich sie entweder nicht ein oder sie sind a priori sinnfrei, da ich den Inhalt dieser Vorsätze auch ohne ein neues Jahr umsetzen könnte.

Das kommende Jahr 2010 steht für mich im Zeichen der Minimalisierung.

Das beginnt prominent und von den meisten wohl eher belächelt in meinen Profilen von Internet-Communities. In diesen werde ich einmal gründlich aufräumen und dies auch bis zu einer Änderung der "Geschäfts- und Titulatspolitik" dieser Portale beibehalten.
So werde ich den Bestand der 53 StudiVz-"Freunde" drastisch zusammenstreichen.
Im Kern nutzte mir speziell das Studierendenverzeichnis bislang einzig zur schnellen Kommunikation mit Menschen, mit denen ich auch kommunizieren wollte und legte auch bislang keinen Wert auf Erhöhung dieser "Freundes"-Zahl oder anderen dabei zu helfen, dies bei ihnen zu tun.
Etwaige geldwerte- oder arbeitsmarktzugehörige Vorteile, die mögliche materielle Seite von Vernetzung und Verlinkung, wurden mir nicht zuteil.
Daraus schlussfolgere ich, dass ich meine Nutzung anpassen und nur noch "Freunde", die zumindest ansatzweise die Bezeichnung verdienen, in den Listen behalte.
"Karteileichen", die ich entweder nicht kenne und denen ich wegen eines angestrebten Gruppenbeitritts Freundschaftsanfragen schicken musste, oder Menschen mit denen ich ein Jahr, also 365 Tage lang, keinen Kontakt hatte werden gestrichen und "verdienen" auch keine Positionierung.
Ich nehme daher an, die Zahl der Verlinkungen, diminutivierend "Freunde" genannt, auf deutlich unter 50 reduzieren zu können.

Natürlich nehme ich den von extern oktroyierten Begriff der "Freundschaft" im Sinne der Communities und deren Betreiber nicht ernst.
Doch ermöglicht eine Verschlankung eine effizientere Verwaltung der Communities, weniger SPAM und durch meine Sicherheits- und Datenübermittlungspolitik, welche ich zukünftig noch deutlich restriktiver zu gestalten gedenke, weniger Aufwand und Bedenken bei neu entdeckten Sicherheitslücken. Die Ansichts- und Bearbeitungszeit sollte sich deutlich senken lassen und bietet daher Raum für neue Projekte und Aktivitäten. Eine Twitter gestützte Vernetzung bleibt aber vorhanden.

Facebook ist die ideale Plattform für professionelle und berufliche Kontakte und bietet deutlich mehr als das StudiVZ. Ich favorisiere es daher auch für neue Kontakte genannter Art; durch seine rationelle Datenweitergabe und -verarbeitung verringert es den Zeitaufwand um auf dem "Laufenden zu bleiben" doch enorm.


Das Jahr der Minimalisierungen setzt sich aber auch anderweitig fort.

Demnächst lasse ich endlich meine alte und viel zu teure Mobilfunknummer abschalten und tausche sie gegen eine bereits im Besitz befindliche günstigere Sim-Card aus. Durch Analysen meines individuellen Verhaltens- und Verbrauchsprofils bin ich für den aktuellen Mobilfunkbetreiber ein deutlich besseres Geschäft als er für mich.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der "Neustart" bzgl. Kontakte und Menschen, die meine bisherige Nummer kannten. Deren Zahl wird sich nun ebenso massiv verringern, was mir wiederum Zeitersparnis bringen sollte.

Bei Ebay.de bin ich seit geraumer Zeit registriert; u.a. mittels dieser Plattform möchte ich weiter abrüsten und von materielle auf immaterielle, bzw. immobile Vermögens- und Wertgegenstände setzen.
Daher steht aktuell mein 21-Zoll-Monitor zum Verkauf. Folgen werden mein Big-Tower samt Inhalt, meine Friends-DVDs, eine Stereo-Analage sowie einige kleinerer Dinge. Was den weiteren positiven Nebeneffekt einer "freieren Umgebung" mit weniger Sorgen um eigene "Besitztümer", deren Pflege und Geld- sowie Zeitinvestition nach sich zieht.

Minimalismus soll aber teilweise auch ideenstiftend und motivatorische Relevanz bei politischen Projekten und Überlegungen Pate stehen bzw. zum Verständnis aktueller wie kommender Probleme und deren Lösung beitragen.
So ist gerade das Politikfeld "Verkehrspolitik" landes- und kommunalpolitisch äußerst interessant und manchmal auch brisant. So gibt es Städte und vorallem kleinere Dörfer, in denen kaum noch Verkehrsinfrastruktur vorhanden ist.
Meine Position zur Reduzierung der Autobahn-, Straßen- und PKW-Anzahl möchte ich auch 2010 offensiv vertreten. Die Grünen und einige Bekannte innerhalb dieser Partei werden auch weiterhin interessante Gesprächspartner sein. Ich denke dabei konkret an Umweltzonen, die CO²-Reduktion im Sinne des "Klimawandels" und Reduktion des Verbrauchs im Allgemeinen.
Verkehrspolitik wird ein integrativer Bestandteil von lebenswerten Kommunen werden müssen. Dabei sollte weniger auf Individual-, als auf öffentlichen Personennahverkehr wie Bus und Bahn gesetzt werden.
Hier darf ich dann sicher auch das "Maximalprinzip" vertreten: So viel Verkehr wie möglich auf die Schiene lautet das Credo.
Den Abgesang auf das Benzin- und Diesel-Auto muss ich nicht mehr einläuten, revolutionär wäre schon eher die Prognose der neuen, marktreifen und sich durchsetzenden Antriebstechnologie für die nächsten Jahrzehnte. Doch wäre dies ebenso gewagt.


Das gerade angerissene "Maximalprinzip" soll auch noch auf einem anderen Feld gelten: Dem ehrenamtlichen Engagement.
Dies möchte ich ausweiten und meine Vernetzung sowie Mitarbeit ausbauen.
Hier schweben mir vorallem Dinge wie die "Tafeln" oder auch die "Telefonseelsorge" vor, welche ich einerseits als "notwendiges Übel verschiedener politischer Entscheidungen", andererseits sinnvolle und befürwortbare Einrichtungen verstehe.
Beiden gebührt größere Zuwendung und Mitarbeit.


Im Allgemeinen genötigt es mich einen Blick auf meine Kontakte, deren Nutzen und abwägend sinnhafter Fortsetzung zu werfen.
So gibt es genug Leute, bei denen ein Kontaktabbruch nottut und der, wie bei anderen bereits geschehen, sich äußerst heilsam und perspektivenreich ausnehmen wird.
Ich erspare mir, abgedroschen von der Suche nach "den wahren Freunden" zu schreiben, ist dies doch sinnfrei, da es diese gar nicht gibt oder auch nur geben kann.
Doch gab es schon geringere Gründe aus denen Kontaktdichten meinerseits ausgedünnt wurden, es nutzte stets und wirkte sich belebend aus.
Und denen, die dann übrig bleiben, was deutlich weniger werden sollten, möchte ich auch deutlich mehr Zeit widmen und in sie investieren. Bislang wurde ich dafür in den meisten Fällen auf irgendeine Art und Weise belohnt. Danke allen dafür.

Bei Neujahrsgrüßen herrscht meinerseits in diesem Jahr ebensolcher Minimalismus.
Ich bin es leid, ständig über irgendwelche Communities "on the fly" und "btw." gegrüßt und auf den Umstand eines sich zum Ende neigenden Jahres hingewiesen zu werden und eine Antworterwartung erfüllen zu sollen oder müssen.
Ich erspare es mir also; betreffende Menschen wissen ohnehin bescheid, wurden bereits persönlich in Kenntnis gesetzt oder waren so wichtig, dass der Kontakt im Jahre 2009 beendet wurde.
Wie man es auch dreht, ergeben sich keine Grußnotwendigkeiten.


Allen, die irgendetwas gegen mich haben oder welche ein Problem mit mir gehabt haben sollten oder fortbestehend haben, richte ich hiermit noch ein mehr als freundliches "Ihr könnt mich alle! ;)" aus und verbleibe bis zum 01. Januar des sich jährlich-wiederholenden menschengemachten Trotts, genannt "Silvester" und "Neujahr".

Sonntag, 6. Dezember 2009

Oskar Niedermayer an der TU: Bundestagswahl 2009 und die Folgen

Am 24. November 2009 war Parteienforscher Prof. Dr. Oskar Niedermayer im Rahmen des Seminars "Die Bundestagswahl 2009 und die Folgen" von Prof. Dr. Eckhard Jesse zu einem Vortrag an der Technischen Universität Chemnitz zu Gast.

Zunächst begann er mit der Darstellung der Wahlverhaltensforschung, welche er zur Erklärung des Wahlergebnis zu operationalisieren suchte.
Hierbei stellte er ein kumuliert-modifiziertes Modell aus den drei Ansätzen des sozialpsychologischen Modells, des sozialstrukturellen Ansatzes und der Theorie der rationalen Wahl ins Zentrum und zeigte eine Grafik mit den Elementen "Wahlverhalten", "Parteibindung", "Parteiensystem/Medien", "soziale Verankerung", "Sachorientierung" sowie "Interessen/Werte" und "Kandidatenorientierung".

Er erwähnte Hauptkonfliktlinien des bundesrepublikanischen Parteiensystems: der sozioökonomische Cleavage sowie der libertär-autoritäte Cleavage.
Das Element "Sachorientierung" schlüsselte er u.a. in Issuepriorität sowie -wahrnehmung und mediale/parteipolitische Vermittlung auf; die Kandidatenorientierung in "Kanzler", "Images". Letzteres eröffnete die Batterie "Sachkompetenz", "Führungsqualitäten", "Glaubwürdigkeit" und "Sympathie".

Nach dieser einführenden, aber prägnanten Darstellung der Wahlverhaltensforschung leitete Niedermayer zur Wahlanalyse 2009 mit der Frage über, ob die Wähler eher den/die Kandidaten oder das/die Sachthema/Sachthemen interessierten.
Demnach seien die Sachfragen bei Unionswählern traditionell wichtig; bei der SPD spielte 2002 der Kandidat im Gegensatz zu 2005 mit Abstrichen eine große Rolle. Im Jahre 2009 allerdings seien Sachfragen auch für diese Klientel wichtiger gewesen als die Kandidatenorientierung.

Im Parteiensystem habe sich eine "Westabspaltung" von der SPD wegen der Agenda 2010 in persona WASG ergeben. Der "Markenkern" der SPD sei in der Regierungszeit Gerhard Schröders ausgehöhlt worden.
Die PDS habe hernach die strategisch kluge Entscheidung zur Fusion mit der WASG als Chance zur Westausdehnung gesehen und genutzt; aus heutiger Sicht stehe die neue Partei, "Die Linke", als gesamtdeutsche Konkurrenzpartei zur SPD im Parteienwettbewerb.

Daraus ergebe sich eine "strukturelle Nachteilsposition der SPD" gegenüber der Union.

Die Linke habe sich als "die Sozialstaatspartei" gerieren können und bezeichnete die SPD als "neoliberal".
Dieser Nachteil könne nur durch optimale Konstellationen kurzfristiger Wahleinflussfaktoren ausgeglichen und ausreichend positiv beeinflusst werden.

Die Kandidaten
In der Analyse aufgrund von Befragungen, die auch so oder ähnlich Grundlage weiterer Thesen und Erkenntnisse bot, zeigte sich, dass Angela Merkel, die Kanzlerin und Kandidatin der Unionsparteien, in den Jahren 2005 bis 2009 zu Frank-Walter Steinmeier, Kandidat der SPD, niemals unter den positiven Wert von 1,0 für die Sympathie sank.
Franz Müntefering sei ordentlich gestartet, Matthias Platzeck habe gut gewirkt, Kurt Beck am Ende aber abgestürzt in Gunsten der Wähler, wie er das "lange nicht erlebt" habe.
Daraus entwickelte Niedermayer die Ansicht, der Abstand zwischen Merkel und einem Kandidaten Beck wäre im Wahlkampf niemals aufholbar gewesen, Steinmeier als Außenminister näher an Merkel und der "Putsch", resp. die Absetzung Becks, folgerichtig und notwendig für die SPD. Allerdings habe dies auf Zahlen zu Steinmeier als "Außenminister" und eben nicht als "Kanzlerkandidat" beruht.

Die Kanzlerpräferenz
Merkel sank im gesamten Betrachtungszeitraum niemals unter 50% Zustimmung, das heisst, dass ihr stets die Mehrheit des Elektorats zuneigte. Dies habe sich auch nicht im Wahlkampf geändert, am Ende lag eine Zustimmung von 56% vor.
Steinmeier seinerseits sei niemals über 40% Zustimmung gekommen, der Abstieg habe sich im Wahlkampf zunächst beschleunigt.
Später sei es zu einer Schließung der Schere, vorallem nach dem TV-Duell, in dem Steinmeier besser empfunden als vorher schlechter eingeschätzt wurde, gekommen.
Interessant und auffällig sei, dass die Kanzlerin bei den Anhängern der Union deutlich beliebter gewesen sei, als Steinmeier bei denen der SPD (90% vs. unter 80%).
Der Eigenschaftsvergleich bringe hervor, dass Steinmeier in allen Komponenten besser beurteilt wurde als der Kandidat der SPD, der Vorsprung sei allerdings durch das TV-Duell geschrumpft. "So eine" Kurve habe es in den letzten Wahlen niemals gegeben.

Niedermayer zog die Schlussfolgerung, dass zu keiner Zeit von einer personellen Wechselstimmung auszugehen war.


Die Sachthemen
Das für das Elektorat zentrale und bedeutenste Sachthema sei mit wachsender Tendenz die Arbeitslosigkeit gewesen; anfangs spielte auch die "Finanzmarktkrise" eine Rolle, fiel in der quantitativen Bedeutung allerdings schnell ab.
Weitere Themen waren Bildung und Familie.

In allen relevanten ökonomischen Fragen hätten Vorsprünge für die Union existiert.

Die Europawahl sei von der SPD interpretiert worden, als könne man nicht schlechter Abschneiden und daher auch wenig bessere Ergebnisse als Aufbruchssignal gewertet werden. Es kam aber zu noch schwächeren Ergebnissen.

Im Kern habe, so das Resumee des Vortragenden, in allen Sachfragen eine Kompetenzführerschaft der Union vorgelegen.

Eine weitere These Niedermayers, es gebe auch einen "zu stark betonten Markenkern", machte er an der Union des Wahljahres 2005 fest. Diese sei zu einseitig wirtschaftsliberal und mangelnder Betonung "des Sozialen" aufgetreten.
2009 habe die SPD kaum Wirtschaftskompetenz gezeigt; die "Opel-Rettung" hätte den Steuerzahlen signalisiert, alles würde "auf Teufel komm' raus" gerettet. In der Folge sei zur FDP geneigt worden. Grund dessen sei eine schlechte mediale Vermittlung gewesen.

Der zum damaligen Zeitpunkt verbreiteten These, es gebe eine Aufholjagd, wiedersprach Oskar Niedermayer ex-post.
Das Elektorat sei von einer Großen Koalition als Wahlausgang ausgegangen, da man aber Schwarz-Gelb präferierte, habe man FDP unterstützt.
Diese Auffassung geht zu Jesse konträr, der davon ausgeht, dass Große Koalitionen durch die Wahl kleinerer Parteien eher gestärkt als geschwächt werden.
Im gesamten Wahlkampf habe eine Mehrheit für Schwarz-Gelb vorgelegen (über 50% Zustimmung), eine Ampelkoalition sei goutiert worden und Rot-Rot-GRün eine "realistische Machtoption" gewesen.
Die SPD habe aber die Option mit der Linkspartei aufgrund von Außen- und Sicherheitspolitik, Oskar Lafontaine, Glaubwürdigkeitsverlust post-Hessen, Vorbehalte gegen die Vergangenheit der Partei sowie ebensolcher der eigenen Mitglieder (bis 25% der Mitglieder) ausgeschlossen.

Das Ergebnis der Wahl - Union 33,8%, SPD 23% - sei vor diesem Hintergrund erklärbar.


In der darauf folgenden Diskussion wurde einmal mehr angesprochen und kritisiert, eine soeben konstruierte Koalitionsoption Rot-Rot-Grün habe es nicht gegeben, da ein "Voraussetzungsparadoxon" griffe: Die SPD schloss diese Konstellation aus und auf dieser Basis kam das Wahlergebnis und somit auch die rechnerische Umsetzungschance zustande.

Die SPD sei nicht mehr "die linke Volkspartei" und müsse das anerkennen.

Unter Beifall schloss der Refent den Vortrag und Jesse die Veranstaltung.

Samstag, 14. November 2009

2 Tage SPD-Parteitag Dresden: Flügelkämpfe

Nach zwei Tagen SPD-Bundesparteitag meine ich, dass wir - als Mitglieder dieser Partei - oder sie sich weiterhin "in die Tasche lügen".

Überall höre ich, die Grabenkämpfe müssten aufhören, die Flügelkämpfe schadeten der SPD und zumindest nach aussen hin müsse man Geschlossenheit zeigen.

Doch geht es in den drei Tagen vom 13.11.09 bis 15.11.09 um die Innensicht, das Binnenverhältnis der Partei.
Genau auf einem solchen Parteitage wäre also der Raum, unterschiedliche Meinungen oder Flügelzugehörigkeiten auszutragen, ja klare inhaltliche Kante zu ziehen.
Niemand nähme dies übel, sehen doch ohnehin nur äußerst wenige Menschen außerhalb des Politikbetriebs und namentlich der SPD eine solche Zusammenkunft.
Aber genau bei solcher Gelegenheit wird darauf verwiesen, man müsse Geschlossenheit zeigen.

Mir kommt dies so vor, als sollten scharfe und schärfste Kontroversen weiterhin verhindert und vermieden werden.
Genau das ist aber das, was die SPD benötigt.

Für mich persönlich war und ist beispielsweise die Personalie Wolfgang Clement, ehemals SPD-Mitglied und "Superminister" in rot-Grüner Regierungszeit, ein Schlag ins Gesicht.
Hauptsächlich wegen der Art und Weise des Verhaltens, während eines Landtagswahlkampfes in Hessen latent verhohler Art zur Nichtwahl der eigenen Partei aufzurufen, später aus der Partei auszutreten ohne ausgeschlossen zu werden, was nach heutigem Kenntnisstand durchaus hätte passieren können und sollen, sowie des Wahlaufrufs für die FDP zur letzten Bundestagswahl.
Dies hätte nicht zuerst öffentlich, sondern breit parteiöffentlich ausgetragen werden sollen.
Beispielsweise auf Parteitagen.

Doch gab es auch damals die Order, "Flügelkämpfe" zu unterlassen.

Dies ist meiner Ansicht nach sinnfrei, eine Partei besteht aus Flügeln und dies wird auch so bleiben. Je nach Stärker innerparteilicher Gruppen setzen sich Personen in Positionskämpfen für Posten durch.
Hernach vertritt diese Person Inhalte, die mehr an die eigene, als an die spezifische Parteilinie erinnern.
Gut verkaufen und legitimieren lässt sich dies zusätzlich durch "Notwendigkeiten der Regierungsverantwortung", die Kompromisse abverlangten.

Dieses Argument ist eingänig und wurde so oft wiederholt, dass es heute für alles verwendet werden kann.
Mithin können "einfache Mitglieder" nicht einmal verifizieren, ob dem wirklich so ist oder nicht.
Weil sie das nicht können, orientieren sie sich an Parteitagsbeschlüssen und historisch gelernten Positionen aus Programmen, etc.
Hierbei gibt es dann Friktionen oder Unvereinbarkeiten festzustellen.
Dies führt zu Unverständnis und Frust; die mangelnde Nachfragemöglichkeit aufgrund fehlender Ansprechpartner und Transparenz führt zu innerer Immigration und Abwendung.

Die Wahrheit ist, dass ein "politischer Gegner" mehr und mehr auch in der eigenen Partei zu suchen ist.
Bislang wird dies wissenschaftlich eher als "Pluralismus" und "demokratisch" sowie notwendig beschrieben.
Es ist aber eine neue Situation, weniger für die Parteimitglieder oder Funktionäre und Bewerber für Posten selbst, als für Wähler und ferne Mitglieder.
So und nur so sind die teils scharfen und zunehmend öffentlichen innerparteilichen Diskussionen zu deuten, die auch mehr und mehr aus der Mitte oder "Basis" kommen.
Überspitzt kommt es mir manchmal so vor, als diene "Partei" und "übergeordnete Idee" nur noch als Band, das selbst auch nicht mehr zusammenhalten oder kaschieren kann.
Doch resultiert dies meiner Ansicht nach stark aus einem allgemeinen Selbstbetrug oder veralteter Definitionen von "Partei", "politik" und Demokratie.

Ähnlich ist es mit "dem Abgeordneten"/"dem Politiker", der "dem Allgemeinwohl" verpflichtet sei.
Viele An- und Abführungsstriche, wie man merkt. Dies zeigt, dass die subsummierende Begrifflichkeit von mir schon stark angezweifelt, fast negiert wird.

Der "Selbstbetrug" oder alte Auffassungen von Parteien sind nach dieser These tief in der Wähler- und Mitgliedschaft verankert und werden tradiert.
Veränderte Umstände, diese können kommunikativer, sozialer oder auch ökonomischer Art sein, verändern aber auch die tradierte Wahrnehmung dieses Selbstbetruges bzw. dessen Intensität.

So kritisieren viele Blogger und junge Menschen nicht nur Parteien selbst, sondern gar das gesamte politische System.
Aber gerade Parteien wären, gestaltete man sie transparenter und führte öffentlich ungeschminkten Streit, zeigte wie Personal- und Postenstreitigkeiten verlaufen, unabdingbar für Masseneinwohnerstaaten wie Deutschland.
"Freie Wähler" oder kommunalaktive "Unabhänige Listen" sind im Kern nichts anderes als Parteien, sie nennen sich nur nicht so und schreiben sich sogar die Negation dessen auf die Fahne.
Und werden u.a. dafür gewählt.

Irgendwann wird sich das tradierte Bild nicht mehr aufrecht erhalten lassen.
Dies wird zu einer Bewertungsveränderung von Parteien und Parteiendemokratie führen.
Ich gehe von einer rationelleren, kühleren, funktionalistischen aber dadurch und mittelbar auch rationaleren und positiveren Einschätzung dieser Organisationen aus.
Dies folgte dem Denken, welches Funktions- und Mandatsträger schon längst zunehmend an den Tag legen dürften.


Um es auf den Punkt zu bringen:
Ich persönlich finde Flügelkämpfe und die Sichtbarkeit derer positiv und sinnvoll, auch wenn die Politikwissenschaft immer wieder bis zum Erbrechen darauf hinweist, die Wähler wollten dieses nicht sehen, zumal nicht vor Wahlen und goutierten eher äußere Geschlossenheit.

Diese äußere Geschlossenheit ist meiner Ansicht nach aber vorbei, über kurz oder lang.