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Montag, 16. Juli 2012

[UPDATE] zaghafte Berechnungen zur Systemrelevanz #FAZ

"Somit wird die Marktstruktur verzerrt. „Die Bedeutung des Too-big-to-fail-Problems als zentraler verzerrender Faktor in der Entwicklung der Bankenmärkte vieler Länder hin zu einer vollkommen ungesunden Größe der Einzelinstitute ist gewaltig“, sagt Burghof. Eine Studie von John H. Boyd und Amanda Heitz von der Universität von Minnesota kam zu dem Ergebnis, dass die volkswirtschaftlichen Kosten des „too big to fail“-Problems die möglichen Skalenerträge durch Größenvorteile der Banken bei weitem übersteigen."

"Wenn der Fall der Zahlungsunfähigkeit einst eintreten sollte, wird es gewisse, heute als grundlegend geltende, Regeln nicht mehr geben.
Ich vergleiche das gerne mit der Enteignung der Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) zur "Rettung" einer "systemrelevanten" Bank.Damals wurde nicht eindeutig geklärt, was "systemrelevant" eigentlich bedeuten soll und sinnvolle Handhabungen abgelehnt.Was auch "Sinn" macht, wenn man das Spiel was manche spielen oder allgemein abläuft, erstens weiterhin so ablaufen lassen möchte und zweitens zu verhindern sucht, (notwendige) Maßnahmen auf dieser Basis schon heute zu ergreifen.Macht man nämlich quantitative Angaben zur "Systemrelevanz" und leitet daraus bspw. die Notwendigkeit zur "Stärkung der Eigenkapitalbasis" ab, müsste man Kreditinstitute dazu zwingen.Eine Deutsche Bank, in Hochzeiten der "Finanzmarktkrise" mit einer Bilanzsumme von 2 Billionen EUR, könnte man aus solchen Maßnahmen sicher nicht ausschließen."

Viel mehr, muss ich aus den letzten Jahren eigentlich nicht bringen.

UPDATE 17.07.12
Und heute wieder Einer, der es begriffen zu haben und auch sagen zu dürfen scheint: Herr von Bomhard:

""Ich würde alles so klein machen, dass nichts mehr too big to fail ist", das heißt zu groß zum Scheitern. Dann könnten Banken auch pleitegehen."

Und dass die "Staatsschuldenkrise" eigentlich gar keine ist, jedenfalls in den letzten zehn Jahren nicht, das darf man bei ihm auch mal so wie gesagt gelten lassen:

"Staatsschuldenkrise und Bankenkrise seien unheilvoll verknüpft und schaukelten sich gegenseitig hoch." 

Zum Rest, naja, "Schwamm drüber". 

Samstag, 10. April 2010

Griechenland, Finanzsystem und Heuchelei und Systemrelevanz

Seit geraumer Zeit wird das Beispiel Griechenland benutzt um allerorten von "Staatspleiten" zu fabulieren.

Ich möchte nun nicht auch noch darauf einstimmen, hohe Rentenzahlungen, die gemäß griechischen Bonisystems gar nicht so hoch sind, und anderes fast schelmisch zu kritisieren.
Auch nicht erneut auf den Umstand hinweisen, dass Staaten der Eurozone Staatsdefizite eben nicht durch Abwertung der eigenen Währung negieren und vermindern können.
Oder ebenso der Auffassung zustimmen, Außenhandelsungleichgewichte trügen zu solchen und anderen Problemen bei, wie dies das Blog "Wirtschaftsquerschuss" oder Albrecht Müller in den "Nachdenkseiten" oder diverser Bücher tut.

Es drängt mich hier einfach festzuhalten, mit welcher Verve und Heuchelei hier über Staaten und Völker hergezogen wird, während tiefer gehende oder schwer wiegendere Probleme nur unzureichend gewürdigt zu werden scheinen.

Ich meine so zum Beispiel die Verschuldung der USA, das "[im] Februar 2010 mit einem Defizit von -220,909 Mrd. Dollar, dass höchste jemals in einem Februar gemessene Staatshaushaltsdefizit aus[wies]"
Es steigt seit Jahren massiv an, der Balkenchart bei Wirtschaftsquerschüsse ist beängstigend, die jährlichen Einnahmen und Ausgaben geradezu grotesk.
Da fehlt schon seit längerem jeglicher Gleichlauf.
Die Staatsverschuldung kennt nur eine Richtung und verläuft exponentiell.

Was unterscheidet Griechenland von den USA?
Gewicht im Wirtschaftssystem bspw. - Nordamerika bspw. macht rund 28 Prozent, die USA 25 Prozent, am weltweiten Bruttoinlandsprodukt aus (Zahlen vom Blog Tradeinvestment); Griechenland dagegen nicht einmal 7 Prozent.
Die Zinssätze der US-Staatsanleihen, das ist der Zins, den die USA zahlen müssen, um sich weiter verschulden zu können, sint trotzdem seit Jahren.
Eine irrwitzige Veranstaltung.
Offensichtlich sind die "privaten Finanz- und Kapitalmärke" davon "überzeugt", dass die USA sich günstig refinanzieren oder aber ihre Schulden jederzeit bedienen können.

Ob dem so ist, oder nicht spielt für mich auch nicht die Rolle.
Es könnte ja auch die Erwartung einer deutlich-kompensatorischen wirtschaftlichen Entwicklung widerspiegeln.

Worum es mit geht:
Wenn der Fall der Zahlungsunfähigkeit einst eintreten sollte, wird es gewisse, heute als grundlegend geltende, Regeln nicht mehr geben.
Ich vergleiche das gerne mit der Enteignung der Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) zur "Rettung" einer "systemrelevanten" Bank.
Damals wurde nicht eindeutig geklärt, was "systemrelevant" eigentlich bedeuten soll und sinnvolle Handhabungen abgelehnt.
Was auch "Sinn" macht, wenn man das Spiel was manche spielen oder allgemein abläuft, erstens weiterhin so ablaufen lassen möchte und zweitens zu verhindern sucht, (notwendige) Maßnahmen auf dieser Basis schon heute zu ergreifen.
Macht man nämlich quantitative Angaben zur "Systemrelevanz" und leitet daraus bspw. die Notwendigkeit zur "Stärkung der Eigenkapitalbasis" ab, müsste man Kreditinstitute dazu zwingen.
Eine Deutsche Bank, in Hochzeiten der "Finanzmarktkrise" mit einer Bilanzsumme von 2 Billionen EUR, könnte man aus solchen Maßnahmen sicher nicht ausschließen.

Sollte es einst zu einer "Zahlungsunfähigkeit" kommen, welche nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben nur mehr kodifiziert werden müsste, dürfte es bei einer Mindestschwere des Problems keine "privaten Finanz- und Kapitalmärkte" mehr geben.
Daher auch meine Grundannahme, kein Staat könne im Kern "pleite gehen".
Zumindest kein Staat mit einem Mindestgewicht im internationalen (Finanz-)System.
Wie heisst der Spruch?
"Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert"?
So sehe ich auch die USA an.
Man kann das ganze ausweiten.

Seit 2003 die Aktienmärkte aufgrund der "Dotcom-bubble" zusammen brachen, wurden Zinsen gesenkt und Geldmengen ausgeweitet.
Das geht nun also schon sieben Jahre mit unterschiedlichen Ausprägungen so.
Unsere Antwort ist heute die selbe wie auch schon 2003. Die Grundprobleme scheinen mir zu wachsen.

Um es ganz klar zu sagen: Eine "Pleite" einer USA, welche einen Anteil von einem Viertel am weltweiten Wirtschaften hat, ist für mich nicht nur unvorstellbar, sondern letztlich ganz unrealistisch.
Egal was notwendig sein wird um es entweder zu verhindern, die Probleme zu verschleiern oder lösen, man wird sie unternehmen.

Die Außerkraftsetzung des "freien" internationalen Devisenhandels wäre bspw. nur ein geringer Preis.
Schon aufgrund demokratischer Prinzipien könnte es dazu kommen - so es bis dahin noch "echte" Demokratien und nicht Output-orientierte Pendants gibt.
Bis dahin sträuben wir uns, solches festzulegen oder den Akutfall festzustellen.

Eine andere Option wäre "Geldproduktion", Geldschöpfung und Kontrolle über das Geld in private Hände zu legen.
Das bedeutete mutmaßlich eine Kreditlosigkeit für sich über Gebühr verschuldende Staaten.
Allerdings ist die heute auch schon offensichtlich hohe Staatsverschuldung kein Grund für höhere Refinanzierungskosten auf den Kapitalmärkten.
Man könnte dies allein mit dem Intervenieren der nationalen, also staatlichen, Notenbanken erklären.
Wären diese privatisiert, müssten sie bei Exzessen aber ebenso eingreifen.
Und wer wäre dann der "lender of last resort"?
Wer sollte den IWF refinanzieren, wenn die USA zahlungsunfähig würden und sich auch keine neuen Mittel mehr besorgen könnten um den Fonds auszustatten, der in anderen Ländern, wie bspw. Griechenland, eingreift?
Wenn auf Geld von Steuerzahlern zurückgegriffen werden soll, gerade um Entitäten zu finanzieren, mit denen man individuell gar nichts zu tun hat, wird das auch mit Eingriffsrechten verknüpft sein müssen.
Oder es führt dazu, dass nahezu alles als "systemrelevant" deklariert wird - wünschenswert ist das nicht.

Durch die Aufhebung des Devisenhandels wäre es möglich, Währungen gegeneinander unbestimmt abwerten zu lassen und sich Schulden zu erlassen.
Fraglich ist ja auch, ob wir die bereits international angesammelten Schulden überhaupt "abzahlen" können - zumindest in heutigen Standards.

Das, was da mit Griechenland abläuft, lässt sich nur mit einem Staat machen, dessen Anteil am Welt-BIP eher gering, bzw. nicht "systemrelevant" hoch ist.
Und anstatt die eigene europäische Politik im Hinblick auf die Eurozone zu überprüfen, vertiefen und eigene Instrumente wie den einst angedachten "EWF", Europäischen Währungsfonds, zu konzipieren, werden die Bindungen zu den USA auf Umwegen erhöht: Indem man den IWF an den Kreditfinanzierungen Griechenlands beteiligt.
Und wie schwierig die Reform des IWF ist, sollte aus den letzten Jahren durchaus bekannt sein.
Ebenso Bestrebungen bspw. lateinamerikanischer Staaten eigene Währungsfonds zu gründen und aus den Eingriffen bspw. in Argentinien zu lernen.
Für die Chinesen ist solches nicht nur vorstellbar, sondern aufgrund des schwachen und durch die USA praktisch unbegrenzt abwertbaren US-Dollars zu erwarten.
Die durch Exporte überschüssigen Dollarreserven in amerikanische Aktien, wie die Citigroup, zu investieren, dürfte absehbar auch eher frustrierend sein. Allerdings erhöht es eine systemstabilisierende oder durch einen Dominoeffekt -gefährdende Interdependenz.

Die Pleite einer Bank war da nur ein Anfang, ihre doch eher "mühsame" Verstaatlichung ebenso.
Diese Diskussion wird man irgendwann nicht mehr führen müssen, sollten sich existenzielle Grundlagen nicht ändern.

Freitag, 1. Mai 2009

Was wir wieder (oder erstmals) lernen müssen

Weiland höre ich im Radio, bspw. Deutschlandradio am 01.05.09 mittags, die "Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise" habe die Menschen "überrascht" und man sei über das Ausmaß der Probleme im Finanzsystem "schockiert".

Ich gebe zu, nicht so eindringlich - weder schulisch noch anderweitig - sozialisiert worden zu sein, dass ich mir die Komplettverstaatlichung von Banken oder anderer Unternehmen forstellen bzw. ausmalen konnte.

Nach meiner Auffassung verdanken wir das Ausmaß und vorallem den teilweise vernehmbar großen Pessimismus eines ebensolchen "socialising gaps".

Im Jahr 2001, als die technology bubble zu platzen begann, war ich gezählte 16 Jahre alt und mein Wissen und Interesse für Finanz- und Kapitalmärkte mithin sehr gering ausgeprägt. Zunächst begann sehr langsam meine politische Sozialisation breite und Konsistenz zu gewinnen.
Dann kam die Zeit des - kampfbegrifflich - "marktbreiten Neoliberalismus" und der Betonung der angebotspolitischen ökonomischen Schule Friedmans und anderer.
Bis zur verhökerten US-Investmentbank Bear Stearns mutßmaßte ich zwar anhand mir bis dato zur Kenntnis gekommener Zahlen von Billionenbeiträgen an Kreditverbriefungenen und darauf in Rede stehenden Versicherungen über eine pleite zumindest des nordamerikanischen Bankensystems, doch schien mir dies eine eher unrealistische Annahme.

Eine meiner bis dato für richtig gehaltenen Aussagen war, dass wir eher ein Ende der kapitalistischen Wirtschaftsordnung als eines der aus heutiger Sicht ehemals bilanzgrößten Bank der Erde, Citigroup, sehen werden.
Aus heutiger Sicht sind die meisten großen US-Banken de facto pleite.

Dieses Bild begann dann schnell zu wackeln, als ich sah und mich quasi täglich "belustigen" konnte, was man bei Verfolgung vieler Nachrichten so erleben kann.
Da ging ein "Übernahmeangebot" für Bear Stearns für 1USD pro Aktie von JP Morgan mit Vermittlung der FED ein, was die Aktie auf 2-3USD sinken ließ. Zwei bis drei Tage wurde gemunkelt, dass gewichtige institutionelle Investoren mindestens 10USD pro Anteilsschein sehen wollten. Somit legte die Aktie bis auf etwa dieses Niveau zu.

Das ganze ging damals schnell und war nur der Auftakt für das was aus heutiger Sicht noch kommen sollte.
Aber es genügte bereits um zu erkennen, dass große Räder gedreht wurden. Da konnten einige ihr Kapital in nicht einmal einem Monat verdreifachen. Und nicht nur "einige" - theoretisch jeder, dem das 10USD-Gerücht zu Ohren kam und der es für "glaubwürdig" erachtete.

Das ist mittlerweile nur noch eine Notiz der Geschichte, mittlerweile schrumpften die USD ihre großen Investmenthäuser von 5 auf drei zusammen und selbst diese sind von reinen Investmentbanken zu Einlagenbanken geworden, um "stabilere" Kundeneinlagen generieren zu können und sich der strengeren Aufsicht zu unterwerfen.
Der US-Amerikanische Staat hält mittlerweile knapp 40% an einer Citigroup, die gesamten Anteilsscheine von Finanztiteln haben Kursstürze von teilweise 90% und mehr hinter sich um in den letzten Wochen und Monaten teilweise wieder 200% vom erniedrigten Niveau zuzulegen.
Auch hier wird deutlich, dass große, ja größte Räder gedreht werden.
Die meisten Notenbanken der Erde schleusten ihre Nominalzinsen auf historisch niedrige Niveaus hinunter, darunter die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE).
Die amerikanische Notenbank (FED) kauft mittlerweile direkt amerikanische Staatsanleihen am Markt auf.


In Deutschland erhielt die Commerzbank 18Mrd. EUR an Kapital, es ist ein offenes Geheimnis, dass dies wohl nicht genügen wird. Einige spekulieren gar über die komplette Übernahme durch den Staat.
Die HypoRealEstate ist zwar de facto, aber nicht expressis verbis, pleite. Sie wird entweder durch den Soffin per Kapitalerhöhung und Aktionärsübertrag übernommen oder verstaatlicht.
Die meisten Landesbanken wären ohne Staatshilfen ebenso bankrott.

Da wurde vor nicht allzulanger Zeit geprägt, dass Markt vor Staat ginge, und letzterer ohnehin wenig in der Wirtschaft zu suchen habe.
Ich muss ehrlich zugeben: Ich habe es aus fundamental-ideologischer Position nicht "geblaubt" oder "mitgewusst", allerdings sind die jetztigen Ereignisse auch eine "neue Qualität" für mich persönlich.

Hier wird vermutlich die Richtigkeit einer weitläufigeren These deutlich: Wer noch keinen Krieg erlebte, weiß eben nicht, wie es darin "ist".

In atemberaubender Geschwindigkeit wurden "alte Dogmen" oder zumindest frühere Antworten aufgegeben und gestrichen.
Wir sehen so fundamentale Umwürfe und Änderungen im Bestehenden, dass ein ganzes Leben vermutlich nicht ausreicht um sie ausreichend zu betrachten.

Da kommt das Wort "Systemrelevanz" oder "systemrelevant" auf.
Ich verstand Marktwirtschft, auch die "soziale", bislang so, dass jeder Marktteilnehmer, der sich nicht an die Spielregeln und Mindesterfordernisse des Marktes hält, von ebendiesem "verschwinden" - also konkurs - gehen müsse.

Das heisst, dass aus dieser Perspektive bereits die schiere Existenz eines oder mehrerer "systemrelevanter" Unternehmen nicht nur eine Aufgabe der Marktwirtschaft und des Gedankens selbst, sondern auch eine Selbstaufgabe der Befürworter und Kleinredner darstellt.
Aber dem ist nicht so.
Ganz im Gegenteil, werden Einstiege, Staatskapital und befürwortete "Fusionen" heute als standortpolitisch "sinnvoll" deklariert.

Das Problem ist nur: Es KANN nicht beides geben, wenn man es konsequent zuende denkt.

Natürlich kann man sagen, es sei ein "Unfall", das Finanzsystem müsse nun eben staatlich gesichert und dann reprivatisiert werden. Ob man dem folgt oder nicht, ist dann trotzdem noch nichts über die fundamentale Problematik des Ganzen geurteilt.

Hätte ich die Weltkriege miterlebt, oder die Asien- bzw. Ölkrisen bewusst wahrgenommen, hätte ich es womöglich von vorne herein in meine Überlegungen einkalkulieren können, dass Finanz- und Bankenkrisen nuneinmal zu diesem Kapitalismus gehören. Das ist ja nun auch unstrittig.
Die "Rettung" und Refinanzierung allerdings weiter Teile des Systems, die oben nur zart angedeuteten Zwischenprofite einiger Marktteilnehmer die ein großes Rad drehen (können), hatte ich so nicht kommen sehen.


Vermutlich ist dies das "socialisation ~" bzw. "generation gap" und jede Generation oder Generationen machen diesbezüglich neue Erfahrungen und lernen eigentlich von früher fundamental bekanntes immer wieder neu und sind analog immer wieder neu "schockiert".

Die Schul- und Erwachsenenbildung hat auf solche, sicher nur sehr gering-zahlig vorkommende Phänomene, keinerlei Antwort.

Apropos: Die sogenannte "Schweinegrippe", "Mexiko-Grippe", "Amerikanische Grippe", "swine flu", oder welchen Namen man nebst des gehaltlosen EU-Vorschlages "Neue Grippe" man denn nutzen möchte, kann ebenso zur Illustration des Gedankens beitragen.

Da höre ich ein Interview mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) im Deutschlandradio und für mich als Hörer ergab sich nach der Frage, ob es evtl. Reisesperrungen von und nach Deutschland bzw. die Infektionsgebiete geben kann und wird, das Bild einer bemüht-verneinenden Ministerin.
Dies könne ein Staat nicht oder nur sehr schwer tun und die Zeit sei auch noch nicht reif, so sinngemäß.

Nun erinnert mich das "das kann ein Staat nicht tun" fast "fatal" an die "Finanzmarktkrise" und die darauf folgenden massiven Konjunkturprogrammen, Staatsausgaben und Bankenverstaatlichungen.
Ich beschrieb das in einem meiner Beiträge einmal mit der Formel, der "Marktradikalismus" würde vom "Staatsradikalismus" abgelöst.
Ich möchte das keineswegs verfassungs- oder per se intendiert freiheitsfeindlich bewertet wissen.
Mir geht es einzig darum, zu erkennen, dass gestern geäußerte "Grenze" bereits morgen wie etwas disponibles verschoben wird.

Um es ganz klar zu sagen: Um eine Pandemie - was es nach Äußerungen der WHO noch nicht gibt - wirksam "einzudämmen" dürften Maßnahmen des Protektionismus nicht nur unumgänglich, sondern auch sinnvoll sein.
Zeitlich beschränkte Anflugverbote von Hochrisikogebieten und strenger Kontrolle von rückkehrenden Passagieren kann die Enschleppung und Übertragung zumindest zeitlich hinausschieben.
Solche Maßnahmen sind auch durchaus vorstellbar.
Vielleicht nicht bei der aktuellen "Influenza A/H1N1". Womöglich ebbt diese Hysterie ebenso schnell ab wie BSE, SARS oder die Vogelgrippe.
Wissenschaftler sind sich allerdings nahezu "einig", dass es irgendwann ein größeres, pandemisch hochtoxisches Virus geben wird. Wann und welches das sein wird ist unklar, aber für den Gedankengang auch unwichtig.

Sollte es aber dazu kommen, dann wird nicht mehr die Frage sein, ob man oben genanntes tut. Sondern nur, wie intensiv. Der genannte Staatsradikalismus kennt nur die wichtigsten und in höchstem Gesetzesrang kodifizierten Rechte wie StGB oder das Grundgesetz. Alles andere lässt sich sinnvollerweise durch Mehrheitsentscheidungen schnell ändern.
Und wir machen und machten uns bis dato keine Vorstellungen, was wann wie schnell geändert werden kann und werden wird, so es für notwendig erachtet würde.

In diesem Sinne und vor dem Hintergrund der sog. "Finanzmarktkrise" betrachte ich Äußerungen wie die Ulla Schmidts mittlerweile mit einem "Lächeln".