Posts mit dem Label Fussball werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fussball werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 17. Mai 2012

Kritik an Sportveranstaltungen, #Fussball #EM oder #WM, nicht nur anhand #Timoschenko notwendig


Man muss sich nicht auf die aktuell im Fokus stehende mediale Berichterstattung um Julia Timoschenko und die Ukraine beziehen um Kritik an Sportveranstaltungen, Vergabeverfahren und gesellschaftlichen Folgen zu äußern.

Laut ZEITOnline kosten die Stadien, Autobahnen und Flughäfen die Ukraine rund "25 Milliarden Dollar; dies habe "einen Bauboom ausgelöst".
Weiter unten nennt der Artikel eine Quote von 50 Prozent, welche vom ukrainischen Staat zu tragen sei.
Es regt sich aber anscheinend niemand darüber auf, dass das Land schon vor WM und Finanzmarkt- und Bankenkrise verschuldet war und seit geraumer Zeit Hilfen aus Systemen des IWF bezieht.
Auch wenn die "Vorbereitungen", Stand Juni 2011, "mit 9 Mrd. Euro zu Buche" schlugen, blieb der von der Bevölkerung erwartete Modernisierungsschub aus.
Niemanden scheint auch die recht große Korruption und Intransparenz zu interessieren - viele Politiker sind mit Firmen verstrickt, die Staatsaufträge ausführen, welche vorher genannte Projekte an die Firmen vergaben.
Stadien werden teils um das vier- oder fünffache teurer als vorher geplant oder als bspw. deutsche vergleichbare Stadien mit in Deutschland höheren Lohn- und Gehaltsniveaus, wie auch bürokratischer Hürden.

Steigende Baukosten waren auch bei der WM 2010 in Südafrika ein Problem, welche aber mit zunehmender Zeit und Heranrücken des Turniers "in den Hintergrund rückten". Die Arbeiter konnten ihre Familien mit dem am Bau gezahlten Mindestlohn von 1,50 Euro "kaum ernähren".
Glaubt man N-TV, so kostete "der Eintritt zu einem Länderspiel zwischen Südafrika und Kolumbien vor der WM [...] im Schnitt 40 Rand, das sind etwa vier Euro.".
Es musste vor der WM also mehr als das doppelte des für den späteren Stadionbau gezahlten Stunden-Mindestlohns ausgegeben werden. "Die Einzelspiele [der WM; d.V.] werden bis zu 650 Euro kosten. Dagegen steht ein Wochenlohn von durchschnittlich 60 Euro für einen Bauarbeiter."

Wo bleibt da der "Boom", wo bleibt da der "Wohlstand für Alle"?
Allerdings mutet das auch im Sinne eines "günstigen Infrastrukturaufbaus" als Absicht an: "wenngleich die Investition im internationalen Vergleich aufgrund der geringen Arbeitslöhne in Südafrika außerordentlich preiswert ausfällt.".
Laut DIW "liegt mehr als ein Fünftel der Südafrikaner mit einem Monatseinkommen von knapp 250 Rand (weniger als 30 Euro) unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.".
Die Einnahmen der FIFA von 2,2 Milliarden Dollar überstiegen auch in Südafrika die ursprünglich veranschlagten Stadion-Neubaukosten, wiewohl "ein Papier" die Bilanz anders darstellt: "Nach einem Papier der Regierung hat das Turnier den Staat Südafrika rund 33,7 Milliarden Rand – etwa 3,4 Milliarden Euro – gekostet. Dem stehen offiziell Einnahmen von 38 Milliarden Ran (rund 3,8 Milliarden Euro) gegenüber.".

Einen hohen Anteil an Produktion und Wertschöpfung dürften deutsche und internationale Unternehmen eingestrichen haben. Wie das den südafrikanischen Unternehmen nutzen soll, bleibt unklar.

Zentral nicht nur in Südafrika:
'"Wir hoffen, dass es keine Weißen Elefanten gibt"', sagt DFB-Schatzmeister und Südafrikas WM-Berater Horst R. Schmidt mit Blick auf die nach den beiden vergangenen EM-Turnieren regelrecht verwaisten Stadien in Portugal oder Österreich."
Damit verweist dieses Zitat auf nicht nur in Südafrika möglicherweise verwaisende Stadien, sondern stellt dies auch aus Sicht des eigentlich sport- und bauaffinen Deutschen Fussball Bundes (DFB) dar.
Die FIFA verweist andererseits auf "selbsttragende Geschäfte", in denen die in Südafrika gebauten Stadien nun funktionierten.
N-TV schreibt diesbezüglich andererseits, dass, Stand Juli 2010, "für fast jedes der zehn WM-Stadien [...] ein Konzept [fehlt; d.V.] , das eine tragbare Nachnutzung garantiert".
Auch für den 2013 stattfindenden "Afrika-Cup" werden kaum Stadien aus dem WM-Jahr 2010 genutzt.
Geht man dann davon aus, dass Zuschauer des Fussballs nicht besonders zahlungskräftig und -freudig sind und die jährlichen Unterhaltungskosten bei 150 Millionen Euro liegen, dürfte die Masse der Kosten beim Staat bzw. Steuerzahler hängen bleiben.
Das alles war recht frühzeitig bekannt und erwartbar; so wurde u.a. die Einkommenssteuer erhöht bzw. gesetzliche Grundlagen dafür geschaffen - und "neue Schulden".
Nicht nur das: Es wurde sogar diskutiert, die vor der WM großdimensionierten Stadien, welche unter Mitteleinsatz erbaut werden mussten, durch erneuten Mitteleinsatz zu verkleinern.

Weshalb dann nicht gleich geringer planen und dimensionieren? Wo sind da die Belange des Staates und der Menschen Südafrikas? Das Fazit wird vom DIW gleich selbst gezogen: "Sicherlich kann man über die kurzfristigen Verteilungseffekte streiten, die von der WM in Südafrika ausgehen. Es profitieren im Wesentlichen die Wohlhabenden – meist Weiße. Die Stadien sind überdimensioniert und tragen kaum zur Entwicklung unterentwickelter Gegenden bei.".

Glaubt man folgend der Einlassung Blatters, kein europäisches Land verfüge über "solch gute Arenen wie Südafrika", hätte kein weiteres Fussball-Ereignis nach Europa vergeben werden dürfen. Schließlich wurden weder in Polen noch der Ukraine überall neue Stadien gebaut, sondern ältere durchaus restauriert.


Sozialwissenschaftler bezweifelten schon zeitnah die angeblich positiven wirtschaftlichen Folgen der WM und des Infrastrukturaufbaus: '"Einige Südafrikaner profitieren sicherlich, die Bauindustrie und die großen Unternehmen, die die WM sponsern"'.
Auch in anderen Staaten sind wirtschaftlich positive Folgen keineswegs unumstritten. So "bewertet Wolfgang Maennig [...]" die "[...] wirtschaftlichen Effekte [der WM 2006 in Deutschland; d.V.] eher skeptisch". Sein Fazit: „Kurzfristig sind keine positiven Einkommens- und Beschäftigungseffekte von solchen Mega-Events zu erwarten“.
Wieso sollte das in der Ukraine anders sein?

Wer weitere Munition für Kritik an Vergaben und solchen Sportveranstaltungen sucht, der sollte nur die Augen und Ohren öffnen.
So "wurde eine Schule nahe eines Armenviertels geschlossen, um sie für Büroräume zum Stadionbau zu nutzen." - geschehen in Südafrika.
In Südafika und der Ukraine wurden bzw. werden Schulden gemacht um Infrastruktur zu finanzieren. In Deutschland polemisiert man immernoch, dies seien unsinnige Ausgaben für "Beton" statt "Köpfe".
Hier wurden schuldenfinanzierte Programme absichtlich genutzt eine Infrastruktur mithilfe der WM auf- und auszubauen.
Im Gegensatz zu dieser Schuldenfinanzierung wurden vom "Stadtrat von Johannesburg [...] beispielsweise wegen Überschreitung der Baukosten seinen Haushalt um über 90 Millionen Euro gekürzt".

Ob die damals eingerichteten "Schnellgerichte" immer so sinnvoll und rechtsstaatlich gewesen sind, darf bezweifelt werden - vielleicht sollte man solche Sportveranstaltungen einfach nicht in Länder vergeben, die ohnehin schon Probleme mit Genese und Aufrechterhaltung einer Ordnung und Justiz beklagen.
Selbst das arbeitgebernahe "Institut der Deutschen Wirtschaft", DIW, stellt fest, "Der gesamtwirtschaftliche Nutzen  der  Fußballweltmeisterschaften" sei "umstritten. Es sei "keineswegs gewiss, dass sich die Austragung einer FIFA-WM für das Austragungsland (im Gegensatz zur FIFA)  finanziell und insgesamt ökonomisch lohnt.".
Menschen in Südafrika wurden "Hals über Kopf" aus ihren Häusern in "Wellblechbaracken" befördert und wagen aus Angst und aufgrund Repressionen verständlicherweise nicht zu protestieren - Entschädigungen gibt es kaum. "Jeweils vier Bewohner müssen sich Wascheinrichtungen, Toilette und einen Wasserhahn teilen. Der Ort liegt weit entfernt von den Arbeitsplätzen der Leute, und die Verkehrsanbindung ist schlecht. Viele der Bewohner leiden unter HIV/Aids, können aber keine Klinik aufsuchen. In der südafrikanischen Presse wurden diese eingezäunten und polizeilich bewachten Gebiete bereits als Konzentrationslager bezeichnet.".

Und das sind nur einige, wenige, Anhaltspunkte für grundsätzlichere Kritik an Veraben, Ausrichtungen und Sportveranstaltungen als solcher, nebst aktueller Timoschenko-Empörung.
Alles nicht neu - es interessiert nur kaum jemanden.

Dienstag, 8. Mai 2012

So neu sind die Empörungen über #Timoschenko wohl auch nicht #ukraine #politik

Irgendwie mutet die mediale Vermittlung und veröffentlichte Meinung um Julia Timoschenko, ihres Zeichens ehemalige Ministerpräsidentin der Ukraine, unfreiwillig "komisch" an.
Verurteilt wurde sie schon im Jahre 2011 und schon damals waren die öffentlichen Reaktionen und Berichterstattungen von den Aussagen der Verurteilten geprägt, sie werde als "politisches Opfer" behandelt bzw. sei dies ein Versuch eine bekannte Oppositionelle mundtot zu machen.
Aussagen der Gerichtsbarkeit oder Anklage wurden kaum zitiert.

Am 09. Dezember titelte die BILD-Zeitung von "Horror-Fotos", die angeblich niemals jemand hätte sehen sollen.
Wieder werden "Timoschenko-nahe" Quellen zitiert:
"Ihr Anwalt Serhij Vlasenko, der sie fast täglich besucht, beschreibt einen kalten, feuchten Raum (14 Grad Celsius), kaum mehr als 10 Quadratmeter groß. Ein Bett, ein winziges Fenster mit dicken Gitterstäben. Warmes Wasser gibt es nicht." 
Und schon damals wurde davon gesprochen, "kein Arzt" werde zu ihr gelassen, dafür würde sie ständig verhört.
Also genau die An- und Vorwürfe die nun angeblich so ausmaßig und groß sein sollen, dass auch symbolischste Handlungen wie ministeriale Teilnahmeverzichte an Sportveranstaltungen, wie der Fussball-Europameisterschaft in der Ukraine und Polen 2012, geprüft und vorgeschlagen werden.
Zwar sei die Absage Gaucks laut ukrainischer Diplomaten "längst bekannt" gewesen, viel wert wurde aber auf die Vermittlung des Eindrucks gelegt, dies sei eine pro-freiheitliche Entscheidung Gaucks. die SPD unter Steinmeier lobte den Bundespräsidenten dann auch sogleich für die schnelle Reaktion und Umsetzung seiner Theorien und Aussagen zur "Freiheit" in praktische Handlungen.
Der FDP hätte man heute in ähnlicher Position etwas entgegen gehalten wie, eine "Nicht-Handlung" oder Nicht-Teilnahme sei keine politische Aussage. Aber der FDP wirft man momentan auch noch den umöglichsten Unsinn vor.
Im Hinblick auf Gaucks "Absage" wird die andersartige Interpretation indirekt eingeräumt wenn es heisst
"Im Präsidialamt wird darauf hingewiesen, dass die Teilnahme Gaucks an dem Treffen nie zugesagt war."
Das Jalta-Treffen bzw. dessen Absage sollte daher nicht mit dem Gesundheitszustand Timoschenkos allein in Verbindung gebracht werden. Bezeichnenderweise war in gleicher Quelle zum damaligen Zeitpunkt angeblich noch nicht entschieden, ob das nun allerorten, bspw. vom wahlkämpfenden Umweltminister Röttgen, CDU, geforderte "politische Signal", von Gauck überhaupt gesendet werden wird.

Während mit der angeblichen "Absage" Joachim Gaucks, die schon länger bekannt war und das Thema gar nicht traf, etwas ins Rollen kam, scheinen einige mal wieder den Fussball für eigene Profilierungsversuche auserkoren zu haben.
Gerade Fussball garantiert fast Schlagzeilen und Fotos auf Titelblättern großer deutscher Zeitungen, bspw. der BILD. Dieselbe Zeitung titelt später zwei Mal von "Betonköpfen" oder einem "Betonkopf" und meint damit Ministerpräsident Janukowitsch.

Die angeblichen Anlässe aktueller "Empörungen" waren aber schon seit längerem bekannt und unterliefen die politische und mediale Arena mehr oder minder: Der angeblich politische Prozess, welcher so immer von Timoschenko und ihren Anhängern dargetan und von anderen nicht merkbar kritisch hinterfragt wurde und ihre schlechte ärztliche Behandlung.
"Erkrankt" war sie laut Tagesschau schon im Dezember letzten Jahres - bei den Haftbedingungen auch kein Wunder möchte man meinen. Wiederum 2011 titelte SPON von "schwerer Erkrankung" Timoschenkos und bezog sich auf "Behördeninformationen". Später musste die Charite versichern, sie sei "ernsthaft" erkrankt und es wurde über "mysteriöse Flecken" der "Schönen" spekuliert.
Innenminister Friedrich wolle nach eigenen Aussagen erst dann zur EM fahren, wenn er sich selbst ein Bild vom Zustand der Insassin machen könne. Was das nach den Besuchen der "Behördenvertreter" (SPON) sowie "Ärzte[n] aus Deutschland und Kanada" bringen soll, ist unklar. Und auch die Vorwürfe nicht vollständiger Untersuchungen wurden schon kurz nach Urteilsfällung vom Anwalt erhoben (s.o.).

Des Weiteren wäre zu fragen, was Boykotte überhaupt bringen könnten, zumal nicht davon auszugehen ist, dass sich alle anschließen. Selbst wenn das der Fall wäre, bliebe nichts anderes als ein "politisches Signal" übrig, da man der Ukraine wohl kaum noch mit Verlegung der EM oder politischen bzw. wirtschaftlichen Sanktionen drohen will. Gerade im Hinblick auf die anderen mittel-osteuropäischen Staaten wie Polen, die an sinnvollen Beziehungen zur Ukraine auch über die Sportveranstaltungen hinaus interessiert sind.
Überhaupt gibt es für solche Belange einen innereuropäischen Koordinierungsprozess mit Abkommen, Verträgen, Assoziationsvereinbarungen, etc. Und solches wurde bereits genutzt, als Ende Dezember auf eine Ratifikation verzichtet wurde. Bis dato gilt das alte Partnerschaftsabkommen fort. Dabei gilt nur die Ratifikation als "aufgeschoben" aber weder "aufgehoben", noch soll inhaltich bisher neuverhandelt werden.
"Die Verhandlungen wurden bereits Ende vorigen Jahres abgeschlossen. Die Paraphierung ist im Völkerrecht nicht mehr als eine Bestätigung des Verhandlungsergebnisses, dem dann Unterschrift und Ratifikation folgen müssen. In Brüssel war von einem „technischen Schritt“ die Rede."

Ob dieser "Druck" ausreichte um Timoschenkos Haftbedingungen prüfen oder den Prozess neu verhandeln zu lassen ist fraglich; sinnvoller als sehr offensichtliche Proteste durch EM-Teilnahmeabsagen ist er sicher.
Denn der EU kann nicht daran gelegen sein, dass sich die Ukraine stärker Richtung Russland orientiert.
Man sitzt also "fest" und kann sich nicht so frei bewegen, wie es anhand solcher "Symbole" beschrieben werden soll: "Sachzwänge" und "internationale Beziehungen" könnte man das mal wieder nennen:
"Die Präambel des Assoziierungsabkommens spiegelt die Unterstützung der Entscheidung der Ukraine zugunsten Europas durch die EU wider. Die Union hat anerkannt, dass die Ukraine ein Teil der europäischen Identität ist und nach europäischen Werten handelt."

Und wenn die Minister nicht in die Ukraine, sondern nur nach Polen, fliegen, spart sich die Bundesrepublik Steuergelder.

Montag, 25. Mai 2009

Anspruch und Bundesligafussball

"Anspruch" ist ein weiterer Feind der Leistung".

Klingt zunächst Paradox, da Anspruch - so er auf rationaler Abwägung und somit wiederum auf vergangener Leistung beruht - eine Triebfeder für weitere, zukünftige oder spätere Leistung sein sollte/könnte.
Allerdings resultiert ein "Anspruch" wie er hier gemeint sein soll, meist auf Erreichtem, also einer wie auch immer gearteten "Leistung" individueller oder kollektiver Art.

Dies ist eine Vergangenheitsbetrachtung, deren Erfahrungen in die Gegenwart und Zukunft projiziert werden.

Daraus entstehen Erwartungen, bzw. sind diese sofort mit einem Anspruch verknüpft. Diese Erwartungen wiederum basieren auf vergangenem, erlerntem und Musterprägungen. Wiederum eine Vergangenheitskomponente die in die Gegenwart und Zukunft projiziert wird.

Hier wird es schon diffiziler: Ein Anspruch kann überzogen sein und auf falschen oder mangelhaft gelernten Vergangenheitsereignissen basieren.
Dies gilt für positive oder negative Ereignisse, obleich positive wohl eher anspruchhebend wirken dürften.

"Erwartungen" allerdings werden "gemessen", bzw. dienen sie als "Vereinbarungen" teilweise sogar in Verträgen als Hilfsmittel zur Bewertung einer Ziel-Mittel-Rationalität und Bewertung einer Leistung.

Die Bewertung einer zukünftigen Leistung hängt also von der Bewertung früherer Erfahrungen oder Ereignisse ab.

Wenn "die Ansprüche" zu hoch werden oder zumindest darauf zielen, bisherige Leistungen und Ereignisse zu verstetigen, lassen sie die "Zeitkontingenz" sowie viele andere Begleitumstände, die möglicherweise damals zu der erzielten Leistung beitrugen, außer Acht.
Um diese Erhaltung oder LEistungsverbesserung zu erreichen, wären womöglich aus späterer Betrachtung Umbrüche, "Krisen" als Chance zur Änderung oder Investitionen notwendig.
Diese bleiben aufgrund einer Vergangenheitsbewertung und der Tendenz von Menschen auf kurzfristige "Rendite" zu achten, aber tendenziell aus.

Damit wird eine gewollte Leistungserzielung unwahrscheinlicher.


Mein akutes Rekurrat diesbezüglich bezieht sich auf den für einige anscheinend unverständlichen Wechsel Felix Maggath's von einem frisch-gebackenen Meister der deutschen Fussball-Bundesliga und Teilnehmer der Championsleague mit weitgehenden Kompetenzen als Trainer und Manager zu einer Mannschaft die deutlich hinter dem aktuellen Platz steht und nicht an der Championsleague teilnehmen wird.

Stellt sich die Frage, weshalb er das tut.

Finanziell dürfte er in Gelsenkirchen, bei seinem zukünftigen Verein Schalke04, mehr verdienen können als beim VFL Wolfsburg. Ob ich dies als Hauptgrund sehen soll, erschließt sich mir nicht. Ich bin zumindest skeptisch, da ich die Vertragseinzelheiten nicht kenne.

Mein bester Ansatz ist derzeit oben beschriebenes Anspruchsdenken.

Den VFL Wolfsburg hatte zumindest ich vor der Saison nicht als Meisterschaftskandidat auf der Rechnung, obgleich das Team durchaus für einen oberen Mittelplatz gut sein musste.
Nun wurde das Team Meister und wird in der Championsleague antreten.

Davon ausgehend sollte sich der Anspruch an die Mannschaft, die Umgebung und nicht zuletzt den Trainer und Manager erhöhen.
Sei es nicht zuletzt der Anspruch, diese Erfolge zu verstetigen und gar zu wiederholen.
Allerdings ist fraglich ob die Mannschaft diesen Erfolg in der kommenden Saison wiederholen kann und wird.
Im Allgemeinen scheint es besser zu sein, als angesehener Trainer/Manager zu einem weniger angesehenen Team zu wechseln und dort die eigenen Vorstellungen anzubringen, schließlich kann man dem Personal/Verein quasi "diktieren" was notwendig wäre/wird um den selben Erfolg bei dem neuen Arbeitgeber zu erzielen.
Der neue Verein dürfte Interesse an einem solchen "Erfolgstrainer" haben, ist Maggath durch Meistertitel beim FC Bayern München u.a. kein unbeschriebenes Blatt.
Da der Verein nachdemselben Erfolg strebt und streben muss, da auch ihm Geldgeber und Finanziers zur Refinanzierung im Nacken sitzen, dürfte die Neigung relativ zum Status Quo bei Wolfsburg relativ groß sein, einen "Schnitt" zu machen, die Mannschaft auf die "Wünsche" des Trainers auszurichten, ebenso das Management und Geld für neue oder "gewünscht-notwendige" Spieler aufzubringen.
Bei Wolfsburg könnte die Argumentation vorherrschen, Maggath möge doch mit demselben Personal, dass jetzt so gut funktionierte und erfolgreich war, auch zumindest dieses Niveau halten.
Im Allgemeinen scheinen unpopuläre Maßnahmen in Krisenzeiten leichter durchsetzbar; und davon kann man derzeit wohl eher bei Schalke04 als beim VFL Wolfsburg sprechen.

Vielleicht ist Maggath auch ein Mann, der Interesse daran hat, Mannschaften aufzubauen, statt den Status Quo zu verwalten, dies allerdings ist eine subjektive Erwägung, die er bestenfalls selbst bestätigen könnte.

Wie auch immer, bei diesem Transfer gilt ähnliches wie beim Klinsmann-Wechsel zum FC Bayern München: Entweder es läuft erste Sahne und Maggath bleibt der gemachte Mann oder kann gar noch an Anerkennung zulegen, gelänge ihm ähnliches mit dem neuen Verein.
Oder die Erfolge bleiben aus und es erfolgt eine Trennung. Bei Klinsmann konnte man schön sehen, wie schnell ein ehemaliger "Messias" in Ungnade fallen kann und dann auch noch die letzten Kritiker, die einstmals teilweise auch laute Befürworter waren, aus den Löchern krochen und es schon immer gewusst haben wollen.

Es hängt auch vieles davon ab, ob die Vereins- und Einflussstrukturen der beiden Vereine wenigstens ausreichend ähnliches zueinander sind.
Beim VFL Wolfsburg scheint Maggath ja ein anfangs eher ruhiges und ihn stützendes Umfeld gehabt zu haben; seine Kompetenz- und Machtfülle erleichterte ihm das Arbeiten.
Bei Schalke04 habe ich seit geraumer Zeit eine gegenteilige Auffassung: Da sind nach meiner Beobachtung Leute im öffentlichkeitswirksamen Bereich tätig, die dort gar nichts zu suchen haben sollten, weil es entweder nicht ihre Aufgabe ist oder sie schlicht inkompentent sind.
Zuletzt fiel mir das auf, als ich einen Artikel in der Financial Times Deutschland über ein Interview eines höhererrangigen Vereinsmitgliedes, mit nicht wenig Einfluss, las und auch für den unbedarften und entfernten Leser deutlich werden konnte, dass der Trainer quasi zur Disposition gestellt wurde.

Man wird jedenfalls gespannt sein dürfen.

Und noch eines, auch wenn das nicht zum Thema passt und dazu noch ein anderer Eintrag folgen wird: Ich erwarte von Borussia Dortmund in den kommenden Jahren einiges, halte sie für einen realistischen Titelanwärter der sich schon seit ein paar Jahren konsolidiert.